Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Hier kommt der neue Trend – Verpixelte Photos

"Verpixeltes Café Kranzler", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Verpixeltes Café Kranzler", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Nicht ohne meinen Rechtsanwalt –
Café Kranzler am Kurfürstendamm verpixelt

Bevor ich wieder eine “Berechtigungsanfrage wegen Urheberrechtsverletzung” von einem Rechtsanwalt erhalte, habe ich sicherheitshalber das Café Kranzler auf dem heutigen Photo, es zeigt das Neue Kranzler-Eck in Berlin, unkenntlich gemacht. Eine unverpixelte Version des Café Kranzler finden Sie aber mit dem gelben Google-Pegman auf Google Street View und das in einer 360 Grad-Panorama-Version der Ecke Kurfürstendamm/ Joachimsthaler Straße. Ich hoffe, dass die ganze Verpixelei bald kein Thema mehr ist.

Warum bewahren wir Photographien auf?

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

“Warum bewahren die Leute Fotos auf?” “Warum? Weiß Gott, warum. Warum bewahren sie alles mögliche auf – Trödel, Kitsch, dies und das? Sie tun’s eben.” “Bis zu einem gewissen Punkt stimme ich Ihnen zu. Es gibt Leute, die alles mögliche aufbewahren. Und es gibt Leute, die alles wegwerfen, sobald sie es nicht mehr brauchen. Das ist eine Frage des Naturells. Aber jetzt spreche ich ausdrücklich von Fotografien. Warum bewahren die Leute speziell Fotografien auf?” “Wie gesagt, weil sie eben nichts wegwerfen wollen. Oder weil es sie an etwas erinnert…”

Darauf hatte Poirot nur gewartet.

“Stimmt. Es erinnert sie an etwas. Und jetzt fragen wir wieder – warum? Warum bewahrt eine Frau eine Fotografie auf, die sie in ihrer Jugend zeigt? Ich behaupte, der Hauptgrund dafür ist die Eitelkeit. Sie war einmal ein hübsches Mädchen und bewahrt die Fotografie auf, um sich daran zu erinnern, was für ein hübsches Mädchen sie war. Es muntert sie auf, wenn der Spiegel ihr unangenehme Dinge erzählt. Sie sagt vielleicht zu ihrer Freundin: ‘So habe ich mit achtzehn ausgesehen’ und dann seufzt sie… Stimmen Sie mir zu?”

Aus “Vier Frauen und ein Mord (Mrs. McGinty’s Dead)” von Agatha Christie, 1952

Herbstgruß aus Krottorf

"Herbstgruß aus Krottorf", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Herbstgruß aus Krottorf", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Vor zwei Jahren ist mein Portfolio “Krottorf” in Krottorf entstanden. Seit mehreren Jahren bin ich immer Mitte November in dem Dorf im Harzvorland, inmitten der Magdeburger Börde, zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg und dem Harz.

Seit 1993 gehört Krottorf zur Verwaltungsgemeinschaft Gröningen. Erstmalig wurde die gleichnamige Burg Crottorf 1118 in einer Schenkungsurkunde des Bistums Halberstadt an “den Edlen Otto de Cruthup“ erwähnt. Zahlreiche Bodenfunde im Ortsgebiet beweisen eine frühe Besiedelung, wobei der wertvollste Fund eine Goldschale aus der Zeit um 1000 v. Chr. ist. 1896 wurde an einer ehemaligen Wassermühle ein Elektrizitätswerk gebaut. Heute ist dort der Sitz der e•on|Avacon AG-Akademie.

Auf meiner Website “Denkeler Foto” finden Sie eine Auswahl von 24 Photos aus der Serie “Krottorf”. Das gesamte Portfolio besteht aus 83 Photographien im Format 30×45 cm im Passepartout 50×60. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 88 Seiten im Format 21 x 27 cm erschienen.

