Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Horst Hinder

Einführung in die Ausstellung »momenta« im Roxy-Palast Berlin
unter dem Motto »Fünf Künstler – ein Ort – vier Wochen« anlässlich der Eröffnung am 11. April 2018

Ausstellung »momenta« im Roxy-Palast Berlin-Friedenau 2018 mit den fünf Künstlern Friedhelm Denkeler, Aleksander Gudalo, Thomas Boenisch, Dieter Franke und Horst Hinder, Foto © Friedhelm Denkeler 2018
Ausstellung »momenta« im Roxy-Palast Berlin-Friedenau 2018 mit den fünf Künstlern Friedhelm Denkeler, Aleksander Gudalo, Thomas Boenisch, Dieter Franke und Horst Hinder, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Die Gruppe »momenta« versteht sich als loser Zusammenschluss von Künstlern aus Berlin und außerhalb, die gemeinsam temporäre Ausstellungen an außergewöhnlichen Orten veranstalten. Der Name der Gruppe weist auf die temporäre Nutzung von freien Räumlichkeiten in der Stadt hin. Auch in der Vergangenheit stellten die Künstler in wechselnder Zusammensetzung gemeinsam aus: so zum Beispiel 2013 im Bayer-Haus am Kurfürstendamm. Die Künstler nehmen die Herausforderung an, einen Raum ohne galerietypische Bedingungen zu bespielen. Die »momenta« ist eine Produzentengalerie, d.h. die Künstler schaffen nicht nur die ausgestellte Kunst, sondern realisieren gleichzeitig die gesamte Ausstellung. Durch die Zwischennutzung kann der Eigentümer einen Qualitäts- und Imageverlust der Immobilie vermeiden. Beide Parteien profitieren also von diesem Projekt.

Der Roxy-Palast wurde 1929 als Lichtspieltheater und Geschäftshaus fertiggestellt. Der von Martin Punitzer im Stil der Neuen Sachlichkeit entworfene Bau wurde in Stahlskelettbauweise errichtet und im Zweiten Weltkrieg teilzerstört, 1951 wieder aufgebaut und steht seit 1988 unter Denkmalschutz, das bezieht sich insbesondere auf die Fassade, die durch die drei langgestreckten, durchgängigen Fensterbänder geprägt ist. Sie sollen symbolisch für Filmbänder stehen. Die fünf Streifen in unserem Schriftzug »momenta« weisen dagegen auf die fünf beteiligten Künstler hin. Ich möchte sie nun in der umgekehrten Reihenfolge wie sie in der Einladung und im Katalog stehen, vorstellen (sonst müßte ich mit meiner Person zuerst anfangen).

Zu Horst Hinders Fotografischen Collagen fällt mir als Erstes der Song von Peter Fox ein „Guten Morgen Berlin, du kannst so schön schrecklich sein“. Hinder nimmt die Stadt fotografisch auseinander und setzt sie Quadrat für Quadrat wieder zu neuen quadratischen Collagen zusammen. Bei der Interpretation der Bilder hilft uns der Bildtitel, zum Beispiel „7 x 7“, auch nicht viel weiter, außer dass man sich ausrechnen kann, aus wie vielen Quadraten ein einzelnes Bild besteht. Die Quadrate sind aber nicht nach dem Zufallsprinzip ausgeordnet, sondern fügen sind nach Strukturen, Themen und Farben zusammen. Ein Gesetz lässt sich daraus nicht erkennen, obwohl jeder zugeben muss, dass das Ergebnis exzellent ist. Der Philosoph Reinhard Knodt spricht hier von „ästhetischen Korrespondenzen“; das Spiel zwischen Notwendigkeit und Möglichkeit sind im Auge des Betrachters vielfältig interpretierbar. Eine Schwebe, die uns in den Bann zieht; sehen Sie selbst.

Gegenstand der Malerei von Dieter Franke ist das Gegenstandslose auf Leinwand und Acrylglas. Es gibt keinen verborgenen Code und keine vorweggenommene Inhaltsdeutung. Der Betrachter kann voll in den leuchtstarken, intensiven Pigmenten, wie dem blutroten Alizarin-Karmesin, schwelgen und seiner Phantasie freien Lauf lassen. Dieter Franke bewegt sich zwischen Konzeption und Zufall, zwischen überlegter Aktion und gefühlsmäßiger Reaktion. Besonders interessant ist seine Spachteltechnik auf Acrylglas, genauer hinter Glas. Seine Bilder muss er seitenverkehrt malen. Die Malschichten werden in der Reihenfolge wie wir sie sehen, umgekehrt aufgebracht. Die Deckschicht erfolgt zum Schluss. Für Dieter Franke gehört Einbeziehung der Umgebung durch die spiegelnde Glasoberfläche mit zu seinem Konzept, das Bild überschreitet dadurch seine durch das Format gesetzten Grenzen.

Thomas Boenischs Stadtlandschaften bezeichnet er selbst als „eigenwillig“. Sie sind als malerisches Reisetagebuch zu den südeuropäischen Städten wie Venedig, Neapel, Lissabon oder Pamplona zu sehen. Seine Städte sieht er wie einen Stadtplan von oben; Ausgangspunkt der Gemälde sind stets maßstabsgetreue Kartographien. Wie beim Reisen üblich entdeckt er dabei Neues. Dass Venedig, wenn man auf eine Landkarte schaut, die Form eines Fisches hat, haben sicherlich schon einige entdeckt, aber auch in den anderen Städten hat Boenisch Formen, wie zum Beispiel Schmetterlinge, entdeckt und macht sie uns in seinen farbenprächtigen Bildern sichtbar.

Zu Aleksander Gudalos Werken fällt mir als erstes der Film „Melancholia“ von Lars von Trier ein. Parallelen sehe ich auch zum Theaterstück über den Film „Kinder des Olymps“ (aktuell im Berliner Ensemble). Wie in Gudalos Werken stehen die Menschen in beiden Stücken leblos im Halbdunkel herum und harren der Dinge die kommen. Bei Gudalo starren sie in einer virtuellen Welt auf Bildschirme; er spricht vom „Immersiven Realismus“. Das meint, anstelle der Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt, das Eintauchen in eine virtuelle Welt (Immersion kommt aus der Computerspiele-Welt). So gesehen zeigen Gudalos Bilder zeitbezogen die immer währenden Fragen nach der Absurdität des menschlichen Lebens.

