Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Wang Quan’an

Wang Quan’an mit „White Deer Plain (Bay Lu Yuan)“ (Volksrepublik China 2011, im Wettbewerb)

"Wang Quan’an auf der Bühne des Berlinale-Palastes bei der Vorstellung seines Filmteams", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Wang Quan’an auf der Bühne des Berlinale-Palastes bei der Vorstellung seines Filmteams“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Gestern gab es im Wettbewerb der Berlinale zwei asiatische Filme, zum einen das lockerleichte und ein wenig langweilige „Postcards From The Zoo“ aus Indonesien und abends das schwermütige, 188 Minuten lange Historiengemälde aus China „White Deer Plain“ zu sehen.

Der Film beginnt mit wogenden Weizenfeldern und ihren Geräuschen im Wind – und endet so auch wieder. Dazwischen wird die Geschichte Chinas, von der Qing-Dynastie bis zum Zweiten Weltkrieg erzählt.

Die Bauern als größte Bevölkerungsgruppe mussten, egal, welche Regierungsform gerade das Sagen hatte, viel Leid erfahren, wurden systematisch unterdrückt und ihre Steuern von den neuen Machthabern jedes Mal erhöht. Die Beständigkeit der Natur ist das einzige, was in Bai lu yuan Hoffnung gibt.

„Wann hätten wir zuletzt eine ähnlich zwingende, hellsichtige Verschmelzung von Liebes- und Historienfilm gesehen, von Sex- und Geschichtskino? Die Gewalt der Geschichte spiegelt die des Geschlechts und umgekehrt“ schreibt der Tagesspiegel.

Aufgrund der chronologischen Erzählweise „verliert“ der Film seine Hauptfiguren zunehmend aus den Augen und es fällt schwer, ihnen beim „Abarbeiten“ der historischen Meilensteine zu folgen. Man müsste den Film ein zweites Mal sehen. Wegen seiner betörenden Landschaftsaufnahmen und der Historie, aber weniger wegen der vielen Grausamkeiten. Aber noch einmal über drei Stunden – das ist zu viel.

Das chinesische Kaiserreich sieht seinem Ende entgegen. In diesen Zeiten des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs beginnt Wang Quan‘ans Epos. Schauplatz ist das Titel gebende White Deer Village in der Provinz Shaanxi. Bisher haben hier die Großfamilien Bai und Lu sowie deren Söhne friedlich zusammengelebt. Die großen Umwälzungen haben jedoch einen erbitterten Kampf um Land zur Folge. Dabei gerät eine neu ins Dorf gekommene junge Frau zwischen die Fronten. Am Beispiel der beiden Familien reflektiert Wang Quan’an das Schicksal des chinesischen Volkes. Die Warlords werden von den japanischen Invasoren abgelöst und schließlich der Zweite Weltkrieg vom Bürgerkrieg.

„Bay Lu Yuan“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Historienromans von Chen Zhongshi, der wegen expliziter Sexszenen lange auf dem Index stand. Wie schon in „Tuya’s Hochzeit“ (Goldener Bär 2006) und Apart Together (Berlinale 2010) rückt Wang Quan’an erneut ein Frauenschicksal ins Zentrum seiner Geschichte. Die Heldin seines neuen Films wird ihre Schönheit im Kampf um Macht und Überleben einsetzen, und bleibt doch sich selbst und ihrer Liebe treu.
[Quelle: Filmbeschreibung]