Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Miranda July hält in The Future die Zeit an (Berlinale IX)

Die Geschichte eines Paares in den Dreißigern,
erzählt aus der Sicht einer Katze

The Future, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

The Future, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

In das Leben von Sophie und Jason hält die Panik Einzug: “In fünf Jahren, da sind wir 40. Und 40, das ist fast 50. Was danach kommt, ist nur noch das Kleingeld im Leben”. Sie hatten noch so viel vor: Die Welt retten oder berühmt werden, stattdessen halten sie Kontakt zur Außenwelt nur über Youtube und Facebook und führen langweilige, selbstironische Gespräche.

In der Anfangsszene liegen sich beide auf dem Sofa gegenüber, beide den Laptop mit dem angebissenen Apfel auf den Knien. Jasons bewegt sich und Sophie fragt: “Kannst du mir ein Glas Wasser mitbringen?” Jason: “Ich suche nur eine bequemere Sitzposition.” Ihr Alltag ist zunächst weniger Handlung als assoziative Ideenabwicklung, in der groteske Situationskomik überwiegt bis die Langeweile in eine echte Krise übergeht. Jason hält die Zeit an, aber die Welt dreht sich unablässig weiter.

Miranda July, das US-amerikanische Multi-Talent, ist Schriftstellerin, Performance-Künstlerin und Filmemacherin (siehe auch Berlin-Woman). In dem Film “The Future” führt sie Regie und spielt die Hauptrolle. Es ist bisher der fotografischeste Film, den ich auf der diesjährigen Berlinale gesehen habe. Die Kamera schwelgt in Bildern. Der künstlerische Film lässt sich nicht so einfach einem Genre zuordnen: Ist er eine Komödie, ein Beziehungsdrama, eine Fantasy-Story, eine Weltuntergang-Allegorie oder eine 90-minutige Performance?

Die Berliner Zeitung schreibt: “Auch Miranda Julys neue Hauptrolle lebt von jener kontrollierten Verspieltheit, die ihre Video- und Performance-Arbeiten auszeichnet. Ihre Kurzgeschichten weisen sie als liebevolle Sammlerin jener alltäglichen Absonderlichkeiten aus, mit denen Menschen glauben, ihre Gefühle auszudrücken.”

Einen ausführlichen Artikel über Miranda July und ihre Arbeit finden sie auf ZEIT online.

Sophie und Jason sind ein merkwürdiges Paar. Sie sind beide um die 30, sie leben in einer Einzimmerwohnung, arbeiten in Berufen, die sie hassen, und ihre Beziehung steckt in einer Sackgasse. Meistens sind die beiden sowieso online, was das Zusammenleben auch nicht einfacher macht. Ein gemeinsames Projekt, Verantwortung, das wäre in dieser Situation vielleicht hilfreich. Und so entschließen Sophie und Jason sich, eine verletzte Katze zu adoptieren, die noch gesund gepflegt werden muss. Paw Paw wird rund um die Uhr Betreuung brauchen. Genau das ist es, was die beiden immer stärker beunruhigt, je näher der Tag kommt, an dem sie Paw Paw abholen müssen.

Doch bevor es so weit ist, wollen Sophie und Jason endlich das tun, was sie schon immer machen wollten. Sie schmeißen ihre Jobs hin. Jason beschließt, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. Er arbeitet als Werber für ein Naturschutzprojekt, das sich für Baumpatenschaften stark macht, und Sophie arbeitet an einer Choreografie, die sie schon lange beschäftigt. Während die Zeit wie im Flug vergeht, muss Sophie erkennen, dass sie mit ihrem Tanz kaum Fortschritte macht.

Einmal, als sie besonders enttäuscht ist, besucht Sophie die Katze, die sie bald zu sich holen wollen. Hier trifft sie Marshall, einen 55-jährigen Mann, mit dem sie eine Affäre beginnt. Er lebt in einem Vorortkosmos, in dem Sophie nicht sie selbst sein muss. Während Sophies Leben zwischen zwei vollkommen gegensätzlichen Realitäten zu pendeln beginnt, scheint Jasons Leben zu verharren, und im Tierheim wartet Paw Paw, die Katze. (Quelle: Filmbeschreibung)

“Nader und Simin, eine Trennung” (Berlinale VIII)

Szenen einer Ehe – Ein iranischer Film über
vernunftbetonte Frauen und ehrverletzte Männer in Teheran

"Roter Teppich vor dem Berlinalepalast", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

"Roter Teppich vor dem Berlinalepalast", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Es scheint eine ungeschriebene Regel im Berlinale-Palast zu geben, am Nachmittag die eher schwächeren Filme zu zeigen – jedenfalls bis zum sechsten Berlinale-Tag war es so.

Der 123 Minuten lange iranische Wettbewerbsfilm “Jodaeiye Nader az Simin” von Asghar Farhadi um zwei im Streit liegende Familien, war gefühlte 43 Minuten zu lang. Es handelt sich um eine konservativ gefilmte Story ohne größere Höhepunkte, mit sich wiederholenden Szenen ähnlichen Inhalts und selbst die Schlussszene war vorhersehbar.

