Journal

Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Unter dem Pflaster liegt der Strand

"Unter dem Pflaster liegt der Strand", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Unter dem Pflaster liegt der Strand", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Impressionen vom Tempelhofer Feld (1)

Zwischen den Orten Schöneberg und Tempelhof lag bis zum 18. Jahrhundert ein Landstück, „Großes Feld“ genannt, das von den Bauern als Ackerfläche genutzt wurde. Um 1800 diente dann ein bestimmter Teil des Gebietes dem Militär als Parade- und Exerzierplatz und Manövergelände. Ein anderer Bereich war bei den Berlinern als Naherholungsgebiet beliebt. Hier gab es den kleinen See „Schlangenpfuhl“, in dem die Besucher baden konnten.

Später wurde das Feld durch verschiedene Luftfahrtaktivitäten bekannt. Ballonfahrten starteten hier und es entstanden die ersten fotografischen Luftbildaufnahmen. 1897 fand der weltweit erste Flug eines Starrluftschiffes statt. Heute, nachdem der Flugplatz Tempelhof nicht mehr existiert und seine historische Funktion, auf die ich später noch eingehen werde, verloren hat, sprechen wir wieder vom „Tempelhofer Feld“. Für die kommende Zeit plane ich eine kleine Serie mit Impressionen vom heutigen Tempelhofer Feld.

Lyonel Feininger: „Meinen Kubismus nenne ich lieber Prisma-ismus“

Große Retrospektive Lyonel Feininger, Kupferstichkabinett Berlin, bis 15. Mai 2011 (Teil 2: Die Zeichnungen)

"Am Kulturforum am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Am Kulturforum am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Unter dem Titel „Feininger aus Harvard. Zeichnungen, Aquarelle und Fotografien“ hat das Kupferstichkabinett dem deutsch-amerikanischen Maler und Grafiker Lyonel Feininger (1871-1956) eine Doppelausstellung in der Sonderausstellunghalle im Kulturforum ausgerichtet. Zum einen sehen wir Feiningers „Photographien 1928 – 1939“ (über die ich gestern bereits berichtete), zum anderen seine Zeichnungen und Aquarelle. Im heutigen Beitrag gehe ich auf die Zeichnungen und Aquarelle ein.

Die Ausstellung vermittelt einen guten Überblick über Feiningers künstlerische Entwicklung von den Anfängen um 1890 bis zu den Exil-Jahren in den Staaten ab 1937. Die Werke werden in der Ausstellung zeitlich entsprechend gegliedert: „Die frühen Jahre (Natur, Karikatur, Begegnung mit dem Kubismus und Futurismus), „Die Zeit am Bauhaus 1919-1932 und folgende innere Emigration“, „Zeichnungen und Aquarelle des Berliner Kupferstichkabinetts“ und „Emigration 1937. Das Spätwerk in New York“.

Von Lyonel Feiningers Zeichnungen kannte ich bisher hauptsächlich die Werke, die das Berliner Kupferstichkabinett besitzt. Wenn ich mir jetzt alle 77 ausgestellten Aquarelle und Zeichnungen ansehe, sind die Berliner eher die schwächeren Werke. Grundsätzlich habe ich mit vielen Werken des Kubismus Probleme. Bei Feininger sieht das anders aus: Seine von ihm selbst so genannte Malweise „Prisma-ismus“ empfinde ich als angenehmen und, im positiven Sinne, dem Auge gefälligeren und weiterentwickelten Kubismus. Fazit: Eine sehenswerte Ausstellung, die ich gerne ein zweites Mal sehen möchte.

Die Ausstellung des Harvard Art Museum/ Busch-Reisinger Museum, Cambridge, Massachusetts, entstand in Kooperation mit dem Berliner Kupferstichkabinett und der Staatlichen Graphischen Sammlung, München. Nach dem Ausstellungsende in Berlin wird sie anschließend in der Münchner Pinakothek der Moderne zu sehen sein.

