Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Alain Gomis

Alain Gomis mit „Aujourd’Hui“ (Frankreich/Senegal 2011, im Wettbewerb)

"Berlinale am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2012
„Berlinale am Potsdamer Platz“, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Die 62. Internationalen Filmfestspiele vom 9. bis zum 19. Februar 2012 beginnen nun auch im „Journal“. Heute sahen wir die beiden ersten Wettbewerbsfilme „Aujourd’Hui“ und „Extremely Loud and Incredibly Close“.

Doch zunächst zu „Aujourd’Hui“ (Heute), eine Koproduktion zwischen Frankreich (von dort kommt der Regisseur Alain Gomis) und dem Senegal (woher sein Vater stammt) und der amerikanische Musiker und Künstler Saul Williams spielt Satché, der weiß, dass er heute sterben wird.

Satché nimmt innerhalb seiner letzten 24 Stunden Abschied von seinen Verwandten, Freunden, von seiner Frau, den Kindern und von der Stadt. Er geht auf einem „Opfergang“ noch einmal alle wesentlichen Stationen seines Lebens durch.

Während seine Wegbegleiter ihn anfangs mit Geschenken und Lob überhäufen, singend und tanzend mit ihm durch die Straßen ziehen, tauchen später Streitsüchtige auf, die eine letzte Rechnung mit Satché begleichen möchten. Allein seine Frau verweigert ihm fast bis zuletzt den ersehnten Abschied.

Für uns im westlichen Kulturkreis Lebende wirken die Rituale eher befremdlich. Dem Regisseur Alain Gomis aber sind Fühlen und Denken seiner Heimat vertraut. So wie ich die letzten Entscheidungen der Berlinale-Jurys erinnere, wird „Aujourd´Hui“ von der diesjährigen Jury sicherlich mit Wohlwollen aufgenommen werden.

Heute ist der letzte Tag seines Lebens. Auf mysteriöse Weise weiß er es, obwohl er stark und gesund ist. Satché (gespielt von dem amerikanischen Musiker und Schauspieler Saül Williams) akzeptiert seinen bevorstehenden Tod. Er läuft durch die Straßen seines Heimatortes in Senegal, wo er die Vergangenheit wahrnimmt, als sehe er sie zum ersten Mal: sein Elternhaus, seine erste Liebe, Jugendfreunde, Frau und Kinder. Immer wieder hört er den gleichen Vorwurf: Warum ist er nicht in Amerika geblieben, dem Land, in dem er eine Zukunft hatte? Satché nimmt seine letzten Erlebnisse voller Angst, aber auch mit Freude in sich auf.

Regisseur Alain Gomis kehrt ein Thema des senegalesischen Kinos um: Anders als in vielen Filmen, die sich mit Auswanderung und Neokolonialismus befassen, geht es hier um einen Mann, der aus Amerika in sein Heimatland zurückgekehrt ist. An seinem letzten Tag, an dem man ihn zu Beginn liebevoll begleitet und wie einen Heiligen behandelt, entdeckt er auch die Boshaftigkeit und die Gier seiner Mitmenschen. Was aus der Ferne in verklärter Erinnerung blieb, entpuppt sich teilweise als banale Realität – eine Realität jedoch, in der Satché trotz allem Frieden und Ruhe findet. [Quelle: Filmbeschreibung]