Die Berlinale ist dafür bekannt, dass Filme aus politischen Gründen mit Preisen bedacht werden. Das könnte sich dieses Jahr wieder bewahrheiten. Das Mitglied der aktuellen Jury, der Regisseur Jafar Panahi durfte aus dem Iran nicht anreisen, sondern sitzt dort inhaftiert im Gefängnis. Natürlich erhielt der iranische Wettbewerbsbeitrag daraufhin größte Aufmerksamkeit. Auch dem Publikum gefiel, dem Beifall nach zu urteilen, der Film sehr gut. Viele Kritiker sehen das ähnlich. Einige Beispiele habe ich herausgesucht:

FAZ: “Es geht nicht um Politik auf den ersten Blick, aber wir sehen, wie unterschiedlich die Frauen ihre Kopftücher, Schleier und Tschadors tragen, wie die Pflegerin, die nicht weiß, ob sie den alten Mann waschen darf, Rat sucht bei einer religiösen Hotline, wie die Mutter über Grenzen auch der Wahrheit hinweg zu vermitteln bereit ist, und wie die Tochter von Nader und Simin zu begreifen beginnt, was Schuld bedeutet. … Kaum vorstellbar, dass die Jury an diesem Film vorbeigeht.”

DEUTSCHE WELLE: “Jodaeiye Nader az Simin” ist ein ungeheuer dicht und konzentriert inszeniertes Familiendrama auf engstem Raum. Die Charaktere sind glaubwürdig dargestellt, psychologisch fein gezeichnet, dazu in ihrer Komplexität differenziert und vielschichtig. Kein Handlungsstrang, kein Charakter ist eindimensional angelegt. Es gibt in dem Film kein Gut und kein Böse, kein Richtig und kein Falsch. Der Regisseur zeigt uns eindringlich, wie menschliches Zusammenleben funktioniert – oder auch nicht.”

DIE ZEIT: Der Film “ist ein mühsamer, ein anstrengender Film. Bisweilen ist es frustrierend, ihm zu folgen. Weil man schon ahnt, dass es keine einfache Lösung geben wird. Gerade deshalb ist er der Film auf der Berlinale, der bisher am glaubwürdigsten einen Ausschnitt des wahren Lebens abbildet.”

DIE WELT: “Wenn Asghar Farhadis Film am Samstagabend den Goldenen Bären entgegen nehmen wird …”

TAGESSPIEGEL: “Den Ausweg aus allen Finten, mehr oder weniger moralischen Notlügen und privaten Beichten bei aller öffentlicher Unbeugsamkeit suchen und finden dann die Frauen. … Am Ende ist es auch nicht die iranische Gerichtsbarkeit, vor der sich die heftig streitenden Parteien immer wieder von neuem ohne Anwalt versammeln und die das entscheidende Geständnis erzwingt, sondern ein Schwur auf den Koran. Ein dramaturgischer Coup für die einen, ein zwingendes moralisches Gebot für die andere Seite.”

Simin möchte mit ihrem Ehemann Nader und ihrer Tochter Termeh den Iran verlassen. Alle dafür notwendigen Schritte hat sie unternommen; alle entsprechenden Vereinbarungen wurden getroffen. Doch dann meldet ihr Mann Bedenken an: Er möchte seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht unbetreut zurücklassen – Nader sagt die Reise ab. Simin reicht daraufhin beim Familiengericht die Scheidung ein. Als ihre Klage abgewiesen wird, zieht sie aus der ehelichen Wohnung aus und kehrt zu ihren Eltern zurück. Die kleine Termeh entscheidet sich dafür, beim Vater zu bleiben, hofft aber sehr darauf, dass die Mutter bald wieder nach Hause kommt.

Für Nader ist es nicht einfach, mit den veränderten Lebensverhältnissen zurechtzukommen – schon allein aus zeitlichen Gründen. Für die Betreuung seines kranken Vaters engagiert er darum eine junge Frau. Razieh ist schwanger und übernimmt diesen Job, ohne ihren Ehemann davon in Kenntnis zu setzen. Als Nader eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, findet er seinen Vater allein in der Wohnung vor – darüber hinaus ist der alte hilflose Mann an einen Tisch gefesselt! Als Razieh eintrifft, führt dies zu tragischen Konsequenzen, die nicht nur Naders Leben erschüttern, sondern auch das Bild zerstören, das sich seine Tochter Termeh von ihrem Vater bislang gemacht hat… (Quelle: Filmbeschreibung)

“Coriolanus” von und mit Ralph Fiennes (Berlinale VII)

Historische Tragödie um einen Politiker und Feldherrn als kritisches Abbild der gegenwärtigen globalisierten Welt

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Rom im 4. Jahrhundert v. Chr. oder die Welt im 21. Jahrhundert: Gibt es einen Unterschied? Ralph Fiennes zeigt im Wettbewerbsbeitrag “Coriolanus”, dass Politik und Kriegsführung, auch wenn Jahrhunderte dazwischen liegen, noch immer mit den gleichen Waffen und Worten geführt werden. Fiennes debütiert mit diesem Film als Regisseur und spielt gleichzeitig die Hauptrolle als Coriolanus. Volumnia, seine Mutter, wird von Vanessa Redgrave gespielt.