Fotospaziergänge “Im Wedding” aus dem Jahr 1978

Neues Autoren-Fotobuch von Friedhelm Denkeler

"Schultheiss an der Aegirstraße", aus "Im Wedding", © Friedhelm Denkeler 1977

"Schultheiss an der Aegirstraße", aus "Im Wedding", © Friedhelm Denkeler 1977

Zwischen Oktober 1977 und März 1978 habe ich mehrere Fotospaziergänge im Berliner Bezirk Wedding unternommen, der seit der Gebietsreform im Jahre 2001 zum Bezirk Mitte gehört. Die 159 Fotos stammen somit ausschließlich aus dem damaligen Wedding. Die Auswertung und Veröffentlichung der Bilder nach 32 Jahren verdeutlichte mir, dass trotz ähnlicher Sujets meines damaligen Lehrers an der Werkstatt für Photographie, der selbst im Wedding fotografierte, meine Bilder eine eigene Sprache sprechen. Sicherlich ist das Buch auch als eine verspätete Trotzreaktion auf sein “Verbot”, weiter im Wedding zu fotografieren, zu sehen. Um die Fotos nicht nur nacheinander zu präsentieren, habe ich eine Aufteilung in fünf Kapitel vorgenommen, die Übergänge sind aber fließend.

Das erste Kapitel trägt den unsichtbaren Titel Stadt mit einer dichten Bebauung in den Geschäfts- und Wohnstraßen. Alte Bausubstanz wechselt sich ab mit Flachbauten, die die kriegsbedingt fehlenden Eckhäuser ersetzten und in denen nunmehr neue Geschäfte und Dienstleistungen Einzug gehalten haben. Baulücken ermöglichen den Blick in Hinterhöfe. Erste türkische Läden tauchen auf und eröffnen zum Beispiel neben einer typisch deutschen Wienerwald-Filiale. Der Kohle- und Kokshändler Rudi Arlt steht für die zahlreichen mit Kachelöfen beheizbaren Wohnungen Berlins.

Unrenovierte Brandmauern stehen im Kontrast zu ersten Versuchen, die Hinterhöfe mit Hilfe von Verbundpflastersteinen “wohnlicher” zu gestalten. Typische Berliner Kneipennamen wie “Gropius-Quelle” oder “Humboldt-Eck” stehen für Altberliner Traditionen. Hochherrschaftliche Verwaltungs- und Gerichtsgebäude finden sich ebenso wie gut erhaltene und schöne Eckhäuser. Die Schering-Gebäude sind eng mit dem Wedding verbunden, gleichwohl wie S-Bahnhöfe, Brücken und der neue Brunnen an der Dankeskirche auf dem Weddingplatz, beide aus Beton gebaut.

Viele einzeln stehende Häuser, teilweise nur zweistöckig, prägen den zweiten Teil, der auch Pittoresken heißen könnte, wohlwissend, dass aus heutiger Sicht weniger eine Idylle, sondern eher Skurrilitäten und Grotesken gemeint sind. Remisen, Schuppen, Garagen und historische Gewerke wie Hufbeschlag und Wagenbau, ein Hundesalon, offene und verwilderte Gewerbehöfe, Schrottplätze und Altautos prägen dieses Kapitel.

"Leitern im Hinterhof", aus "Im Wedding", © Friedhelm Denkeler 1978

Meine Fotos zeigen weniger eine Dokumentation des damaligen Wedding, sondern geben Stimmungen wieder. Das zeigt sich insbesondere in den Fotos des dritten Kapitels, die ausschließlich im Winter bei Schneetreiben entstanden sind. Sie geben auch Zeugnis von den ersten Graffitis, wie “Freiheit für die Agitdrucker” oder den mit Kreide geschriebenen Hinweis an der Haustür, wann der Schornsteinfeger kommt. Die winterliche Panke, der historisch tiefe Benzinpreis von 91,9 Pfennigen und der geschlossene Laden “Spandauer Volksblatt”, der die endgültige Einstellung des Blattes im Jahr 1992 bereits vorweg zu nehmen scheint, sind weitere Themen im Winterkapitel.

