Der Himmel über den Deichtorhallen und die Traummänner

„Traummänner – 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal“ in den Hamburger Deichtorhallen

"Der Himmel über den Deichtorhallen", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Der Himmel über den Deichtorhallen“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der Himmel über den Deichtorhallen in Hamburg war fantastisch, aber ob die fotografierten Herren wirklich Traummänner oder eher „Albtraum“-Männer darstellen, wollten wir in der aktuellen Ausstellung der Deichtorhallen überprüfen. Die drei Ausstellungen „Traummänner – 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal „, „The Twins – A Visual Journey By Gisela Getty & Jutta Winkelmann“ und „Joe Dallesandro – Superstar“ im Haus der Photographie, sowie „Gilbert & George – Jack Freak Pictures“ in der Halle für aktuelle Kunst sind zur Zeit in den Deichtorhallen zu sehen.

Zunächst zu den 150 Bildern der „Traummänner“: Die fünfzig Fotografen, von denen ich nur Peter Lindbergh, Mary Ellen Mark, Mary McCartney, Ellen von Unwerth, Bryan Adam, Margarita Broich und Bruce Weber kannte, „zeigen Männer aus verschiedenen Blickwinkeln, stark, schwach, sexy – moderne Männer, die mehr als die gesellschaftliche Idealvorstellung spiegeln, die etwas von der Substanz ihres Wesens aufscheinen lassen“, so die Ausstellungsankündigung. Ein Statement von acht Fotografen finden Sie hier.

Ob sexy, elegant oder witzig – um dem Bild eines Traummannes zu entsprechen, sollte ein Mann anscheinend vor allem prominent sein. Denn die meisten Fotografen wählten, frei von den Zwängen der Auftraggeber, Bilder von Schauspielern wie George Clooney, Tom Cruise, Benno Fürmann, Johnny Depp und Matt Dillon aus. Da die Traummänner hauptsächlich von Mode- und Werbefotografen abgelichtet wurden, ist das Ergebnis entsprechend: Der makellose George Clooney aus der perfekt gebügelten Welt oder Vincent Cassel, der harte Choreograph aus „Black Swan“ (zu Black Swan siehe hier), der gleich von drei Fotografen gewählt wurde.

Die Ausstellung „Traummänner“ ist das Folgeprojekt zu den „Traumfrauen“, die 2008 in den Deichtorhallen zu sehen waren. Fazit: „Der neue Mann ist der alte Mann. Das aber muss man nicht unbedingt glauben. Und sehen schon gar nicht“ (Der Spiegel). Ein großer Teil der Männer stellte eher Albtraummänner dar, wie meine Frau meinte. Wer mag, kann sie noch bis zum 22. Mai 2011 bewundern. Mal sehen, wie gut die „Zwillinge“ sind. Morgen mehr. www.deichtorhallen.de

Impressionen aus Hamburg (5)

"Morgenstimmung an der Binnenalster", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Morgenstimmung an der Binnenalster“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Morgenstimmung an der Binnenalster

Der Weg von unserem Hotel zu den Kunsttempeln führte uns morgens in der Regel an der Binnenalster vorbei. Bei diesem herrlichen Frühlingswetter verweilten wir hier und genossen die Sicht auf den Alstersee, der im 17.Jahrhundert mit der Errichtung der Hamburger Wallanlagen in Außen- und Binnenalster getrennt wurde. Die Binnenalster, die eine Fläche von etwa 18 Hektar aufweist, ist der kleinere, südliche Teil des Alstersees. Sie wird von der Außenalster im Nordosten gespeist und fließt in der südlichen Ecke unterhalb des Jungfernstiegs über die Kleine Alster in Richtung Elbe ab. In der Mitte der Binnenalster befindet sich die bis zu 60 Meter Höhe speiende Alsterfontaine, die bei unserem Besuch aber noch nicht in Betrieb war.

Impressionen aus Hamburg (3)

"Deichtorhallen", Foto © Friedhelm Denkeler 2009
„Deichtorhallen“, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Gilbert & Georg und Joe Dallesandro im Haus der Photographie in den Deichtorhallen in Hamburg

Während des anstehenden Hamburg-Aufenthalts wollen wir uns die beiden Ausstellungen von Gerhard Richter in der Hamburger Kunsthalle und im Bucerius Kunst Forum ansehen und im Haus der Photographie warten die Kunstschauen „Jack Freak Pictures“ der Weltstars Gilbert & George; „Der Traummann der 70er Jahre“ mit Joe Dallesandro – Superstar; „Traummänner“, 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal und „The Twins“, A Visual Journey By Gisela Getty & Jutta Winkelmann, auf uns. Über alle fünf Ausstellungen werde ich in den nächsten Tagen berichten.