Das um 1607 entstandene Theaterstück von William Shakespeare siedelt Fiennes in zeitgenössischer Umgebung an. Die Original-Dialoge blieben dabei unverändert. Es geht heute wie damals um Krieg und Frieden, kriegerische Aktionen mit gepanzerten Fahrzeugen und Kriegsgeräten, um Demonstranten und martialische Sicherheitskräfte, politische Ränkespiele, Verhandlungen, Macht, Eitelkeit, Rache, Terrorakte, Unternehmen und ein wankelmütiges Volk.

Auf der Pressekonferenz zum Film wurde Ralph Fiennes von Journalisten aus aller Welt mit Beifall und Bravo-Rufen gefeiert. DIE ZEIT urteilt “das wirkt, als seien Bagdad und Kabul und in den Szenen mit den Massenprotesten auch schon Tunis und Kairo übereinander kopiert.” Coriolanus, so schreibt die WELT, “soll Konsul werden. In der Galauniform aber, im Fernsehstudio, unterm Volk gehorcht ihm sein Körper nicht mehr, verweigert sich dem Kompromiss. Wie Fiennes das macht, wie er die Energie in Coriolanus da fehlgeleitet, ausgestellt, explodieren lässt, ist schon jetzt ein Höhepunkt der Berlinale.”

Rom. Das Volk ist in Aufruhr. Die Reichen horten Getreide, die Armen hungern, Rebellion liegt in der Luft. Eine der Hauptzielscheiben des Volkszorns ist Caius Martius. Der hochmütige General macht kein Hehl aus seiner Verachtung für die Plebejer. Als die Volsker sich vor der Stadt versammeln, spitzt sich die Lage zu. Sie werden von Tullus Aufidius angeführt. Der Intimfeind von Caius Martius ist als Feldherr gefürchtet. Bei der Stadt Corioles kommt es zur entscheidenden Schlacht, die das römische Heer dank des Mutes ihres Generals Caius Martius für sich entscheiden kann. Seine Tapferkeit trägt ihm den Namenszusatz „Coriolanus“ ein, er ist der, der die Stadt Corioles befreite.

Caius Martius Coriolanus ist jetzt so populär, dass er in die Politik gehen könnte. Dazu wird er von seiner Mutter Volumnia gedrängt, und auch sein alter Mentor Menenius macht sich für seinen Aufstieg stark. Doch Coriolanus muss erst einmal gewählt werden, und der aufbrausende Militär ist kein geschmeidiger Redner, gewinnende Gesten sind seinem Wesen fremd. Als er, von politischen Gegnern gereizt, bei einem öffentlichen Auftritt die Plebejer beschimpft, ist es um seine politischen Chancen geschehen. Das Volk lehnt sich gegen ihn auf und kann nur mit der lebenslangen Verbannung des einstigen Kriegshelden aus der Stadt besänftigt werden. Coriolanus verlässt Rom und sinnt auf Rache. Will er Rom bezwingen, braucht er die militärische Unterstützung des Tullus Aufidius, seines Intimfeindes … (Quelle: Filmbeschreibung)

Berlinale kürte die Stars von morgen

Vor der Premiere des Films “Coriolanus” wurden die “Shooting Stars 2011″, Nachwuchstalente aus europäischen Ländern, ausgezeichnet. Der deutsche Schauspieler Alexander Fehling, den wir zuletzt in der Hauptrolle des Kinofilms “Goethe!” sehen konnten, war unter den Ausgezeichneten und erhielt die “Maria” getaufte Trophäe, deren Namenspatronin die gleichnamige Figur aus Fritz Langs “Metropolis” ist. Alle Statuen wurden von Ralph Fiennes persönlich übergeben und mit dem Zitat “Work Hard!” von Patti Smith, die zur Freude des Publikums im Saal anwesend war, endete die Preisverleihung.

Tanz auf dem Vulkan ‘An einem Samstag’ (Berlinale VI)

Wie die Menschen in Tschernobyl erbarmungslos
ihrem Schicksal überlassen wurden zeigt “V Subbotu”

Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Mit wackelnder Handkamera, extremen Nahaufnahmen und vielen Unschärfen nähert sich der Regisseur Alexander Mindadze mit seinem Wettbewerbsbeitrag “V Subbotu” (An einem Samstag) jener Nacht, die der Explosion im Block Vier des Kernkraftwerkes in Tschernobyl folgte.

Einige Parteigenossen wissen um den Ernst der Lage, andere ahnen etwas und der unwissende Rest trinkt und feiert an diesem Samstag weiter, aber es ist bereits ‘fünf nach Zwölf’. Mindadze versucht, das Gefühl, keine Alternativen zu haben, nicht fliehen zu können oder nicht zu wollen, einfach weiterzufeiern und auf dem Vulkan zu tanzen (im doppelten Sinne) in einen künstlerischen Film/ ein Kammerspiel umzusetzen.

