Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Schönheiten in schwarz-weiß “On Street”

Peter Lindbergh in der Galerie C|O bis 16. Januar 2011 verlängert

Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Die Fotoschau mit Peter Lindbergh (*1944) ist eine der erfolgreichsten seit dem 10-jährigen Bestehen der privaten C/O-Galerie. Mehr als 70.000 Besucher haben die Retrospektive nach der Eröffnung am 25. September 2010 gesehen und ich hatte dank der Verlängerung die Gelegenheit, sie mir noch ein zweites Mal anzusehen (und einen Bericht zu schreiben). Einige Bilder, genauer gesagt 9 von 120, waren bei meinem zweiten Besuch aufgrund einer juristischen Auseinandersetzung verhängt. Es handelt sich um Aufnahmen mit Veruschka Lehndorff. Schade.

Die Ausstellung im ehemaligen Postfuhramt besteht aus drei Teilen: Im ersten Teil befinden sich überwiegend Aufnahmen aus Berlin, da Lindbergh seit über 20 Jahren die Stadt und ihre Bewohner (und Models) fotografiert. Der zweite Teil der Ausstellung „A Selection“ besteht aus einer Auswahl aus Lindberghs Werken, die der Kurator Klaus Honnef getroffen hat. Er hat insbesondere jene fotografischen Ikonen herausgesucht, die Lindbergh berühmt machten. Der dritte Teil ist in der ehemaligen Sporthalle des Gebäudes untergebracht und besteht aus den Serien „On Street“ und „Looking At“. Lindbergh hat hierzu die klassischen Locations für Modefotos verlassen und fotografiert auf belebten Straßen und Fußgänger-Übergängen, insbesondere in New York.

Ein eher untypisches Foto von Lindbergh ist mein Lieblingsbild, das 1990 für die italienische „Vogue“ entstand: Das Model Helena Christensen trifft auf die kleinwüchsige Stuntfrau Debbie Lee Carrington im Astronautenkostüm, und man weiß nicht genau, wer in Lindberghs Augen hier eigentlich die Hauptrolle spielt (Bild siehe hier). Dieses Foto ist, wie auch alle anderen, in beeindruckender Größe („wandhoch“) in dunkelbraunem Holzrahmen gehängt und insbesondere in der großen Halle scheinen die Szenen überlebensgroß auf den Betrachter zuzukommen.

Nach Peter Lindbergh zeigt C/O Berlin 187 Bilder aus dem Gesamtwerk von Robert Mapplethorpe. Die Retrospektive konzentriert sich auf seine fotografische Entwicklung, die anhand der frühen Polaroids bis hin zu den späten Stillleben und Porträts von Andy Warhol, Debbie Harry, Grace Jones und Patti Smith nachgezeichnet wird.

Roadtrips zu den Uncommon Places oder: Die Verklärung des Alltäglichen

Stephen Shore, der Pionier der Farbfotografie, bei Sprüth Magers

"Lager mit Runddach", Foto © Friedhelm Denkeler 2009

„Lager mit Runddach“, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Bis in die 1970er Jahre war die Farbfotografie für künstlerisch arbeitende Autoren keine Selbstverständlichkeit. Sie war zu nah an der Ästhetik der Massenmedien und kaum einer der anerkannten Fotografen traute sich an sie heran. Der US-Amerikaner Stephen Shore (*1947) spielte, neben William Eggleston, eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Farb-Fotografie in den 1960er und 1970er Jahren. Beide gehören zu den Vorbereitern der „New Color Photography“.

Stephen Shore kenne ich bereits seit 1978 durch eine Gruppenausstellung in der „Werkstatt für Photographie“, Berlin, die Shores Straßenansichten mit den Arbeiten von Frank Gohlke, Joe Deal, Lewis Baltz und Carl Toth konfrontierte. Zwei Jahre später folgte eine Einzelausstellung von Shores „Uncommon Places“ in der von Michael Schmidt geleiteten Werkstatt. Seitdem gehört er zu meinen Lieblingsfotografen. Zu meiner damaligen und noch heutigen Freude habe ich den 1982 erschienenen, inzwischen legendären, Fotoband „Uncommon Places“ und das Original „Twenty-First Street and Spruce Street, Philadelphia, Pennsylvania, June 21, 1974“ erworben (siehe hier).

