Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Rock-Archiv

Hier finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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1949 – Fats Domino: »The Fat Man«

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt …

Fats Domino wurde von einem Trompeter des Duke Ellington-Orchesters in einem Club in New Orleans entdeckt, der ihm seine erste Plattenaufnahme »The Fat Man« verschaffte. Der Song entwickelte sich mit den Jahren zu einem ersten Millionenseller im Rhythm & Blues. Der Titel war selbstironisch zu verstehen, denn der Dicke brachte schon damals ein erhebliches Übergewicht auf die Bühne. Es war der Beginn einer mehr als zehnjährigen Plattenkarriere und eine der Gründungssingles des Rock’n’Roll. Weitere Songs von ihm sind zu benennen: Blueberry Hill, I’m Walkin’, Aint That A Shame, Walking to New Orleans, My Girl Josephine und Jambalaya (on the Bayou).

Domino, der sein Klavier im Boogie-Stil spielte, gehörte mit Little Richard und Chuck Berry zu den einflussreichsten Musikern der Frühphase des Rock’n’Roll. Er hat eine lange Liste von Musikern geprägt. Der Song »Lady Madonna« von den Beatles war eine Hommage an das Klavierspiel Dominos. Der fühlte sich so geehrt, dass er es gleich in sein Repertoire aufnahm.

1949 – Fats Domino: »The Fat Man«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler
1949 – Fats Domino: »The Fat Man«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler

Antoine ›Fats‹ Domino Jr. wurde 1928 als eines von acht Geschwistern geboren. Die Domino-Familie hatte einen französisch-kreolischen Hintergrund; das erklärt auch die Zeile »Watchin‘ all these creole gals« in »The Fat Man«.

1986 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen; 2003 in die Blues Hall of Fame. Der Rolling Stone nahm ihn in seine Liste der 100 größten Künstler aller Zeiten auf. Außerdem verlieh ihm US-Präsident Bill Clinton 1998 die National Medal of Arts, die bedeutendste Künstlerauszeichnung, die der amerikanische Kongress verleiht. Für sein Lebenswerk wurde er mit einem Grammy ausgezeichnet. Domino starb im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in seiner Heimatstadt New Orleans.

Als Kontrastprogramm zu Fats Domino erinnere ich mich für das Jahr 1949 an den Song »Capri Fischer« von Rudi Schuricke. Der deutsche Komponist Gerhard Winkler schrieb das Lied bereits 1943; der Text stammt von Ralph Maria Siegel, dem Vater des Komponisten Ralph Siegel. Rudi Schuricke sang das Lied 1943 bei Polydor auf Schallplatte ein. Kurz danach wurde die Wiedergabe des Stücks im Rundfunk verboten, da die US-Armee 1943 bereits auf Capri gelandet war. So richtig bekannt wurde das Lied erst mit den Wirtschaftswunder-Jahren.

Das Lied steht exemplarisch für die deutsche Italiensehnsucht. Viele Westdeutsche konnten nach dem Krieg erstmals Urlaub am Mittelmeer machen. Das Lied beginnt mit dem Bild der bei Capri im Meer versinkenden Sonne; auf einer Insel, die als das exotische Paradies auf Erden erscheint. Schlager wie dieser, während des Krieges geschrieben, versuchten dem entbehrungsreichen Leben, Ausblick auf eine angenehme Zukunft entgegen zu setzen. Spätere deutsche Schlager griffen das Sehnsuchtsmotiv gerne wieder auf und ein eigenes Genre entstand. Das ursprüngliche Lied aber wurde ein Evergreen und gehört bis heute zum festen Repertoire vieler Künstler.

