Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Du bist Landschaft, Wasser, Wetter und dein Spiegelbild

“Roni Horn – Photographien” in der Kunsthalle in Hamburg

"Blick in die Ausstellung mit Roni Horns 'You Are The Weather', 1994-1996", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Blick in die Ausstellung mit Roni Horns 'You Are The Weather', 1994-1996", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Zuerst sehen wir Doppelportraits aus Island, d.h. Aufnahmen von heißen Quellen und blubbernden Erdlöchern in Gegenüberstellung. Roni Horn zeigt mehrmals zwei oder mehrere motivgleiche Bilder, um die Prägung und Veränderung der Motive im Laufe der Zeit darzustellen. Mit diesen Aufnahmen kündigt sie bereits ihr nächstes wichtiges Thema an: Das Wasser.

In der Arbeit “Some Thames” (2000), zeigt sie 80 verschiedene Gesichter der Themse in London mit ihren jeweiligen “Stimmungen” auf der Oberfläche des Flusses, von aufwühlend bis spiegelglatt, von innerlich bewegt bis leuchtend im Morgenlicht. Anhand der Reflexionen erkennt man, ob der Himmel blau oder grau ist, ob die Themse an einer Stelle schnell und an jener langsam fließt.

In der Serie “You are the Weather” aus dem Jahr 1995 (siehe mein Photo) nimmt die Amerikanerin mehrfach das Gesicht einer jungen Frau beim Bad in den heißen Quellen Islands auf, nur ihr Gesicht ragt aus der Wasseroberfläche heraus. Vor dem Hintergrund des blauen Wassers sehen wir an die 100 Nahaufnahmen mit minimal veränderten Gesichtsausdrücken, die wiederum ähnlich der Themse verschiedene Stimmungen widerspiegeln.

Die New Yorker Künstlerin Roni Horn (*1955) ist mit ihren Serien von Photographien, Zeichnungen, Objekten und Skulpturen international bekannt geworden. Sie lebt abwechselnd in New York und auf Island. Nach ihrer großen Einzelausstellung 2009 in der Tate Modern in London und im Whitney Museum in New York sind nun ihre Photographien, insgesamt elf Serien mit über 300 Arbeiten, erstmals in einer Einzelausstellung in Deutschland bis zum 15. August 2011 zu sehen.

DIE WELT fragt: “Ist Roni Horn, die eigentlich auf den Namen Rose getauft wurde und 1955 als Tochter jüdischer Eltern im New Yorker Schwarzenviertel Harlem geboren wurde, wirklich die große Poetin des Wassers und des Wetters, als die sie lange Zeit charakterisiert wurde? Oder ist sie nicht am allermeisten mit sich selbst beschäftigt und nutzt die gewaltige Landschaft Islands vor allem als Spiegel ihrer von Widersprüchen und Gegensätzen faszinierten Psyche? Diese Frage stellt sich zwangsläufig wer länger durch die Ausstellung geht, und kommt wahrscheinlich zu dem Ergebnis, dass auf Roni Horn beides zutrifft.”

www.hamburger-kunsthalle.de

Schöne Unklarheiten und Irritationen in Malerei und Photographie

“Unscharf. Nach Gerhard Richter” in der Hamburger Kunsthalle

“Ja, kann man ein unscharfes Bild immer mit Vorteil durch ein scharfes ersetzen? Ist das unscharfe Bild nicht oft gerade das, was wir brauchen?“
Ludwig Wittgenstein

"Hamburger Kunsthalle mit 'Kleiner Zyklop' von Bernhard Luginbühl, 1929", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Hamburger Kunsthalle mit ‘Kleiner Zyklop’ von Bernhard Luginbühl, 1929″, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Besucher und die Räumlichkeiten — alles war im Hubertus-Wald-Forum der Hamburger Kunsthalle scharf zu sehen, nur die Kunstwerke waren unscharf. “Hilfe, ich sehe unscharf!” konnte ich nur noch ausrufen, in Anspielung auf den Schriftsteller Harry Block, der in Woody Allens Komödie “Harry außer sich” aus dem Jahr 1997, plötzlich in Unschärfe versinkt. Ohne die Filmstreifen und Fotografien mit ihren Weichzeichnungen und dem “Out of Focus” hätte die Unschärfe in der Malerei nicht die Bedeutung und Verbreitung gefunden, die sie scheinbar heute hat.