Die Neubauten im vierten Kapitel zeigen das Sanierungsgebiet Wedding mit seinen neuen Wohnanlagen, von denen die ersten bereits Verwitterungsspuren aufweisen. Trostlose Kinderspiel- und Bolzplätze haben keine Benutzer gefunden und immer wieder stößt der Betrachter auf der einen Seite auf die Mauer mit dem Todesstreifen und auf der anderen liegt der Blick frei auf den Volkspark Humboldthain mit dem Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg und auf die von Bernau kommende und in die Spree mündende 29 Kilometer lange Panke mit den daran angrenzenden Kleingärten.

Die Fotos des letzten Kapitels sind bereits bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr entstanden. Lichte, freigeräumte Grundstücke, entkernte Häuser und Fabrikgebäude, die von Beschäftigung und Aufschwung zeugen, versuchen zu versöhnen, werden aber gestört durch das Graffito “Sender Terror” des Sendermanns, der damals auf Einkaufsstraßen und Demonstrationen verkündete, dass die Geheimdienste in jedem zweiten Haus Sender installiert hätten, die direkt in die Gehirne strahlen würden. Und immer wieder geht der Blick auf die Gebäude von Schering und deren Logo, das nun nach der Übernahme durch Bayer im Jahr 2006, endgültig getilgt wird.

Auf meiner Website denkeler-foto sind dreißig Bilder aus dem Fotobuch zu sehen.

Der Lindwurm von Klagenfurt

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

Der Lindwurm, ein schlangen- und drachenartiges Fabelwesen (Nibelungen-Saga), ist das Wahrzeichen der Stadt Klagenfurt und stellt zugleich das Wappentier der Stadt dar. Aus einem einzigen Block Chloritschiefer wurde das 124 Zentner schwere Ungetüm herausgearbeitet und im Jahr 1593 aufgestellt. Auf diesem Photo, das 1965 anlässlich eines Camping-Urlaubs am Wörthersee in Österreich entstand, ist noch der ursprüngliche Standort zu sehen. 1972 wurde der Brunnen im Zuge des Baus einer Tiefgarage versetzt, aber noch immer strömt das Wasser aus dem geöffneten Maul heraus.

Licht und Schatten von László Moholy-Nagy

Die Arbeiten des frühen Pioniers der Lichtkunst sind noch bis zum
16. 01.2011 in einer Retrospektive im Martin-Gropius-Bau, Berlin, zu sehen

“Das Hochzeitsautomobil”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

“Das Hochzeitsautomobil”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Gestern Abend wurde eine große Gesamtschau mit über 200 Arbeiten von László Moholy-Nagy, im Beisein seiner aus den USA angereisten Tochter Hattula Moholy-Nagy, im Martin-Gropius-Bau eröffnet. Mit ihrer Hilfe gelang es auch, die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Besitz von 30 internationalen Leihgebern zu bestücken.

Das Centre Pompidou, die New Yorker Rosen Gallery, die Tate Gallery in London und niederländische Museen verliehen ihre Arbeiten nach Berlin. Bereits 1929 zeigte Moholy-Nagy im selben Gebäude, dem damaligen Kunstgewerbemuseum, in der Werkbundschau “Film und Foto” seine Bilderwand, die in der aktuellen Ausstellung annähernd rekonstruiert wurde.