Aus diesem Grund wollte ich die Ausstellung, die bereits gestern zu Ende ging, mit 80 bisher unveröffentlichten Werken aus Shores Serie “Uncommon Places” bei Sprüth Magers, sehen. Es war mein erster Besuch in dieser Galerie. Sie befindet sich in einem Neubau in der Oranienburger Straße. Shore war in einem unfassbar großen Saal zu sehen, allein die Decke dürfte an die sieben Meter hoch sein. Die hier ausgestellten Werke wirkten gegenüber seinen bereits bekannten Farbfotografien eher schwächer: Der tolle „Farbsound“ fehlt. Auch die zwischen die Fotos gehängten „Road Trip Journals“ (in ähnlicher Größe) empfand ich als störend. Sie hätten besser in eine Ecke „Materialen“ gepasst.

Shores Arbeiten sind mit einer Großbildkamera im Format 20 x 25 cm entstanden. Früher zeigte (und verkaufte) er nur Kontaktkopien (also 1:1-Positive von Negativen) von beeindruckender Schärfe und Farbigkeit. Dagegen sind die, wahrscheinlich dem Markt geschuldeten, 50×60-Vergrößerungen bei Sprüth Magers eher „blass“ zu nennen.

Stephen Shore konnte bereits mit 14 Jahren (sic!) erste Fotos an das Museum of Modern Art verkaufen. Mit 17 lernte er Andy Warhol kennen und wirkte in dessen „Factory“ mit. Mit 24 Jahren hatte er als zweiter lebender Fotograf überhaupt (der erste war Alfred Stieglitz) eine Einzelschau im Metropolitan Museum. Anschließend führten ihn mehrere Reisen durch die Staaten, woraus sich die beiden Serien „American Surfaces“ und „Uncommon Places“ ergaben. Er fotografierte auf ungewöhnliche Weise alltägliche Orte: sein Motelzimmer, den Frühstücksbagel, Autos, Hunde, Straßen mit Ampelanlagen, Landschaften, die Hauptstraßen der meist menschenleeren Dörfer und Einkaufszentren und deren Parkplätze. Durch genaues Hinsehen versieht er diese Orte mit einer bestimmten Aura. Auszüge aus dem jetzt neu aufgelegten und erweiterten Fotobuch „Uncommon Places“ finden Sie hier.

Shores Fotografie schließt das Banale mit dem Mythos Amerika kurz. Darin erinnert sie mehr an amerikanische Literatur denn an Malerei. Im Rhythmus des Films – in Wenders  „Paris, Texas“ oder Adlons „Out of Rosenheim“ – begegnet man diesem Blick wieder. Die Fotografie aber hält die Zeit an. Das steigert die Lesbarkeit der Welt.   Thomas Wagner, FAZ, 04.03.1995

Es gibt sie noch – die guten deutschen (Liebes-)Filme

DREI – Eine romantische Komödie, interpretiert von Tom Tykwer

"Delphi Filmpalast mit 'Drei' von Tom Tykwer", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Delphi Filmpalast mit 'Drei' von Tom Tykwer und mit Sophie Rois", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Nach dem eher enttäuschenden Donnersmarck-Film „The Tourist“ (siehe meinen Artikel) war ich sehr gespannt, wie der deutsche Filmemacher Tom Tykwer („Lola rennt“ 1998, „Das Parfüm“ 2006, „The International“ 2009) seinen neuen Film „DREI“ umgesetzt hat. Um es schnell zu sagen, der Besuch im Kino hat sich gelohnt. Insbesondere, da meine Lieblingsschauspielerin Sophie Rois die Hauptrolle innehat. Aber auch die beiden männlichen Hauptdarsteller, Sebastian Schipper und Devid Striesow, sind mit ihren Rollen hervorragend besetzt und sehenswert.

Die Handlung in Kurzform: Seit 20 Jahren sind Hanna und Simon ein Paar. Sie leben in Berlin, nebeneinander und miteinander, in mal mehr, mal weniger Harmonie. Beide sind attraktiv, modern, gereift, kinderlos, kultiviert, realistisch. Fremdgehen, Kinderwunsch, Zusammenziehen, Fehlgeburten, Flucht und Rückkehr: die Kulturmoderatorin und der Kunsttechniker haben vieles hinter sich, aber nicht mehr ganz so viel vor. Bis sich beide, ohne voneinander zu wissen, in denselben Mann verlieben. Adam Born, Stammzellen-Forscher. Ein Mensch mit vielen Gesichtern, charmant, geheimnisvoll, ein Mann der Tat, kein Zauderer. Erst lässt sich Hanna mit ihm ein, wenig später auch Simon. Heimlich führen beide ihre Affären mit Adam, nicht ahnend, wie sehr das Geheimnis, das sie voreinander haben, sie miteinander verbindet. Erst als Hanna unverhofft schwanger wird, werden die drei Liebesbeziehungen ernsthaft auf die Probe gestellt.

