Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Wong Kar Wai

Ein Liebesgefecht zwischen Mann und Frau im neuen Film „Grandmaster“ von Wong Kar-Wai

Kung Fu – Zwei Worte, waagerecht und senkrecht; nur der gewinnt der stehen bleibt (wenn alle anderen am Boden liegen)

"Die fliegenden Menschen" (Tomás Saraceno: Cloud Cities), Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Die fliegenden Menschen“ (Tomás Saraceno: Cloud Cities), Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Wong Kar-Wai setzt in seinem aktuell in den Kinos laufenden Martial-Arts-Film die Biografie von Ip Man (Tony Leung), dem Kung-Fu-Lehrer von Bruce Lee, in Szene. Die Geschichte erzählt von Ip Man, der durch seinen Widerstand gegen die Japaner in China zum Volkshelden wurde und von seiner romantischen, aber unmöglichen Liebe zu Gong Er (Zhang Ziyi).

Der Film eröffnete wenige Tage nach seiner endgültigen Fertigstellung (und nach einer Drehdauer von einigen Jahren) die diesjährigen Berliner Filmfestspiele.

Die Bilder des Films wird man nicht so schnell vergessen: Die Kämpfe im Schneetreiben und nächtlichen Regen sind aber nicht Wong Kar-Wais eigentliches Anliegen, sondern Stimmung, Sinnlichkeit und Sehnsucht. In den 123 Minuten wird nicht in der realen Welt gekämpft, sondern in den Gefühlsbereichen der Akteure. Die Außenräume sind deshalb auch nur schemenhaft auszumachen.

Hier wird Martial Arts ästhetisch zum Ballett in Zeitlupe stilisiert. Kaum Gewalt, nur ein einziger Tropfen Blut fällt in extremer Zeitlupe in Großaufnahme in eine Wasserpfütze. Der Film wird nicht das große Publikum finden: Für Zartbesaitete gibt es zu viel Kampf, der durch die Zeitlupe monoton wirken kann und für die Action-Fans ist der Film zu harmlos.

Ganz am Ende erinnern sich die beiden unglücklich verliebten Kampfkünstler an ihre Kindheit, an ihre ersten Übungsstunden beim Meister bzw. beim Vater. Die Möglichkeit der Liebe ist vorhanden, aber sie erfüllt sich nicht, wie in allen Filmen von Wong Kar-Wai. Ein großer, sehenswerter Kampfkunst-Kunst-Film, natürlich wieder mit der Musik von Shigeru Umebayashi. Trailer

Berlinale (I): Die 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin starten mit Wong Kar Wais „The Grandmaster“

"Der Berlinale-Palast", Foto © Friedhelm Denkeler
„Der Berlinale-Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler

Heute Abend wird die Berlinale mit dem Kung-Fu-Epos „The Grandmaster“ von Wong Kar Wai, der gleichzeitig der diesjährige Jurypräsident ist, eröffnet. Der Film läuft außer Konkurrenz. Karten für den Eröffnungsfilm gelangen naturgemäß nicht in den freien Verkauf. Aber zu „Ehren“ des diesjährigen Jurypräsidenten und weil der Film alsbald im Kino zu sehen sein wird, habe ich die Filmmusik aus Wong Kar Wais Film „2046“ aus dem Jahr 2004 herausgesucht:

Shigeru Umebayashi: „2046 Main Theme“.

Das Stück gehört zu meinen Lieblings-Filmkompositionen. Bevor Shigeru Umebayashi Filmkomponist wurde, war er der Frontmann einer japanischen Rockband (daher habe ich diesen Beitrag auch in die Rubrik „Rockarchiv“ eingestuft). Es existiert noch eine weitere Version dieses Titels „2046 Main Theme (Rumba Version)“ .

Außerhalb Asiens ist Umebayashi hauptsächlich durch seine Zusammenarbeit mit Wong Kar Wai bekannt geworden.

Ob über alle Filme, die wir uns in den nächsten acht Tagen ansehen wollen, berichtet wird, bleibt abzuwarten. Ein Blick in das „Journal“ zur Berlinale-Zeit kann nie schaden. www.berlinale.de