Laszlo Moholy-Nagy war fasziniert vom Licht. In den 1920er Jahren schuf er seine “Fotogramme”, experimentierte mit Licht und Schatten in der Fotografie und entwarf Bühnenbilder aus Licht. Die  Berliner Ausstellung geht jetzt dieser besonderen Faszination Moholy-Nagys nach. “Als ich die Idee zur Ausstellung entwickelte, fiel mir auf, das in Moholy-Nagys bisheriger künstlerischer Rezeption etwas fehlte: Immer waren die Ausstellungen retrospektiv angelegt, und zeigten Werke aus allen Schaffensphasen. Ich wollte dagegen vorführen, dass es in seiner Arbeit eine Idee gibt, die alle seine künstlerischen Bereiche verbindet: Die Kunst des Lichts”, so die Kuratorin Olivia Maria Rubio.

Moholy-Nagys Arbeiten weisen ein breites Spektrum an Ideen auf. Malerei, Fotografie und Werbung und Industriedesign sah er als gleichwertig an. Zeitgleich zu Man Ray erfand er das “Fotogramm”, die Herstellung von Bildern nur mit Licht, ohne Kamera. Das Berlin jener Jahre hat ihn stark geprägt, einzelne Fotos erinnern an Bilder von Heinrich Zille. “Man würde ihn heute nicht kennen, wenn er nicht in Berlin gelebt und gearbeitet hätte” (Hattula Moholy-Nagy).

Auf der Website des “George Eastman House – Still Photograph Archive” finden Sie eine große Auswahl an Photos von Moholy-Nagy (als Thumnails, lassen sich vergrößern). Vier Fotos möchte ich herausstellen: Spring, Berlin”, 1928, “Study with pins and ribbons”, 1937, “Chairs at Margate”, 1935 und “Two nudes”, ca. 1925.

Der Fotograf, Maler und Designer László Moholy-Nagy wurde 1895 in Ungarn geboren und starb 1946 in Chicago. Nach einem abgebrochenen Jurastudium kam er 1920 nach Berlin. Zwischen 1923 und 1928 lehrte er am Bauhaus in Weimar und Dessau.  1934 emigrierte er vor den Nazis zunächst nach Amsterdam, dann nach England und später in die USA. In Chicago gründete und leitete er das New Bauhaus.

www.gropiusbau.de

IZ – Der Gentle Giant mit der Ukulele

Irgendwo über dem Regenbogen, fliegen blaue Vögel und Träume werden wahr

“Somewhere Over The Rainbow” Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Seit dem 8. Oktober 2010 steht er auf dem ersten Platz der deutschen Singlecharts, die meisten haben noch nie etwas von ihm gehört, seinen  Namen kann kein Mensch aussprechen, sein Song wurde bereits vor 17 Jahren aufgezeichnet und er ist vor 13 Jahren gestorben: Israel Kamakawiwoʻole aus Hawaii. Mit seiner Version des Judy-Garland-Klassikers “Over The Rainbow” aus dem Jahr 1939 steht IZ, wie er kurz genannt wird, jetzt an der Spitze der Charts.

Israel Kamakawiwoʻole: “Somewhere Over the Rainbow”

IZ entstammte einer musikalischen Familie, sein Onkel Moe Keale war eine Musiklegende auf Hawaii. Neben dem Gesang spielte der äußerst populäre “Gentle Giant”, wie er in Hawaii genannt wurde, auf der Ukulele in der Gruppe “The Mākaha Sons of Niʻihau”, die im Laufe von 15 Jahren neun Alben herausbrachten. Nachdem er die Gruppe verlassen hatte, veröffentlichte er noch weitere sechs Alben. Er hatte nicht nur einen schwer auszusprechenden Namen, er war mit seinen 350 Kilogramm auch selbst zu schwer, sang aber mit der zarten Stimme eines Knaben. 1997 verstarb er mit 38 Jahren an Atemnot. Seine Asche übergab man dem Meer. Die Regierung ordnete Staatstrauer an und Zehntausende nahmen mit Booten an der Zeremonie, die auch Teil dieses Videos ist, teil.