Tykwer verpackt visuelle Ideen und romantische Spielereien gekonnt in 119 Filmminuten. Er deutet in kurzen Sequenzen sein Wissen über die großen Fragen der Menschheit an, überrascht mit Kamerafahrten und Bild-im-Bild-Szenen. Kurzum, er gibt Kostproben seines Könnens ohne den Zuschauer missionarisch belehren zu wollen.

Den Film sahen wir im Delphi-Filmpalast in der West-City inmitten eines sehr angenehmen Publikums, in einem schönen, großzügigen Kino. Übrigens: Popcorn gibt es im Kino nicht zu kaufen. Also ganz das Gegenteil unseres letzten Kinobesuchs im Cinemaxx. Film und Kino: empfehlenswert. Weitere Informationen:

Kauft nur noch Deutsche Schreibmaschinen … und Overstolz

Welt aus Schrift. Das 20. Jahrhundert in Europa und den USA.

Ikonographie und Entwicklungsgeschichte der Schrift-Bilder

"Overstolz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Overstolz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die große, von der Kunstbibliothek kuratierte Ausstellung „Welt aus Schrift – Das 20. Jahrhundert in Europa und den USA“ zeigt die typograhischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts, die Interaktion von Schrift und Bild und die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen freier und angewandter Kunst, die Expansion der Schrift in alle Lebens- und Wahrnehmungsbereiche.

Keine andere Epoche hat einen solchen Reichtum von Schriftformen hervorgebracht, und noch nie war Schrift in einer vergleichbar medialen Vielfalt präsent – im world wide web, in Informations-, Werbe- und Buchmedien, im öffentlichen Raum, in der Mode, in Fotografie, Film und Medienkunst.

Neben angewandten Arbeiten der freien Kunst gilt das Sammelinteresse der Kunst-Bibliothek vor allem den Entwicklungen des Grafikdesigns in den Alltagsmedien wie Zeitschrift, Buch, Zeitung, Plattencover, Inserat und Plakat und darüber hinaus den Beispielen des modernen Kommunikationsdesigns. Meisterwerke wie das Monumentalplakat zu Fritz Langs „Metropolis“ von 1927 sind Unikate von Weltrang. In der Ausstellung wird dieses universale Medienarchiv erstmals in seinem ganzen Umfang für die Öffentlichkeit erlebbar.
"Deutsche Schreibmaschinen", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Deutsche Schreibmaschinen", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die fast 600 Exponate werden in sechs Doppeljahrzehnten dargestellt: Der Aufbruch in neue Gestaltungen als Reaktion auf den drohenden Qualitätsverlust im Zeitalter industrieller Druck-Herstellung (1890-1909), die typografischen Innovationen der Moderne (1910-1929), Einflüsse des Art Déco und die Instrumentalisierung der Schrift als politische Botschaft (1930-1949), die Nachkriegsmoderne zwischen swiss style und new bauhaus, die Auflösung der Grenzen zwischen Schrift und Bildender Kunst in Pop Art, Konkreter und Visueller Poesie (1950-1969), die Dekonstruktion der Schrift zwischen Konzeptkunst und Postmoderne (1970-1989) und schließlich die digitale Renaissance der Schrift als Universalmedium einer globalisierten Welt (1990-2009). Quelle: Pressemitteilung der SMB.