Die TAZ schreibt dazu: “Dabei gibt sich Mindadze wenig Mühe, nachvollziehbar zu machen, warum Valerij, Vera und die wenigen anderen, die begreifen, was geschehen ist, in Hyperaktivität verfallen, ohne je ernsthaft nach einem Ausweg aus der Stadt zu suchen. Fast scheint es, als hätte das alte Klischee von der Irrationalität der russischen Seele eine Halbwertszeit von 25 Millionen Jahren.”

Im Wettbewerb um den Goldenen Bären wirkt der Film für mich deplaziert. In einer anderen, etwas experimentelleren Sektion hätte ich ihn lieber gesehen und werde den Film unter der Rubrik “Die Wege eines Films in den Wettbewerb der Berlinale sind unerfindlich” abhaken. Trotz alledem, der Film zeigt eine wahre Geschichte: Erst 36 Stunden nach der Katastrophe wurde die Stadt evakuiert, viele Menschen starben oder erlitten schwerste Strahlungsschäden. Dieses Geschehen kann nicht oft genug in Erinnerung gerufen werden.

Samstag, 26. April 1986: Im Kernkraftwerk Tschernobyl ist ein Reaktorturm explodiert. Die Parteileitung wiegelt ab. Aber Valerij Kabysh, früher Schlagzeuger, inzwischen junger loyaler Parteifunktionär, beobachtet die Panik der Verantwortlichen und begreift, dass jede Sekunde zählt … Zusammen mit seiner Geliebten und seinen Musikerfreunden versucht Valerij, die Stadt zu verlassen. Aber das Leben lässt ihn nicht los. Es ist Samstag, die Menschen gehen spazieren, machen Einkäufe, feiern Hochzeiten; Kinder spielen im Freien.

In diesem sorglosen Trubel bleibt jeder Versuch zu entkommen ohne Erfolg. Die Katastrophe ist eine allgegenwärtige, aber unsichtbare Figur in dieser Geschichte. Als wären da Handschellen, die nicht zu öffnen sind. Ein verlorener Pass, ein gebrochener Schuhabsatz, ein verpasster Zug. Eine Hochzeit, auf der zu Ende gespielt werden muss. Dort singt Vera mit ihrer Band, die früher auch Valerijs Band war, und Valerij springt für den betrunkenen Drummer ein.

Lebensgefahr? Tödliche Strahlung? Selbst als Valerijs Band weiß, was wirklich vor sich geht, feiern sie – noch einen Wodka, noch eine Flasche Wein! Für sie bleibt nur, weiterzumachen und glücklich zu werden für den einen Moment … Es ist ein Samstag der Unschuld, und die Menschen sind erbarmungslos ihrem Schicksal überlassen … … (Quelle: Filmbeschreibung)

“Pina” – Tanz in 3D (Berlinale V)

Ist es Tanz, ist es Theater oder einfach nur Leben?

Ein Film von Wim Wenders für Pina Bausch

Foto © Friedhelm Denkeler

Foto © Friedhelm Denkeler

Habe ich schon einmal einen reinen Tanzfilm gesehen? Jedenfalls ist es nicht mein bevorzugtes Filmgenre. Aber “Pina”, eine kinematografische Hommage an die Choreografin Pina Bausch von Wim Wenders, in der dritten Dimension zu sehen, war ein bewegender und visueller Hochgenuss. Wenders hat in seinem ersten 3D-Film, der leider außer Konkurrenz vorgestellt wurde, das Medium ohne technische Spielereien fulminant eingesetzt. Im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel, erhielt das Filmteam nach der Premiere begeisterten Beifall.

Wenders ließ das Pina Bausch-Ensemble mit seinen Stücken “Café Müller”, “Le Sacre du Printemps”, “Vollmond” und “Kontakthof” in herrlich skurrilen Locations im Ruhrgebiet agieren. In erster Linie natürlich in Wuppertal, der Heimstatt des Pina Bausch-Tanztheaters. An einer Straßenkreuzung führt ein Paar einen Liebestanz auf und auf der Zeche Hohenzollern bespielt eine Tänzerin den Raum im klassischen Ballettstil. Weitere Außendrehs entstanden in einer fahrenden Schwebebahn (das sieht in 3D fantastisch aus), auf einer alten Abraumhalde und in einem Bergwerksstollen.

“In ‘Pina’ erzählt Wenders von wirklichen Menschen und zugleich von den Rollen, die sie spielen, und er lässt beides so souverän ineinanderfließen, als hätte er nie etwas anderes gemacht als Filme über Tänzer und Tanz, über die Kunst und ihren Preis, das Leben” so die FAZ. Das liegt sicher auch an den visuellen Möglichkeiten der neuen Technik. James Cameron gelang mit “Avatar” zum ersten Mal die überzeugende Einsetzung – und jetzt Wim Wenders mit “Pina”. Durch diese dritte Dimension scheinen die Tänzer fast aus der Leinwand herauszutreten, man ist fast versucht, die Hand auszustrecken, so nahe fühlt man sich ihnen.