Der Song “Somewhere Over The Rainbow (What a Wonderful World)” erschien erstmals 1993 auf dem Album “Facing Future”.  2007 wurde der Song in England wiederveröffentlicht und erreichte die Charts. Nachdem Universal Music von dem kleinen Verlag “Mountain Apple” in Hawaii die Rechte an dem Song erworben hatte, wurde er am 3. September in Deutschland als CD und Download veröffentlicht und Universal Music gelang damit ein großer Coup.

Der Song wurde erstmals 1939 von der jungen Judy Garland in dem Film “Der Zauberer von Oz” gesungen, für den er auch komponiert wurde. Einen Ausschnitt aus “The Wizard of Oz” habe hier gefunden. Der Song spielte seitdem in vielen Filmen eine Rolle, so auch in “Rendezvous mit Joe Black” mit Brad Pitt aus dem Jahr 1998. Einen weiteren sehenswerten Ausschnitt aus einer Fernsehschau des Jahres 1943 stelle ich vor: Judy Garland “Somewhere Over the Rainbow”. Für mich ist die Version des “sanften Riesen” die vielleicht größte, eine wunderschöne Melodie, eine gute Stimme, mit Leichtigkeit und mit Einfühlungsvermögen vorgetragen. “Somewhere over the rainbow/ Bluebirds fly/ Birds fly over the rainbow/ Why then oh why can’t I?”

Lebe glücklich lebe froh, wie der Mops im Paletot

“Ina und ihre drei Möpse”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

“Ina und ihre drei Möpse”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Mit einer Erkältung das Haus hüten, da kann man sich nur mopsen. Lieber wäre mir, im “Monat der Fotografie” in Berlin unterwegs zu sein, um wenigstens einige der 150 Fotoausstellungen zu sehen (siehe hier). Aber die meisten Ausstellungen laufen noch einige Wochen. Stattdessen muss ich mich mit Möpsen herumschlagen. Diese sitzenden Knautschzonen mit den Namen Kate, Moss und Claudia habe ich neulich in Nürnberg entdeckt.

Möpse und Handtaschen finden sich in der Bildenden Kunst immer wieder, so in Francisco de Goyas “Bildnis der Marchesa de Pontejos” mit einem Mops mit rosa Schleifchen oder in der Illustration ”Madame und Monsieur Bonaparte mit Mops”. Der berühmteste Mops Frankreichs, der Fortuné hieß, soll der Legende nach Napoleon in der Hochzeitsnacht ins Bein gebissen haben. Bei meinen Mops- “Recherchen” habe ich noch folgende Zitate gefunden:

“Indessen war das Feuer im Kamine zusammengebrannt, der Alte überzog die Kohlen mit vieler Asche, schaffte die leuchtenden Goldstücke beiseite, und nun leuchtete sein Lämpchen wieder allein, in dem schönen Glanze, die Mauern überzogen sich mit Gold und der Mops war zu dem schönsten Onyx geworden, den man sich denken konnte. Die Abwechslung der braunen und schwarzen Farbe des kostbaren Gesteins machte ihn zum seltensten Kunstwerke.” aus “Das Märchen”, Johann Wolfgang von Goethe

ottos mops trotz/ otto: fort mops fort/ ottos mops hopst fort [Ernst Jandl)

Möp|se Plur. (derb für Busen) [Duden]

mop|sen (ugs. stehlen); du mopst; sich mopsen (ugs. für sich langweilen; ärgern)” [Duden]

Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos. [Loriot]

Am Anfang stand die Grippe

Portraits von Yves Saint Laurent bis zu den Hells Angels. Die weltweit erste Retrospektive von June Newton/ Alice Springs in der Berliner Helmut Newton Stiftung

Bereits im ersten Raum der Ausstellung in der Berliner Jebenstraße hängen die Fotos, die June Newton in Vertretung für ihren erkrankten Mann, im Jahr 1970 in Paris auf dem Place Vendôme für die Zigarettenmarke Gitanes, machte. Es war der Beginn einer 40-jährigen Karriere von June Newton, die ihre Bilder unter dem Namen Alice Springs veröffentlichte. In der Berliner Ausstellung sind 250 Bilder, hauptsächlich Porträts von Künstlern, Schauspielern, Musikern und Stars der Modeszene zu sehen. Viele Aufnahmen sind im Auftrag von Zeitschriften zwischen Paris und Los Angeles entstanden, andere aus freiem Antrieb.