In der Gruppenschau “Unscharf. Nach Gerhard Richter” mit 110 Werken von 24 jüngeren Künstlern ist zu sehen, welche Auswirkungen das Vorbild Richter (siehe meine Ausstellungsbesprechung hier) bei einigen Künstlern bis heute in den Medien Malerei, Photographie, Installation und Video ausgelöst hat. Die meisten Künstler waren mir bisher nicht bekannt, außer Anna und Bernhard Blume, David Armstrong (siehe hier das Titelbild der Ausstellung), Ernst Volland (siehe hier) und natürlich Gerhard Richter, der auch hier mit 20 Werken vertreten ist.

"Selbst im 'Out of Focus. Part One. New York City' von Nicole Hollmann", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Selbst im ‘Out of Focus. Part One. New York City’ von Nicole Hollmann”, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Zu sehen ist eine vielfältige Bilderwelt der Unschärfe, die faszinierend und verführerisch ist. Das ist aber auch das Problem — vielen Werken scheint es nur um die bildnerischen Effekte zu gehen. DER SPIEGEL urteilt in der ihm eigenen kryptischen Art: “Unschärfe als Methode und Unschärfe als Wirkung. Unschärfe ist das ästhetische Äquivalent zu Langstreckenflügen, Hybridantrieb und geschäumter Milch. Unschärfe wirkt besonders passend in einer Zeit, die von Gleichzeitigkeit geschüttelt, von der Allanwesenheit getrieben, von Netzwerken durchwachsen ist.”

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Mai 2011 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen

Impressionen aus Hamburg (8)

"Langes Paar", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Langes Paar", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Stephan Balkenhols Holzkörper bringen Kunst auf die Straße – und in Hamburg auch auf das Wasser

Bekannt ist Stephan Balkenhols “Mann mit Giraffe” vor Hagenbecks Tierpark in Hamburg (siehe hier). Weitere seiner Skulpturen, die er hauptsächlich aus Holz herstellt und die sein Markenzeichen sind, finden sich im Hamburger Stadtraum, so schwimmen einige auf Elbe und Alster. Balkenhols Arbeit “Mann und Frau” habe ich vor der Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen entdeckt. Scheinbar blicken Balkenhols Figuren emotionslos ins Leere oder auf einen für den Betrachter unbekannten Punkt. Sie bleiben anonym, distanziert und rätselhaft. Balkenhol sagt dazu:

“Meine Skulpturen erzählen keine Geschichten. In ihnen versteckt sich etwas Geheimnisvolles. Es ist nicht meine Aufgabe, es zu enthüllen, sondern die des Zuschauers, es zu entdecken.”

Weitere Werke von Stephan Balkenhol finden Sie hier.

Impressionen aus Hamburg (7)

"Speicherstadt", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Speicherstadt", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Speicherstadt

Zwischen den Deichtorhallen und dem Baumwall liegt im Freihafen die hundertjährige Speicherstadt, der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt. Er gilt übrigens gleichfalls als größtes Orient-Teppich-Lager Europas. Wilhelminische Backsteingotik der Gründerzeit wechselt sich ab mit bizarren Giebeln und Türmchen, die sich mit den Schuten in den Fleeten spiegeln. Dort ist auch mein Photo entstanden. Es soll eine “unscharfe” Verbindung schaffen, zwischen dem Besuch der Gerhard Richter-Ausstellung im Bucerius Kunst Forum und dem Besuch der Ausstellung “Unscharf. Nach Gerhard Richter” in der Kunsthalle. Bericht folgt.

Impressionen aus Hamburg (6)

Revolutionsbedarf zur Walpurgisnacht und zum Ersten Mai 2011

"Unscharfer Revolutionsbedarf", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Unscharfer Revolutionsbedarf", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Zur Einstimmung in die Walpurgisnacht, zum Tanz in den Mai und als Reminiszenz an die vielen Ausstellungen in Hamburg zum Thema “Unscharf” ist dieses Photo entstanden. Grundlage für mein “Out of Focus” ist die Arbeit “Revolutionsbedarf”, 2004, aus Diamantkappenlampen von Marcel Bühler, Berlin. Die Arbeit hängt im Eingangsbereich der Hamburger Kunsthalle.