“Pina” ist ein Film für Pina Bausch. Der abendfüllende Tanzfilm wurde mit dem Ensemble des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch in 3D gedreht und handelt von der mitreißenden und einzigartigen Kunst der großen, im Sommer 2009 verstorbenen Choreografin. Er lädt die Zuschauer ein auf eine sinnliche und bildgewaltige Entdeckungsreise in eine neue Dimension: mitten hinein auf die Bühne des legendären Ensembles und mit den Tänzern hinaus aus dem Theater in die Stadt und das Umland von Wuppertal – dem Ort, der mehr als 35 Jahre lang für Pina Bausch Heimat und Zentrum ihres kreativen Schaffens war.

Wenders war tief beeindruckt und bewegt, als er 1985 mit „Café Müller“ erstmals ein Stück der Choreografin Pina Bausch sah. Aus der persönlichen Begegnung der beiden Künstler erwuchs eine langjährige Freundschaft und auch der Plan für einen gemeinsamen Film. Doch scheiterte die Umsetzung lange an den verfügbaren Möglichkeiten des Mediums: Wenders spürte, dass er noch keine Form gefunden hatte, Pina Bauschs einzigartige Kunst aus Bewegung, Gestik, Sprache und Musik im Raum adäquat umzusetzen.

Erst “U2-3D”, der 2007 von der irischen Rockband U2 digital produzierte 3D-Konzertfilm, machte Wenders schlagartig klar: “Mit 3D wäre es möglich! Nur so, unter Einbeziehung der Dimension des Raumes, könnte ich mir zutrauen (und eben nicht nur anmaßen), Pinas Tanztheater in einer angemessenen Form auf die Leinwand zu bringen.”  (Quelle: Filmbeschreibung)

Den Trailer zum Film finden Sie hier. “Pina” startet am 24. Februar 2011 in unseren Kinos.

Wettbewerbsfilm “Les contes de la nuit”

Die Wege eines Films in den Wettbewerb der Berlinale sind unerfindlich

Am gleichen Tag hatte ich bereits nachmittags einen 3D-Film im Wettbewerb gesehen: “Les contes de la nuit” von Michel Ocelot. Warum ein Animationsfilm Scherenschnittfiguren in 3D herstellt, bleibt für mich allerdings rätselhaft. Leben Scherenschnitte nicht von 2D? Auch wie es der Film in den Wettbewerb um den Goldenen Bären geschafft hat, bleibt unverständlich. Er wäre in der Sektion “Generation”, Filme für Kinder und Jugendliche, besser aufgehoben.

“Almanya – Willkommen in Deutschland” (Berlinale IV)

Yasemin Samderelis Kinodebüt, eine Einwanderungskomödie, außer Konkurrenz im Wettbewerb

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Während Ulrich Köhlers “Schlafkrankheit” am Nachmittag vom Publikum sehr verhalten aufgenommen wurde, gab es am Abend für die Uraufführung “Almanya – Willkommen in Deutschland” großen Applaus. Der Film könnte der Publikumsliebling der Berlinale werden. Für uns war er eine willkommene Abwechslung zur enttäuschenden “Schlafkrankheit”. Im Film geht es um Integration, also kam auch Bundespräsident Wulff mit Gattin Bettina gerne zur Premiere.

Die aus Dortmund stammende Regisseurin Samdereli erzählt in ihrem doppelbödig inszenierten Film über einen Zeitraum von 45 Jahren, vom Beginn des Wirtschaftswunders bis Anfang der 90er Jahre, die Geschichte der Einwanderungsfamilie Yilmaz aus Anatolien. Es ist ein – im doppelten Sinne – farbenfrohes Integrationsmärchen aus türkischer Sicht geworden. Der Film sprüht vor klugem Witz, ist voller Gefühl für das Aufeinandertreffen zweier Kulturen und zeigt einen eigenständigen Beitrag zur Integrationsdebatte.

Einige der zahlreichen witzigen Einfälle der Samdereli-Schwestern möchte ich gerne vorstellen. Als der Einwanderer Yilmaz am 10. September 1964 in Oberhausen ankommt, wäre er eigentlich der Millionste Gastarbeiter geworden, aber er ließ einem anderen galant den Vortritt, der dann die Ehrung und das Zündapp-Moped erhielt.

Die “Gastarbeiter” konnten bei ihrer Ankunft natürlich kein Deutsch verstehen. Samdereli lässt deshalb zum Ausgleich die Deutschen in unverständlichen Idiomen sprechen, ähnlich dem Heil-Hinkel-Deutsch aus Charlie Chaplins “Der große Diktator” und übersetzt diese eigentümliche Sprache dann per Untertitel.

Oder die Geschichte mit den Müllfrauen: Kaum in Deutschland angekommen, beobachten die Kinder am Fenster die Müllabfuhr für die Yilmaz arbeitet und seine kleine Tochter wünscht sich nichts sehnlicher, als später ebenso als Müllfrau zu arbeiten. Sie ist maßlos enttäuscht, dass es in Deutschland nur Müllmänner geben kann. Jahre später, auf einer gemeinsamen Reise nach Anatolien, traut sie ihren Augen nicht: Es gibt in der Türkei bereits ihre heiß ersehnten Müllfrauen.