Impressionen aus Hamburg (2)

"Das Goldene Kalb", Foto © Friedhelm Denkeler 2009
„Das Goldene Kalb“, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Der Tanz um das goldene Kalb – Ein Pfeiler in der Elbe als Ausstellungsplatz

Direkt an der Ellerholzbrücke zum Argentinien-Anleger steht auf einem roten Sockel auf einem ehemaligen Brückenkopf ein goldenes Kalb. Die Künstlerin Elisabeth Richnow hat den Pfeiler seit 2009 für fünf Jahre gepachtet. Das mystische Kunst-Tier aus Schlagmetall versteht sie als kritischen Kommentar zu Stadtplanung und Subventionspolitik im Hafen. Für die Künstlerin steht das Kalb für den Tanz um etwas Falsches und damit ist speziell der Ausbau der Hafencity gemeint, der bei den Bürgern angesichts klammer Kassen nicht immer auf Zustimmung stößt.

Die Hamburger Oberhafen-Kantine in Berlin

"Berliner Oberhafen-Kantine", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Berliner Oberhafen-Kantine“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Hamburgs schräge Kaffeeklappe am „Hamburger Bahnhof“

Verrückt – im wahrsten Sinne des Wortes: Hamburgs einzige noch erhaltene Kaffeeklappe befindet sich in einer Replik des Hamburger „Baumeisters“ und Künstlers Thorsten Passfeld zur Zeit auf dem Entwicklungsgelände an der Heidestraße in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs. Das 1925 entstandene Original, die windschiefe Kaffeeklappe in der Stockmeyerstraße auf dem Hamburger Hafengelände, ist sozusagen der Vorläufer von Starbucks und Caras.

Die Berliner Ausgabe wurde aus dem Holz von Abrisshäusern und Baustellen nachgebaut. Ein Symbol der Nachhaltigkeit, das mit Ausnahme des Grundgerüstes aus Abfallholz entstanden ist. Dank einer Hubkonstruktion soll sie genau so schief stehen können wie das Hamburger Original. Das Original in Hamburg ist allerdings aus rotem Backstein gebaut. Bei meinem anstehenden Hamburg-Besuch werde ich es mir ansehen. Zum neuen Kunstquartier siehe auch mein Artikel hier.

“Gerhard Richter. Bilder einer Epoche”

… im „Bucerius Kunst Forum“ in Hamburg (bis zum 15. Mai 2011)

"Unbekannte Schöne nach Gerhard Richter", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Unbekannte Schöne nach Gerhard Richter“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Als Gerhard Richter, heute international hochgeschätzt wie kaum ein anderer Künstler, Anfang der sechziger Jahre in den Westen übergesiedelt war, schuf er eine Werkgruppe großformatig gemalter Photos und setzte sich so mit einer  für ihn neuen Welt auseinander.

Heute ist in der Gesamtheit dieser Arbeiten, das Bild einer ganzen Epoche zu entdecken. Das Bucerius Kunst Forum widmet dieser Phase Gerhard Richters die erste Ausstellung des Jahres 2011 und eröffnet damit die Folge der internationalen Ausstellungen zu seinem 80. Geburtstag im Jahr darauf.

Das kontinuierlich im Lauf von 45 Jahren entstandene, große malerische Werk dieses Künstlers haben in den letzten Jahren Ausstellungen gewürdigt, die einzelne charakteristische Themen-Komplexe untersuchten, etwa die Landschaften (Hannover 1998), die Bilder nach Bildern (Humlebæk, Dänemark 2005), die Abstraktion (Köln 2008), die Übermalten Photographien (Leverkusen 2008) oder die Bildnisse (London 2009).

Nun ist es an der Zeit, sich intensiver mit den gemalten Photos der sechziger und siebziger Jahre zu befassen, um sie vor dem Hintergrund des zeitgeschichtlichen Kontextes wesentlich neu zu verstehen. Tatsächlich sehen wir heute in der Gesamtheit von Richters frühen Werken das Bild einer Epoche aus der Perspektive eines Zeitzeugen. So untersucht die Ausstellung, die mit Hilfe der Photographie und ihrer malerischen Wiedergabe geschaffenen Bilder nach ihren historischen und ihren aktuellen Bezügen.

Bislang noch nicht veröffentlichte Bildmaterialien und Texte aus dem Gerhard Richter-Archiv in Dresden, das als Kooperationspartner an dem Projekt mitwirkt, ermöglichen einen neuen Blick auf die Komplexität der Richterschen Bildwelt, in der sich das Banale und das Böse begegnen: die Träume und Sehnsüchte der Zeit, schnelle Autos oder Urlaubsreisen, die persönlichen Erinnerungen, die beklemmende Vergangenheit, die aktuelle Politik sowie auch die trivialen, gleichwohl vielsagenden Gebrauchsgegenstände des Alltags, darunter ein Wäschetrockner oder ein falscher Kronleuchter.

Zum Verständnis der Erinnerungsqualität der Bilder aus den sechziger und siebziger Jahren ist der Zyklus 18. Oktober 1977 (1988) zum Tod der RAF-Mitglieder in Stammheim von zentraler Bedeutung. Als Leihgabe des New Yorker MoMA kommt dieses spektakuläre Hauptwerk Richters noch einmal nach Deutschland und bildet den Höhepunkt der Ausstellung (Quelle: Presseerklärung).

Eine Ausstellungsbesprechung erfolgt Mitte April 2011.  www.buceriuskunstforum.de