Und nun zu guter Letzt, ein paar Worte zu meiner eigenen Arbeit „Sommer in einer Hand“. 1985 fuhr ich mit dem Fahrrad die Spuren meiner Kinderzeit und Jugendjahre auf dem Lande in Ost-Westfalen ab. Auch wenn ich seit Jahren in der Stadt lebe, spielte in dieser Serie die Natur, so wie ich sie auch heute noch in Erinnerung hat, die Hauptrolle. Meine eigene Hand in den Bildern deutet den persönlichen Bezug an, aber auch ein fremder Betrachter kann sich in den Bildern sicherlich wieder finden. Es geht nicht nur um das visuelle Erlebnis auf dem Lande und die Ursprünglichkeit, sondern auch um eine haptische Wahrnehmung der Natur. Die große Rolle der Hand, etwa durch Überstreichen der Oberfläche und Nachfahren der Konturen, bedeutet die sinnliche Erfahrung als Ergänzung zu der visuellen Wahrnehmung. Die Bilder habe ich erst 30 Jahre später entwickelt und ausgewertet. Sie sind in der »momenta« erstmalig öffentlich ausgestellt.

Zum Schluss ein Dankeschön an alle meine vier Kollegen und an weitere Unterstützer: an Horst Hinder für die Gestaltung von Einladungskarte und Plakat, an Dieter Franke für das Layout des Katalogs, an Gregor Elsner für die Ausstellungsgestaltung, an Thomas Boenisch für das Drucktechnische und an Aleksander Gudalo für die Betreuung der Website momenta-berlin.de. Ein Dank geht auch an die Unterstützer Fa. System 180 für die Zurverfügungstellung der Möbel, an Herrn Peters von der Fa. Barings und an Sabine Ohrtmann für die Betreuung während der vierwöchigen Vorbereitungszeit.

Wie geht es weiter? Vielleicht gibt es ja eine Momenta II? Vorschläge für ausgefallene Orte nehmen wir gern entgegen. Zum Schluss noch ein Zitat vom kürzlich verstorbenen Berliner Schriftsteller Michael Rutschky. Er sagte anlässlich der Herausgabe eines Fotobuches „Man sollte sich nicht allein auf Worte verlassen“. In diesem Sinne: Viel Freude beim Betrachten der Bilder und bilden Sie sich ein eigenes Urteil. Die Ausstellung ist eröffnet.

Rede von Friedhelm Denkeler, frei gehalten, während der Vernissage der »momenta« am 11.04.2018 im ehemaligen Roxy-Palast.

"Einladung zur Vernissage der »momenta" im Roxy-Palast", Grafik © Horst Hinder 2018
„Einladung zur Vernissage der »momenta« im Roxy-Palast, Grafik © Horst Hinder 2018

Nach vierwöchiger Vorbereitungszeit ist es heute endlich soweit: Pünktlich um 18 Uhr eröffnet die »momenta« mit den fünf Künstlern Friedhelm Denkeler, Aleksander Gudalo, Thomas Boenisch, Dieter Franke und Horst Hinder eine ihrer vielen Türen (siehe auch »momenta« Fünf Künstler – ein Ort – vier Wochen). Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die Künstlergruppe »momenta« mit Malerei und Fotografie zu Gast im ehemaligen Roxy-Palast in Berlin-Friedenau

Die Gruppe »momenta« versteht sich als loser Zusammenschluss von Künstlern aus Berlin und außerhalb, die gemeinsam temporäre Ausstellungen an außergewöhnlichen Orten veranstalten. Der Autorenfotograf Friedhelm Denkeler mit der Serie „Sommer in einer Hand“, Aleksander Gudalo mit Immersivem Realismus, Thomas Boenisch mit seinen gemalten, eigenwilligen Stadtlandschaften, der abstrakte Maler Dieter Franke und der Grafiker und Fotograf Horst Hinder mit seinen Fotografischen Collagen sind in der Ausstellung vom 12. April bis 12. Mai 2018 (Vernissage: 11. April 2018, 18 Uhr) im ehemaligen Roxy-Palast in Berlin-Friedenau vertreten. Die einzelnen Künstler werde ich in den nächsten Tagen noch ausführlicher vorstellen.

Zu sehen sind unterschiedliche Arbeiten von Malerei bis Fotografie, von Klein- bis Großformat, von abstrakt bis gegenständlich. Sie werden von den Künstlern auf einer Ausstellungsfläche von 400 Quadratmetern in der Hauptstraße 78/79, 12159 Berlin, angeboten. Die Ausstellung ist Donnerstag/Freitag 15–20 Uhr und Samstag/Sonntag 12–17 Uhr geöffnet.
www.momenta-berlin.de

Der Name der Gruppe »momenta« weist auf die temporäre Nutzung von freien Räumlichkeiten in der Stadt hin. Die Künstler nehmen die Herausforderung an, einen Raum ohne galerietypische Bedingungen zu bespielen. Die »momenta« ist eine Produzentengalerie, d.h. die Künstler schaffen nicht nur die ausgestellte Kunst, sondern realisieren gleichzeitig die gesamte Ausstellung. Durch die Zwischennutzung kann der Eigentümer einen Qualitäts- und Imageverlust der Immobilie vermeiden. Beide Parteien profitieren also von diesem Projekt.

"Ausstellungsbanner »momenta« am ehemaligen Roxy-Palast in Berlin-Friedenau", Foto © Friedhelm Denkeler 2018, Grafik © Horst Hinder
„Ausstellungsbanner »momenta« am ehemaligen Roxy-Palast in Berlin-Friedenau“, Foto © Friedhelm Denkeler 2018, Grafik © Horst Hinder 2018

Der Roxy-Palast wurde 1929 in der Hauptstraße 78/79 im Berliner Ortsteil Friedenau des heutigen Bezirkes Tempelhof-Schöneberg als Lichtspieltheater und Kaufhaus fertiggestellt. Der von Martin Punitzer im Stil der Neuen Sachlichkeit entworfene Bau wurde in Stahlskelettbauweise errichtet und im Zweiten Weltkrieg teilzerstört, 1951 wieder aufgebaut und steht seit 1988 unter Denkmalschutz. Das heute als Geschäftshaus genutzte Gebäude befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Rathaus Friedenau.