Einen Film mit Feiningers Zeichnungen finden Sie hier. Über die Online-Sammlungsdatenbank des Museums in Harvard sind die Werke öffentlich zugänglich. Das Foto auf dem Plakat am Kulturforum zeigt eine Zeichnung von Feininger, vermutlich mit dem Ort Umpferstedt im Landkreis Weimarer Land. Im Hintergrund ist die St. Matthäikirche nahe des Berliner Kulturforums zu sehen. www.smb.museum

Mein Kubismus … ist genau das Gegenteil dessen, was die französischen Kubisten anstrebten. Er beruht auf dem Prinzip der Monumentalität und Konzentration bis zum Äußersten, auf meinen Visionen … Meinen Kubismus nenne ich lieber „Prisma-ismus“. (Lyonel Feininger 1913)

Ich fühlte mich 25 Jahre jünger, seit ich weiß, dass ich in ein Land gehe, wo Phantasie in der Kunst und Abstraktion nicht als absolutes Verbrechen gelten wie hier. (Lyonel Feininger im Mai 1937, wenige Tage vor seiner Emigration aus Deutschland)

Lyonel Feininger: “Das Fotografieren hat mir das Sehen auf eine neue Art gesteigert”

Große Retrospektive Lyonel Feininger, Kupferstichkabinett Berlin, bis 15. Mai 2011 (Teil 1: Die Fotografien)

"Im Kulturforum am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Im Kulturforum am Potsdamer Platz", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Unter dem Titel „Feininger aus Harvard. Zeichnungen, Aquarelle und Fotografien“ hat das Kupferstichkabinett dem deutsch-amerikanischen Maler und Grafiker Lyonel Feininger (1871-1956) eine Doppelausstellung in der Sonderausstellunghalle im Kulturforum ausgerichtet. Zum einen sehen wir Feiningers Zeichnungen und Aquarelle, zum anderen seine Fotografien. Im heutigen Beitrag möchte ich zunächst auf die Fotografien eingehen.

Feininger hielt auf seinen Erkundigungen durch Thüringen und an der Ostsee seine Eindrücke per Skizze in einer Art Tagebuch fest. Erst sehr spät, in seinen Dessauer Bauhausjahren, entdeckte er das Medium Fotografie. Um 1929 fertigte er für die Stadt Halle elf Gemälde an, die in starkem Maße auf den vorher gemachten Fotos der Stadt beruhten. Feininger fotografierte zu dieser Zeit mit seiner 1928 erworbenen ersten Kamera, einer „Voigtländer Bergheil“ mit Glasplattennegativen im Format 4,5 x 6 cm. 1931 erwarb er dann eine Leica I Modell A Kamera und fotografierte damit zum ersten Mal mit einem 35 mm Kleinbildfilm. Beide Kameras sind in der Ausstellung zu sehen.

Die Fotografie spielte am Bauhaus eine große Rolle, vor allem durch das Wirken von Laszlo Moholy-Nagy, aber auch das fotografische Interesse seiner Söhne Andreas und T. Lux bewegte Feininger, sich mit diesem Medium zu beschäftigen. Als Fotograf wurde er damals wie heute kaum wahrgenommen und stellte seine Fotos nie öffentlich aus. Wollte er seinem Sohn Andreas keine Konkurrenz machen? Dieser wurde zu einem der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Feiningers Nachtbilder haben mir am bestens gefallen. Sie zeigen die Stille der Nacht und strahlen eine gewisse Magie aus. Nachtbilder und künstliches Licht, das Spiel von Licht und Schatten übten scheinbar eine große Faszination auf ihn aus. Diese Fotos könnte man auch als Erbe der romantischen Tradition der deutschen Malerei sehen. Feininger experimentierte ebenso mit dem Negativ-Abzug. Aber von dieser Technik war ich noch nie überzeugt und auch bei Feininger habe ich keine hervorzuhebenden Fotos entdecken können.

