Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Grete Stern

Fotoreportagen aus dem Norden Argentiniens 1958 bis 1964

"Ausstellungsplakat 1965 Grete Stern", Foto © Friedhelm Denkeler 2010
„Ausstellungsplakat 1965 Grete Stern“, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Im Ethnologischen Museum in Dahlem in der Lansstraße 8 sind bis zum 30.Januar 2011 Fotos von Grete Stern (Elberfeld 1904 – Buenos Aires 1999) zu sehen. Die Ausstellung zeigt hauptsächlich ihre dokumentarischen Sozialstudien der ethnischen Gruppen aus den Provinzen Gran Chaco, Formosa und Salta im Norden Argentiniens. Sie sind zwischen 1958 und 1964 während einer ethnologischen Expedition, im Rahmen eines Lehrauftrages und eines Stipendiums in den Dorfgemeinschaften der Indianer entstanden.

Zur Dokumentation der Lebens-bedingungen der Indios und ihrer handwerklichen Techniken hat Grete Stern Porträts von Personen und Gruppen, Kunsthandwerk, Hausformen sowie Landschaften aufgenommen. In der Ausstellung treten die Bilder in einen Dialog mit einer Auswahl von ethnographischen Objekten der indigenen Gruppen aus dem Ethnologischen Museum Berlin. Sie werden in vier Kapiteln vorgestellt: Kulturen in Bewegung, die Welt der Männer, die Welt der Frauen sowie Schamanismus und Religiosität. Eine Präsentation von ausgewählten Fotos habe ich hier gefunden.

Am Bauhaus lernte Grete Stern (hier ein Selbstporträt als Collage) ihren zukünftigen Ehemann, den argentinischen Fotografen Horacio Coppola kennen. 1934 emigrierte das Paar zunächst aus Nazi-Deutschland nach London, ein Jahr später nach Argentinien. 1936 eröffnete Grete Stern mit ihrem Ehemann in der Hauptstadt Buenos Aires ein Studio für Werbung und Fotografie. Das zeitgleich erworbene Haus wurde zum Treffpunkt für progressive Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle.

Bekannt wurde Grete Stern in den 1930er Jahren durch die gemeinsame Arbeit mit Ellen Auerbach und ihrer Porträt- und Werbefotografie im gemeinsam betriebenen Fotostudio ringl + pit in Berlin. Zwei Semester lang besuchte sie zusätzlich die Fotoklasse von Walter Peterhans am Berliner Bauhaus.

Ihre, in dieser Zeit erworbene Collage-Technik, fand später in Argentinien ihre Anwendung. Zwischen 1948 und 1951 erstellte sie wöchentlich eine Fotomontage für die Zeitschrift Idilio. Artikel, die der psychologischen Beratung dienten und sich mit Träumen beschäftigten, illustrierte sie. Diese Fotomontagen weisen unabhängig von ihrer ursprünglichen Funktion eine hohe künstlerische und für die damalige Zeit große handwerkliche Begabung auf (siehe Art of Photography – Grete Stern).

Diese zuletzt genannten Arbeiten sowie Grete Sterns Stillleben, Portraits und Landschaften werden in einem Einführungsteil zur Ausstellung nur zusammengefasst dargestellt. Insofern ist der Untertitel der Ausstellung „Vom Bauhaus zum Gran Chaco“ eher irreführend, da hauptsächlich ihre dokumentarischen Arbeiten, die mehr für ethnologisch Orientierte interessant sind, zu sehen sind. Von den aus meiner Sicht künstlerisch interessanteren Fotos hätte ich gerne mehr gesehen. Das aber war nicht Ziel dieser Ausstellung. Eine Auswahl weiterer Fotos finden sie hier.