„Finissage“ am 21. März 2013, 18 Uhr, im Bayer-Haus am Kurfürstendamm. Verlängerung der Ausstellung bis Ende Mai 2013.

So hatten sich die drei ausstellenden Fotografen bei der Planung den Finissage-Termin nicht vorgestellt. Statt zum Frühlingsanfang wird er nun mitten im tiefsten Winter und bei eisigem Ostwind stattfinden. Zum Trost wird die Ausstellung bis Ende Mai 2013 verlängert und am 21. März um 18 Uhr werden wir noch einmal durch die Ausstellung „3 × Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen“ mit Arbeiten von Horst Hinder, „Berlin – zerlegt und collagiert“, Friedhelm Denkeler „Im Wedding“, 1977, und Ralf Hasford „Sitzenlassen in Berlin“ führen. Es wird einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsweisen geben und bis 19 Uhr bleibt Zeit zum diskutieren. Danach sehen wir weiter!

"Nummer 46 im Schnee", aus der Serie “Im Wedding”, Foto © Friedhelm Denkeler 1978
„Nummer 46 im Schnee“, aus der Serie “Im Wedding”, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Die Kunsthistorikerin Dr. Simone Kindler stellt im Katalog die drei Arbeiten ausführlich vor:

“Berlin – zerlegt und collagiert”

Horst Hinder, dessen Bilder in der dritten Etage ausgestellt sind, ist ein Fotograf, der mit großer Präzision seine Berlin-Aufnahmen am Computer in Kleinarbeit aus unzähligen quadratischen Bildausschnitten zu Collagen zusammenmontiert. An der linken Wand sind vier Arbeiten Horst Hinders ausgestellt, die wieder streng dem quadratischen Bildformat folgen. Zwei Bilder stammen aus der Serie „5×5“ und sind 2009 entstanden. Sie zeigen anonyme Häuserfassaden, neu zusammengesetzt, neu arrangiert und damit abstrahiert. In Bild „Nr. 04“ führt Horst Hinder die Abstraktion derart weit, dass das Bild malerische Qualitäten erhält. Die einzelnen Quadrate scheinen miteinander zu verschmelzen. So ist eine Form von Landschaftsmalerei aus Stein und Beton entstanden. Aber es gibt auch Brüche: durch eine Fensterfront oder ein Stück Brückenpfeiler. Dem gegenüber steht sozusagen im Bild „Nr. 05“ die Motivwahl der einzelnen Quadrate. Denn hier hat er nun Quadrate unterschiedlichster Fensterfronten zusammengesetzt und damit den Charakter einer technoiden Großstadtarchitektur evoziert. Ein Brückenübergang, eine Wendeltreppe oder eine Gaslaterne brechen jedoch auch an dieser Stelle den homogenen Eindruck auf.

Gegenüberliegend an der rechten Wand hängt ein großes Berlin-Porträt, das in seinem Bildmaß, 300 x 60 Zentimeter, und seiner Kleinteiligkeit, 2880 Quadrate wurden aneinandergefügt, außergewöhnlich ist. Hinder hat hier kleinste Bildausschnitte aus Stadtansichten zu einer großformatigen Collage zusammengefügt. Bis auf wenige Ausnahmen lässt sich der Entstehungsort aus Betrachtersicht nicht ausmachen. Dennoch ist jedes einzelne Motiv dieser Tausende kleinen Quadrate aus Berlin. Er montiert derart eine neue Stadtansicht: Aus etwas Entfernung zum Bild ist eine Landschaftsdarstellung mit Perspektive, Horizont und blauem Himmel zu erkennen und darin verwoben der Schriftzug: BERLIN. Dieser hält das Bild programmatisch zusammen, scheint das Gewimmel, die Vielfältigkeit und die überbordende Vitalität der Stadt zu vereinen und damit diesen unzähligen Stadtausschnitten in ihrer Farbintensität einen Rahmen zu geben.

“Im Wedding”, 1977

Friedhelm Denkeler präsentiert in der vierten Etage des Bayer-Hauses seine fotografischen Stadtansichten aus dem Berliner Bezirk Wedding, nüchtern und objektiv, aber doch stets konkret verortet, sei es über ein Straßenschild oder schlicht den Bildtitel, der Bezug auf den fotografierten Ort nimmt. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind bereits in den späten 70er-Jahren entstanden. Zu dieser Zeit arbeitete Denkeler in der legendären Werkstatt für Photographie in Kreuzberg mit seinem Lehrer, dem Berliner Fotografen, Michael Schmidt. Die nun ausgestellten Fotografien produzierte Denkeler erstmals in den vergangenen zwei Jahren im Zuge der Digitalisierung seines umfangreichen Archivs und nun werden sie auch erstmals in dieser Ausstellung öffentlich gezeigt. Seine Motivwahl im Wedding war spontan und eine Auswahl erfolgte erst bei der jetzigen Produktion.

In der Wedding-Serie hat der Fotograf stimmungsvolle Stadtporträts eines nahezu fast verschwundenen Berlins eingefangen, die in ihrer Historizität aufgeladen sind mit nostalgischer Melancholie. Denkeler fokussiert dabei sowohl bekannte geschichtsträchtige Ort, wie die in der Arbeit „Bornholmer Brücke“, ehemals der bekannte Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin, oder den Zeitschriftenladen mit dem Schriftzug „Spandauer Volksblatt“, einer ehemals populären linksliberalen Berliner Tageszeitung, die heute in kleiner Form als Lokalausgabe der Berliner Woche einmal wöchentlich erscheint. Aber auch anonyme, nicht mehr existierende Häuserfronten sind, wie namenlose Porträts der Stadt, ausgestellt. Reduktion ist das bestimmende Stilmittel des Fotografen Denkeler, die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind frei von Inszenierungen, sie zeigen einsame, nahezu menschenleere Plätze, Landschafts-, Straßen- und Häuseransichten. Es sind stimmungsvolle Dokumentationsaufnahmen eines Berlins, dessen morbider Charme durch die Nachkriegsarchitektur, die Kohlehandlungen („Der Mann mit dem Koks ist da“) und Lichtspielpaläste („Kristallpalast“) einen wichtigen Aspekt der Berliner Atmosphäre, des Wedding, ins Bewusstsein ruft. Denkeler ist weder ein sozialkritischer Dokumentarist noch ein neutraler Chronist. Und dennoch thematisieren seine Bilder die Berliner Historie auf eine Art, die den unwiederbringlichen Aspekt von Vergänglichkeit eindringlich vor Augen führt.

