Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Umberto Tozzi

Berlinale (VI): Sebastián Lelio mit „Gloria“, Chile/ Spanien

Gloria ist wie ein Bossa Nova – Schmerz, Lust, Harmonie. [Sebastián Lelio]

"Potsdamer Platz-Arkaden", Foto © Friedhelm Denkeler
„Potsdamer Platz-Arkaden“, Foto © Friedhelm Denkeler

Dieter Kosslick hat eine Berlinale der starken Frauen angekündigt. Heute lernten wir zwei von ihnen kennen: abends Suzanne Simonin (gespielt von Pauline Etienne) in „La Religieuse“ und am Nachmittag Gloria (gespielt von Paulina García) in dem chilenischen Film „Gloria“.

Mit „Gloria“ hält das „normale“ Leben Einzug in den Wettbewerb der Berlinale. Die Hauptdarstellerin Paulina Garcia hätte nach bisherigem Stand einen Silbernen Bären als beste Darstellerin verdient. Der alltäglichen Leere mit so viel Mut und Lebenslust zu begegnen; dem alternden Körper mit Witz und Phantasie entgegen zu treten, all das ist herrlich lebensbejahend inszeniert und gespielt.

Die wunderbare Schlussszene allein reicht für einen Preis bereits schon aus: Mit einer „charmanten Kombination aus Unsicherheit, Mut und Lebenslust“ (FR) tanzt die 58-jährige Gloria nach Umberto Tozzis „Gloria“. Dafür und für den gesamten Film erhielt sie den größten, diesjährigen Beifall im Berlinale-Palast (bisher gab es eher reinen Höflichkeits-applaus). Auf der Pressekonferenz ging es ähnlich zu: Paulina García erhielt Standing Ovations. Fazit: Unbedingt ansehen – wenn sich ein deutscher Kinoverleih findet.

"Sergio Hernández, Paulina García und Sebastián Lelio" (v.l.n.r.), Foto © Friedhelm Denkeler 2013
„Sergio Hernández, Paulina García und Sebastián Lelio“ (v.l.n.r.), Foto © Friedhelm Denkeler 2013

„Gloria ist 58 Jahre alt und geschieden. Die Kinder sind aus dem Haus, doch so ganz allein will sie ihre Tage und Nächte nicht verbringen. Dem Alter und der Einsamkeit trotzend, tobt sie sich gern auf Single-Partys aus, immer wieder auf der Suche nach dem schnellen Glück, das jedoch regelmäßig von einem Gefühl der Enttäuschung und Leere abgelöst wird. Bis sie Rodolfo kennenlernt, den sieben Jahre älteren ehemaligen Marineoffizier, mit dem sie sich eine romantische Liebesbeziehung, ja sogar eine dauerhafte Partnerschaft vorstellen kann.

Die Begegnung mit ihm wird für Gloria zu einer ungeahnten Herausforderung. Nach und nach sieht sie sich auch mit den verdrängten Geheimnissen ihres Lebens konfrontiert. Sebastián Lelio verdichtet seinen dritten Spielfilm zu einer Tragikomödie der fragilen Hoffnungen und schmerzlichen Gewissheiten.

Das Porträt einer starken Frau, die in den Strudeln widerstreitender Gefühle schließlich doch ihre Kraft und Souveränität zu behaupten weiß, entfaltet sich vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen in Chile und bezieht auch die düsteren Kapitel in der Geschichte des Landes während der letzten 40 Jahre mit ein.“ [Quelle: Filmbeschreibung] Umberto Tozzi: „Gloria“ www.berlinale.de