Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

David Bowie

… und in viele Rollen schlüpfte: David Bowies Karriere – vorgestellt anhand von zehn Songs

Here am I sitting in a tin can/ Far above the world/ Planet earth is blue/ And there’s nothing I can do [aus: David Bowie „Space Oddity „]

Anhand meiner Top Ten stelle ich heute, zum Schluss der dreiteiligen David Bowie-Reihe, die wichtigsten musikalischen Stationen seiner Karriere vor:

  • David Bowie: „Space Oddity“ (Album: „Space Oddity“, 1969)
  • David Bowie: „Ziggy Stardust“ (Album: „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders From Mars“, 1972)
  • David Bowie: „Rebel Rebel“ (Album: „Rebel Rebel“ (Album: „Station to Station „, 1976)
  • David Bowie: „Heroes“, 1977, (Album: „Heroes“, 1977)
  • David Bowie: „China Girl“, 1983 (Album: „Let’s Dance“, 1983)
  • David Bowie: „Let’s Dance“, 1983 (Album: „Let’s Dance“, 1983)
  • David Bowie: „Modern Love“ (Album: „Let’s Dance“, 1983)
  • David Bowie: „Absolute Beginners“, 1984, aus dem Album: „Tonight“
  • David Bowie: „Blue Jean“, 1984, aus dem Album: „Tonight“
  • David Bowie: „Where Are We Now“, 2013, aus dem Album: „The Next Day“

Mit seinen kunstvollen Paradigmenwechseln schaffte David Bowie einen immer wieder überraschenden und anhaltenden vierzigjährigen Erfolg als androgyner Rockstar. Kurz vor der Mondlandung von Apollo 11 gelang Bowie mit seinem zweiten Album und der gleichnamigen Single „Space Oddity“ 1969 sein erster Hit. Der Song wurde von Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey inspiriert und stellte die Figur des Major Tom in Bowies Werk vor. Viele weitere Rockstars übernahmen die Figur, so Peter Schilling in Major Tom (völlig losgelöst); in Terrence Loves You von Lana Del Ray heißt es in einer Zeile „Ground control to Major Tom. Can you hear me all night long?“ und in Bowies Ashes to Ashes heißt es im Refrain „We know Major Tom’s a junkie, strung-out in heaven’s height, hitting an all-time low“.

Cover der LP David Bowie: “Let's Dance”, 1983, Foto © Friedhelm Denkeler 2016
Cover der LP David Bowie: “Let’s Dance”, 1983, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Nach The Man Who Sold the World und Hunky Dory (beide 1971) wurde Bowie ein Jahr später mit The Rise and Fall of Ziggy Stardust und der anschließenden Welttournee 1972 endgültig bekannt. Das lag auch an seiner neuen Rolle als Ziggy Stardust, dessen Aufstieg und Fall in einer dem Untergang geweihten Welt spielt. Aber sein Alter Ego Ziggy und die theatralische Bühnenshow mit ihren provozierend homoerotischen Zügen und dem knallrotem Haar legte er bald beiseite und trat, ein weiterer Imagewechsel, dann nur noch im Maßanzug auf. Für die Schaffensphase des Albums Station to Station verwandelte sich Bowie 1976 in eine weitere Kunstfigur namens Thin White Duke; der Titelsong Station zu Station beginnt mit der Zeile „The return of the Thin White Duke“. Sein exzentrischer Kleidungstil wechselte erneut, er trug nur noch eine schwarze Hose mit weißem Hemd und sein Auftreten war distanziert und unterkühlt.

Zu Bowies „Berlin-Zeit“ und seinem Album Heroes um 1977 siehe Artikel “Wir sind dann Helden für einen Tag“ . 1983 änderte sich Bowies Musikstil wieder einmal; man könnte ihn als Post-Disco bezeichnen, als tanzbaren Mainstream; Let’s Dance wurde eines seiner erfolgreichsten Alben. Der Song Absolute Beginners wurde vom Regisseur Julien Temple für den Titelsong des gleichnamigen Film über das Leben im London der Fünfzigerjahren verwendet. Der Film war kommerziell wenig erfolgreich. Danach war an die zehn Jahre nichts Neues von Bowie zu hören. 2013 singt er sich in die Siebzigerjahre mit Where Are We Now zurück.

