Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Markus Draper

Drei Sammlungen des 20. Jahrhunderts schließen in Berlin

Unwillkürlich denkt man an die Darstellungen des mystischen „Turmbaus zu Babel“ oder an den Einsturz der „Twin Towers“ in New York, wenn man den hinteren Raum der „Berlinischen Galerie“ betritt und Markus Drapers monumentale, über fünf Meter hohe Skulptur sieht. Fünf weitere Werke des Künstlers sind zu sehen, die erst kürzlich von der Galerie erworben wurden.

"Windsor Tower", Markus Draper, 2007, Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Windsor Tower“, Markus Draper, 2007
Foto © Friedhelm Denkeler 2014

„Viele Gebäude in seinen Collagen, Gemälden, Skulpturen und Videos sind wiedererkennbar, einige beziehen sich sogar auf konkrete Ereignisse. In erster Linie nehmen sie jedoch eine Stellvertreterfunktion ein: die Werke werden zu psychologischen Landschaften … In letzter Konsequenz geht es immer um eine Überhöhung des Scheiterns, das auf unterschiedliche Ebenen des menschlichen Daseins übertragen werden kann.“ [Zitat Faltblatt].Das ausgebrannte Gebäude hat einen realen Hintergrund: Das Bürohochhaus „Torre Windsor“ in Madrid wurde 1973-1979 erbaut und fiel 2005 einem verheerendem Feuer zum Opfer, nur das Außenskelett blieb stehen, musste später aber auch abgerissen werden. Zwei Jahre später hat Draper das Bild der ausgekohlten Turmruine in eine Skulptur umgesetzt.

Man kann die ausgebrannte Ruine auch als Menetekel für die Gesamtsituation der Berliner zeitgenössischen Sammlungen ansehen. Der kürzlich erst umgebaute und eröffnete Erweiterungsbau des Museums Berggruen musste wegen eines Baumangels bereits wieder schließen, die Neue Nationalgalerie wird Ende 2014 für fünf (sic!) Jahre dem Publikum entzogen und jetzt die neueste Meldung: ab Sommer muss auch die erst zehn Jahre alte Berlinische Galerie für mindestens sechs Monate schließen – die Sprinkleranlage ist defekt; deshalb sieht man momentan im Haus immer mindestens zwei Feuerwehrleute Wache schieben. Der alte Spruch „Wir schließen jetzt!“ bekommt ab sofort eine neue Bedeutung.

Der 1969 in Görlitz geborene Markus Draper, Sohn eines Architekten und Stadtplaners, lebt und arbeitet in Berlin. Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie ist noch bis zum 30. Juni 2014 zu sehen. www.berlinischegalerie.de,  www.markusdraper.de