Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Tomás Saraceno

Tomás Saraceno’s „Cloud Cities“ im Hamburger Bahnhof (bis 15. 01.2012)

"Historische Halle mit Cloud Cities", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Historische Halle mit Cloud Cities“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Historische Halle des Hamburger Bahnhofs wird nach den beiden letzten Ausstellungen „Richard Longs ‚Berlin Circle‘“ und „Carsten Höllers ‚Soma‘“ nun zum dritten Mal in Folge optimal bespielt – mit Ballonmodulen und Spinnennetzen des Argentiniers Tomás Saraceno. Der Künstler nennt seine Werke „Biosphären“, die man als Besucher teilweise betreten kann.

Inspirationsquellen waren für Saraceno die Leichtigkeit von Seifenblassen und die Flexibilität von Spinnennetzen. In den Modulen wachsen Tillandsien und Menschen kriechen ungeschickt umher, andere Module schimmern einfach nur bunt wie Seifenblasen. Ob die Installation zukunftsweisend ist oder für immer Utopie bleiben wird, werden wir sicherlich nicht mehr erleben.

"Schweben in der Biosphäre", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Schweben in der Biosphäre“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

„Das gemeinsame Erleben, das man in der Ausstellung erfahren kann, ist sehr wichtig. Der größte Ballon mit einem Durchmesser von 22 Metern und ein etwas kleinerer sind begehbar, und wenn man in eine der Sphären eintritt, wird sofort spürbar, wie sensibel sie auf die Bewegungen reagiert. Zum einen gibt die Folie nach, zum anderen sind die Sphären nicht statisch, sondern rundherum mit Seilen fixiert, die quer durch den ganzen Raum gespannt sind.

Man muss das eigene Verhalten also ein bisschen anpassen. Und das gilt erst recht, wenn mehrere Leute zusammen sind: Wenn du versuchst zu stehen und ich mich stark bewege, dann fällst du um. Es ist zwar eine Installation im Museum, ein Kunstwerk, was auch immer.

Aber es löst vor allem einen Dialog aus: zwischen Leuten, dem Objekt, der Luft, der Schwerkraft. Zu Dingen also, zu denen wir sonst kein sehr kommunikatives Verhältnis haben, weil wir sie selbstverständlich finden.“ [aus Financial Times: Interview mit Tomás Saraceno: „Der Mensch muss abheben, um die Natur zu retten“]

Als Gegenmodell zu Saracenos „Himmelskörpern“ kann man übrigens die Architektur-Skulptur „Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care“ von Bruce Nauman ganz am Ende der Rieckhallen ansehen: Im Gegensatz zu Cloud Cities ein trostloses, kaltes Verließ unter der Erde. Bei den derzeitigen Temperaturen und dem November-Wetter zeigen sich in der Historischen Halle doch einige Lichtblicke mehr.

Website Tomás Saracenowww.hamburgerbahnhof.de