Website Marcel Bühler, Interview Marcel Bühler

“Ich kaufe keine Photos!”

“Gerhard Richter – Bilder einer Epoche”
im Bucerius Kunst Forum in Hamburg

"Gerhard Richters 'Familie Schmidt' unscharf fotografiert", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Gerhard Richters 'Familie Schmidt' unscharf fotografiert", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der Kölner Galerist Rudolf Zwirner hat, einer Anekdote nach, Ende der 1970er Jahre dem Direktor der Neuen Nationalgalerie in Berlin das Werk “Ema (Akt auf einer Treppe)” von Gerhard Richter aus dem Jahr 1966 angeboten.

Die Antwort soll gewesen sein: “Ich kaufe keine Photos”. Auch wenn es nicht stimmen sollte, ist es doch ein wundervolles Bonmot, denn Richters großformatig gemalte Bilder sehen von weitem (oder in kleineren Abbildungen) auf den ersten Blick wie Photographien aus.

Und das kommt nicht von ungefähr. Richters Werke sind nach gefundenen, öffentlichen aus Zeitungen und Magazinen entnommenen und auch selbstgeschossenen Photos gemalt. Mit Hilfe eines Episkops überträgt er die Konturen auf Leinwand und stellt sie mit der ihm eigenen Wischtechnik, meist in monochromen gräulichen Farben, dar.

Einen sehr guten Überblick über Richters Foto-Bilder erhalten Sie auf seiner Website hier. Die gesamte Ausstellung im Bucerius Kunst Forum besteht aus rund 50 Leihgaben deutscher und internationaler Sammlungen und ist noch bis zum 15. Mai 2011 in Hamburg zu sehen.

Richters Gemälde aus den 1960er Jahren haben inzwischen Kunstgeschichte geschrieben und gelten aus der Sicht eines Zeugen als Zeitbezug der Epoche, in der sich das Banale und das Böse begegneten. Wir sehen auf den Gemälden schnelle Autos, Freizeitvergnügen, Personen der damaligen Politik und Kultur, persönliche Erinnerungen und Gebrauchsgegenstände des Alltags, aber auch die Beschäftigung mit dem Tod und der Nazi-Vergangenheit. Aber Richter ist kein politischer Künstler, sondern ein Kunstmaler und die Ergebnisse seiner Arbeit sind anziehend und sehenswert.

Ein eigener Raum ist im Kunstforum Richters Zyklus “18. Oktober 1977″ aus dem Jahr 1988 gewidmet. Die Leihgabe des New Yorker Museum of Modern Art besteht aus 15 Werken, die den “Deutschen Herbst”, den Tod der RAF-Mitglieder Ensslin, Baader und Raspe, zum Inhalt haben. “Der politische Gehalt dieser Bilder, den Richter abstreitet, überrascht das Publikum. Sein Malerkollege Georg Baselitz findet die Stücke peinlich. Die politischen Lager wissen nicht genau, auf welcher Seite Richter eigentlich steht. Die Presse weiß auch nicht so recht, was sie davon halten soll und bezeichnet den Zyklus als unfassbar schön, krass und banal – und zwar alles auf einmal”, so der Bayrische Rundfunk.

Das Bucerius Kunst Forum eröffnet mit dieser Schau den Reigen der internationalen Ausstellungen zu Gerhard Richters 80. Geburtstag im nächsten Jahr. Auch in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gibt es 2012 eine Richter-Ausstellung. Aber zunächst sehen wir uns in Hamburg noch die Ausstellung “Unscharf. Nach Gerhard Richter” in der Kunsthalle an, in der noch einmal 20 Richter-Gemälde und insbesondere Arbeiten von Künstlern, die sich der Technik der Unschärfe bedienen, zu sehen sind. Eine Ausstellungsbesprechung folgt.

www.buceriuskunstforum.de, Interview mit Gerhard Richter, Film Deutsche Welle

Gilbert & George: “Jeder ist sein eigener Freak”

Die “Jack Freak Pictures” in den Hamburger Deichtorhallen

“Wir sind ungesund, mittleren Alters, zotiger Gesinnung, exzentrisch, lüstern, depressiv, zynisch, leer, ausgebrannt, schäbig, hundsgemein, verträumt, ungehobelt, unmanierlich, arrogant, intellektuell, wehleidig, ehrlich, erfolgreich, tüchtig, zuvorkommend, künstlerisch, religiös, faschistisch, blutrünstig, neckisch, destruktiv, ehrgeizig, farbenprächtig, verdammt, stur, pervertiert und gut. Wir sind Künstler.”