“Sitzenlassen in Berlin“

Plakat 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2013
Plakat 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2013

Ralf Hasford beschäftigen in seinen künstlerischen Arbeiten immer sozial-politische wie religiös-mythische Themen. Ein bestimmendes Motiv der gezeigten Arbeiten ist die Sitzbank, die seit 2005/06, künstlerisch gesehen, sein „ständiger Begleiter“ ist: in Paris, Venedig oder eben immer wieder in Berlin.

In dieser Ausstellung präsentiert Hasford einige dieser Berliner Bänke. Interessant ist der Ort, an dem sie steht, ihre Beschaffenheit, das verwendete Material, und ihre Qualität, ihr Sitzkomfort. Damit verbunden sind sozial-politische Fragen wie „Wo lasse ich jemanden sitzen“ respektive „nicht sitzen“ und ganz persönliche des „Sitzengelassen-Werdens“ wie die allgemeinen Frage „Bin ich hier überhaupt willkommen?“. Die fotografierten Sitzbänke stehen in Parks wie dem Lustgarten, in betriebsamen Straßenzügen wie der Kantstraße oder auf Friedhöfen wie in Schöneberg.

Die Bänke scheinen herausgehoben aus ihrer ursprünglichen Umgebung. Dennoch weist Hasford im Titel entweder durch Straßen- oder Bezirksnamen wie „Kantstraße exklusiv“ auf den jeweiligen Standort in Berlin hin. Der Künstler setzt sich intensiv mit dem einzelnen Motiv und damit dem einzelnen Werk auseinander, plant alles im Detail. Zuerst fotografiert Hasford das ausgewählte Motiv vor Ort, am Computer retuschiert er später alle für ihn uninteressanten Elemente aus den Bildern weg. Danach wird das bearbeitete Bild mittels digitaler Drucktechnik auf den Bildträger – vorkoloriertes Pappmaschee – aufgebracht. Hasford konzipiert bereits vorab, nachdem die Fotografie am Computer bearbeitet wurde, in welchen Farben die einzelnen Partien des Pappmaschees pigmentiert werden. Interessant ist zudem sein Umgang mit dem inneren Bildrahmen. Hasford umgibt einerseits das Motiv mit einem weißen Rahmen, um diesen andererseits gleichzeitig wiederholt zu überschreiten und zu durchbrechen, ein bewusstes Überschreiten selbstgesetzter Grenzen, das Dynamik im Bild erzeugt.

Durch Verfremdung und Akzentuierung fordert Hasford den Betrachter auf, individuell seinen eigenen Kontext zu den unterschiedlichen fotografierten Orten zu schaffen. Mitunter akzentuiert durch politische wie religiöse ikonografische Hinweise, wie bei den Bildern „Deutsche Teilung“ oder „Flucht bei Nacht“. Er spricht damit unter anderem ihm wichtige politische und historische Themen an, die mit der deutschen Geschichte verbunden sind.

Die Ausstellung wird bis Ende Mai 2013 verlängert und ist von Mo-Fr 8-19 Uhr im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin zu sehen.

Ein rauchender Bergmann, ein Weddinger Hufschmied und eine Kutschenbank. Künstlerführung am 1. März 2013, 15 Uhr, in der Ausstellung im Bayer-Haus

Am 1. März 2013 um 15 Uhr werden die drei Fotografen durch ihre Ausstellung “3 × Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen“ mit Arbeiten von Horst Hinder, “Berlin – zerlegt und collagiert”, Friedhelm Denkeler “Im Wedding”, 1977, und Ralf Hasford “Sitzenlassen in Berlin” führen, einen Einblick in ihre Arbeitsweise geben und mit den Anwesenden diskutieren. Die Ausstellung ist von Mo-Fr 8-19 Uhr im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin zu sehen.

Die Kunsthistorikerin Dr. Simone Kindler beschreibt die Ausstellung im Katalog zur Ausstellung so:

In den folgenden Wochen zeigen die drei Berliner Fotografen Horst Hinder, Friedhelm Denkeler und Ralf Hasford im Bayer-Haus drei unterschiedliche Blicke auf Berlin. Berlin ist vital, bunt und laut, aber auch nüchtern, grau und still. Obwohl die einzelnen künstlerischen Auseinandersetzungen mit Berlin große stilistische Unterschiede aufzeigen, vereint die Arbeiten unter anderem, dass die gezeigten Motive nicht die bekannten Postkartenhighlights Berlins sind, sondern zumeist unvertraute Orte, mit denen sich die Fotografen intensiv beschäftigt haben. Während Horst Hinder in seinen Collagen viele Aspekte des aktuellen Berlins vergegenwärtigt, zeigt Friedhelm Denkeler seine historischen Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Wedding der 70er-Jahre und präsentiert Ralf Hasford aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgehobene Berliner Sitzbänke aller Couleur. Farbige Fotografie-Collagen, Schwarz-Weiß-Fotografien und Pappmaschee-Fotografie-Collagen, sie alle interpretieren die Stadt Berlin auf ihre jeweils ganz individuelle Art.

In der zweiten Etage des Bayer-Hauses zeigen die drei Fotografen zu Beginn der Ausstellung gemeinsam ihre Bilder. Horst Hinder präsentiert an der linken Wand vier einzelne Arbeiten aus seinen Collageserien. Die quadratisch konzipierten Bilder „Berliner Pflaster Nr. 4“ und „Rauchender Bergmann“ sind jeweils zusammengefügt aus Einzelaufnahmen des Bodenpflasters in der hinteren Bergmannstraße in Kreuzberg. Beide Arbeiten thematisieren das Berliner Alltagsleben, die Menschen, die über das Pflaster gehen, fahren, ihre Zigarettenkippe fallen lassen und den Berliner Marathon, wie der dreilinige blaue Marathonstreifen belegt. Die beiden anderen Arbeiten „5×5“ (2009) und „10×10“ (2010) bilden vielfarbige Mosaike, in denen Linien und Flächen dominieren und die einzelnen Quadrate zu einer bewegt-dynamischen Farbfläche verschmelzen.

