Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Stadtverschönerung

Alles fing 1986 mit den Spray-Bananen an, die der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel in Berlin verteilte und zwar nicht willkürlich, sondern mit System als besondere Auszeichnung für Galerien und Kultureinrichtungen. Kunstinsider kennen deren mittlerweile international gewordene Bedeutung.

… und es ward Licht!

KuRAR: "And The Light is Shining" (Bülowstraße). Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Kurar: „And The Light is Shining“ (Bülowstraße).
Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Das Bild stammt von dem französischen Street-Art-Künstler Kurar, der Teil der internationalen Street-Art-Bewegung ist. Natrürlich sind seine Werke auf Leinwand und Papier inzwischen auch in Galerien erhältlich, in Berlin bei bei der Galerie Kellermann. Grundlage seiner Bilder sind Sprühschablonen („Stencils“), allein dadurch ist jedes Werk ein Unikat, zusätzlich wird mit unterschiedlichen Farben und Hintergründen gearbeitet.

Ein Korkmännchen an der Bülowstraße

Stadtverschönerung mit Street-Yogi

Spaziert man durch Berlin und lässt den Blick an der Straßenecke noch oben schweifen, sieht man vermehrt kleine Strichmännchen auf den Straßenschildern. Mittlerweile sollen es angeblich an die 1000 sein. Sie bestehen aus zwei Flaschenkorken und einem Schaschlik-Spieß. Der Körper dieser Minis besteht dabei aus einem ganzen Korken; für die Arme, Beine und den Kopf wurde der zweite Korken dann in fünf Teile geteilt. Diese unterschiedlich bemalten Mini-Skulpturen stammen vom Yoga-Trainer Josef Foos, der sich das Little People-Projekt des Londoner Streetart-Künstlers Slinkachu zum Vorbild genommen hat. Ein angenehmer Werbegag, denn die Korkmännchen machen gute Laune, sind dezent und materialbedingt leider auch vergänglich.

"Ein Korkmännchen an der Bülowstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2015

„Ein Korkmännchen an der Bülowstraße“, Foto © Friedhelm Denkeler 2015

Der leidende Mensch am Europa-Center

"Der leidende Mensch am Europa-Center" (von Michael Ostwaldt, 20. bis 22. September 1969), Foto © Friedhelm Denkeler 1969

„Der leidende Mensch am Europa-Center“
(von Michael Ostwaldt, 20. bis 22. September 1969),
Foto © Friedhelm Denkeler 1969

Meine ersten Jahre in Berlin nutze ich 1968 und 1969 – vor allem, wenn man aus Ost-Westfalen kommt – natürlich zuerst dazu, eine Großstadt kennenzulernen. Das war in erster Linie die Gegend um den Kurfürstendamm mit seinen Urauffüh-rungskinos und alle Straßen rund um den Savignyplatz. Das Nachtleben spielte sich anfangs zwischen Sperlingsgasse und Loretta in der Lietzenburger Straße (beides gibt es heute nicht mehr) und später dann in Kreuzberg ab.

Die Stadterkundungen hielt ich in der Regel fotografisch fest und so entstand auch die folgende Aufnahme auf DIA-Film-Material, mit der ich 1969 eine spektakuläre Kunstaktion am Europa-Center festhielt.

Das Europa-Center war gerade erst vier Jahre alt, als die Fassade des Büro-Hochhauses mit einem 72 Meter hohen, 12 Meter breiten und 500 Kilo schweren Gemälde teilweise verdeckt wurde. In einer fünfstündigen Aktion wurde mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) in der Nacht vom 19. auf den 20. September das größte Gemälde der Welt angebracht. Es wurde in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen; allerdings dürften es nur wenige Berliner gesehen haben, denn nur zwei (!) Tage blieb es hängen.

Das Bild wurde vom Berliner Maler Michael Ostwald (*1925, †1995) geschaffen. Er arbeitete mit Atemschutzmaske ein ganzes Jahr daran und verbrauchte 80 Kilo Farbe. Das Bild sollte an das Elend in der Welt erinnern. Ostwald hoffte, dass sich das Leiden z.B. in Biafra und Vietnam dadurch verändern würde. Eingefädelt hatte die Kunstaktion Konrad Jule Hammer, der auf dem Dach des Europa-Centers einen Skulpturengarten betrieb und mit dem Hausherrn des Centers, Karl H. Pepper auch bei anderen Aktionen eng zusammenarbeitete.

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