Viele Fotografien besitzen durch ihre ungewöhnlichen Ausschnitte aus der Wirklichkeit eine in seinen Zeichnungen nicht vorhandene Verfremdung. Schon bald war dem Künstler die produktive Wechselwirkung seines Schaffens zwischen Malerei und Zeichnung einerseits und Fotografie andererseits bewusst, denn er bekannte: „Das Fotografieren hat mir das Sehen auf eine neue Art gesteigert.“

In Berlin sehen wir 76 Fotografien von Feininger (vier Fotos finden Sie hier). Sie sind eingeteilt in die Gruppen „Experimente am Bauhaus“, „Halle 1921-1931“, „Frankreich 1931“, „Schaufenster 1932-1933“, „An der Ostsee 1929-1935“ und „Von Berlin nach New York 1934-1939“. Die Fotos kommen aus den Beständen des Busch-Reisinger Museums der Harvard-Universität im amerikanischen Cambridge sowie der dortigen Houghton Library. Mein Foto auf dem Plakat im Kulturforum zeigt Lyonel Feininger, fotografiert von seinem Sohn T. Lux Feininger.

www.smb.museum

“Unscharf. Nach Gerhard Richter”

… in der „Hamburger Kunsthalle“ in Hamburg (bis 22. Mai 2011)

"Die kleine Riesin nach Gerhard Richter", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Die kleine Riesin nach Gerhard Richter", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Mit „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ widmet die Hamburger Kunsthalle dem in der zeitgenössischen Kunst weit verbreiteten Phänomen der Unschärfe erstmals eine umfassende Museumsausstellung.

Wie kein anderer Künstler hat der in Dresden geborene Maler Gerhard Richter (*1932) die Motive seiner Malerei durch Effekte des Verwischens und Verschleierns von Beginn an als unscharf erscheinen lassen. Er setzt das Prinzip der Unschärfe konsequent ein: in seinen figürlichen Gemälden, deren Motive er häufig den populären Printmedien entnimmt, in seinen auf photographischen Vorlagen beruhenden Figuren, Landschaften und Stillleben und nicht zuletzt auch in seiner abstrakten Malerei.

Richter verabsolutiert damit ein Prinzip, das seit dem 15. Jahrhundert Eingang in die Malerei gefunden hat, wie zum Beispiel bei Leonardo da Vinci. Dabei wirft er immer wieder die Frage auf, was ein Bild überhaupt wiedergeben kann, ob es einen Inhalt transportiert oder doch nur seine eigene verführerisch schöne Oberfläche darstellt.

Anhand von Gemälden, Photographien sowie einem frühen, unscharfen Film von Gerhard Richter vertritt die Ausstellung die These, dass sich die Ästhetik der Unschärfe wie ein roter Faden als zentrales Motiv durch sein gesamtes Schaffen zieht.

In dieser Weise ist Gerhard Richter zum Vorreiter für eine ganze Generation geworden. Die Ausstellung zeigt die Auseinandersetzung bedeutender, junger Künstlern mit der Unschärfe anhand von über achtzig exemplarischen Werken. Veranschaulicht wird, auf welch unterschiedliche Art sie sich in den Medien der Malerei, Photographie, Installation und Video mit der Unschärfe beschäftigen, und welche vielfältigen Aspekte und Fragen sich aus dem Thema ergeben.

Häufig sind die Werke Ergebnisse eines komplexen Entstehungsprozesses, der die Grenzen zwischen Malerei und Photographie selbst verschwimmen lässt. Der Bezug der Bilder zu den Motiven, die sie abbilden und ihr Verhältnis zum Betrachter scheint unsicher geworden zu sein. Für die Künstlerinnen und Künstler nach Richter ist diese Verunsicherung zugleich eine Befreiung. Aus ihren individuellen Herangehensweisen entsteht eine sehr vielfältige und faszinierende Bilderwelt der Unschärfe, die zugleich irritierend und verführerisch wirkt.

Insgesamt werden rund 110 Werke gezeigt: Photographien, Gemälde, Installationen und Filme von 24 national und international bedeutenden Künstlern, zusammen mit etwa 20 ausgewählten Gemälden sowie Photographien und einem Film von Gerhard Richter: Volker Bradke von 1966.

