Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Vanessa Redgrave

Historische Tragödie um einen Politiker und Feldherrn als kritisches Abbild der gegenwärtigen globalisierten Welt

Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Rom im 4. Jahrhundert v. Chr. oder die Welt im 21. Jahrhundert: Gibt es einen Unterschied? Ralph Fiennes zeigt im Wettbewerbsbeitrag „Coriolanus“, dass Politik und Kriegsführung, auch wenn Jahrhunderte dazwischen liegen, noch immer mit den gleichen Waffen und Worten geführt werden. Fiennes debütiert mit diesem Film als Regisseur und spielt gleichzeitig die Hauptrolle als Coriolanus. Volumnia, seine Mutter, wird von Vanessa Redgrave gespielt.

Das um 1607 entstandene Theaterstück von William Shakespeare siedelt Fiennes in zeitgenössischer Umgebung an. Die Original-Dialoge blieben dabei unverändert. Es geht heute wie damals um Krieg und Frieden, kriegerische Aktionen mit gepanzerten Fahrzeugen und Kriegsgeräten, um Demonstranten und martialische Sicherheitskräfte, politische Ränkespiele, Verhandlungen, Macht, Eitelkeit, Rache, Terrorakte, Unternehmen und ein wankelmütiges Volk.

Auf der Pressekonferenz zum Film wurde Ralph Fiennes von Journalisten aus aller Welt mit Beifall und Bravo-Rufen gefeiert. DIE ZEIT urteilt „das wirkt, als seien Bagdad und Kabul und in den Szenen mit den Massenprotesten auch schon Tunis und Kairo übereinander kopiert.“ Coriolanus, so schreibt die WELT, „soll Konsul werden. In der Galauniform aber, im Fernsehstudio, unterm Volk gehorcht ihm sein Körper nicht mehr, verweigert sich dem Kompromiss. Wie Fiennes das macht, wie er die Energie in Coriolanus da fehlgeleitet, ausgestellt, explodieren lässt, ist schon jetzt ein Höhepunkt der Berlinale.“

Rom. Das Volk ist in Aufruhr. Die Reichen horten Getreide, die Armen hungern, Rebellion liegt in der Luft. Eine der Hauptzielscheiben des Volkszorns ist Caius Martius. Der hochmütige General macht kein Hehl aus seiner Verachtung für die Plebejer. Als die Volsker sich vor der Stadt versammeln, spitzt sich die Lage zu. Sie werden von Tullus Aufidius angeführt. Der Intimfeind von Caius Martius ist als Feldherr gefürchtet. Bei der Stadt Corioles kommt es zur entscheidenden Schlacht, die das römische Heer dank des Mutes ihres Generals Caius Martius für sich entscheiden kann. Seine Tapferkeit trägt ihm den Namenszusatz „Coriolanus“ ein, er ist der, der die Stadt Corioles befreite.

Caius Martius Coriolanus ist jetzt so populär, dass er in die Politik gehen könnte. Dazu wird er von seiner Mutter Volumnia gedrängt, und auch sein alter Mentor Menenius macht sich für seinen Aufstieg stark. Doch Coriolanus muss erst einmal gewählt werden, und der aufbrausende Militär ist kein geschmeidiger Redner, gewinnende Gesten sind seinem Wesen fremd. Als er, von politischen Gegnern gereizt, bei einem öffentlichen Auftritt die Plebejer beschimpft, ist es um seine politischen Chancen geschehen. Das Volk lehnt sich gegen ihn auf und kann nur mit der lebenslangen Verbannung des einstigen Kriegshelden aus der Stadt besänftigt werden. Coriolanus verlässt Rom und sinnt auf Rache. Will er Rom bezwingen, braucht er die militärische Unterstützung des Tullus Aufidius, seines Intimfeindes … (Quelle: Filmbeschreibung)

Berlinale kürte die Stars von morgen

Vor der Premiere des Films „Coriolanus“ wurden die „Shooting Stars 2011“, Nachwuchstalente aus europäischen Ländern, ausgezeichnet. Der deutsche Schauspieler Alexander Fehling, den wir zuletzt in der Hauptrolle des Kinofilms „Goethe!“ sehen konnten, war unter den Ausgezeichneten und erhielt die „Maria“ getaufte Trophäe, deren Namenspatronin die gleichnamige Figur aus Fritz Langs „Metropolis“ ist. Alle Statuen wurden von Ralph Fiennes persönlich übergeben und mit dem Zitat „Work Hard!“ von Patti Smith, die zur Freude des Publikums im Saal anwesend war, endete die Preisverleihung.