"Mietshaus mit Remise", aus der Serie “Im Wedding”, Foto © Friedhelm Denkeler 1978
„Mietshaus mit Remise“, aus der Serie “Im Wedding”, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

An der rechten Wand zeigt Friedhelm Denkeler vier Schwarz-Weiß-Fotografien aus seiner Serie „Im Wedding“, aufgenommen in den Jahren zwischen 1977 und 1978. Es sind Häuser und Orte wie der „Weddinger Hufschmied“ oder das „Humboldt-Eck“, die so nicht mehr existieren. Mittels der Schwarz-Weiß-Fotografie erhalten Denkelers Aufnahmen einen bewahrenden Charakter. Sie sind Dokumente einer vergangenen Zeit, die den Gang von Geschichte vor Augen führen und derart Vergänglichkeit thematisieren. Der Fotograf unterstützt dies durch eine möglichst reduzierte Aufnahmeart, er hält meist Distanz zum fotografierten Motiv und lässt damit Raum zwischen sich und dem aufgenommenen Objekt. Die Bilder verzichten auf dramatische oder anekdotische Inszenierung, was durch die Abwesenheit von Menschen unterstützt wird.

Ralf Hasford präsentiert mit der „Kutschenbank“ eine großformatige Arbeit (85 x 150 cm) aus dem Jahr 2006. Im Vordergrund ist deutlich die hervorgehobene gelbe Kutschbank zu sehen. Im Hintergrund erscheint das Deutsche Historische Museum mit dem berühmten Treppenturm des Pei-Baus. Hasford hat durch seine ausgefallene Montagetechnik das Museum aber nicht als Sightseeing-Highlight betont, sondern subtil das Thema Geschichte im Bild aufgegriffen. Zum einen durch die Kutsche als Reminiszenz an vergangene Fortbewegungsmittel und zum anderen durch das Deutsche Historische Museum als bekannten Ausstellungsort deutscher Geschichte. Zudem holt Hasford die Gegenwart – mit dem Fortbewegungsmittel unserer Tage – in der rechten unteren Ecke indirekt mit ins Bild: das Auto, denn zu sehen ist ein Autospiegel, in dem sich das Abbild des modernen Pei-Baus spiegelt.

Alle drei Berlin-Fotografen zeigen eine Stadt in Auseinandersetzung mit sich selbst, sie präsentieren weder Menschen noch deren Schicksale und Erlebnisse in Berlin, sondern alle drei Fotografen zeigen ihre Sicht auf Berlin als Stadt im Rekurs auf ihre aktuelle und vergangene Geschichte.

Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart in der Ausstellung
„3 × Berlin – Fotografische Arbeiten“ im Bayer-Haus

Gestern Abend wurde die Ausstellung „3 × Berlin – Fotografische Arbeiten “ mit den Werken von Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler im Bayer-Haus am Kurfürstendamm eröffnet. Nach einer Einleitung von Horst Hinder machte der Philosoph und Schriftsteller Reinhard Knodt vor über 80 Gästen einige Anmerkungen zu den einzelnen Arbeiten. Knodt bezog sich nicht auf das Vordergründige, das man in den Bildern auf einen ersten Blick hin sieht, sondern versuchte das „Wahre Unsichtbare in der Kunst“ (Kant), das sich erst nach und nach zeigt, darzustellen. Im Folgenden stelle ich seine Betrachtungen in Auszügen vor.

Zu Horst Hinder „Berlin – zerlegt und collagiert“

"5x5 Nr. 2", Foto © Horst Hinder 2009
„5×5 Nr. 2“, Foto © Horst Hinder 2009

„Das Unsichtbare, aber grundlegend Wichtige in der Malerei, wie auch in der Fotografie, ist bekanntlich das Licht. Dass der Gesamteindruck eines Bildes sich aus kleinen Flächen oder sogar Punkten zusammensetzt, haben bereits die Impressionisten thematisiert (Monet, Renoir). Die mathematische Spitze dieser Auffassung stellt der Pointilismus dar (etwa Seurat) …

Nehmen wir die Fotografie, bzw. gehen jetzt einmal zu Horst Hinder über, dann fällt auf, dass er Hunderte von Einzelbildern zu größeren Einheiten zusammen-setzt, bzw. große Bildeinheiten und kleine, lichtpunktartige Fraktale ins Verhältnis bringt. Dieses Verfahren, könnte man strukturell mit einem Prinzip beschreiben, das René Descartes berühmt gemacht hat und das auch das leitende Prinzip der Moderne ist.

Descartes sagte: Wenn man ein komplexes Problem darstellen will (sagen wir Berlin), müsse man es in möglichst viele Teilprobleme zerlegen, diese Teilprobleme einzeln lösen und aus diesen Lösungen das Ganze wieder zusammensetzen. Die letzten dreihundert Jahre Europäische Geschichte leben von diesem Prinzip. Wir nennen es ‚Fortschritt‘ und wir hoffen, dass das Prinzip der Zerlegung und Zusammensetzung in Politik, Technik und auf anderen Ebenen eine Verbesserung der Verhältnisse ermöglicht.