Die an der Ausstellung beteiligten Künstler sind: Pablo Alonso, David Armstrong, Anna und Bernhard Blume, Michael Engler, Wolfgang Ellenrieder, Isca Greenfield-Sanders, Maxine Henryson, Nicole Hollmann, Bill Jacobson, Adam Jankowski, Tamara K.E., Wolfgang Kessler, Karin Kneffel, Peter Loewy, Marc Lüders, Ralf Peters, Qiu Shihua, Gerhard Richter, Ugo Rondinone, Johanna Smiatek, Thomas Steffl, Ernst Volland, Franziskus Wendels, Michael Wesely und Paul Winstanley. (Quelle: Presseerklärung).

Eine Ausstellungsbesprechung erfolgt Mitte April 2011.  www.hamburger-kunsthalle.de

“Gerhard Richter. Bilder einer Epoche”

… im „Bucerius Kunst Forum“ in Hamburg (bis zum 15. Mai 2011)

"Unbekannte Schöne nach Gerhard Richter", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Unbekannte Schöne nach Gerhard Richter", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Als Gerhard Richter, heute international hochgeschätzt wie kaum ein anderer Künstler, Anfang der sechziger Jahre in den Westen übergesiedelt war, schuf er eine Werkgruppe großformatig gemalter Photos und setzte sich so mit einer  für ihn neuen Welt auseinander.

Heute ist in der Gesamtheit dieser Arbeiten, das Bild einer ganzen Epoche zu entdecken. Das Bucerius Kunst Forum widmet dieser Phase Gerhard Richters die erste Ausstellung des Jahres 2011 und eröffnet damit die Folge der internationalen Ausstellungen zu seinem 80. Geburtstag im Jahr darauf.

Das kontinuierlich im Lauf von 45 Jahren entstandene, große malerische Werk dieses Künstlers haben in den letzten Jahren Ausstellungen gewürdigt, die einzelne charakteristische Themen-Komplexe untersuchten, etwa die Landschaften (Hannover 1998), die Bilder nach Bildern (Humlebæk, Dänemark 2005), die Abstraktion (Köln 2008), die Übermalten Photographien (Leverkusen 2008) oder die Bildnisse (London 2009).

Nun ist es an der Zeit, sich intensiver mit den gemalten Photos der sechziger und siebziger Jahre zu befassen, um sie vor dem Hintergrund des zeitgeschichtlichen Kontextes wesentlich neu zu verstehen. Tatsächlich sehen wir heute in der Gesamtheit von Richters frühen Werken das Bild einer Epoche aus der Perspektive eines Zeitzeugen. So untersucht die Ausstellung, die mit Hilfe der Photographie und ihrer malerischen Wiedergabe geschaffenen Bilder nach ihren historischen und ihren aktuellen Bezügen.

Bislang noch nicht veröffentlichte Bildmaterialien und Texte aus dem Gerhard Richter-Archiv in Dresden, das als Kooperationspartner an dem Projekt mitwirkt, ermöglichen einen neuen Blick auf die Komplexität der Richterschen Bildwelt, in der sich das Banale und das Böse begegnen: die Träume und Sehnsüchte der Zeit, schnelle Autos oder Urlaubsreisen, die persönlichen Erinnerungen, die beklemmende Vergangenheit, die aktuelle Politik sowie auch die trivialen, gleichwohl vielsagenden Gebrauchsgegenstände des Alltags, darunter ein Wäschetrockner oder ein falscher Kronleuchter.

Zum Verständnis der Erinnerungsqualität der Bilder aus den sechziger und siebziger Jahren ist der Zyklus 18. Oktober 1977 (1988) zum Tod der RAF-Mitglieder in Stammheim von zentraler Bedeutung. Als Leihgabe des New Yorker MoMA kommt dieses spektakuläre Hauptwerk Richters noch einmal nach Deutschland und bildet den Höhepunkt der Ausstellung (Quelle: Presseerklärung).

