Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Bence Fliegauf

Bence Fliegauf mit „Just The Wind (Csak A Szél)“. (Ungarn/ Deutschland 2011, im Wettbewerb)

"Bence Fliegauf (re.) mit seinen Hauptdarstellern im Berlinale-Palast", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Bence Fliegauf (re.) mit seinen Hauptdarstellern im Berlinale-Palast“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Der politisch brisante Wettbewerbsbeitrag “Nur der Wind” zeigt, wie das Schweigen und Wegsehen der ungarischen Bevölkerung die gesellschaftlich isolierten Roma ihren Mördern förmlich in die Hände spielt. Fliegauf arbeitete mit Laiendarstellern, allesamt selbst Roma.

Die ungeheuerliche Geschichte beginnt mit dem Begräbnis der getöteten Roma-Familie Lakatos und endet mit der Beerdigung der zweiten getöteten Familie Birdy. Dazwischen sehen wir, wie die Familie Birdy versucht, einen einzigen Tag zu überstehen. Ohne Strom, fließendes Wasser, mit abgelegter Kleidung und der Hoffnung auf die baldige Auswanderung nach Kanada, die ihrem Leben einen Sinn geben wird.

Fliegauf respektiert das Leben der Familie und zeigt ihre Armut ohne Klischees. Er begleitet die Familienmitglieder zur Arbeit und zur Schule mit einer Kamera aus der Rückenperspektive. Man spürt, wie den gehetzten Menschen die Angst im Nacken sitzt. Alles deutet auf das schlimme Ende hin und der Film geht auch wirklich bis an das Ende und lässt nichts mehr offen. Hoffnung zeigt er nicht und will er auch nicht zeigen. Das ist nur schwer zu ertragen, aber sehr empfehlenswert.

Der Tagesspiegel urteilt: „Das hat es auf dieser Berlinale noch nicht gegeben. Ein Film, der so leise ist – und doch ein Schrei. Ein Film, in dem an der Oberfläche oft nur wenig geschieht und doch jede Sekunde von einer ungeheuren, untergründigen Spannung ist.“

Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile: In einem ungarischen Dorf wurde eine Roma-Familie ermordet. Die Täter sind entkommen, niemand will eine Ahnung davon haben, wer das Verbrechen begangen hat. Eine andere Roma-Familie, die nahe dem Tatort lebt, sieht sich in ihrer latenten, mühsam verdrängten Angst bestätigt. Der Vater ist weit weg in Kanada; er möchte seine Frau, die Kinder und den Großvater nachholen, sobald es ihm möglich ist. Die Familie, von rassistischem Terror bedroht und von einer schweigenden Mehrheit im Stich gelassen, versucht den Tag nach der Tat zu überstehen. Und abends, als die Dunkelheit über das Dorf hereinbricht, rückt man im Bett noch enger zusammen als sonst. Doch die Hoffnung, dem Wahnsinn zu entkommen, erweist sich als trügerisch.

Ausgehend von einer realen Mordserie, der in Ungarn in wenig mehr als einem Jahr acht Menschen zum Opfer fielen, schildert Bence Fliegauf die Pogromstimmung, aus der Gewalt gegen Minderheiten entsteht. Die Kamera haftet sich eng an die Fersen der Figuren und macht ihre zunehmende Atemlosigkeit auch physisch erfahrbar. [Quelle: Filmbeschreibung]