Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Ai Weiwei

Im Lichthof des Martin-Gropius-Baus zeigt Ai Weiwei sein über alle Stockwerke reichendes, monumentales Installationskunstwerk „Very Yao“, 2009. Hierfür verwendete er 150 Fahrräder in unterschiedlichen Größen der in China am weitesten verbreiteten Fahrradmarke „Forever Bicycles“. Die Skulptur erinnert an einen zum Tode verurteilen Radfahrer, dem vorgeworfen wurde, ein nicht registriertes Fahrrad dieser Marke gefahren zu haben.

"Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau, 'Very Yao', 2009", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau, ‚Very Yao‘, 2009“, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

DER TAGESSPIEGEL schrieb zu seinen Arbeiten: „In seinem Werk überkreuzt sich Minimal-Kunst mit Marcel Duchamps Idee des Ready-mades. Beide Strömungen lernte Ai Weiwei während seines Aufenthalts in den USA von 1981 bis 1993 kennen (seine Fotos aus der Zeit zeigte der Gropius-Bau 2011).“ Die Ausstellung geht morgen zu Ende.

Siehe auch die Artikel „Freiheit für Ai Weiwei“ vom 13.06.2011, „Für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei – China setzt ein weiteres Zeichen gegen die Meinungsfreiheit“ vom 09.04.2011, „Blumen für Ai Weiwei“ vom10.07.2014 und „So geht Widerstand„, Artikel auf ZEIT ONLINE vom 20.03.2014.

Nur noch bis zum Sonntag, den 13. Juli 2014, ist „Evidence“ die große Retrospektive von Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. Der Künstler selber hat die Ausstellung bisher nicht besuchen können, die chinesischen Behörden verweigern ihm nach wie vor die Ausreise. Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis am 22. Juni 2011 erhält er seinen Reisepass nicht zurück. Auch Merkel konnte bei ihrem Besuch in China scheinbar nichts ausrichten (wenn sie es denn überhaupt angesprochen hat).

"Ai Weiweis Fahrrad vor dem Martin-Gropius-Bau", Foto © Friedhelm Denkeler 2014
„Ai Weiweis Fahrrad vor dem Martin-Gropius-Bau“, Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Seit November 2013 steht vor Ai Weiweis Studio in Peking ein Fahrrad. Jeden Morgen legt der Künstler einen Strauß frische Blumen in den Korb des Rades – so lange bis er seinen Reisepass zurückbekommt. Das Fahrrad vor dem Martin-Gropius-Bau ist ein Zeichen der Solidarität; solange Ai Weiwei daran gehindert wird, seine eigene Ausstellung zu besuchen.

Siehe auch die Artikel „Freiheit für Ai Weiwei“ vom 13.06.2011, „Für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei – China setzt ein weiteres Zeichen gegen die Meinungsfreiheit“ vom 09.04.2011 und „So geht Widerstand„, Artikel auf ZEIT ONLINE vom 20.03.2014.

"Freiheit für Ai Wei Wei vor dem Berliner Gropius-Bau", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Freiheit für Ai Wei Wei vor dem Berliner Gropius-Bau“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

An der Situation des chinesischen Künstlers Ai WeiWei hat sich wenig geändert, nach wie vor sitzt er im Gefängnis (Siehe mein Beitrag „Für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei – China setzt ein weiteres Zeichen gegen die Meinungsfreiheit„. In der Kunst-Zeitschrift „Monopol“ habe ich dazu noch einen lesenswerten Beitrag gefunden: „Es war einmal – Ai Weiweis Film zu seinem heute so unwahrscheinlichen Documenta-Auftritt 2007„.

"Ai Weiweis Template", Foto © Friedhelm Denkeler 2007
„Ai Weiweis Template“, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Von dem chinesischen Künstler Ai Weiwei fehlt seit einer Woche jede Spur

China setzt ein weiteres provokantes Zeichen gegen die Meinungsfreiheit: Von dem weltweit bekannten chinesischen Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei gibt es, nachdem er auf dem Flughafen in Peking am vorigen Sonntag festgenommen wurde, kein Lebenszeichen mehr. Kurz zuvor erst hatte Außenminister Westerwelle die große deutsche Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ in Peking eröffnet. Sein Besuch stand also ganz im Zeichen der Kunst und wurde bereits im Vorfeld kontrovers diskutiert. Die chinesische Regierung reichte heute den Grund der Verhaftung nach: Ai Weiwei soll „Wirtschaftsverbrechen“ begannen haben. Das erinnert stark an den Fall „Michail Chodorkowski“ in Russland.

Die Arbeiten des 53-jährigen Ai Weiwei habe ich erstmals auf der „documenta 12“ im August 2007 in Kassel kennengelernt. Dort hatte er eine acht Meter hohe Holzskulptur aus einzelnen, übereinander gestapelten alten chinesischen Holztüren ausgestellt, wobei die dazu gehörenden Häuser dem chinesischen Bauboom zum Opfer fielen. Dieses sogenannte Tor „Template“ vor dem Kasseler Aue-Pavillon wurde kurz vor unserem Besuch von einem Sturm zerstört (siehe mein Foto). Ai Weiwei nahm das relativ gelassen: Sein Werk sei nach dem Zusammenbruch schöner als zuvor, sagte er. Das Werk vor der Zerstörung finden Sie hier.

„Ich empfinde es als eine Brüskierung aller, die an der Ausstellung beteiligt sind – auch des Außenministers. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man die Eröffnung der Schau abgewartet hat, um dann eine von langer Hand vorbereitete Aktion zu starten. Vielleicht würden wir es anders wahrnehmen, wenn es in sechs oder zehn Wochen passiert wäre. Dass es passiert ist, während wir buchstäblich auf der Rollbahn standen, das ist besonders frustrierend“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Er sollte, finde ich, seinen Worten auch Taten folgen lassen und die Berliner Leihgaben für die Pekinger Schau sofort zurückziehen. „Wandel durch Annäherung“ ist ein schönes Schlagwort, aber manchmal ist eine Kritik mit Konsequenzen wirkungsvoller. Wirtschaftsbeziehungen hin oder her!

Am Donnerstag startete der Ex-Präsident des BDI Hans-Olaf Henkel eine Initiative, in der er Vertreter der Wirtschaft und Politik aufruft, sich für Ai Weiweis Freilassung einzusetzen. Ob Ai Weiwei seine geplante Ausstellung in Berlin am 29. April eröffnen kann, ist allerdings fraglich. Wegen seines politischen und gesellschaftlichen Engagements hatte er schon öfter unter Repressalien durch die chinesischen Behörden zu leiden. Am Brandenburger Tor in Berlin fand heute eine Kundgebung für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei statt.