David Bowie: „Where Are We Now“, 2013, (Ersatzlink)

Noch einmal lässt Bowie in dem Song seine Berlin-Zeit Revue passieren. So schnell wird Berlin keinen neuen Thin White Duke hervorbringen. „A Man Lost in Time“.

Had to get the train/ From Potsdamer Platz/ You never knew that/ That I could do that/ Just walking the dead/ Sitting in the Dschungel/ On Nürnberger Straße/ A man lost in time/ Near KaDeWe/ Just walking the dead [aus: David Bowie „Where Are We Now „]

„And the guns, shot above our heads“

Du/ Könntest du schwimmen/ Wie Delphine/ Delphine es tun/ Niemand gibt uns eine Chance/ Doch können wir siegen/ Für immer und immer/ Und wir sind dann Helden/ Für einen Tag [aus: David Bowie „Helden“]

Zwischen 1976 und 1978 erlebte David Bowie im damaligen West-Berlin eine seiner kreativsten Phasen. In der ersten Zeit wohnte er bei Edgar Froese von Tangerine Dream im Bayrischen Viertel, wo er einen harten Entzug von kalten Drogen machte. Anschließend zog er in die Hauptstraße 155 in Berlin-Schöneberg in eine große Altbauwohnung, in der er zeitweise mit Iggy Pop zusammen lebte. Nach Bowies Tod am 10. Januar 2016 wurde die Hauptstraße 155 zum „Wallfahrtsort“ seiner Fans; ein Meer von Blumen und Lichtern entstand in den folgenden Tagen auf dem Bürgersteig vor dem Haus. Die Hauptstraße wurde provisorisch in David-Bowie-Straße umbenannt.

"David-Bowie-Straße" (Hauptstraße 155 in Berlin Schöneberg), Foto © Friedhelm Denkeler 2016
„David-Bowie-Straße“ (Hauptstraße 155 in Berlin Schöneberg), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Drei Alben, die sogenannte Berlin-Trilogie: Low, „Heroes“ und Lodger entstanden während Bowies West-Berliner Zeit. Produziert wurden sie in den direkt an der Berliner Mauer gelegenen Hansa-Studios in der Köthener Straße in Berlin-Kreuzberg. Aus dem Kontrollraum des Meistersaals hatte man einen unverbauten Blick auf die Mauer und den Todesstreifen. Internationale Künstler wie Falco, Depeche Mode, Nick Cave, U2, Iggy Pop, waren vom Studio by the wall und die gute Akustik des Meistersaals fasziniert; allen voran David Bowie, der sich zum Song „Heroes“ 1977 durch die Mauer inspirieren ließ. Die Anführungszeichen bei „Heroes“ sind Teil des Songtitels und sollten eine gewisse ironische Distanz zum romantisch-pathetischen Songtext zum Ausdruck bringen.

David Bowie: „Heroes“ (Ersatzlink)

David Bowie: „Helden“

David Bowie: „Heroes/Helden“ (englisch/deutsch)

I, I can remember (I remember)/ Standing, by the wall (by the wall)/ And the guns, shot above our heads (over our heads)/ And we kissed, as though nothing could fall (nothing could fall)/ And the shame, was on the other side/ Oh, we can beat them, forever and every [aus: David Bowie „Heroes“]

Interview mit David Bowie in der Harald-Schmidt-Show am 11. Juli 2002

Siehe auch Artikel „In der Villa von Ormen steht eine einzelne Kerze“

„Where Are We Now?“

In the villa of Ormen/ Stands a solitary candle/ In the centre of it all/ Your eyes/ Something happened on the day he died/ Spirit rose a metre and stepped aside/ Somebody else took his place, and bravely cried: „I’m a blackstar, I’m a blackstar“ [aus: David Bowie „Blackstar“]

"Blackstar", Foto © Friedhelm Denkeler 2016
„Blackstar“, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Am 8. Januar 2016, an David Bowies 69. Geburtstag, wurde sein 28. Studioalbum „Blackstar“ veröffentlicht. Zwei Tage später starb er in New York. Von seiner Krebserkrankung, die er nicht öffentlich machte, wusste er bereits seit eineinhalb Jahren.