Eine Ausstellungsbesprechung erfolgt Mitte April 2011.  www.buceriuskunstforum.de

Fußnoten am Potsdamer Platz

… oder Gutte(nberg) Zeiten – Schlechte Zeiten

"Ein Paar Fußnoten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Ein Paar Fußnoten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Gestern am Potsdamer Platz an der historischen Ampel um 12.30 Uhr: Meine erste Demonstration seit Jahren. Das Motto: „Gutt Bye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen“. Und tatsächlich, fast alle Teilnehmer hatten nach einem Aufruf über Facebook, Twitter und verschiedene Blogs ein zusätzliches Paar Schuhe dabei oder trugen langgezogene Lügennasen. Am Bundes-„Selbst“verteidigungsministerium in der Stauffenbergstraße endete der Protestzug und hinterließ am Zaun vor dem Gebäude eine ganze Reihe aufgepickter Schuhe.

Das dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass das islamische Symbol für Schmähung und Verachtung so offensiv in Deutschland gezeigt wurde. Am Abend hörte ich in den Nachrichten den Jura-Professor Dr. Oliver Lepsius, den Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater, sagen: „Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Es ist eine Dreistigkeit ohnegleichen, wie er honorige Personen der Universität hintergangen hat.“ Weitere Fußnoten dürften folgen!

Thomas Struth – Fotografien 1978-2010

"Düsseldorf", Foto © Friedhelm Denkeler 1982

"Düsseldorf", Foto © Friedhelm Denkeler 1982

In einer großen Retrospektive zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mehr als 100 Werke des in Düsseldorf und Berlin lebenden Fotokünstlers Thomas Struth. Die Ausstellung „Thomas Struth – Fotografien 1978 bis 2010“ ist vom 26. Februar bis zum 19. Juni 2011 in K20 am Grabbeplatz zu sehen.

Der 1954 geborene Fotokünstler gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Fotografie. Zahlreiche Ausstellungen während der vergangenen 15 Jahre in Europa, den USA und verschiedenen asiatischen Staaten haben ihn international bekannt gemacht. Während bisher jedoch lediglich einzelne Werk-Gruppen vorgestellt wurden, gibt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen nun erstmals in Europa einen repräsentativen Überblick über das Gesamtschaffen Struths.

Die in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich entstandene Ausstellung ist gegenüber der ersten Station in der Schweiz auf jetzt  mehr als 100 Werke erweitert worden. Ein deutliches Schwergewicht liegt auf Struths Schaffen innerhalb des vergangenen Jahrzehnts. Nur in Düsseldorf werden neueste Arbeiten des Künstlers vorgestellt.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch bisher nie in der Öffentlichkeit gezeigte frühe Werke, die zur Folge der „Straßen“ gehören. Die Schwarz-Weiß-Fotografien Düsseldorfer Straßen sind gemeinsam mit einer Auswahl seiner Dschungel-Bilder, den „Paradises“, als eigene Präsentation in der großen Grabbehalle von K20 zu sehen. Diese raumfüllende Bilder-Installation ist ausschließlich in Düsseldorf ausgestellt und vom Künstler selbst eingerichtet.

Thomas Struth gehört er zu den herausragenden Künstlern, die in der Zeit wahrer Bilderfluten dem Medium Fotografie zu neuer Intensität und Wirkungskraft verholfen haben. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf zunächst bei Gerhard Richter Malerei, ab 1976 bei Bernd Becher Fotografie. Struths Arbeiten waren bereits 1992 auf der documenta IX in Kassel zu sehen. Im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit steht das präzise Sehen.

Ob das undurchdringliche Dickicht asiatischer Dschungel, ob großformatige Museumsszenen („Audiences“) oder die jüngsten Aufnahmen in technischen Groß-Anlagen: Immer wieder thematisiert Struth in seinen typischen Bild-Folgen das Verhältnis von Betrachter und Betrachtetem und fragt damit nach der Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft. Quelle: Presseerklärung.

