Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Bruce Davidson

Bedrohliche Zeichen an der Wand und die Angst fährt immer mit

1980 befand sich New York im Ausnahmezustand: Viele Teile der Stadt versanken in Müll, Ruinen, Gewalt und Armut. Die U-Bahn war ein gefährlicher Ort: Überfälle, Verwahrlosung, Tunnelfeuer und technische Defekte waren an der Tagesordnung.

Ausgerechnet in dieser Zeit porträtiert Bruce Davidson dort unerschrocken und direkt die Reisenden. Er spricht sie stets vorher an und bittet um ihre Einwilligung. Seine Fotos dokumentieren somit das tägliche Leben in New York vor der großen Kriminalitätsbekämpfung. Verwahrloste und graffitibeschmierte U-Bahnen zeigen die Widersprüche des städtischen Lebens zwischen Reich und Arm, zwischen Ghetto und Skyline.

"Bruce Davidson mit Subway-Graffito", Fotocollage © Friedhelm Denkeler 2012
„Bruce Davidson mit Subway-Graffito“, Fotocollage © Friedhelm Denkeler 2012

Aber Davidson geht es in erster Linie um die Menschen auf dem engen Raum. Schonungslos zeigt er schwarze und weiße Jugendgangs, Wall Street Broker , Liebespaare, Rabbis, elegante Geschäftsfrauen, coole Discoqueens, Familien, Kids, Obdachlose und Polizisten. „Subway“ ist Davidsons erste Serie, die er in Farbe fotografiert hat. Trotz, oder gerade deshalb, lassen sich mit Hilfe der Bilder die „Geschichten“ der Portraitierten erahnen.

Bereits 40 Jahre zuvor machte ein anderer berühmter Fotograf Fotos in der U-Bahn – Walker Evans. Im Gegensatz zu Davidson fotografierte er aber „heimlich“. Er wollte Bilder ohne Interaktion zwischen Fotograf und Fotografierten machen. Das entsprach mehr dem von Evans geprägten Begriff des „dokumentarischen Stils“.

Bruce Davidson, 1933 in Oak Park in den USA geboren, begann schon als Jugendlicher zu fotografieren und studierte Kunst an der Yale University. Während seines Militärdienstes in Frankreich lernte er 1957 Henri Cartier-Bresson, einen der Gründer der Agentur MAGNUM, kennen. 1958 wurde Davidson Mitglied bei MAGNUM. In zahlreichen Projekten dokumentierte er vor allem Menschen in ihrem städtischen Kontext, so sein „East 100th Street“-Projekt, in dem er 1970 das Leben in und um einen Wohnblock dokumentierte.

Neben den Bruce Davidson-Fotos sehen wir bei C/O im Postfuhramt in Berlin, ebenfalls noch bis 20.05.2012, die meisterhaften Porträtfotografien von Arnold Newman (siehe „Das Studio ist für mich eine sterile Welt!“). Anschließend zeigt C/O eine Larry-Clark-Retrospektive.

Fotobuch „Subway“www.co-berlin.info