Alle, auf beiden Seiten vorhandenen Klischees werden phantasievoll angerissen. Der Weihnachtsbaum wird zum Nadelstrauch, den Deutschen wird sogar Kannibalismus zugetraut, die Blümchenmusterkleider tauchen auf und die bevorstehende Einbürgerung scheint ohne sonntägliches Tatort-Sehen, unmöglich zu werden.

Am 10. September 1964 wurde in der Bundesrepublik der millionste “Gastarbeiter” begrüßt. Der Film der Schwestern Yasemin Samdereli (Regie) und Nesrin Samdereli (Buch) erzählt die Geschichte des Eine-Million-und-Ersten, eines Mannes namens Hüseyin Yilmaz, und seiner Familie. Und das über einen Zeitraum von 45 Jahren. “Wer oder was bin ich eigentlich – Deutscher oder Türke?” Diese Frage stellt sich der sechsjährige Cenk Yilmaz, als ihn beim Fußball weder seine türkischen noch seine deutschen Mitschüler in ihre Mannschaften wählen.

Um Cenk zu trösten, erzählt ihm seine 22-jährige Cousine Canan die Geschichte ihres Großvaters Hüseyin, der Ende der 60er Jahre als “Gastarbeiter” nach Deutschland kam und später Frau und Kinder nach “Almanya” nachholte. Längst ist Deutschland zur Heimat der Familie geworden. Doch eines Abends überrumpelt Hüseyin seine Lieben mit der Nachricht, er habe in der Türkei ein Haus gekauft und wolle mit ihnen in die alte Heimat fahren. Widerworte werden nicht geduldet, und so bricht die ganze Familie in die Türkei auf. Es beginnt eine Reise voller Erinnerungen, Streitereien und Versöhnungen – bis der Familienausflug eine unerwartete Wendung nimmt … (Quelle: Filmbeschreibung)

Den Trailer zum Film finden Sie hier. “Alemanya – Willkommen in Deutschland” startet am 10. März in unseren Kinos.

“Schlafkrankheit” – Schlaflos in Berlin und Kamerun (Berlinale III)

Ulrich Köhler hat sich mit seinem Wettbewerbsbeitrag verhoben

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Ist die Schlafkrankheit eine Erkrankung zum Einschlafen? Oder trifft das Gegenteil zu? Auf den deutschen Wettbewerbs-beitrag von Ulrich Köhler traf jedenfalls beides zu.

Glücklicherweise lief der Film nachmittags, in der Spätvorstellung wäre ich sicherlich eingenickt (wie einige Besucher in meiner Umgebung) oder ich hätte aus lauter Ärger wegen des schlechten Films, der vielleicht Stoff für einen Kurzfilm oder einen Dokumentarfilm bot, nicht einschlafen können.

Das Spannendste am gesamten Film war die Schlussszene, in der ein Nilpferd grunzend durch den nachtdunklen Urwald zog. Es konnte auch nicht schlafen.

Zur Wiedergutmachung und zum Aufwachen sah ich anschließend noch die außer Konkurrenz laufende Einwanderungskomödie von Yasemin Samderreli  ”Almanya – Willkommen in Deutschland”, doch dazu morgen mehr.

Ausschnitte aus dem Film und einem Interview finden Sie hier. Der Film startet am 16. Juni 2011 in den Kinos.

Die Berlinale stellt den Film in ihrem Programm wie folgt vor:

Seit fast 20 Jahren leben Ebbo und Vera Velten in verschiedenen afrikanischen Ländern. Ebbo leitet ein Schlafkrankheitsprojekt. Seine Arbeit füllt ihn aus. Vera hingegen fühlt sich zunehmend verloren in der internationalen Community von Yaounde. Sie leidet unter der Trennung von ihrer Tochter Helen, 14, die in Deutschland ein Internat besucht. Ebbo muss sein Leben in Afrika aufgeben, oder er verliert die Frau, die er liebt. Aber mit jedem Tag wächst seine Angst vor der Rückkehr in ein Land, das ihm fremd geworden ist.

Jahre später. Alex Nzila, ein junger französischer Mediziner mit kongolesischen Wurzeln, reist nach Kamerun. Er soll ein Entwicklungshilfeprojekt evaluieren. Schon lange hat er den Kontinent nicht mehr betreten. Doch statt auf neue Perspektiven trifft er auf einen destruktiven, verlorenen Menschen: Wie ein Phantom entzieht sich Ebbo seinem Gutachter… 

“Margin Call” – Der Tag, an dem die große Finanzkrise an der Wallstreet ausbrach (Berlinale II)

Ein Bankenthriller mit Kevin Spacey, Jeremy Irons und Demi Moore

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Gestern Morgen beim Studium des Wirtschaftsteils des Tagesspiegels dachte ich für einen kurzen Moment, hier fehlt doch eine Meldung über die Wirtschaftskrise. Der am Abend zuvor gesehene Berlinale-Film im Wettbewerb “Margin Call” von JC Chandor hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Als “Margin Call” wird übrigens in der Finanzwelt die Nachschusspflicht bezeichnet, die bei Verlust der festgelegten Mindest-Deckungshöhe angefordert wird. Oder so ähnlich.