Eine Ausstellungsbesprechung erfolgt Mitte Mai 2011. www.kunstsammlung.de

Das Gartendenkmal „Körnerpark“ in Neukölln

'Bank im Körnerpark' (Berlin-Neukölln), aus dem Portfolio 'Photographien', Foto © Friedhelm Denkeler 1978

‚Bank im Körnerpark‘ (Berlin-Neukölln), aus dem Portfolio ‚Photographien‚, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Nach den vielen „bewegten Bildern“ der letzten zehn Tage, möchte ich heute ein Photo veröffentlichen, das vor 33 Jahren im Februar 1978 im Körnerpark in Neukölln entstanden ist. Zu dieser Zeit wohnte ich ganz in der Nähe im Ilsenhof. Die Parkanlage wurde aus einer ehemaligen Kiesgrube (Besitzer Franz Körner) zwischen 1912 und 1916 im Stil des Neobarock gestaltet. Umgrenzt von zwei hohen Arkadenwänden, liegt sie ca. sieben Meter unter dem Niveau der angrenzenden Wohnstraßen Schierker- und Jonasstraße.

An den beiden anderen Seiten befinden sich die Orangerie (heute Kommunale Galerie Neukölln und Café) und ein Wasserfall mit Fontänen. In den 1960er Jahren verfiel die Anlage immer mehr. Von 1978 an wurde sie behutsam denkmalsgerecht rekonstruiert und ist heute eine nicht wiederzuerkennende, herrliche Gartenanlage geworden, die eine Oase in der dicht bebauten Neuköllner Stadtlandschaft bildet. Das Photo ist 1978 entstanden und stammt aus dem Portfolio „Photographien“. Weitere Bilder aus dieser Serie finden Sie auf meiner Website „Lichtbilder„.

Die Silbernen Bären und der Goldene Bär sind vergeben (Berlinale XVI und Schluss)

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das war sie also, die 61. Berlinale. Die Preise sind vergeben und die Enttäuschung über die Filme im Wettbewerbsprogramm bleibt. Bisher glaubte ich, dass das große „B“ auf den Plakaten der Internationalen Filmfestspiele für „Berlin“ steht. Die Berlinale rühmt sich neben Cannes und Venedig das dritte „A-Festival“ zu sein. Wenn das so weitergeht, haben wir in Berlin nur noch ein „B“-Festival. Die Kriterien für die Auswahl der Filme waren nicht erkennbar. Kurz gesagt, der gesamte Wettbewerb war ziemlich dröge und schwerfällig.

Die Entscheidung, die drei wichtigsten Bären (Goldener Bär, Silberner Bär Beste Darstellerin und Bester Darsteller) einzig und allein an den iranischen Film “Jodaeiye Nader az Simin” zu vergeben, ist für mich nicht nachvollziehbar (siehe hier). Es dürfte eine politische Entscheidung gewesen sein, die manchen Kunstfreund grämen wird. Die größte Fehlentscheidung für mich war allerdings, den deutschen Film „Schlafkrankheit“ mit dem Silbernen Bären für die beste Regie auszuzeichnen. Der Film war zum Einschlafen (siehe hier) und drehte sich ausschließlich um sich selbst.

Das Mindeste wäre es gewesen, Miranda July für ihren künstlerischen Film „The Future“ auszuzeichnen. Ihre liebevolle Geschichte über ein Pärchen, das den Sinn des Lebens sucht, war der Jury wohl nicht ernst genug (siehe hier). Dafür erhält „The Turin Horse“ von Béla Tarr, Ungarn, den „Großen Preis der Jury (Silberner Bär)“. Diesen Film habe ich nicht gesehen, aber in den 146 Minuten (sic!) soll keine Handlung stattfinden. Im 45-sekundigen Trailer sieht man 30 Sekunden lang eine Lampe brennen mit anschließender Schwarzblende.

Der STERN urteilt: „Der Preis der Zukunft … geht leider an das Filmfest von Cannes. Die großen Namen unter den Regisseuren werden alle dort vertreten sein. Angeblich weil sie nicht eher fertig geworden sind – die Wahrheit ist aber natürlich das Klima und … Cannes: Terry Malick zeigt endlich seinen „Tree of Life“, Lars von Trier ‚Melancholia‘, Pedro Almodovar ‚The Skin I live in‘, David Cronenberg ‚The dangerous Method‘ und Steven Spielberg ‚War Horse‘.

Den Besuchern in Cannes wünsche ich ein lebhaftes und kontroverses Filmfest, dass Möglichkeiten und Perspektiven künstlerischer Gestaltung aufzeigt und nicht den permanenten Stillstand zelebriert.