Museum für Fotografie, Berlin

Museum für Fotografie, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

1971 entstand jenes Foto für die Zeitschrift “Dépêche Mode”, das heute ihr bekanntestes und sicherlich bestes Werk ist: Ein Model mit Handtasche geht auf einem Pariser Boulevard wie auf einem Laufsteg entlang. Im Zurückblicken wundert sie sich über die Blicke, die ihr vermutlich nachgeworfen werden: Die Handtasche hebt, wie aus Versehen, den schon kurzen Rock, noch höher hinauf. Das Foto finden sie hier (Cover des Katalogs des Taschen-Verlages).

In die Ausstellung am Bahnhof Zoo ging ich mit einiger Skepsis. Würden June Newtons Aufnahmen neben den Fotografien mit den glamourösen Inszenierungen ihres Mannes bestehen? Ich war angenehm überrascht: June hat gegenüber Helmut einen geradlinigeren Blick auf ihre Modelle. Die Bilder sind humorvoller und ironischer und die Abbildungen werden der Individualität der Dargestellten gerechter. Ihre Porträtfotografie besitzt eine klassische Anmutung.

Die Namensliste der Abgebildeten liest sich wie ein Who’s who der internationalen Kultur- und Modeszene. Im zweiten Raum finden wir zum Beispiel Porträts von Vivienne Westwood, Peter Keeting, Rudi Gernreich, Sonja Rykel, Gianni Versace, Emmanuel Ungaro, Hubert de Givenchy, Christian Lacroix und Robert Mapplethorpe. Im dritten Raum geht es weiter mit den Künstlern Keith Haring, Roy Lichtenstein, Marcus Lüpertz, Gerhard Richter, Elvira Bach, Niki de St. Phalle, Luciano Castelli, Helmut Middendorf, Peter Hujar, David Hockney, Joseph Beuys, Ed Ruscha und Dennis Hopper.

Eine weitere Gruppe von Porträts zeigt Charlotte Rampling, Frederico Fellini, David Byrne, Manuel Alvarez Bravo, Richard Avedon, Sting, Wim Wenders, Grace Jones, Roman Polanski, Graham Greene, William Burroughs und Mario Merz. So, das muss an Namen reichen und dabei habe ich nur diejenigen aufgeführt, deren Namen und Profession ich kenne.

Auf weiteren Fotos zeigt June Frauen mit ihren Babys, das bekannteste darunter ist “Brigitte Nielsen and Son”. Sie finden das Bild hier. Bei ihren Mutter-Kind-Aufnahmen hat sie bewußt das Madonna-Klischee vermieden, Mutter und Kind erscheinen als selbstständige, voneinander unabhängige Charaktere. Weitere Serien zeigen Gruppenporträts von den Hells Angels und elf Aktfotos von “Susi und Lena”, aber für Aktfotos bleibt Helmut Newton doch der Maßstab und da kommt keiner heran.

Die heute 87-jährige June Newton kommt in Melbourne zur Welt. Unter dem Namen June Brunell arbeitetet sie als Schauspielerin für Film und Bühne. 1947 lernt sie Helmut Newton kennen. Gemeinsam ziehen beide 1947 nach Paris und 1981 nach Monte Carlo. Die Ausstellung ist bis auf weiteres im Museum für Fotografie, Helmut Newton Stiftung, in der Jebenstraße 2, 10623 Berlin-Charlottenburg, zu sehen. Die Überschrift trifft auch auf den Schreiber dieser Zeilen zu. Er liegt mit einer Erkältung “darnieder”.

www.helmut-newton.de

Künstler oder Kurator – Das ist hier die Frage!