Wir sind also bei aufkommenden Problemen sofort bereit, zu unterscheiden, zu zergliedern, Speziallösungen zu suchen aus denen unsere Welt dann, so hoffen wir, durch Vertrauen in die Zukunft sich verbessert. Jeder weiß, dass diese neuzeitliche Fortschrittshoffnung bzw. Zukunftssehnsucht uns heute gelegentlich fragwürdig vorkommt – man nennt dieses Phänomen Postmoderne. Horst Hinders Arbeitsweise spiegelt das … Daher würde ich Horst Hinder nach einem Schema, das ich jetzt vorschlage, als einen Künstler bezeichnen, der die Zukunftssehnsucht der Moderne ins Bild bringt – nicht symbolisch aber doch methodisch.“

Zu Friedhelm Denkeler “Im Wedding”, 1978

"Kristallpalast", Foto © Friedhelm Denkeler 1977
„Kristallpalast“, Foto © Friedhelm Denkeler 1977

„Bleiben wir beim Begriff der Sehnsucht und gehen zu Friedhelm Denkeler. Zwar möchte ich auch ihn als Sehnsüchtigen bezeichnen, seine Sehnsucht sollte man aber eher mit Nostalgie umschreiben, … also Heimweh, natürlich auch nach früheren Zeiten. Die Nostalgie wird in der fortschrittlichen Moderne etwas abfällig als Schwäche beurteilt. Gleichwohl ist sie eine starke Form der Sehnsucht, ja sogar eine wichtige Atmosphäre, ohne die es kaum Kunst oder Feste gäbe …

Das klingt banal, aber das sollte man nicht außer Acht lassen, wenn man sich mit nostalgischen Szenerien beschäftigt, selbst, wenn wir ahnen, dass wir manchen Dingen der Vergangenheit vielleicht zum Glück entkommen sind – was besonders für Berlin zutrifft. Auch die Technik der Schwarzweißaufnahme führt uns in die Vergangenheit … Die 35 Jahre alten Fotos Denkelers machen einen Aspekt deutlich, den man mit dem Anthropologen Roland Barthes als das ‚Palimpsest der Stadt‘ bezeichnen könnte.

Ein Palimpsest war im Mittelalter ein altes Pergament, das abgeschabt und neu beschrieben wurde. Die alten Buchstaben leuchteten manchmal noch durch die neuen, die Vergangenheit war gewissermaßen präsent, so wie das auf Berliner Häuserfronten, die noch nicht übertüncht und frisch renoviert waren. Denkelers Arbeiten spielen mit der Stadt als Palimpsest, auf dem sich Altes und Neues zugleich zeigt, wo der Kohlenhändler, der vor zwanzig Jahren seinen Laden dichtmachte und die alte Brot- und Feinbäckerei eben noch spürbar sind, obwohl wir heute dort längst gestrichene Fassaden … sehen. Nostalgie – die Sehnsucht nach der Vergangenheit im Reich der Zeichen.

Vielleicht sollte man noch anfügen, dass Denkeler natürlich kein naiver Nostalgiker ist. Einer, sagen wir mal Laura Ashley-Nostalgie, würde er sogar kräftig entgegenarbeiten. Seine Bilder haben nichts Bergendes oder Idyllisches, eher schon zeigen sie das oft Hilflose, das Ungeborgene, Dürftige oder Bedürftige der Vergangenheit. Seine Sache ist also nicht die Sehnsucht nach der Vergangenheit allein, sondern auch das Wissen darüber, dass man sich in Nostalgie nicht einrichten kann.“

Zu Ralf Hasford „Sitzenlassen in Berlin”

"Lustwandeln erschöpft", © Ralf Hasford 2008
„Lustwandeln erschöpft“, © Ralf Hasford 2008

„Ich komme zum dritten Künstler und damit auch zu einer dritten Art der Sehnsucht: Eine Bank, ist ein Gegenstand, der zum Sitzen einlädt. Sie winkt sozusagen von Ferne, sie lädt ein. Die Einladung hat gelegentlich sogar eine gewisse Dringlichkeit, je nach Bank und je nachdem ob sie dürftig ist oder prächtig, bequem oder hart. Parkbänke sprechen uns stark an, wahrscheinlich, weil wir als stets müde Stadtwanderer immer wieder auf sie zurückkommen müssen.

Die Bank lädt nun aber nicht nur zum Ausruhen ein, sondern eben auch zur Kontemplation. Wir kontemplieren nicht nur auf der Bank, sondern gewissermaßen schon angesichts der Bank. Sie ist nicht nur das Mittel, sondern auch das Bild der Ruhe und Kontemplation. Kontemplation ist das Verharren im Jetzt und wenn ich mein zugegeben einfaches Schema der Sehnsucht anwenden darf, würde ich jetzt also sagen, nachdem wir uns mit der Sehnsucht nach Zukunft und nach Vergangenheit beschäftigt haben, stehen wir bei der Bank gewissermaßen vor der Sehnsucht nach dem ‚Jetzt‘, nach Zeitlosigkeit, eine Sehnsucht, die übrigens der Berliner Philosoph Schopenhauer als die Sehnsucht ’nach dem Nichts‘ in die Diskussion brachte …

Der Meditations- und Liebesort des 19. Jh., der in dieser Ausstellung nun selbst zum meditativen Gegenstand geworden ist, nachdem ihn Ralf Hasford entdeckt hat, verkörpert also die Sehnsucht nach dem Jetzt, nach der Zeitlosigkeit. Und faktisch steht ja auch die Parkbank, die Gartenbank, oder die Friedhofsbank zwischen Vergangenheit und Zukunft im Jetzt.“

Zusammenfassung

„Damit bin ich am Ende. Ich behaupte, bei genauerem Nachdenken bemerkt man, die drei hier ausstellenden Künstler haben sich offenbar instinktiv zu einem gemeinsamen Thema zusammengefunden, welches oberflächlich ‚Berlin‘, tatsächlich aber ‚Sehnsucht‘ lautet, wobei sich jeder auffällig deutlich mit einem der drei Zeitaspekte der Sehnsucht beschäftigt hat: Horst Hinder mit der modernen Sehnsucht nach Zukunft, bzw. Fortschritt im Puls von Zerstückelung und Zusammensetzung, Friedhelm Denkeler mit der Nostalgie, also der Sehnsucht nach der Vergangenheit, und Ralf Hasford schließlich mit der Sehnsucht nach dem Jetzt, dem Stehenbleiben der Zeit …

Inwieweit das alles zutrifft, müssen Sie entscheiden. Es könnte sein, dass die Formen der Sehnsucht nicht ganz so sauber nach Zukunft, Vergangenheit und jetzt getrennt sind, wie ich das behauptet habe. Zum Beispiel betont bildende Kunst überhaupt eher das ‚Jetzt‘ als andere zeitliche Orientierungen. Andererseits würden wir dann aber von Bildern als Gegenständen sprechen und nicht mehr von dem was sie als Gegenstände ausdrücken … Möge sich erfüllen, wonach immer Sie sich sehnen.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. März 2013, Mo-Fr 8-19 Uhr, im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, zu sehen. www.reinhard-knodt.de

Drei Ausstellungen auf vier Etagen – im Bayer-Haus Berlin. Einladung zur Vernissage am 24. Januar 2013, 18 bis 21 Uhr

Die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler laden zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 24. Januar 2013, 18 bis 21 Uhr, ins Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, ein. Sie stellen ihre Sicht auf das alte und neue Berlin mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren dar.

