Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Kim Nguyen

Kim Nguyen mit „Rebelle (War Witch)“ (Kanada 2012, im Wettbewerb)

"Kim Nguyen mit seiner Hauptdarstellerin im Berlinale-Palast", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Kim Nguyen mit seiner Hauptdarstellerin im Berlinale-Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Gestern Nachmittag wurde der letzte von 18 Wettbewerbsfilmen der Berlinale, der um den Goldenen Bären kämpft, gezeigt. Der kanadische Regisseur Kim Nguyen stellte seinen Film über eine Kindersoldatin vor.

Die 14-Jährige Komona erzählt als Rahmenhandlung ihrem ungeborenen Kind, von ihrem vorherigen Leben als Kindersoldatin – und betet, dass sie die Kraft findet, dieses Kind zu lieben.

Nachdem sie ein Gefecht mit den Regierungstruppen überlebt hat, werden ihr magische Fähigkeiten zugesprochen – sie wird zur „War Witch“. Magisches Denken und Profitstreben gehen bei den Rebellen Hand in Hand.

Auf der einen Seite der profane Hintergrund: Schwer bewacht von den Rebellen müssen die Frauen und Kinder das Erz „Coltan“, einen Rohstoff, der für Handys gebraucht wird, aus dem Geröll waschen. Und gleichzeitig glauben die Menschen an gute und böse Zauber und die Toten stehen (als weißgeschminkte) Geister wieder auf.

Mit kaum zu ertragender Intensität sehen wir, mit welcher schonungslosen Brutalität das Mädchen gezwungen wird, ihre eigenen Eltern zu töten, sie misshandelt und benutzt wird. Das Wunder des Films ist, wie es die Hauptfigur dennoch schafft, sich aus den Fängen der marodierenden Einheiten und von den Qualen ihrer Albträume zu befreien. Aber für wie lange?

Die Preisverleihung findet heute Abend während einer Gala im Berlinale-Palast statt. Ich werde sie live auf 3sat verfolgen.

Ein Bürgerkrieg in Afrika. Nachdem ihr Dorf von Rebellen niedergebrannt und ihre Eltern ermordet wurden, sieht sich das Mädchen Komona gezwungen, als Kindersoldatin in den Urwald zu ziehen. Ihr brutaler Kommandant bildet sie nicht nur an der Waffe aus, sondern verlangt auch, dass sie mit ihm schläft. Mitten im Grauen sucht sie Schutz bei einem nur wenig älteren Jungen mit weißen Haaren, den sie Magier nennt und in den sie sich verliebt. Nach ihrer gemeinsamen Flucht aus dem Camp setzt sie alles daran, zurück in ihr Dorf zu gelangen. Dort will sie ihre Eltern begraben, die sonst auf ewig als Geister durch das verwüstete Land irren müssten …

Konsequent aus der Perspektive einer Heranwachsenden erzählt, macht der an authentischen Schauplätzen im Kongo gedrehte, vorwiegend mit Laien besetzte Film die Schrecken des Bürgerkriegs, das Leid von Kindern und Zivilisten transparent. Realistische Bilder werden durch Traumszenen gebrochen, die in afrikanischen Legenden wurzeln; eine unendliche Trauer über Not und Elend schwingt in ihnen mit. Trotz aller Gräuel, die ihr begegnen, erweist sich Komona als Hoffnungsträgerin für einen Kontinent, der sich nach Frieden und Humanität sehnt. [Quelle: Filmbeschreibung]