Federn lassen müssen sie alle – Vom Kriegsgott Kailimoku zur Majestät, dem Schwan. Willem de Rooij mit “Intolerance” bis zum 2. Januar 2011
in der Neuen Nationalgalerie in Berlin

“Federobjekt”, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

“Federobjekt”, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Der 41-jährige niederländische Konzeptkünstler Willem de Rooij hat die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin “besucht” und ist dabei auf Werke gestoßen, die im 17. und 18. Jahrhundert entstanden sind. Sie dienten zur Repräsentation der Macht und zur prächtigen Ausstattung der Mächtigen. Willem de Rooij, der zurzeit in Berlin lebt, versuchte, diese eigenständigen Kunstwerke zu einem neuen, temporären Kunstwerk für die Neue Nationalgalerie zusammenzustellen. Auf welche Werke hat de Rooij zurückgegriffen?

Melchior d’Hondecoeter (1636 – 1695) malte ausschließlich realistische Bilder von heimischen und exotischen Vögeln, die sich meistens im Kampf befinden. Es geht nicht so friedlich zu wie auf meinem Foto, bei d’Hondecoeter versucht zum Beispiel ein Adler einen Hahn zu töten. Viele andere Vögel müssen ebenfalls Federn lassen. Das trifft insbesondere auf die zweite Werkgruppe zu, die de Rooij ausgesucht hat.

Hawaiische Federobjekte (18. und 19. Jahrhundert) wurden im vorchristlichen Hawaii bei Prozessionen als Statussymbole mitgeführt. Aus Federn von Hunderten von Vögeln wurden zum Beispiel der überlebensgroße Kopf des Kriegsgottes Kailimoku und ein Umhang für ihn gefertigt. Kunsthistorisch gesehen gibt es keine Verbindung zwischen den Federn aus Hawaii und aus Holland, es ist eine komplett freie Assoziation von Willem de Rooij.

“Mit dieser Gegenüberstellung lenkt der Künstler den Blick auf Zusammenhänge zwischen den außereuropäischen Objekten und der europäischen Malerei. Die Ausstellung thematisiert die Dreiecksbeziehung zwischen früherem globalen Handel, interkulturellen Konflikten und gegenseitiger Attraktion. Offen für vielfältige Interpretationen kann ‘Intoleranz’ als eine dreidimensionale Collage, aber auch als eine visuelle Untersuchung sowie als pointierte Reflexion institutioneller Arbeitsweisen und Ausstellungspraxis begriffen werden” (aus der Presseerklärung).

Diese Zusammenhänge kann der Betrachter anhand des Gesamtkunstwerkes, wenn es denn eins ist, aber nicht ahnen, insbesondere auch, da die ursprünglichen Werke nicht beschriftet sind. Wir haben nur den Titel “Intolerance”. Für mich bleibt die Frage offen, ob es sich hier um ein künstlerisches oder ein kuratorisches Werk handelt. Die Diskussion über das zukünftige Humboldt-Forum in Berlin-Mitte wird die Ausstellung aber beflügeln können, denn de Rooij plädiert für den interdisziplinären Blick auf die Werke. Vielleicht ist es auch egal, ob diese “freie, wissenschaftliche Collage” (Joachim Jäger) nun ein Künstler oder Kurator geschaffen hat, sehenswert ist sie in jedem Fall. Den Titel “Intolerace” habe ich aber trotzdem nicht nachvollziehen können.

Im Laufe der Ausstellung soll es noch eine dreibändige Publikation geben. Sie beinhaltet dann die erste umfassende Darstellung der Werke von Melchior d’Hondecoeter, eine Zusammenstellung aller bekannten Federobjekte und eine fotografische Dokumentation der Installation “Intolerance”.