"Gilbert & George in der Deichtorhalle", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Gilbert & George in der Deichtorhalle”, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

So stellt sich das Künstlerpaar und neuerdings auch Ehepaar Gilbert & George in der Eingangshalle als erstes vor. Und dann sehen wir die umfangreichste Serie, die die beiden je geschaffen haben. Die vor drei Jahren entstandenen leuchtenden, großformatigen Werke aus der Serie “Jack Freak Pictures”, die an viktorianische Glasmalereien erinnern, sind mit 120 von 150 Arbeiten in der kathedralenartigen Architektur der großen Deichtorhalle vertreten.

Wir sehen kaleidoskopartige, poppig-sakrale am Computer generierte Bilder mit Medaillen, Orden, Bäumen, Blattwerk, Früchten und dem Stadtplan von East London und natürlich mit Gilbert & George persönlich, die aber oft bis zur Unkenntlichkeit verformt sind. Die Bildmotive, die sie in ihren Bildern verwenden, stammen zumeist aus der Umgebung ihres Wohnortes in East London, wo es ihrer Meinung nach “alles gibt, worum es in der Welt geht”. Verbindendes Symbol in allen Bildern ist der britische Union Jack. Und das ist das Problem. Auf Dauer wirken die Bilder ermüdend, 120 Mal Gilbert & George und 120 Mal der Union Jack sind dann doch des Guten zu viel. Links zu drei Bildern aus der Serie habe ich herausgesucht: hier, hier und hier.

Diesen Arbeiten fehlt gegenüber den früheren Bildern von Gilbert & George das Lebendige, das Einzigartige, der Esprit. Man spürt, dass es sich um computergenerierte Bilder handelt. Sie ähneln sich zu sehr und verlieren sich als Ganzes. Obwohl Gilbert & George auf allen Bildern vertreten sind, handelt es sich nicht unbedingt um Selbstinszenierungen, wir sehen nur ihre Hülle. Zustände der menschlichen Existenz sollen aufgezeigt werden und eine Beschreibung der modernen Welt aus der Perspektive der beiden Künstler.

Union JackDie Kuratoren schreiben: “Die Jack Freak Pictures gehören zu den symbolträchtigsten, philosophisch ausgeklügeltsten und visuell schlagkräftigsten Arbeiten, die Gilbert & George jemals hervorgebracht haben. Sie nehmen ihren Platz innerhalb der gesammelten Werke von Gilbert & George als gewaltiger Zusammenschluss der Themen und Gefühle ein, welche die beiden Künstler seit mehr als vierzig Jahren in ihrer Kunst erforschen. Die beiden Künstler sind in ihnen zugleich Opfer und Ungeheuer – Marionetten einer kosmischen Revue, schlaflose Wächter auf leeren Großstadtstraßen und irrblickende Kugelköpfe, wie Michael Bracewell in seinem Katalogessay feststellt”.

Trotz alledem, eine empfehlenswerte Ausstellung, denn in dieser Monumentalität werden wir Gilbert & George nicht so schnell wiedersehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 22.05.2011. In einem Video sprechen Gilbert & George über ihre “Jack Freak Pictures” in den Deichtorhallen (siehe hier).

www.deichtorhallen.de

Noch ein Traummann …

“Joe Dallesandro Superstar” – Der Traummann der
1970er Jahre in den Hamburger Deichtorhallen

"Das liest ganz Hamburg", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Das liest ganz Hamburg", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Nein, soweit ist es noch nicht – mein Blog wird nicht von ganz Hamburg gelesen. Es ist und bleibt ein Blog aus der Hauptstadt.

Nach der Ausstellung Traummänner (siehe hier) und den Traumfrauen der 1970er Jahre, den “Twins” (siehe hier), folgt jetzt der Bericht über einen weiteren Traummann der 1970er Jahre, Joe Dallesandro, dem eine eigene Ausstellung gewidmet wird.

Francesco Scavullo (1922-2004), US-amerikanischer Modefotograf, fand, dass Dallesandro (geb. 1948) zu den zehn schönsten Männern gehört, die er je fotografiert hat. Sein weltberühmtes Foto von “Little Joe”, wie er in verschiedenen Filmrollen heißt, finden Sie hier.

