Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Hans-Christian Schmid

Hans-Christian Schmid mit „Was bleibt“ (Deutschl. 2012, im Wettbewerb)

"Corinna Harfouch, Lars Eidinger und Hans-Christian Schmid im Berlinale-Palast", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Corinna Harfouch, Lars Eidinger und Hans-Christian Schmid im Berlinale-Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Nun also der zweite von den drei deutschen Filmen des Wettbewerbs: Hans-Christian Schmid mit „Was bleibt“. Genau diese Frage stellt man sich am Ende des Kammerspiels auch! Wahrscheinlich nicht viel, denn Gitte (Corinna Harfouch) löst sich am Ende des Wir-treffen-uns-alle-mal-wieder-Heimfahr-Wochenendes einfach auf.

Die Probleme dieser Wochenenden im Rest der Republik kennen sicher viele zugewanderte Berliner. Man telefoniert einmal in der Woche und spricht dann über äußere Befindlichkeiten. Man sieht sich vielleicht zweimal im Jahr oder vielleicht auch nur zu Weihnachten. Und das reicht vollkommen, denn sehr harmonisch verlaufen diese Besuche meistens nicht. Die ältere Generation weiß von der jüngeren nicht wirklich, was sie beschäftigt. Keiner will sich eine Blöße geben. Die Verständigung wird immer mühsamer, man hat sich auseinandergelebt.

In einer der schönsten Szenen des Familiendramas singen Marko, Gitte und Günter „Du bist so komisch anzusehen … Ich kann dich einfach nicht mehr seh’n!“ (Charles Aznavour). Die Art, wie die Drei dabei miteinander umgehen, ist symptomatisch für die Familie. Solche verdichteten Szenen hätte ich mir mehr von Schmid gewünscht. Da klang etwas, an den am Tag zuvor gesehenen Billy Bob Thornton und sein “Jayne Mansfield’s Car„, an.

Auch bei Schmid spielt, wie in Christian Petzold’s “Barbara” der Deutsche Wald eine zentrale Rolle: In einer weiteren guten Szene sucht Marko die verschwundene Mutter im dunklen Wald. Er stolpert, verletzt sich, schläft ein und träumt von seiner Mutter mit der nun am Lagerfeuer sitzt, sie sich unterhalten und verstehen.

Die Figuren bleiben schablonenhaft in ihren Rollen gefangen und vielleicht hätte Papa seinem Sohn schon eher den Geldhahn zudrehen sollen, dann hätte zumindest dieser, das wahre Leben eher spüren dürfen. Zuviel Trübsal auf hohem Niveau. Hans-Christian Schmid ist nach «Lichter», «Requiem» und «Sturm» nun bereits zum vierten Mal im Berlinale-Wettbewerb.

Marko ist Anfang dreißig und lebt seit seinem Studium in Berlin – weit genug entfernt von seinen Eltern Gitte und Günter, mit deren bürgerlichen Lebensentwurf er sich nie recht anfreunden wollte. Ein, zwei Mal im Jahr besucht er die beiden, in erster Linie um ihnen ein paar gemeinsame Tage mit ihrem Enkel, Markos fünfjährigem Sohn Zowie, zu ermöglichen. Marko hofft auf ein halbwegs ruhiges Wochenende in der Kleinstadt, doch es gibt Neuigkeiten: Gitte, die seit Markos Kindheit manisch-depressiv ist, fühlt sich nach einer homöopathischen Behandlung zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gesund. Sie verzichtet auf ihre Medikamente und baut auf einen gemeinsamen Lebensabend an der Seite ihres Mannes, nicht ahnend, dass sie mit ihrer unerwarteten Genesung seine Pläne durchkreuzt.

Auch Markos jüngerer Bruder Jakob und dessen Lebensgefährtin Ella stehen an einem Wendepunkt, denn Jakob richtet sich mehr und mehr auf ein Leben in Blicknähe zu seinen Eltern – vor allem zu Gitte – ein, Ella hingegen würde gern ihre beruflichen Pläne erst mal im Ausland weiterverfolgen. Markos Anwesenheit wirkt wie ein Katalysator, er provoziert die Konfrontation mit den unausgesprochenen Wahrheiten, die Fassade des harmonischen Familienlebens bröckelt. [Quelle: Filmbeschreibung] Filmtrailer