Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

John Hurt

Billy Bob Thornton mit „Jayne Mansfield’s Car“ (Russland/ USA 2012, im Wettbewerb) mit Billy Bob Thornton, John Hurt und Kevin Bacon

 "Billy Bob Thornton mit seinem Film-Team im Berlinale Palast", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Billy Bob Thornton mit seinem Film-Team im Berlinale Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Billy Bob Thornton, der nicht nur Regie führte, sondern auch die Hauptrolle des Skip Caldwell in „Jayne Mansfield’s Car“ übernahm, war für mich eine Neuentdeckung.

Seine Rolle als traumatisierter, arbeitsunfähiger Kriegsveteran spielt er in den hinreißend komischen Wendungen des Films bewundernswert gut. Dafür hat er einen Bären verdient.

Treffen eine englische und eine amerikanische Familie aufeinander, so ist eine Komödie gesichert. Wunderbar skurrile Einfälle wechseln sich mit melancholischen Momenten ab. Süßlich kitschige Farben der 1970er Jahre, der Sound dieser Zeit, Kostüme, Frisuren und Oldtimer ergeben ein rundum stimmiges, humorvolles Familiendrama. Fein beobachtet, werden die einzelnen Charaktere als Stellvertreter für ganze Generationen präsentiert. So kennt und liebt man eben nur seine Familie.

Und wie so oft, steckt auch viel Autobiographisches im Film. Seinem Filmvater hat Thornton ein makabres Hobby gegeben: Er hört zuhause den Polizeifunk ab und wenn ein Unfall passiert, fährt er an den Unfallort und inspiziert das Autowrack und die Toten. Thornton erzählte auf der Pressekonferenz, wie sein Vater ihn als Vierjährigen mit zu den Unfallorten genommen hat. Und auch den ausgestellten Unfallwagen von Jane Mansfield in einer Art Jahrmarktbude, mit dem sie unter einen Sattelschlepper geriet, hat er gegen Eintrittsgeld gesehen. Eine kunstgerechte Balance aus Trauer und Vergnügen, Kriegstraumata und rechtzeitigem Zurechtfinden in das Leben und die Zukunft. Schön!

Alabama, 1969. Jim Caldwell erfährt, dass seine Ex-Frau verstorben ist. Vor vielen Jahren hat sie ihn und die drei Kinder wegen eines Engländers verlassen. Ihre neue Familie, der Witwer mit zwei Kindern, will ihren letzten Wunsch erfüllen und sie in ihrer alten Heimat beisetzen. So treffen nicht nur die beiden Väter aufeinander, sondern auch die Stiefgeschwister. Jim ist ein typischer Vertreter der autoritären Generation, der seinen Kindern ein gerechter, aber kein liebevoller Vater war. Er muss nicht nur mit den Eskapaden seiner beiden Söhne zurecht kommen – der eine seit seiner Verwundung im Vietnamkrieg nur noch auf seine Autosammlung fixiert, der andere ein stets zu gedröhnter Antikriegs-Protestler – sondern auch mehr Toleranz für die ungebetenen britischen Gäste aufbringen, als ihm lieb ist.

Oscarpreisträger Billy Bob Thornton erzählt in seiner ersten Regiearbeit seit „Daddy And Them“ (2001) davon, wie mit seinen männlichen Protagonisten unterschiedliche Kulturen und Generationen aufeinandertreffen – in einer Zeit, als der Vietnamprotest auch die Südstaaten erreicht. Der Film ist das erste englischsprachige Projekt des russischen Produzenten Alexander Rodnyansky (V SUBBOTU, Berlinale Wettbewerb 2011) [Quelle: Filmbeschreibung]