Die von Andy Warhol produzierten Filme “Flesh” (siehe Filmplakat hier), 1968, “Trash”, 1970 und “Heat” unter der Regie von Paul Morrissey machten Dallesandro, insbesondere in der Subkultur, zum Star.

In allen Filmen spielt sich Dallesandro im Grunde genommen selbst. Durch seine enorme Präsenz und sinnlich-maskuline Schönheit wurde er zum größten geschlechtsübergreifenden Sexsymbol der späten sechziger Jahre und der Hippie- und Schwulenbewegung. Er verkörperte Underground, den ungeschönten Blick auf die “Wild Side” New Yorks und Kunst, die radikal alle Regeln brach. Die Ausstellung, die noch bis zum 22. Mai 2011 zu sehen ist, zeigt neben den Originalbildern weltberühmter Fotografen auch die Filmplakate und Standfotos aus zahlreichen Filmen.

Die letzte Ausstellung, die ich während meines Hamburg-Aufenthalts in den Deichtorhallen besucht habe, “Gilbert & George – Jack Freak Pictures”, werde ich als nächstes vorstellen.

www.deichtorhallen.de,  www.joedallesandro.com  

Das visuelle Tagebuch der Zwillinge

“The Twins – A Visual Journey By Gisela Getty und
Jutta Winkelmann” in den Hamburger Deichtorhallen

Wir tragen nicht mehr als Tücher um die Hüften. Freie Kinder sind wir. Gut möglich, dass uns die katholischen Ureinwohner hier gleich steinigen werden. Aber Furcht liegt uns fern, von nun an wird uns nichts Schlimmes mehr passieren, nichts mehr wird uns aus der Fassung bringen. Wir sind unsterblich und heilig in einer an sich heiligen Welt. Nur hat die schusselige Welt das Vergessen.

"Die Zwillinge", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Die Zwillinge”, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

In der Ausstellung “The Twins” fand ich dieses Zitat von Gisela Getty in der Nähe des Bildes “Countryside” (siehe hier), das die beiden 1949 in Kassel geborenen Zwillinge Jutta und Gisela 1973 in Rom zeigt. Das Foto von Robert Freeman ist gleichzeitig das Titelbild der Ausstellung (siehe mein Foto). Beides, Zitat und Foto, führe ich stellvertretend für die Fotografien, die das Leben der Schwestern Jutta Winkelmann und Gisela Getty, die als ideale Verkörperung des Zeitgeistes der 1970er/ 1980er Jahre gelten können, an.

Im Faltblatt wird die Ausstellung so angekündigt: “Die Schwestern aus Kassel waren Groupies, Musen, Göttinnen. Sie trafen Stars wie Bob Dylan, Sean Penn, Dennis Hopper und Roman Polanski, die beide in aufregenden Fotos festhielten. Die Fotos entstanden überall auf der Welt; es sind Bilder einer weiblichen, auch erotischen Selbstentdeckung, eine Bilderrevue der modernen Ahninnen der heutigen, suchenden Mädchen-Generation, die sich wieder neu erfinden will. Eine direkte Linie scheint von diesen Ur-Girls zum Neuen Feminismus einer Charlotte Roche zu verlaufen. Gleichzeitig sind die Bilder Zeugnisse der Anfänge früher deutsch-amerikanischer Popkultur.”

Eine kleine Auswahl der Abgebildeten: Zuerst sind natürlich Gisela, Jutta und Paul Getty zu nennen. Auf weiteren Fotos tauchen Rainer Langhans, Rio Reiser, Ralf Zacher, Uschi Obermeier, Hans Haas, Bommi Baumann, Wolf Wondratscheck, William Bourroughs, Bazon Brock, Mick Jagger, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder, Bob Dylen, Sean Penn, Dennis Hopper, Paul Morrissey, Leonard Cohen, Werner Herzog, Jack Nickolson, Timothy Leary und Roman Polanski auf. Ein “Who is Who” jener Epoche.