Diese Gewissheit hat die sieben Songs des Albums entscheidend geprägt; erschöpfte Atemgeräusche, eine kraftlose, brüchige Stimme und verstörende Videos stehen für die letzten Monate seines Lebens und seine künstlerische Auseinandersetzung damit.

David Bowie: „Blackstar“

David Bowie: „Lazarus“

Fast vierzig Jahre hat David Bowie, mal mehr und mal weniger, auch meine eigene Rockgeschichte begleitet: Es begann 1969 mit Space Oddity, das wiederum von Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey inspiriert war und führte die Kunstfigur des Major Tom in sein Werk ein.

Es folgte 1972 das Konzeptalbum The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars, in dem die Geschichte von Ziggy Stardust, dem Sinnbild eines sexuell promiskuitiven, von Drogenexzessen gezeichneten Rockstars vorgestellt wurde, der letztlich an seinem ausschweifenden Lebensstil scheiterte.

1976 erschien das Album Station to Station, in dem er sich sein Alter Ego, Thin White Duke, zulegte; eine schattenhafte Figur, die von Amerika zurück nach Europa kehrt, um ihre Wurzeln zu erkunden.

Während Bowies West-Berliner Jahre nahm er 1977 in den Hansa-Studios, direkt an der Mauer in Kreuzberg, sein vielleicht bestes Album Heroes auf; die Berliner Jahre sind aber einen eigenen Post wert.

Let’s Dance und das gleichnamige Album machten 1983 dann Bowie endgültig Disco tauglich. Nach Reality von 2003 legte er eine zehnjährige Schaffenspause ein, die er vor zwei Jahren (2013) mit The Next Day und der ausgekoppelten Single Where Are We Now, die inhaltlich Bezug auf Berlin nimmt und in der Tilda Swinton die weibliche Hauptrolle spielt, beendete.

Look up here, I’m in heaven/ I’ve got scars that can’t be seen/ I’ve got drama, can’t be stolen/ Everybody knows me now/ Look up here, man, I’m in danger/ I’ve got nothing left to lose/ I’m so high it makes my brain whirl/ Dropped my cell phone down below/ Ain’t that just like me? [aus: David Bowie „Lazarus“]

Paul Simon und Art Garfunkel fahren im Greyhound über eine Bridge Over Troubled Water

In diesem Jahr feierten und feiern sieben Rocklegenden ihren 70. Geburtstag: Bob Dylan, Neil Diamond, Art Garfunkel, Chubby Checker, David Crosby, Charlie Watts und Eric Burdon. Eric Burdon „Am Anfang war es tierisch …„, Bob Dylan „Wie ein Rollender Stein, der kein Moos ansetzt …„, Chubby Checker  „Vom Rock ‘n’ Roll zum Twist – “Let’s twist again“ und David Crosby „If I Could Only Remember My Name … David Crosby“ habe ich bereits vorgestellt. Heute soll es um Art Garfunkel vom Folk-Rock-Duo „Simon und Garfunkel“ gehen.

Laughing on the bus, playing games with the faces. She said the man in the gabardine suit was a spy, I said be careful his bowtie is really a camera.

