Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Joel Sternfeld

Joel Sternfeld – Pionier der künstlerischen Farbfotografie bei C|O. Monat der Fotografie 2012 in Berlin (8)

Die Ausstellung bei C|O zeigt, dass Joel Sternfeld (*1944), neben William Eggleston und Stephen Shore, zu Recht zu den „Big Three“ der amerikanischen Farbfotografen zählt. Da die Ausstellung nur bis zum 13. Januar zu sehen ist, empfehle ich unbedingt noch einen Besuch der Galerie. Die Drei gehören zu den Vertretern der New Color Photography, die seit den 1970er Jahren Farbe in der künstlerischen Fotografie einsetzen. Die Bilder der klassischen Kunstfotografie waren bis dahin eher schwarz-weiß. In der populären Fotografie für Mode und Werbung und auch in der Amateurfotografie war Farbe natürlich schon länger angesagt.

Die Retrospektive zeigt die wichtigsten abgeschlossenen Projekte von Sternfeld. Sie beginnt mit „Nags Head, North Caroline“ (1976). Ohne Farbe würden diese Bilder nicht funktionieren (so wie auch auf meinem Foto). In zwei weiteren Frühwerken „Happy anniversara Sweeetie Face!“ (1970-1978) und „Rush Hour“ (1976) arbeitet Sternfeld in der Tradition der Street Photography. Mit diesen Bildern habe ich Sternfeld in den späten 1970er Jahren kennen und schätzen gelernt.

In der Serie „Stranger Passing“ (1987-2000) hat Sternfeld das menschliche Porträt in den Mittelpunkt gestellt. Aber im Gegensatz zu dem legendären August Sander zeigt er die Menschen nicht ihrer beruflichen Situation untergeordnet, sondern in ihren oft skurrilen (Selbst)-Inszenierungen. In der Summe ergeben sie ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Während einer mehrjährigen Reise mit einem VW-Bus entstand die Serie „American Prospects“ (1978-1986), in der er die Beziehung zwischen den Menschen und der Umgebung zeigt. Im Gegensatz zu den frühen Aufnahmen entstanden diese mit einer Großbildkamera. Die Fotos sind dementsprechend groß abgezogen und man muss sie auch so sehen und genießen.

Im „Oxbow Archiv“ (2005-2007) sind Landschaften in der Einzigartigkeit der Jahreszeiten zu erleben; sie zeigen aber auch die Narben der Zerstörung. In „On This Site“ (1993-1996) werden Schauplätze von Verbrechen abgelichtet. Die Verbrechen selbst werden nicht dargestellt, aber Texte erläutern sie. In „Walking the High Line“ (2000-2001) zeigt Sternfeld eine stillgelegte zwei Kilometer lange Hochbahnstrecke mitten in Manhattan, die von der Natur zurückerobert wurde.

Eine Übersicht von ausgewählten Ausstellungen des „European Month of Photography – EMoP“ finden Sie auf meiner Übersicht.

Sternfelds Bilder zeigen ein Amerika zwischen Utopie und Dystopie

"American Dream", Foto © Friedhelm Denkeler 2004
„American Dream“, Foto © Friedhelm Denkeler 2004

Das Museum Folkwang widmet zur Zeit (bis 23. Oktober 2011) dem amerikanischen Fotografen Joel Sternfeld (*1944, New York) die erste europäische Retrospektive mit rund 130 Arbeiten aus über drei Jahrzehnten.

Unter dem Titel „Joel Sternfeld – Farbfotografien seit 1970“ werden insgesamt elf Projekte gezeigt. Ein Schwerpunkt liegt auf 60 Fotografien aus seinem bisher unveröffentlichten Frühwerk, das von 1969 bis in die späten 1970er Jahre reicht.

Joel Sternfeld zählt neben Stephen Shore und William Eggleston zu den wichtigsten Vertretern der „New Colour Photography“, die in den 1970er Jahren die Farbe für die Kunstfotografie entdeckten. Sein Blick richtet sich immer wieder auf sein Heimatland Amerika mit seinen Eigenarten, den Menschen und seinen spezifischen Landschaften.

1978 begann Sternfeld seine Reise durch die USA in einem VW-Bus, um sich der sozialen Topografie seines Landes zu vergewissern. Auf dieser Odyssee entstand die Serie „American Prospects“, für die er im Jahr 1987 internationale Anerkennung erhielt.

In dem daraus folgenden Projekt „Stranger Passing“ (1987–2000) konzentriert sich sein Blick auf die Menschen. Es entstand ein Gesellschaftsporträt, das an die Darstellung der Deutschen aus den 1920er Jahren von August Sander erinnert. Die Serie „On This Site“ (1993–1996) zeigt Orte, die auf den ersten Blick nichts Auffälliges mitteilen. Erst der begleitende Text klärt darüber auf, dass es sich um Tatorte von Verbrechen handelt.

In „Walking the High Line“ (2000–2001) nähert sich Sternfeld einer stillgelegten Bahnstrecke mitten in New York, wo sich die Natur ihr Refugium zurück erobert und nur noch stellenweise auf den ehemals regen Zugverkehr in Manhattens West Side schließen lässt. „Oxbow Archive“ (2005–2007) ist eine fotografische Langzeitbeobachtung der East Meadows, Northampton und zeigt die Einzigartigkeit der Jahreszeiten sowie die Auswirkungen des menschlichen Eingreifens in die Natur.

Seit Beginn seiner fotografischen Arbeit ist das Buch für Joel Sternfeld die wichtige Präsentationsform. In den letzten 20 Jahren entstanden elf Fotobände zu seinen Projekten. Begleitend zur Ausstellung erscheint unter dem Titel „Joel Sternfeld – First Pictures“ ein Buch zu seinen frühen, bislang nicht publizierten Arbeiten. Die von Ute Eskildsen kuratierte Ausstellung wird im Anschluss in Amsterdam, Berlin und Wien zu sehen sein.

Quelle: Pressemitteilung, www.museum-folkwang.de. Eine Foto-Auswahl durch Google.
Eine Ausstellungsbesprechung ist geplant.