Drei (willkürliche) Beispiele habe ich herausgesucht: Ein Werbefaltblatt von Lucian Bernhard „Alles Geld dem Vaterlande“ aus dem Jahr 1915 und die Werbeanzeige „Overstolz“ von Oskar H.W. Hadank von 1930. Und als Drittes das Platten-Cover der Sex Pistols. Es steht für die Revolution der Schriftbilder in den späten 1970er Jahren durch die Musikkultur von Punk und Techno. All das hat sich in den Zeitschriften wie Rolling Stone, Spex und Frontpage und anderen niedergeschlagen.
"Sex Pistols", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Sex Pistols", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

„Eines der sprechendsten Ausdrucksmittel jeder Stil-Epoche ist die Schrift. Sie gibt nächst der Architektur wohl das am meisten charakteristische Bild einer Zeit und das strengste Zeugnis für die geistige Entwicklungsstufe eines Volkes. Wie sich in der Architektur ein voller Schein des ganzen Wogens einer Zeit und äußeren Lebens eines Volkes widerspiegelt, so deutet die Schrift Zeichen inneren Wollens. Sie verrät von Stolz und Demut, von Zuversicht und Zweifel der Geschlechter“, so, etwas pathetisch, 1901 Peter Behrens.

Die Ausstellung in den Sonderausstellungshallen im Kulturforum am Potsdamer Platz, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin-Tiergarten, läuft nur noch bis zum 16. Januar 2011. Wer danach Lust auf eine weitere „Schrift“-Ausstellung hat, kann sich im Kupferstich-Kabinett im Kulturforum noch die Ausstellung „Schrift als Bild. Schriftkunst und Kunstschrift vom Mittelalter bis zur Neuzeit“ ansehen (bis 23. Januar 2011).

Eine Führung durch die Ausstellung finden Sie hier.

Von der Köpfchenschimmel-Ästhetik zur Endzeit-Melancholie

Schönheit jenseits des Sichtbaren.
Mikro-Fotografie zwischen Wissenschaft und Kunst

"Mikro", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

"Mikro", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Das Museum für Fotografie zeigt eine kleine Geschichte der Mikro-Fotografie mit faszinierenden Bildern der fragilen Welt des Kleinen. Die Spannweite der Fotos bewegt sich zwischen dem naturwissenschaftlichen und künstlerischen Kontext. So sehen wir eine der ersten Mikro-Fotografien, Andreas von Ettingshausens Daguerreotypie von 1840 mit dem Querschnitt durch den Stängel einer Clematis, bis hin zu den Rasterelektronen-Fotografien der Becher-Schülerin Claudia Fährenkemper.

Die Fotografien zeigen die makellose Schönheit der Natur, wie auch Szenarien, die einem Horror-Film hätten entspringen können. Erwähnen möchte ich hier speziell die Arbeiten von Fritz Beill (1904 – 1997). Seine Bilder „Menthol-Kristalle“ (1959) und „Synthetisches Penizillin“ (1961) sehen aus, wie Standfotos eines Science-Fiction-Films.

Faszinierend fand ich ebenso das Mikro-Foto „Komposition“ (um 1950) eines Glassplitters von Hermann Claasen (1899-1989) und Claudia Fährenkempers „Zähne einer Froschlarve“ (2002) in einer 3000-fachen Vergrößerung aus ihrer Serie „Metamorphosis“. Die im Labor von Robert Koch entstandenen Aufnahmen vom Köpfchen-Schimmel hingegen erinnern an blühende Gräser auf einer Wiese.

In einem Video sehen Sie ein Interview mit dem Kurator der Ausstellung Ludger Derenthal und eine Auswahl der ausgestellten Werke. Die Ausstellung ist noch bis zum 9. Januar 2011 im Museum für Fotografie in der Jebenstraße 2 zusehen und zwar im ehemaligen, jetzt komplett renovierten und umgestalteten Kaisersaal im obersten Stockwerk.

Museum für Fotografie

Venezianisches Finale von Donnersmarck

Angelina Jolie und Johnny Depp spielen als Touristen Tod in Venedig.

Für noch größere Eimer Popcorn im Kino

"Markusplatz", Foto © Friedhelm Denkeler 1979

Welchen Film habe ich gestern Abend bloß gesehen? Einen Agententhriller, einen Reisefilm, eine Liebesgeschichte, eine  Mafia-Story, einen Krimi, eine Gauner-Komödie oder einen Hollywood-Schinken? Oder war mein Kinobesuch Zeitverschwendung? Johnny spielt den Deppen – einen Mathematik-Lehrer aus Wisconsin, der seinen Liebeskummer in den Lagunen von Venedig ertränken möchte und Angelina in Haute Couture ist die laszive Diva mit Schmollmund und Hüftschwung, aber ohne jegliche erotische Finesse.

