Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Eikoh Hosoe

Die Metamorphose Japans nach dem Krieg – Fotografie 1945–1964. Die Herausbildung der nationalen Identität und die Rolle der Fotografie

"Selbst in der Jebenstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Selbst in der Jebenstraße“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

„Fotografie spielte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan eine wichtige Rolle bei der Herausbildung einer neuen nationalen Identität. Vom Schock der Atombombenabwürfe bis hin zur Neupräsentation des Landes bei den Olympischen Spielen in Tokio im Jahr 1964 wurde die Geburt der neuen japanischen Nation von bedeutenden Fotografen begleitet“ schreiben einleitend die Kuratoren.

Vom Elend der unmittelbaren Nachkriegsjahre bis zum Wiederaufbau und den Folgen der Modernisierung reicht die inhaltliche Spannweite der Fotos. Dabei spielen die Fotografen der Bildagentur Vivo ab Mitte der 1950er Jahre eine tragende Rolle.

Ausstellungen zur japanischen Fotografie sind in Europa selten zu sehen. Allein aus diesem Grund lohnt sich der Besuch der Ausstellung, die in drei Kapitel eingeteilt ist: „Die Folgen des Krieges“, „Tradition versus Moderne“ und „Ein neues Japan“.

Mit 123 Schwarz-Weiß-Fotografien werden die Arbeiten von elf japanischen Fotografen der Nachkriegszeit vorgestellt. Bekannt in Europa ist insbesondere Eikoh Hosoe. Sein Foto „Barakei (Von Rosen getötet)“ steht stellvertretend für die künstlerischen Werke in der Ausstellung. Die Arbeiten der anderen Fotografen folgen eher einem bildjournalistischen Ansatz.

Ab Mitte der 1950er Jahre ändern sich die Arbeiten immer mehr in Richtung „subjektive Dokumentation“. Sie wandeln sich von der Dokumentation der Kriegszerstörungen hin zum Gegensatz zwischen dem traditionellen Japan und der Modernisierung des Landes, die gleichzeitig mit der amerikanischen Besetzung in Verbindung gebracht wird.

In einem Sonderteil der Ausstellung („grauer Kubus“) werden amerikanische Fotografien des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, der atomaren Tests in den amerikanischen Wüsten und auf den Inseln im Pazifik gezeigt. Fotografien von dem japanischen Militärfotografen Yosuke Yamahata, die einen Tag nach dem Abwurf der Atombombe auf Nagasaki am 10. August 1945 entstanden sind, halten den unvorstellbaren Schock des vorangegangenen Tages fest (den 45-minütigen Film „Nagasaki – Der Tag nach der Apokalypse“ finden Sie hier).

Die Ausstellung ist im Museum für Fotografie in der Jebenstraße in Berlin noch bis zum 17. Juni 2012 zu sehen.