Plakat 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2013
Plakat 3 x Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2013

Horst Hinder stellt unter dem Titel „Berlin – zerlegt und collagiert“ großformatige, farbige Collagen aus. Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammen-gesetzt. Ralf Hasford stellt sein Werk „Sitzenlassen in Berlin“ aus. Ein mit Pigmenten vorkolorierter Papierpulp (Pappmaché) wurde nach der Trocknung in einem aufwendigen Verfahren mit einem fotorealistischen Druck versehen. Friedhelm Denkeler zeigt, in klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 1977 und 1978 entstandenen Fotos aus dem Portfolio „Im Wedding“, die jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Die Ausstellenden habe ich bereits hier in Kurzbiografien vorgestellt.

Um ca. 18.30 Uhr spricht Reinhard Knodt zur Ausstellung. „Künstler arbeiten im Zwischenreich von Profanität und Geheimnis. Sie hantieren mit scheinbar Banalem, mit Resten, mit alltäglichem Material. Sie bauen jedoch an einem Raum der Sehnsucht. Dieser kann in die Vergangenheit reichen, in die Zukunft weisen oder im Jetzt zur Kontemplation aufrufen. Warum wir fotografieren, warum künstlerische Arbeiten gelingen oder misslingen und warum sich Sammler mit ‚Kunst‘ umgeben, das sind Fragen, zu denen einige philosophische Anmerkungen nützlich erscheinen …“

Reinhard Knodt (1951) ist Philosoph und Schriftsteller. Er ist als Universitätslehrer (UDK), Vortragsredner und Rundfunkautor tätig. Viele Essays zur Kultur- und Philosophiegeschichte. Literarische Arbeiten (Roman, Erzählung, Kurzprosa, zwei Oratorien), sowie zahlreiche Rundfunkarbeiten (Features, Hörspiele, Essays, Vorträge, experimentelle Formen). Literaturpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste. Kunstaktionen. Kunst- und Architekturkritik für Deutschlandradio Kultur. www.reinhard-knodt.de.

Friedhelm Denkeler | www.denkeler-foto.de | „Im Wedding“, 1978 (Fotografien)
Horst Hinder | www.horst-hinder.de | „Berlin – zerlegt und collagiert(Fotografische Collagen)
Ralf Hasford | www.lichtrauschen.com | „Sitzenlassen in Berlin“ (Vorkoloriert – Papierpulp und Pigment)

Drei Ausstellungen auf vier Etagen im Bayer-Haus Berlin ab 25.01.2013:
Horst Hinder “Berlin – zerlegt und collagiert”,
Friedhelm Denkeler “Im Wedding“, 1977, und
Ralf Hasford “Sitzenlassen in Berlin”

Im Bayer-Haus zeigen aktuell ab dem 25. Januar 2013 die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler unter dem Titel „3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen“ mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert. Heute möchte ich die drei Ausstellenden mit ihren Kurzbiografien vorstellen.

Selbstporträt, © Horst Hinder 2012
Selbstporträt, © Horst Hinder 2012

Horst Hinder  (*1961) lebt seit 1985 in Berlin. Nach dem Abitur in Hessen absolvierte er zunächst eine Lehre als Korbmacher und übte das Handwerk einige Jahre aus. Es folgte 1989-94 das  Studium an der Hochschule der Künste Berlin und die berufliche Beschäftigung mit Fotografie und Grafik. Seit 1993 arbeitet er in seinem Grafikbüro und Atelier. Die Fotografischen Collagen entstehen seit 2008. „Horst Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammengesetzt“,  „So entstehen persönliche Stadtlandschaften, die neue Blicke auf Berlin und die Geschichte der Stadt ermöglichen, geschaffen von einem aufmerksamen und feinnervigen Beobachter…“. Bisherige Ausstellungen: „So gesehen – 1.824 Fotografien aus Berlin“, Bayer-Haus, Berlin (2009), „EINDRUCK – Ausstellung grafischer Arbeiten und keramischer Drucktechniken“, Gemeinschaftsausstellung mit fünf Keramikern in Höhr-Grenzhausen (2009), „Paris | Berlin – So kann man es auch sehen“, Fotografisches aus zwei Städten mit Philippe Saunier, Bayer-Haus, Berlin (2012). www.horst-hinder.de

Selbstporträt, Foto © Friedhelm Denkeler 2007
Selbstporträt, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Friedhelm Denkeler (*1946) lebt und arbeitet seit 1968 in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Ingenieur hat er an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg und als Schüler von Michael Schmidt seine Fotografische Ausbildung erhalten. Seit 1978 stellt er freie fotografische Arbeiten in Form von Portfolios und Autorenbüchern her. Denkelers Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen: Rudolf Kicken Galerie, Köln, the ffoto gallery, Cardiff, Wales, Fotogalleriet, Oslo, Castelli Graphics, New York, Jones/Troyer Gallery, Washington D.C., Galerie Fotohof, Salzburg, Centre de la photographie, Genf, Berlinische Galerie, Berlin, Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin, Yale University Art Galerie, New Haven. In den öffentlichen Sammlungen der Berlinischen Galerie, Bibliothèque nationale de France und Allan Chasanoff Photografic Collection im Museum of Fine Arts Houston, ist Denkeler vertreten. Seit 2002 zeigt er seine Arbeiten auf der Website “www.denkeler-foto.de” und betreibt seit 2010 den Foto-Blog “Journal – Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst”.
www.denkeler-foto.de