Liam Neeson und Diane Krüger jagen durch das verschneite Berlin (Berlinale XV)

In „Unknown“ wird die Heimat des Goldenen Bären fast in
Schutt und Asche gelegt und die Berlinale endet höchst explosiv

"Unknown an der Friedrichstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Unknown an der Friedrichstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Letzten Winter brannte es im U-Bahn-Eingang Friedrichstraße und schwarzer Rauch stieg auf. An der Ecke Friedrich-/ Georgenstraße stand Liam Neeson wartend herum und kaute auf einem Zahnstocher. Das war mein erster Vorgeschmack auf den Verschwörungsthriller von Jaume Collet-Serra „Unknown“ mit den Stars Liam Neeson, Diane Krüger und Bruno Ganz in den Hauptrollen.

Die eigentliche Hauptrolle in diesem Film aber spielt die Stadt Berlin. Mehr Werbung kann man für eine Stadt nicht machen, alle Touristen-Attraktionen der Hauptstadt waren zu sehen: Brandenburger Tor, Pariser Platz, Hauptbahnhof, Berliner U-Bahnhöfe, Bülowstraße, Friedrichstraße, Kreuzberg, Friedrichshain und der Blick auf das herrlich verschneite Berlin aus der Luft. Sogar der Techno-Club Tresor hat eine „Gastrolle“.

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Stadtszenen haben hohen Wiedererkennungswert für Ortskundige: Ein Taxi stürzt von der Oberbaumbrücke in die Spree; in der Friedrichstraße findet unter den Arkaden vor dem Kaufhaus Dussmann eine wilde Autojagd statt und das Hotel Adlon am Pariser Platz wird halb in Schutt und Asche gelegt. Das Studio Babelsberg hat perfekte Arbeit geliefert und das Premierenpublikum quittierte die einzelnen Szenen mit begeistertem Applaus.

Leider muss ich aber sagen, dass die rasanten Actionszenen auch einige Ungereimtheiten des Drehbuches verdecken. Einen sehenswerten Auftritt legt Bruno Ganz als ehemaliger Stasi-Agent hin, der in einer Wohnung voller Devotionalien aus seiner Zeit beim Geheimdienst lebt. „Unknown“ sah ich Freitagabend als letzten von insgesamt 16 im Wettbewerb vorgestellten Filmen. Er lief außer Konkurrenz. Dieser Abschlussfilm war eine willkommene Abwechslung von den vielen lethargischen und überlangen Filmen mit Handlungen, die gegen Null tendierten.

Unter dem deutschen Verleihtitel „Unknown Identity“ läuft der Film am 3. März 2011 in den Kinos an (Trailer).

Dr. Martin Harris ist ins verregnete Berlin gekommen, um an einem Biotechnologie-Kongress teilzunehmen. Doch kaum ist er in Tegel ins Taxi gestiegen, wird der Wagen in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. Der Taxifahrerin gelingt es, den bewusstlosen Harris vor dem Ertrinken zu retten, doch vor der eintreffenden Polizei flüchtet sie, denn Gina lebt illegal in Deutschland.

Als Dr. Harris aus dem Koma erwacht, liegt er, gründlich bandagiert, in einem Krankenhausbett. „Identität unbekannt“ steht auf einem Schild an dessen Fußende. Für Harris ist dies der Beginn eines Albtraums: Seine Frau Liz erkennt ihn nicht mehr, und ein anderer Mann hat Harris’ Platz eingenommen. Nicht nur als ihr Ehemann, sondern auch als angesehener Wissenschaftler, der auf dem Kongress einen wichtigen Vortrag halten soll. Als wäre das nicht genug, wird Harris darüber hinaus auch noch von einem Killer gejagt. Allmählich zweifelt er selbst an seinem Verstand. Was ist mit ihm passiert?