"Auffahrt zum Großglockner", Foto © Friedhelm Denkeler 1968
„Auffahrt zum Großglockner“, Foto © Friedhelm Denkeler 1968

1970 erschien das legendäre Album „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel, das sich auch in meiner Vinyl-Sammlung befindet. Die schmalzigen Songs wie El Condor Pasa, Cecilia, The Boxer, The Only Living Boy in New York oder By, By Love kann ich leider heute nicht mehr hören, und das liegt nicht daran, dass mein alter Plattenspieler im Keller steht. Also habe ich mich nach älteren Songs umgeschaut und dabei habe ich „‚America‘ entdeckt“ (!), dass 1968 auf ihrem Album „Bookends“ erschienen ist:

Simon and Garfunkel: „America“

„Thematisch erscheint der Track wie ein Roadsong von Chuck Barry aus der Perspektive von Jack Kerouac“ so Stephen Patience in „1001 Songs“. Einen Auftritt bei David Letterman, bei dem sie „America“ singen, habe ich ebenfalls herausgesucht. Der Song selbst sowie Text und Musik von Paul Simon, sind weniger bekannt, aber auch hier bleibe ich dabei: Aus heutiger Sicht zu übertrieben gefühlvoll gesungen. Da erfreue ich mich lieber an David Bowie’s Version:

David Bowie: „America“ (Concert For New York City)

Diese denkwürdige, minimalistische Version von „America“, die David Bowie am 20. Oktober 2001 im Madison Square Garden in New York City als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September, im Schneidersitz sitzend und sich auf einem Spielzeug-Piano (Suzuki Omnichord) begleitend, gefällt mir dagegen sehr. Etwas Ähnliches habe ich noch nie gesehen und gehört.

Für die Single „Mrs. Robinson“ und das Album „The Graduate („Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffmann, 1969)“, für „Bridge Over Troubled Water“ (Single und Album 1971) und für ihr Lebenswerk (2003) erhielten Simon & Garfunkel jeweils einen Grammy. Natürlich sind sie auch in der Rock and Roll Hall of Fame” vertreten. „All come to look for America!“.

Biografie Simon & Garfunkel bei laut.de

Der Kleine Trommler – Ein kleines weihnachtliches Märchen

Come they told me / pa-rum-pum-pum-pum / A new-born king to see / pa-rum-pum-pum-pum / Our finest gifts we bring / pa-rum-pum-pum-pum / to lay before the king / pa-rum-pum-pum-pum / so to honour him / pa-rum-pum-pum-pum / when we come.

Es war einmal ein bekannter Sänger namens Bing, der den Weihnachtsabend ganz alleine zu Hause verbrachte. Plötzlich läutete es an der Haustür und David, ein Nachbar, stand vor ihm. Dieser war auf der Suche nach einem Piano, um ein Weihnachtslied zu spielen. Das passte Bing sehr gut. Er wollte gerne eines singen.

"Weihnachtliches Karussell", Foto © Friedhelm Denkeler 2008
„Weihnachtliches Karussell“, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Sie unterhielten sich über zeitgenössische Songs von John Lennon und über traditionelle Weihnachtslieder wie „White Christmas“. Dann sah David auf dem Piano den Text zu einem Weihnachtslied liegen, das auch sein sechsjähriger Sohn gerne hörte und sang: „Little Drummer Boy“. So sangen der  damals 30-jährige David Bowie und und der 74-jährige Bing Crosby im Duett die obrigen Zeilen. Glücklicherweise – so ist es nun einmal im Märchen – war zufällig ein Kameramann zugegen, der diesen historischen Moment im Jahre 1977 aufzeichnete:

David Bowie & Bing Crosby: „Little Drummer Boy“

Das amerikanische Weihnachtslied, das bereits im Jahr 1941 komponiert wurde, ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder seit den Fünfziger Jahren geworden. Es handelt von einem armen Jungen, der nicht das Geld hatte, dem neugeborenen König ein Geschenk mitzubringen. Stattdessen spielte er mit dem Einverständnis der Jungfrau Maria für den Neugeboreren auf der Trommel. Für Bing Crosby wurde „Little Drummer Boy“ neben „White Christmas“  von Irving Berlin sein erfolgreichster Song.