Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Stadtverschönerung

Alles fing 1986 mit den Spray-Bananen an, die der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel in Berlin verteilte und zwar nicht willkürlich, sondern mit System als besondere Auszeichnung für Galerien und Kultureinrichtungen. Kunstinsider kennen deren mittlerweile international gewordene Bedeutung.

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Menschen auf dem Brandenburger Tor

»Das Brandenburger Tor mit der Installation von JR (Aufbau)«, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

»Das Brandenburger Tor mit der Installation von JR (Aufbau)«, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Meine Rubrik »Stadtverschönerung« ist meistens ironisch zu verstehen. Das trifft auch heute zu: Die unzähligen und unsäglichen Buden, Aufbauten, Zelte, Bühnen, Fahrzeuge, Absperrgitter und Dixi-Klos zum Fest der Deutschen Einheit verschandeln die Plätze vor, hinter und am Brandenburger Tor, ebenso wie vor dem Reichstag und behindern die Touristen, die die Berliner Sehenswürdigkeiten gerne unverbaut sehen möchten.

Da kann man die Installation auf der Westseite des Brandenburger Tores durch den Pariser Streetart-Künstler »JR« mit gutem Willen noch als interessant ansehen. Seine Installationen waren bereits weltweit zu sehen, u.a. an der Grenze Mexiko/USA und Israel/Palästina. Als Grundlage für die Installation am Brandenburger Tor nahm er ein Foto vom 10. November 1989, auf dem feiernde Berliner auf der Mauer sitzen und tanzen; vor ihnen stehen Grenzsoldaten, die das Geschehen beobachten. Ob das damalige Geschehen mit dieser Darstellung nachvollziehbar wird oder dem 10. November 1989 gerecht wird, bleibt –wie immer – jedem selbst überlassen.

»Das Brandenburger Tor mit der Installation von JR«, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

»Das Brandenburger Tor mit der Installation von JR«, Foto © Friedhelm Denkeler 2018

Der Traum vom Fliegen

Die Insel der besonderen Kinder

Seit einigen Tagen ist sie als Cut-Out in den Straßen von Berlin zu sehen: Eine blonde, schwebende Frau im blauen Kleid, mit einem um die Hüfte geknoteten Seil. Es hat schon schlechtere Stadtverschönerungen gegeben. Der Hashtag „BleibBesonders“ deutet es bereits an: Es handelt sich um Werbung für den Film „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children) von Tim Burton.

"Der Traum vom Fliegen" (U-Bahnhof Prinzenstraße), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

„Der Traum vom Fliegen“ (U-Bahnhof Prinzenstraße)
Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Der Fantasyfilm erzählt von Kindern aus einem Heim, die geheime Superkräfte haben und gemeinsam gegen eine Armee des Bösen kämpfen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Werbung – hier in Form von Guerilla-Marketing – sich der Streetart und der Graffiti bemächtigte. Ob diese Werbemethode eine einmalige Aktion ist oder ab sofort inflationär in den Städten auftaucht; eine Bereicherung oder Verschandelung ist, wird sich alsbald zeigen.

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