Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Fats Domino

1949 – Fats Domino: »The Fat Man«

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt …

Fats Domino wurde von einem Trompeter des Duke Ellington-Orchesters in einem Club in New Orleans entdeckt, der ihm seine erste Plattenaufnahme »The Fat Man« verschaffte. Der Song entwickelte sich mit den Jahren zu einem ersten Millionenseller im Rhythm & Blues. Der Titel war selbstironisch zu verstehen, denn der Dicke brachte schon damals ein erhebliches Übergewicht auf die Bühne. Es war der Beginn einer mehr als zehnjährigen Plattenkarriere und eine der Gründungssingles des Rock’n’Roll. Weitere Songs von ihm sind zu benennen: Blueberry Hill, I’m Walkin’, Aint That A Shame, Walking to New Orleans, My Girl Josephine und Jambalaya (on the Bayou).

Domino, der sein Klavier im Boogie-Stil spielte, gehörte mit Little Richard und Chuck Berry zu den einflussreichsten Musikern der Frühphase des Rock’n’Roll. Er hat eine lange Liste von Musikern geprägt. Der Song »Lady Madonna« von den Beatles war eine Hommage an das Klavierspiel Dominos. Der fühlte sich so geehrt, dass er es gleich in sein Repertoire aufnahm.

1949 – Fats Domino: »The Fat Man«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler
1949 – Fats Domino: »The Fat Man«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler

Antoine ›Fats‹ Domino Jr. wurde 1928 als eines von acht Geschwistern geboren. Die Domino-Familie hatte einen französisch-kreolischen Hintergrund; das erklärt auch die Zeile »Watchin‘ all these creole gals« in »The Fat Man«.

1986 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen; 2003 in die Blues Hall of Fame. Der Rolling Stone nahm ihn in seine Liste der 100 größten Künstler aller Zeiten auf. Außerdem verlieh ihm US-Präsident Bill Clinton 1998 die National Medal of Arts, die bedeutendste Künstlerauszeichnung, die der amerikanische Kongress verleiht. Für sein Lebenswerk wurde er mit einem Grammy ausgezeichnet. Domino starb im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in seiner Heimatstadt New Orleans.

Als Kontrastprogramm zu Fats Domino erinnere ich mich für das Jahr 1949 an den Song »Capri Fischer« von Rudi Schuricke. Der deutsche Komponist Gerhard Winkler schrieb das Lied bereits 1943; der Text stammt von Ralph Maria Siegel, dem Vater des Komponisten Ralph Siegel. Rudi Schuricke sang das Lied 1943 bei Polydor auf Schallplatte ein. Kurz danach wurde die Wiedergabe des Stücks im Rundfunk verboten, da die US-Armee 1943 bereits auf Capri gelandet war. So richtig bekannt wurde das Lied erst mit den Wirtschaftswunder-Jahren.

Das Lied steht exemplarisch für die deutsche Italiensehnsucht. Viele Westdeutsche konnten nach dem Krieg erstmals Urlaub am Mittelmeer machen. Das Lied beginnt mit dem Bild der bei Capri im Meer versinkenden Sonne; auf einer Insel, die als das exotische Paradies auf Erden erscheint. Schlager wie dieser, während des Krieges geschrieben, versuchten dem entbehrungsreichen Leben, Ausblick auf eine angenehme Zukunft entgegen zu setzen. Spätere deutsche Schlager griffen das Sehnsuchtsmotiv gerne wieder auf und ein eigenes Genre entstand. Das ursprüngliche Lied aber wurde ein Evergreen und gehört bis heute zum festen Repertoire vieler Künstler.

»Fats Domino im Jahr 1962», Quelle: Wikipedia

Songtext – Fats Domino: »The Fat Man«

They call, they call me the fat man
‚Cause I weight two hundred pounds
All the girls they love me
‚Cause I know my way around

I was standin‘, I was standin‘ on the corner
Of Rampart and Canal
I was watchin‘, watchin‘
Watchin‘ all these creole gals

Wah wah wah, wah wah
Wah wah waah, wah wah wah
Wah wah waah, wah wah wah
Wah wah wah
Wah waah wah

I’m goin‘, I’m goin‘ goin‘ away
And I’m goin‘, goin‘ to stay
‚Cause women and a bad life
They’re carrying this soul away

Anmerkung zur Kategorie »Rock-Archiv»

Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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