Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Yann Demange

64. Berlinale (II): „Two Men in Town“ und „’71“

Gestern standen eher zwei „leichte“ Filme, Wes Andersons Budapest Hotel mit großem Staraufgebot und phantastischen Bildtableaus, sowie eine Dokumentation über das Kunsthistorische Museum in Wien auf dem Programm. Heute gab es mit den beiden Wettbewerbsbeiträgen „La voie de l’ennemi (Two Men in Town)“ von Rachid Bouchareb, der im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko spielt und mit „’71“ von Yann Demange, der 1971 während des Nordirland-Konflikts in Belfast spielt, schwere Kost.

"Berlinale-Plakat", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Berlinale-Plakat“, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

In beiden Filmen geraten die jeweiligen Protagonisten zwischen die Fronten. In Two Men in Town ringen ein alter Komplize, der wieder Geschäfte machen möchte, eine wohlgesinnte Bewährungshelferin und der auf Vergeltung sinnende Sheriff (Harvey Keitel) um den nach 18 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis entlassenen Polizistenmörder William Garnett (Forest Whitaker); es geht um die jeweiligen Pole Macht und Missbrauch sowie Versöhnung und Rache.

Unter diesen Bedingungen muss die Resozialisierung von Garnett scheitern. „Den Darstellern hätte man ein besseres Drehbuch gewünscht, sie machen ihre Sache sehr gut“ [Der Tagesspiegel]; auch der Kameramann hat beste Arbeit geleistet, allein die fotografischen Aufnahmen der Wüstenlandschaft New Mexicos lohnen den Besuch des Films. Und den altbekannten Fragen darf man sich ruhig immer wieder einmal stellen.

In „’71“ wird der junge Rekrut Gary (Jack O’Connel) bei einem Einsatz in Belfast von seiner Einheit getrennt und von bewaffneten irischen Nationalisten gejagt. Demange „zeigt Belfast als einen Ort, an dem sich konfessionelle Abgrenzung längst zur Mordlust ausgewachsen hat und das Gesetz der Vergeltung herrscht“ [Der Tagesspiegel].

Gewalt und Panik sind für den zeitlich synchron miterlebenden Zuschauer kaum noch erträglich; der Blick senkt sich mehrmals unwillkürlich gen Boden. Fazit: Die Protagonisten beider Filme scheitern entweder an ihrer Vergangenheit oder an dem verordneten Schweigen innerhalb der militärischen Hierarchie und dem Irrsinn eines Konfessionskrieges in Friedenszeiten. www.berlinale.de