Das Kulturforum mit der Neuen Nationalgalerie ist bekanntlich vom Kulinarischen eher mager ausgestattet, also besuchten wir nach dem Museumsbesuch den Potsdamer Platz und kehrten im neueröffneten “Café Möhring” ein. Im ältesten Haus des Viertels, dem ehemaligen Weinhaus Huth, hat ein Klassiker der Berliner Kaffeehauskultur seit September 2010 sein Comeback (Alte Potsdamer Straße 5, Eingang Tilla Durieux-Park). Am Kurfürstendamm wurde das Café Möhring im Jahr 2000 geschlossen, am Gendarmenmarkt wurde es später auch verdrängt und hat nun ein neues Haus gefunden. Einen Besuch kann ich nur empfehlen, das Essen ist sehr gut und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Neue Nationalgalerie

Regenschauer am Nöldner Platz

Fotografien von Christian Borchert in der Galerie argus fotokunst

Die Frauenkirche in Dresden, Foto © Friedhelm Denkeler 1994

"Die Frauenkirche in Dresden", Foto © Friedhelm Denkeler 1994

Christian Borchert träumte eines Nachts, er hätte einen Reisepass erhalten, der unbegrenzt für alle Länder gültig sei – leider nur für einen einzigen Tag. Viele kleine Geschichten dieser Art aus dem Leben von Christian Borchert erzählte der Verleger und Fotograf Hansgert Lambers während der Vernissage am 8. Oktober 2010 in der Galerie “argus fotokunst”.

Es war eine der schönsten Eröffnungsreden die ich in der letzten Zeit gehört habe. Lambers erhielt im Laufe seiner Freundschaft mit Borchert an die 120 Ansichtskarten von dessen Reisen. Anhand dieser persönlichen Dokumente erzählte Lambers mit Hilfe von Zitaten eine kleine Lebensgeschichte von Christian Borchert.

"Christian Borchert vor dem verhüllten Reichstag" Foto © Friedhelm Denkeler 1995

Der 1942 in Dresden geborene Christian Borchert verunglückte am 15. Juli 2000 tödlich. Er gilt als einer der bedeutendsten Fotografen der DDR. Mit seinen Fotoprojekten von Werktätigen, Menschen auf Festen, von Künstlern und Bildhauern und Familienporträts ist er zum Chronisten der Kultur- und Sozialgeschichte der DDR geworden. Auf praktisch allen Fotos steht der Mensch im Mittelpunkt. Man sieht, dass er die Menschen, seine “DDR-Bürger”, mochte (Christian Borchert: “Berliner”. Ex pose Verlag, Berlin West, 1986).

Eines seiner wichtigsten Fotoprojekte war die Dokumentation des Wiederaufbaus der Semperoper in Dresden (Semperoper Dresden – Bilder einer Baulandschaft. Mit Fotografien von Christian Borchert. Verlag der Kunst, Dresden 1985). Eines meiner Lieblingsfotos, wie alle Fotos von Borchert in schwarz-weiß, ist der Blick des Fotografen während eines Regenschauers aus seiner Wohnung heraus in der Leopoldstraße (“Regenschauer am Nöldnerplatz”, Mai 1971) in Berlin-Rummelsburg, direkt auf Passanten, die sich am S-Bahn-Gelände mit Regenschirmen durch den Sturm kämpfen. Das Foto können Sie hier sehen.

Der Nachlass von Christian Borchert befindet sich in der Berlinischen Galerie (ca. 1400 Ausstellungsabzüge), im Kupferstichkabinett Dresden (ca. 500 Ausstellungsabzüge) und in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden. Die “deutsche fotothek“ hat 12052 “Arbeitsabzüge” seiner Fotografien inzwischen digitalisiert. Ein Selbstbildnis des Fotografen finden Sie hier. Die Bilder von Christian Borchert sind noch bis zum 6. November 2010 in der Galerie “argus fotokunst” in der Marienstraße 26 in Berlin zu sehen.

argus fotokunst

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