Die Story des Films in Kurzform: In einem Zug von Paris nach Venedig lernt Frank (Johnny Depp) Elise (Angelina Jolie) kennen, die sofort offensiv mit ihm flirtet. In Venedig angekommen sucht Elise weiterhin die Nähe zu Frank, der sich geschmeichelt fühlt. Aber die geheimnisvolle Unbekannte hat seinen Weg nicht zufällig gekreuzt. Nach einer gemeinsamen Nacht verschwindet sie. Hinter Frank sind sowohl russische Killer als auch der britische Geheimdienst her. Franks Ähnlichkeit mit Elises Ex-Freund, einem weltweit gesuchten Steuerbetrüger, wird ihm zum Verhängnis. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Den Trailer zum Film finden Sie hier.

Das Unterhaltungskunsthandwerk „The Tourist“ ist kein Film, der in die Geschichte eingehen wird. Es war – wenn man „vergisst“, dass der Film von Florian Henckel von Donnersmarck, der für sein Spielfilmdebüt „Das Leben der Anderen“ 2007 noch den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt, halbwegs angenehme Kinounterhaltung. Meine Begleitung sah das allerdings anders. Sie möchte in den nächsten zehn Jahren Jolies Gesicht nicht mehr in Großaufnahme sehen (und ebenso wenig schlechte Filme von Donnersmarck). Auch die amerikanischen Kritiker konnten dem Film nichts abgewinnen: Euro-Chic-Bagatelle.

So habe ich bei dieser Filmbesprechung die Gelegenheit genutzt, mein – Achtung! Selbstlob – spitzenmäßiges Foto „Markusplatz“ in Venedig aus dem Jahre 1979 als Illustration unterzubringen (in meinem Portfolio „Photographien“ finden Sie eine größere Version).

Zum Schluss noch eine Bemerkung zum Kino-Besuch im Cinemaxx am Potsdamer Platz: Eigentlich ist man nirgendwo so schön auf einen Film zentriert, wie im Kino. „Während uns der Bildschirm, egal wie groß, nur ein Fenster in die Welt anbietet, ist das Kino die Welt.“ (so die Zeitschrift „Neon“). Wenn aber links und rechts Zuschauer sitzen, die aus fast eimergroßen Behältnissen Popcorn mampfen und vor und hinter einem Taco-Chips mit Chili-Soße den gesamten Film über hineingestopft werden, dann kann einem die Lust am Film vergehen.

Aber vielleicht war ich nur im falschen Film. Kritiker verwenden inzwischen den Begriff „Popcornkino“, wenn es um Filme für den breiten Massengeschmack geht. Scheinbar geht der Kino-Trend in Richtung reine Unterhaltung, weniger Auseinandersetzung, mehr Spektakel und Stars. Schade. Aber Venedig sieht auf der Leinwand sehr gut aus – denkbar, dass ich einmal ein neues Foto machen werde.

Sächsischer Baguetteboden

"Neues Parkett mit Still-Leben", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

„Neues Parkett mit Still-Leben“, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2011 wünscht Friedhelm Denkeler

Ein sehr kurzes Video zum Jahresausklang und passend zu meinem Foto habe ich im Internet gefunden: Sächsischer Baguetteboden. Es geht um ein klassisches Missverständnis beim Fußbodenlegen (hauptsächlich in Sachsen).

Der Duden erklärt übrigens Still-Leben und Parkett wie folgt:

Still|le|ben, Still-Le|ben, das; -s, – (Malerei bildl. Darstellung von Gegenständen in künstl. Anordnung)

Par|kett, das; -[e]s, Plur. -e und -s <franz.> (im Theater meist vorderer Raum zu ebener Erde; getäfelter Fußboden)

Winter am Slatsee

"Schlachtensee im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Schlachtensee im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Der Name Schlachtensee geht nicht auf eine „Schlacht“ zurück, sondern auf einen slawischen Begriff und verweist auf die slawische Zeit in der Mark Brandenburg. In einer Urkunde des einflussreichen Klosters Lehnin des Zisterzienserordens findet sich 1242 die einzige Erwähnung als Dorf „Slatdorp“ am „Slatsee“. Nach dieser Urkunde kaufte das Kloster den gemeinsam regierenden askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. Zehlendorf und Slatdorp mit zwei Seen und einem Wald für 300 Mark ab. Quelle: Wikipedia

David Bowie besucht Bing Crosby zu Hause

Der Kleine Trommler – Ein kleines weihnachtliches Märchen

Come they told me / pa-rum-pum-pum-pum / A new-born king to see / pa-rum-pum-pum-pum / Our finest gifts we bring / pa-rum-pum-pum-pum / to lay before the king / pa-rum-pum-pum-pum / so to honour him / pa-rum-pum-pum-pum / when we come.