Apropos “Nachschuss”: Die Parallelen zum Western “True Grit” sind verblüffend. In “Margin Call” agiert ein altgewordener 68er mit langer Mähne in bester Westernmanier als CEO einer Investmentbank. Vom Hippie zum Kapitalisten sozusagen. Auf dem roten Teppich trat Jeremy Irons übrigens mit Cowboy-Stiefeln und Fransen-Lederjacke auf. Das “Finanzcasino” wird, und das ist eine weitere Parallele zu “True Grit”, von der Männerwelt beherrscht. Die einzige Frau, Demi Moore, wird am Ende “gefeuert”.

“Margin Call” ist ein verdammt guter, sehr empfehlenswerter Film, einem Kammerspiel gleichend, mit wunderbar agierenden Schauspielern. Aber ich verließ den Berlinale-Palast mit einer gewissen Wut (oder war es Resignation?) im Bauch ob der Skrupellosigkeit der Finanzbranche und deren Brokern. Selbst kleinste Ansätze von Moral gehen in der Gier nach Money, Macht und Besitzstandswahrung auf hohem Niveau unter. Eine Änderung zeichnet sich selbst drei Jahre nach der Finanzkrise nicht ab. In einer gläsernen Welt, hoch in den Wolken und über allem thronend, findet der Kontakt zur Welt der Sterblichen maximal im zufälligen Zusammentreffen mit der Putzfrau im hauseigenen Fahrstuhl statt. Wer hier die Außerirdischen sind, ist wohl klar.

Der Thriller vor dem Hintergrund der internationalen Finanzkrise von 2008 spielt in der New Yorker Wall Street – in den Büros einer bedeutenden Investmentbank während jener entscheidenden 24 Stunden, die dem Eingeständnis ihres finanziellen Bankrotts vorangehen. Hier wird dem jungen Analysten Peter Sullivan nach Durchsicht der Akten schlagartig klar, dass die Bewertungen, auf denen das Geschäftsmodell der Firma beruht, fehlerhaft sind, und dass die Aktiva im Hypothekengeschäft nicht jenen Wert besitzen, der in den Büchern ausgewiesen ist. Im Gegenteil: Sie haben das Unternehmen an den Rand des Ruins gebracht.

Im Laufe der Nacht verbreitet sich diese Einsicht unter den führenden Mitarbeitern, die zusammenkommen, um die Bank zu retten. Zu ihnen gehören der erfahrene Börsianer Sam Rogers, sein Vorgesetzter Jared Cohen, die Risikoanalystin Sarah Robertson sowie der Firmenchef John Tuld, der mit dem Helikopter eingeflogen wird. Er ist es schließlich, der einen Rettungsplan entwirft: Sobald am Morgen die Börse öffnet, sollen sämtliche “toxischen“ Papiere abgestoßen werden. Dies ist ein Schachzug, der nicht nur für die Wall Street verheerende Folgen hat … (Quelle: Filmbeschreibung)

Ausschnitte aus dem Film und der Pressekonferenz finden Sie hier

Der Eröffnungsfilm der Berlinale: “True Grit” von den Coen-Brüdern (Berlinale I)

Ein alter Zausel (Jeff Bridges), ein aufschneidender Ranger (Matt Damon) und ein Mädchen mit echtem Schneid (Hailee Steinfeld)

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der erste Western, den ich seit ewigen Zeiten im Kino gesehen habe, war der Eröffnungsfilm der 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin “True Grit” von Ehtan und Joel Coen. Wann lief überhaupt das letzte Mal ein Western im Kino? Das muss Jagdgründe her sein. Eine Welturaufführung war es nicht, der Film läuft bereits mit großem Erfolg in den Staaten.

Karten für die Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag zu bekommen, war unmöglich, also sahen wir den Coen-Film gestern Nachmittag in der Wiederholung im Friedrichstadtpalast und auch das nur aufgrund persönlicher Kontakte. Es hat sich gelohnt. “True Grit” ist ein richtig guter,  sehenswerter Film. Ein gelungener Auftakt zur Berlinale, der sich am späteren Abend mit “Margin Call” (Kevin Spacey und Jeremy Irons in den Hauptrollen) fortsetzte (Bericht folgt morgen).

Alle Elemente eines klassischen Western sind in “True Grit” enthalten: Pferde, Pistolen, Goldstücke, ein Marshal und ein Texas-Ranger, Lagerfeuer unterm Sternenhimmel, Bankräuber, weite Prärie, eine Schlangengrube, einsame Holzkaten, winterlicher Wald, Schießereien mit tödlichem Ausgang aus unmöglicher Entfernung und ein weiblicher Racheengel.