Um seine Frau und sein altes Leben zurückzugewinnen, macht er Gina ausfindig. Durch sie lernt Harris den ehemaligen Stasi-Agenten Jürgen kennen, der auf eine überraschende Mitteilung gestoßen ist: Dr. Harris „sei nicht der, der er zu sein glaube“. Doch bevor er mit Martin darüber sprechen kann, wird er Opfer eines Mordanschlags. Abermals sind Harris und Gina ganz auf sich allein gestellt im Kampf um seine Identität und gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner … (Quelle: Filmbeschreibung)

Blutfehde auf Albanisch oder: Ein Pferd namens Klinsmann (Berlinale XIV)

Die Frauen sind in „The Forgiveness Of Blood“
wieder einmal die vernünftigen Menschen

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Handlung des albanischen Films „The Forgiveness Of Blood“ vom US-amerikanischen Regisseur Joshua Marston ist schnell erzählt: Es handelt sich um den Kampf der Moderne gegen die Rückständigkeit der Traditionen (siehe Filmbeschreibung). Leider hat Marston die Geschichte quälend lang auf 109 Minuten gestreckt. Diese überlangen Filme, in denen meistens nicht viel passiert, waren das „Marken“-Zeichen der diesjährigen Filme des Wettbewerbs. Marston soll nicht mit Woody Allen verglichen werden, aber Allen schafft es immer wieder, seine umfangreichen Geschichten unter 90 Minuten zu erzählen. Übrigens: Wieder einmal spielte, nach den Katzen und Flusspferden der vorangegangenen Filme, ein Tier eine „tragende Rolle“, in diesem Fall ein Pferd namens Klinsmann (sic!).

Ein Paradoxon: Während die Kinder über das Handy mit Facebook und selbstgedrehten Videos kommunizieren, sprechen ihre Väter noch die Sprache der Gewalt. Die Frauen sind, wie in den meisten der diesjährigen Berlinale-Filme, die aktiveren und realistischeren Menschen und meistern ihre Aufgaben so gut wie möglich. Für uns ist es erschreckend, dass Menschen heutzutage noch solchen Zwängen ausgeliefert sind. Deshalb sollte der Film eher in Albanien, als in West-Europa gezeigt werden. Wir können nur feststellen, wie gut es uns in einer aufgeschlossenen Welt geht.

Bei der Preisgala der „61. Internationalen Filmfestspiele Berlin“ erhielten am Samstagabend der US-Regisseur Joshua Marston und der gebürtige Albaner Andamion Murataj für ihren Film „The Forgiveness Of Blood“ den Silbernen Bären für das beste Drehbuch.

Nik ist 17 und besucht im Norden von Albanien die letzte Klasse einer Oberschule. Nik ist ein tatkräftiger junger Mann – wenn er den Schulabschluss in der Tasche hat, will er ein Internetcafé eröffnen. Seit kurzem hat er zum ersten Mal im Leben etwas mit einem Mädchen am Laufen – Nik hat sich in eine Klassenkameradin verliebt. Niks Schwester Rudina ist 15, aber auch sie hat schon sehr genaue Vorstellungen von der Zukunft – sie würde gern die Universität besuchen. Doch dann wird die Familie der beiden in einen Streit um Landbesitz verwickelt und ihr Vater des Mordes angeklagt. Auf einmal sind Nik und Rudina in eine Blutrache hineingezogen.

Die strengen Vorschriften des Kanun, eines jahrhundertealten Gewohnheitsrechts in Albanien, verbieten allen männlichen Familienmitgliedern, einschließlich des erst sieben Jahre alten Bruders, das Haus zu verlassen. Solange ihr Vater sich in den Bergen versteckt und Nik daran gehindert wird, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, ist die Familie ganz auf Rudina angewiesen, die deshalb die Schule verlässt und die Geschäfte ihres Vaters übernimmt. Während das Mädchen angesichts dieser neuen Verantwortung sichtlich aufblüht, löst die Isolation bei ihrem Bruder Zorn und Frustrationen aus. Irgendwie muss Nik der Blutrache ein Ende setzen – selbst wenn es ihn das Leben kostet … (Quelle: Filmbeschreibung)

Bereits am Freitagabend wurde der 80 Jahre alte Schauspieler Armin Mueller-Stahl mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk geehrt. Ebenfalls für sein Lebenswerk erhielt er vor zwei Wochen bereits die Goldene Kamera.

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