Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Brillante Mendoza

Brillante Mendoza mit „Captive“ (Frankreich/ Philippinen/ Deutschland/ Großbritannien 2011, im Wettbewerb) mit Isabelle Huppert

"Isabelle Huppert, Kathy Mulville und Brillante Mendoza im Berlinale Palast", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Isabelle Huppert, Kathy Mulville und Brillante Mendoza im Berlinale Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Über ein Jahr lang scheuchen die Terroristen ihre Geiseln durch den philippinischen Dschungel und über zwei Stunden lang mussten die Zuschauer die MP-Salven mit unzähligen Toten über sich ergehen lassen – das war einem Wettbewerbsfilm nicht würdig.

Mendoza zeigt, dass man Terror auch ohne Sinn und Verstand inszenieren kann. Der Film illustriert die kranke Philosophie und Ökonomie der modernen Dritte-Welt-Terroristen, durch Lösegeld-Millionen den Kauf weiterer Waffen zu finanzieren. Und Mendoza zeigt (leider) auch keine Ursachen, geschweige denn Lösungen oder Konsequenzen auf.

Ein handwerklich gut gemachter Film, wirklichkeitsnah, so nah das Isabelle Huppert nach den ersten Drehtagen fragte: „Sind die echt?“ Denn die Filmterroristen seien wirklich bedrohlich gewesen. Natürlich kann man, wenn plötzlich ein (digital animierter?) Paradiesvogel durch den Urwald flattert, an Werner Herzog und an die Gleichzeitigkeit von Schönheit und Schrecken denken.

Die Einstellung „Seht, auch die Terroristen sind Menschen“ macht den Film jedoch nicht empfehlenswert. Einzige Empfehlung wäre, jeglichen Urlaub in von Terrorismus bedrohten Gebieten zu meiden. Hier wäre das Auswärtige Amt gefordert.

Vermummte und bewaffnete Männer der muslimischen Abu-Sayyaf-Gruppe dringen in ein Hotel auf einer Ferieninsel ein und kidnappen zwölf ausländische Gäste. Der Anschlag gilt Mitarbeitern der Weltbank, doch die sind bereits abgereist. Zu den Verschleppten gehören nun Touristen und christliche Missionare, die zu einem strapaziösen, monatelangen Marsch durch den philippinischen Urwald gezwungen werden. Gemeinsam müssen sich Entführte und Entführer gegen die Unbilden der Natur wehren; das Klima der Angst, der Vorurteile und des Hasses verwandelt sich in eine seltsam symbiotische Nähe. Die Konturen verschwimmen, Gewissheiten geraten ins Wanken. Nichts scheint mehr so, wie es einmal war …

Wie in seinen früheren Filmen lädt Brillante Mendoza in CAPTIVE dazu ein, in die verstörenden, höchst ambivalenten Innenwelten eines abgeschlossenen Universums einzutauchen. Der Film nimmt seine Zuschauer mit in Geiselhaft; er öffnet die Sinne für die existenziellen Bedrohungen durch Mensch und Natur, fragt nach realen wie spirituellen Auswegen aus der Krise und nach der Magie im Unheimlichen. Mit Schauspielern und Laiendarstellern an Originalschauplätzen gedreht, entstand der Film nach realen Ereignissen im Jahr 2001. [Quelle: Filmbeschreibung] Film-Trailer