Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Miguel Gomes

Der Goldene Ehrenbär für Meryl Streep. Miguel Gomes mit „Tabu“ (Portugal/ Deutschland/ Brasilien/ Frankreich 2012, im Wettbewerb)

"Meryl Streep vor dem Berlinale-Palast", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Meryl Streep vor dem Berlinale-Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Am Dienstag wurde Meryl Streep, vor der Aufführung ihres neuen Kinofilms „Die Eiserne Lady“, für ihr Lebenswerk mit einem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. Filme wie „Jenseits von Afrika“, „Der Teufel trägt Prada“, „Die Brücken am Fluss“ oder „Mamma Mia“ prägen ihre Karriere. Für ihre neue Rolle als ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher erhielt sie bereits ihre 17. Oscarnominierung.

Die Fans am Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast, die bereits seit Mittag tapfer im Schneeregen mit „We love Meryl“-Plakaten warteten, bereiteten ihr unter Jubelrufen einen würdigen Empfang.

Miguel Gomes „Tabu“

Aber nun zu dem vorher gesehenen Film „Tabu“ von Miguel Gomes. „Eine Geschichte braucht einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge“ so soll Godard einmal einen guten Film beschrieben haben. Das hat Miguel Gomes beherzigt, indem er sich nicht an bekannte Erzählmuster hält: Er bosselte „Tabu“ aus Versatzstücken und Stilmitteln der Filmgeschichte zusammen.

Der Film ist ein Genremix aus Musical, Melodram, Dokumentarfilm, Abenteuerfilm und Komödie und das Ganze in Schwarz-Weiß im 4:3 Format, teilweise als Stummfilm und mit Off-Kommentar. Die ganze tragische Liebesgeschichte lebt von vielen „verrückten“ Szenen: Mitten in der Savanne an einem verfallenen Swimmingpool spielt eine Rock ’n‘ Roll-Band oder ein junges Krokodil schwimmt als Haustier im Gartenteich. Wer sich auf Irritationen gerne einlässt wird begeistert sein. Meine Begleitung und auch die Kritiker waren es.

Die alte Portugiesin Aurora und ihre kapverdische Haushälterin Santa leben Tür an Tür mit Pilar, deren Lebensinhalt es ist, Gutes zu tun. Was ihr kaum jemand dankt, schon gar nicht die notorisch misstrauische Aurora, die ihren Lebensabend damit verbringt, ihr knapp gewordenes Geld im Casino von Estoril zu verspielen. Als die alte Frau stirbt, gerät Pilar auf die Spur eines alten Liebhabers von Aurora.

Filme zu machen, ohne sich auf die Filmgeschichte zu beziehen, ist für Regisseur Miguel Gomes undenkbar. Und so zitiert „Tabu“ nicht ohne Grund einen Titel von Friedrich Wilhelm Murnau. Lustvoll interpretiert und rearrangiert Gomes auch in seinem dritten Spielfilm historische Motive. Zeichnet der erste Teil des Films in weichen Schwarz-Weiß-Tönen eine Gesellschaft, die in Nostalgie schwelgt, so erhält diese im zweiten Teil, wonach sie sich sehnt: aufwühlende Melodramatik, Slapstick, Kontraste, Leidenschaft. [Quelle: Filmbeschreibung]