Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Sibylle Hoffmann

»μοιρα – Spuren von Mythos« in der Galerie »world in a room«

Mythologien werden nicht erfunden; sie werden gefunden. Sie können genauso wenig vorhersagen, wie Ihr Traum heute Nacht aussehen wird, wie man einen Mythos erfinden kann. Mythen kommen aus dem mystischen Bereich wesenhafter Erfahrung. [Joseph Camphell]

"Sibylle Hoffmann vor ihr Serie 'Spuren von Mythos'" in der Galerie "world in a room", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Sibylle Hoffmann vor ihr Serie ‚Spuren von Mythos'“ in der Galerie „world in a room“, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Nach ihrer Arbeit „Nachtschattengarten“ zeigt Sibylle Hoffmann nun ihr neuestes fotografisches Werk „Spuren von Mythos“ in der Galerie „world in a room“ in Schöneberg.

Mythen sind oft Geschichten des alltäglichen Lebens und die antiken Mythen sind Spiegelungen dieser Geschichten in der Welt der Götter, die in das Leben der Menschen eingreifen, oft unbemerkt, aber immer schicksalhaft.

Die Bilder von Sibylle Hoffmann erzählen wie zufällig den Bruchteil einer Geschichte und sind Traumbilder, die das Ungewisse und Schicksalhafte als Fiktion erahnen lassen.

Dabei geht es der Künstlerin nicht um „die Bebilderung einzelner Mythen, sondern um Ahnungen, die in den Bildern aufscheinen und dem Betrachter die Möglichkeit lassen, sein eigenes Wissen und seine eigenen Gedanken zum Thema Mythos zu entdecken“ [Katalog].

Die 1947 in Berlin geborene Sibylle Hoffmann ist Dozentin für Photographie an der VHS Kreuzberg. Ihre fotografische Ausbildung hat sie an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg und an der Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg (bei Dieter Appelt, Michael Schmidt und Gerald Minkoff) erhalten.

Die Galerie „world in a room“ befindet sich in der Brunhildstraße 7 in 10829 Berlin-Schöneberg (Mo + Fr 14-18 Uhr, Sa 14-17 Uhr) und die Ausstellung ist noch bis zum 30.05.2014 zu sehen. μοιρα heißt übrigens Schicksal.

Hildegard Ochse in der „18m Galerie“

Neben den bekannten Ausstellungs-Locations gibt es in Berlin immer wieder neue Orte zu entdecken, an denen Fotografen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es sind Standorte, die sich im Hinterhof oder im ersten Stock einer Berliner Altbau-Wohnung befinden. Sie liegen meist abseits der üblichen Kunstmeilen und sind teilweise nur an wenigen Stunden in der Woche oder nur nach Vereinbarung geöffnet. Das eigentliche „Event“ ist aber immer die Vernissage, manchmal gibt es noch einen Artist-Talk und oft auch eine Finissage. Vier Kunstorte sollen heute genannt werden:

Das „Fotoatelier Am schönen Berg (FASB)“ in der Nähe der Yorckbrücken (Mansteinstraße 16, 10783 Berlin) wird geführt von einer Fotogruppe um die Dozentin Sibylle Hoffmann. Hier war zuletzt die hervorragende Gruppenausstellung „Flusslandschaften“ mit exzellent geprinteten Fotos (an den Wänden) und selbstgestalteten und -produzierten Künstler-Fotobüchern als Unikate zu sehen.

Die „Galerie im Seitenflügel“ betreibt Guenther Eck von der EDITION-G (Bochumer Str.12, 10555 Berlin-Moabit). Hier stellt zurzeit Wolfgang Ritter seine „Subjektive Fotografien“ aus (demnächst mehr).

Sibylle Hoffmann ist mit der Einzel-Ausstellung „μοιρα – Spuren von Mythos“ in der Galerie „world in a room“ (Brunhildstraße 7, 10829 Berlin-Schöneberg) zu Gast (Besprechung folgt).

Julie August betreibt in ihrer Privatwohnung in der Akazienstraße 30, 10823 Berlin, die „18m Galerie„. Hier zeigt sie, leider nur noch bis heute, eine kleine, feine Auswahl noch nicht gezeigter Vintage-Prints aus dem umfangreichen Fotoarchiv der Autorenfotografin Hildegard Ochse (1935-1997). Ochses Sohn Benjamin hat drei Serien zusammengestellt: „Der Eid auf die Verfassung – Beamte“ (Berlin 1987, hier sind hauptsächlich die Bilder der Beamtinnen zu sehen), „KPM Königliche Porzellan-Manufaktur“ (1987, zu sehen sind insbesondere die bei der Porzellanherstellung anfallenden handwerklichen Arbeiten) und unter dem Titel „Reisefotografie“ Bilder aus Dänemark (1980) und Jerusalem (1996).

"Hildegard Ochse während des Workshops mit Andre Gelpke in der Werkstatt für Photographie", Berlin-Kreuzberg, 06.12.1980, Foto © Friedhelm Denkeler 1980
„Hildegard Ochse während des Workshops mit Andre Gelpke in der Werkstatt für Photographie“, Berlin-Kreuzberg, 06.12.1980, Foto © Friedhelm Denkeler 1980

Nach ersten autodidaktischen Versuchen beginnt Hildegard Ochse (1935-1997) ihre fotografische Ausbildung 1979 in der seit einigen Jahren etablierten Werkstatt für Photographie in der Friedrichstraße. Neben dem regulären Unterricht besucht sie die Workshops der Amerikaner Lewis Baltz, John Gossage, Ralph Gibson und Larry Fink. Zur selben Zeit kommt im Zusammenhang mit dem fotografischen Dokumentarismus der von Klaus Honnef eingeführte Begriff der Autorenfotografie auf.