Selbstporträt, © Ralf Hasford 2012
Selbstporträt, © Ralf Hasford 2012

Ralf Hasford (*1965) zu seiner Philosophie: „Ich arbeite mit Vorhandenem, destilliere politische und mythische Begebenheiten in meinen Werken. Aus alten Brüchen und verbrauchten Materialien entstehen so Werke zur Genusssteigerung“. Der Erhalt von Natur und Freiheit sind ihm eine Verpflichtung. Seine Werke sind seit 2005 an unterschiedlichen Orten in ständigen wie temporären Ausstellungen in Berlin und dem Bundesgebiet zu sehen. Eine immerwährende Neugier auf die Weiterentwicklung des Gesehenen treibt ihn in seinem Schaffen an. Dabei stellt er sich den scheinbaren Begrenzungen, die in Handwerk und Material ruhen, um diese zu überwinden und neue Formen zu erlangen. Mit „Vorkoloriert“ schuf er sich eine eigene Technik, mit der er seine Werke erstellt.  2002 definierte Hasford  den Begriff und entwickelte die Technik dann  in unterschiedlichen Weisen weiter. Großformatige Bilder sowie raumgreifende Plastiken gehören dazu. „Liebe und gutes Essen begleiten mich dabei.“ sagt Hasford mit einem Lachen. „Vorkoloriert“ voraus gingen Kommunikations-design, Interieurgestaltungen und Entwürfe für Lampen. Unter  Lichtrauschen® vereint er Kunst, Design und Kommunikation. Als „Fels oder Brandung“ erschafft er als Berater Marken und Kommunikationsmittel für Mittelstand und Konzerne. www.lichtrauschen.com

Drei Ausstellungen auf vier Etagen im Bayer-Haus am Kurfürstendamm: Ralf Hasford “Sitzenlassen in Berlin”, Horst Hinder “Berlin – zerlegt und collagiert” und Friedhelm Denkeler “Im Wedding, 1977”

Im Westen von Berlin ist ein neuer, einzigartiger Kultur-Cluster für fotografische Ausstellungen und Veranstaltungen im Entstehen begriffen: Die weltberühmte C|O-Galerie zieht in das Amerika-Haus am Bahnhof Zoo (siehe „Von der Mitte in den Westen„), fast direkt neben das Museum für Fotografie/die Newton Foundation, die Galerie Camera Work  in der Kantstraße und die Universität der Künste in der Hardenbergstraße sind seit langem etabliert und am Kurfürstendamm gibt es den Photoplatz im Hotel Bogota. Seit kurzem entsteht ein weiterer Ort für Fotografie: die Galerie im Bayer-Haus am Kurfürstendamm.

"3 x Berlin – Fotografische Arbeiten", Grafik © Horst Hinder 2013
„3 x Berlin – Fotografische Arbeiten“, Grafik © Horst Hinder 2013

Im Bayer-Haus zeigen aktuell ab dem 25. Januar 2013 die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler unter dem Titel „3 x Berlin – Fotografische Arbeiten – Drei Ausstellungen auf vier Etagen“ mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert.

Horst Hinder stellt unter dem Titel „Berlin – zerlegt und collagiert“ großformatige, farbige Foto-Collagen aus. Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammengesetzt. Ralf Hasford stellt sein Werk „Sitzenlassen in Berlin“ aus. Ein mit Pigmenten vorkolorierter Papierpulp (Pappmaché) wurde nach der Trocknung in einem aufwendigen Verfahren mit einem fotorealistischen Druck versehen. Friedhelm Denkeler zeigt, in klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 1977 und 1978 entstandenen Fotos aus dem Portfolio „Im Wedding“, die jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind.

Die Vernissage findet am Donnerstag, 24. Januar 2013,  18 – 21 Uhr, im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, statt. Zur Begrüßung um ca. 18.30 Uhr spricht ein Vertreter der IVG Asset Management GmbH des Bayer-Hauses und der Philosoph Reinhard Knodt, der unter anderem für Deutschlandradio Kultur arbeitet, wird sich und die Gäste fragen, „warum wir Bilder malen,  warum sie gelingen oder misslingen, warum sie uns ansprechen und warum sich Sammler mit Kunst umgeben“.

Eine Künstlerführung wird es am Freitag, 1. März 2013, 15 Uhr, geben und die Finissage findet am Donnerstag, 21. März 2013, 18 Uhr, statt. Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Fotografen: Horst Hinder www.horst-hinder.deRalf Hasford www.lichtrauschen.com und Friedhelm Denkeler www.denkeler-foto.de. Für die Zukunft ist geplant, regelmäßig fotografische Arbeiten mit wechselnden Künstlern im Bayer-Haus auszustellen. So wird es einen neuen Ort für Fotografie in Berlin geben.

Vorankündigung: Drei Ausstellungen auf vier Etagen – Ein neuer Ort für Fotografie im Bayer-Haus am Kurfürstendamm

3 × Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2012
3 × Berlin – Fotografische Arbeiten, Grafik © Horst Hinder 2012

Die drei Berliner Künstler Horst Hinder, Ralf Hasford und Friedhelm Denkeler zeigen ab dem 25. Januar 2013 im Bayer-Haus am Olivaer Platz, Kurfürstendamm 179, 10707 Berlin, mit ganz unterschiedlichen fotografischen Verfahren, ihre Sicht auf das alte und neue Berlin. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Horst Hinder von den Fotografen selbst konzipiert.

Ralf Hasford präsentiert sein Werk „Sitzenlassen in Berlin“. Ein mit Pigmenten vorkolorierter Papierpulp (Pappmaché) wurde nach der Trocknung in einem aufwendigen Verfahren mit einem fotorealistischen Druck versehen.

Friedhelm Denkeler zeigt, in klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 1977 und 1978 entstandenen Fotos aus dem Portfolio „Im Wedding“, die jetzt zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind.

Horst Hinder stellt unter dem Titel „Berlin – zerlegt und collagiert“ großformatige, farbige Collagen aus. Hinder hat die Stadt fotografisch auseinander genommen und Quadrat für Quadrat wieder neu zusammen-gesetzt.

Die Vernissage findet am Donnerstag, 24. Januar 2013, 18 bis 21 Uhr, statt. Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Fotografen: Ralf Hasford www.lichtrauschen.com, Friedhelm Denkeler www.denkeler-foto.de und Horst Hinder www.horst-hinder.de.

Für die Zukunft ist geplant, regelmäßig Fotografische Arbeiten mit wechselnden Künstlern im Bayer-Haus auszustellen. So wird es einen neuen Ort für Fotografie in Berlin geben – und endlich auch am Kurfürstendamm.