Es war einmal ein bekannter Sänger namens Bing, der den Weihnachtsabend ganz alleine zu Hause verbrachte. Plötzlich läutete es an der Haustür und David, ein Nachbar, stand vor ihm. Dieser war auf der Suche nach einem Piano, um ein Weihnachtslied zu spielen. Das passte Bing sehr gut. Er wollte gerne eines singen.

"Weihnachtliches Karussell", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

„Weihnachtliches Karussell“, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Sie unterhielten sich über zeitgenössische Songs von John Lennon und über traditionelle Weihnachtslieder wie „White Christmas“. Dann sah David auf dem Piano den Text zu einem Weihnachtslied liegen, das auch sein sechsjähriger Sohn gerne hörte und sang: „Little Drummer Boy“. So sangen der  damals 30-jährige David Bowie und und der 74-jährige Bing Crosby im Duett die obrigen Zeilen. Glücklicherweise – so ist es nun einmal im Märchen – war zufällig ein Kameramann zugegen, der diesen historischen Moment im Jahre 1977 aufzeichnete:

David Bowie & Bing Crosby: „Little Drummer Boy“

Das amerikanische Weihnachtslied, das bereits im Jahr 1941 komponiert wurde, ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder seit den Fünfziger Jahren geworden. Es handelt von einem armen Jungen, der nicht das Geld hatte, dem neugeborenen König ein Geschenk mitzubringen. Stattdessen spielte er mit dem Einverständnis der Jungfrau Maria für den Neugeboreren auf der Trommel. Für Bing Crosby wurde „Little Drummer Boy“ neben „White Christmas“  von Irving Berlin sein erfolgreichster Song.

Carsten Höller – Ein Rentier im Zöllnerstreifenwald

 Weihnachtliches Blinkobjekt und optische Täuschungen in der Schering Stiftung

"Im Zöllnerstreifenwald", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Im Zöllnerstreifenwald", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Nachdem ich gestern bereits die Ausstellung im Deutschen Guggenheim „Color Fields“ besprochen habe (siehe hier), folgt heute der Bericht des anschließenden Besuchs in der Schering Stiftung, Unter den Linden 32-34.

Carsten Höller „beleuchtet“ mit seinem Werk „Rentier im Zöllnerstreifenwald“ im Projektraum der Schering Stiftung das Phi-Phänomen. Dieses bezeichnet die Wahrnehmung einer real nicht existierenden Bewegung, die im Auge durch das in kurzen Frequenzen ein- und wieder ausgeschaltete Licht zweier stationärer Lichtquellen entsteht. In einem Video erklärt Carsten Höller, was es mit dem Phi-Phänomen auf sich hat und was ihn daran interessiert.

„Mit dem für die Ausstellung in der Schering Stiftung hergestellten Rentier bestehend aus roten und grünen Glühlampen, die in Phi-Manier an- und ausgehen, setzt Höller die Betrachter einer doppelten Illusion aus: Das Rentier steht in einem mit Zöllnerstreifen bemalten Raum, welche zwar parallel zueinander verlaufen, aber als divergierende Streifen wahrgenommen werden. Die Ausstellungsbesucher werden zum Probanden ihrer eigenen Destabilisation. Sie erfahren, wie sich unstete Zwischenzustände auf das eigene Befinden und die Raumwahrnehmung auswirken. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem Mechanismus der Illusionen. Wie kann es sein, dass springende Lichtpunkte gesehen werden, wenn die Lichtquelle, zu der der Lichtpunkt springt, noch gar nicht an ist? Wieso sehen die Zöllnerstreifen so aus, als würden sie nicht parallel zueinander verlaufen?“ (Zitat Presseerklärung).

Die Ausstellung ist als Ergänzung zur großen Ausstellung „Soma“ von Carsten Höller zu sehen. Meinen ersten Vorbericht „Ein Platz für Tiere – im Hamburger Bahnhof“ finden Sie hier. Die ausführliche Besprechung anhand eines zweiten Besuchs erfolgt in den nächsten Tagen. Der Besuch der Schering Stiftung ist kostenlos und es darf fotografiert werden.

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