Fotobuchtipp: “The Twins”, Jutta Winkelmann und Gisela Getty, 2010 bei “Blumen bar” erschienen, 50 €, ist bereits reduziert für 15 € im Buchhandel erhältlich und für einen Alt-68er ein “muss”. Die Biografie “Die Zwillinge oder: Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen” (Weissbooks, 2008) wurde von den Rezensenten “verrissen” und wird inzwischen auch reduziert angeboten (12 €). Das Fotobuch habe ich in der Ausstellung erworben und werde es zu gegebener Zeit vorstellen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. Mai 2011.  www.deichtorhallen.de

Der Himmel über den Deichtorhallen und die Traummänner

“Traummänner – 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal” in den Hamburger Deichtorhallen

"Der Himmel über den Deichtorhallen", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Der Himmel über den Deichtorhallen", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der Himmel über den Deichtorhallen in Hamburg war fantastisch, aber ob die fotografierten Herren wirklich Traummänner oder eher “Albtraum”-Männer darstellen, wollten wir in der aktuellen Ausstellung der Deichtorhallen überprüfen. Die drei Ausstellungen “Traummänner – 50 Starfotografen zeigen ihre Vision vom Ideal “, “The Twins – A Visual Journey By Gisela Getty & Jutta Winkelmann” und “Joe Dallesandro – Superstar” im Haus der Photographie, sowie “Gilbert & George – Jack Freak Pictures” in der Halle für aktuelle Kunst sind zur Zeit in den Deichtorhallen zu sehen.

Zunächst zu den 150 Bildern der “Traummänner”: Die fünfzig Fotografen, von denen ich nur Peter Lindbergh, Mary Ellen Mark, Mary McCartney, Ellen von Unwerth, Bryan Adam, Margarita Broich und Bruce Weber kannte, “zeigen Männer aus verschiedenen Blickwinkeln, stark, schwach, sexy – moderne Männer, die mehr als die gesellschaftliche Idealvorstellung spiegeln, die etwas von der Substanz ihres Wesens aufscheinen lassen”, so die Ausstellungsankündigung. Ein Statement von acht Fotografen finden Sie hier.

Ob sexy, elegant oder witzig – um dem Bild eines Traummannes zu entsprechen, sollte ein Mann anscheinend vor allem prominent sein. Denn die meisten Fotografen wählten, frei von den Zwängen der Auftraggeber, Bilder von Schauspielern wie George Clooney, Tom Cruise, Benno Fürmann, Johnny Depp und Matt Dillon aus. Da die Traummänner hauptsächlich von Mode- und Werbefotografen abgelichtet wurden, ist das Ergebnis entsprechend: Der makellose George Clooney aus der perfekt gebügelten Welt oder Vincent Cassel, der harte Choreograph aus “Black Swan” (zu Black Swan siehe hier), der gleich von drei Fotografen gewählt wurde.

Die Ausstellung “Traummänner” ist das Folgeprojekt zu den “Traumfrauen”, die 2008 in den Deichtorhallen zu sehen waren. Fazit: “Der neue Mann ist der alte Mann. Das aber muss man nicht unbedingt glauben. Und sehen schon gar nicht” (Der Spiegel). Ein großer Teil der Männer stellte eher Albtraummänner dar, wie meine Frau meinte. Wer mag, kann sie noch bis zum 22. Mai 2011 bewundern. Mal sehen, wie gut die “Zwillinge” sind. Morgen mehr.

www.deichtorhallen.de

Impressionen aus Hamburg (5)

"Morgenstimmung an der Binnenalster", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Morgenstimmung an der Binnenalster", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Morgenstimmung an der Binnenalster

Der Weg von unserem Hotel zu den Kunsttempeln führte uns morgens in der Regel an der Binnenalster vorbei. Bei diesem herrlichen Frühlingswetter verweilten wir hier und genossen die Sicht auf den Alstersee, der im 17.Jahrhundert mit der Errichtung der Hamburger Wallanlagen in Außen- und Binnenalster getrennt wurde. Die Binnenalster, die eine Fläche von etwa 18 Hektar aufweist, ist der kleinere, südliche Teil des Alstersees. Sie wird von der Außenalster im Nordosten gespeist und fließt in der südlichen Ecke unterhalb des Jungfernstiegs über die Kleine Alster in Richtung Elbe ab. In der Mitte der Binnenalster befindet sich die bis zu 60 Meter Höhe speiende Alsterfontaine, die bei unserem Besuch aber noch nicht in Betrieb war.

Archiv