Letzterer ist allerdings für einen Western eher unüblich. In der Regel agieren dort nur Männer (die Girls im Saloon einmal ausgenommen), aber in “True Grit” spielt die 14jährige Mattie Ross die Hauptrolle. In der Regel wird auch sehr viel geschossen und wenig geredet, in “True Grit” ist es eher umgekehrt. Die teilweise witzigen Dialoge, bei denen die weibliche Protagonistin meist wortführend ist, machen daher auch einen wichtigen Teil des Films aus.

Arkansas, 1872. Hier beginnt das Indianergebiet, in das sich Tom Chaney geflüchtet hat. Ihm auf den Fersen ist die 14-jährige Mattie Ross, die Tochter des Farmers, den er erschoss. Sie will den Mörder ihres Vaters vor Gericht bringen – mit eisernem Willen. Hilfesuchend wendet sie sich an den Marshal Rooster Cogburn, dem ein legendärer Ruf vorausgeht. Und das zu Recht: Auf 23 Tote in vier Dienstjahren hat er es gebracht – darunter aber, so Cogburn, “keiner, der es nicht verdient hätte“.

Starrsinnig, betrunken, einäugig: Cogburn mit seinem zerzausten Haar, seiner Augenklappe und seinen abgetragenen Klamotten sieht nicht gerade vertrauenswürdig aus. Doch sucht Mattie ja gerade nach der Entschlossenheit, eine Sache bis zum Ende durchzuziehen. Widerwillig lässt Cogburn sich von Mattie überreden, sie auf die Jagd nach Chaney mitzunehmen – quer durch die gesetzlosen Weiten der Prärie. Doch sie sind nicht allein, denn auch der Texas-Ranger LaBoeuf will den Flüchtigen stellen, um eine Kopfprämie zu kassieren. Und schon bald kommt Mattie dem Mörder ihres Vaters gefährlich nah … (Quelle: Filmbeschreibung)

Den Trailer zum Film finden sie hier. Am 24. Februar startet der Film, der für zehn Oscars nominiert wurde, bei uns in den Kinos.

Der Heilige Wald im Tiergarten

"Heiliger Wald im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Heiliger Wald im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das Geheimnis ist keines mehr. Der Schriftzug “Holy Wood” auf einem 53 Meter langen und 14 Meter hohen Gerüst im Tiergarten ist fertiggestellt (siehe hier) und hat leider nichts mit gleichlautender Traumfabrik gemein. Ein Ökostromanbieter ist dieses Jahr Werbepartner der Berlinale und der Berliner Künstler Ralf Schmerberg hat eine Idee hierzu thematisch umgesetzt. Pünktlich zu Beginn der Internationalen Filmfestspiele Berlin am 10. Februar 2011 wird der Schriftzug heute Abend vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der gleichzeitig auch Kultursenator ist, eingeweiht. Als Huldigung an den Baum an sich und an den “heiligen” Wald der Berliner, den Tiergarten, sollen allabendlich Waldbilder darauf projiziert werden. Der Wald im Wald sozusagen. Fortsetzung folgt.

Das letzte Glas ist getrunken – Gary Moore ist gestorben

“So long it was so long ago/ but I’ve still got the blues for you.”

"Das letzte Glas", Foto © Friedhelm Denkeler 2007

“Das letzte Glas”, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Am Sonntag starb der irische Bluesrocker Gary Moore unerwartet mit 58 Jahren in seinem Hotelzimmer im spanischen Urlaubsort Estepona an der Costa del Sol. Mit

Gary Moore: “Still got the Blues (for you)”

hatte er 1990 einen Welthit.

Der im nordirischen Belfast geborene Moore begann bereits mit acht Jahren, Gitarre zu spielen. Eine erfolgreiche Solo-Karriere und die Zusammenarbeit mit Thin Lizzy, George Harrison, Ginger Baker, Jack Bruce, Rory Gallagher, den Beach Boys, Colosseum II und Ozzy Osbourne zeigen die Bandbreite seines Repertoires. Moore ließ sich nicht auf ein Genre festlegen. Er pendelte zwischen Blues und Hardrock und war deshalb ein begehrter Session- und Studiomusiker.

Mit Blues-Alben wie “Still Got The Blues” feierte er in den letzten beiden Jahrzehnten seine Erfolge. Die Frankfurter Rundschau schrieb dazu: “Viel mehr als ein Blues-Gitarrist ist Moore ein Alleskönner, der in den 70er Jahren die Standards der Rockgitarre setzte. Wenn es in seinem Spiel einen konstanten Bezug gibt, dann zu dem perfektionistischen, eloquenten und tremoloseligen Klangideal eines Jeff Beck”.

Geheimnisvolle Schriftzeichen im Tiergarten

"Holy Wood im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Holy Wood im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Entsteht pünktlich zu Beginn der Internationalen Filmfestspiele in Berlin vom 10. bis 20. Februar 2011 im Tiergarten in der Nähe des Potsdamer Platzes eine Filiale der Traumfabrik aus Hollywood? Der Schriftzug aus den Bergen über Los Angeles wird bereits montiert. Es scheint aber noch Probleme mit der korrekten Schreibweise zu geben. Handelt es sich um einen Werbegag oder um eine, wie der Tagesspiegel berichtete, politische Aktion? Fortsetzung folgt.

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