»Fats Domino im Jahr 1962», Quelle: Wikipedia

They call, they call me the fat man
‚Cause I weight two hundred pounds
All the girls they love me
‚Cause I know my way around

I was standin‘, I was standin‘ on the corner
Of Rampart and Canal
I was watchin‘, watchin‘
Watchin‘ all these creole gals

Wah wah wah, wah wah
Wah wah waah, wah wah wah
Wah wah waah, wah wah wah
Wah wah wah
Wah waah wah

I’m goin‘, I’m goin‘ goin‘ away
And I’m goin‘, goin‘ to stay
‚Cause women and a bad life
They’re carrying this soul away

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1948 – Edith Piaf: »La Vie En Rose«

Der 1,50 Meter große Spatz von Paris wurde nur 47 Jahre alt, aber weltberühmt

Edith Piaf (*1915, †1963) hat in der Anfangszeit ihrer Karriere ausschließlich Fremd-Kompositionen gesungen. Mitte der 1940er Jahre kam sie auf die Idee, selbst ein Lied zu schreiben; ihre Pianistin und Arrangeurin und andere Kollegen reagierten skeptisch. Piafs Freundin und später das Live-Publikum waren von »La Vie En Rose« aber überzeugt. Der Text beschreibt die klischeehafte Verherrlichung der Gefühle einer verliebten Person durch ihre rosarote Brille. 1948 erschien die Single »La Vie En Rose« in Frankreich und ein Siegeszug um die ganze Welt begann.

Das Chanson wurde in mindestens zwölf Sprachen übersetzt. Insgesamt gab es allein 28 Versionen auf Deutsch, darunter von Lale Andersen, Nana Mouskouri und Marlene Dietrich. In über 32 Kinofilmen wird der Titel verwendet, so in Oliver Stones »Natural Born Killers« oder in Spielbergs »Soldat James Ryan«. 1977 erfand eine andere Diva den Song noch einmal neu: Grace Jones spielte eine Disco-Version ein und 2018 versuchte sich Lady Gaga an dem Titel. 2007 wurde der Film »La vie en rose« mit Marion Cotillard als Piaf auf den Filmfestspielen Berlin gezeigt.

1948 – Edith Piaf: »La Vie En Rose«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler
1948 – Edith Piaf: »La Vie En Rose«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler

Millionen von Menschen lagen Piaf zu Füßen, freuten sich, wenn sie glücklich war und bangten mit ihr wenn das Schicksal wieder einmal zuschlug. Vom Alkohol kam sie schließlich los, aber das viele Morphium verkraftete ihr Körper wohl nicht. Das Chanson »Non, Je Ne Regrette Rien« war ihr Lebensmotto: Nein, ich bereue nichts.    

Piaf nahm neben den oben erwähnten, über 200 Songs auf Schallplatte auf. In Deutschland war ihr bekanntestes, das 1959 entstandene Stück »Milord«, das von ihrem Freund Georges Moustaki getextet wurde. »Hinter dieser Stirn eines Bonapartes und unter dieser äußerlich so zerbrechlichen Hülle verbirgt sich ein Wunder. Eine gewaltige Stimme und eine emotionale Kraft, die weiter wirken, wenn sie nicht mehr unter den Lebenden weilt«, diese Worte hat Jean Cocteau noch zu Lebzeiten über Edith Piaf verfasst.

Cover der Single Edith Piaf: »La Vie En Rose«, 1948

Des yeux qui font baisser les miens,
Un rire qui se perd sur sa bouche,
Voilà le portrait sans retouche
De l’homme auquel j’appartiens

Quand il me prend dans ses bras
Il me parle tout bas,
Je vois la vie en rose.

Il me dit des mots d’amour,
Des mots de tous les jours,
Et ça me fait quelque chose.

Il est entré dans mon cœur
Une part de bonheur
Dont je connais la cause.

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1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«.

T-Bone Walker – der Pionier des Jump und des Electric Blues

Die Melodie eines Songs ist mir aus der Kindheit immer mal wieder in Erinnerung gekommen; ich konnte sie aber nie zuordnen. Nun hat es geklappt! In der amerikanischen Hitparade »The Billboard« vom Oktober 1947 bin ich fündig geworden. Der Song »Near You« von Francis Craig and his Orchester stand hier auf Platz 1 und war 1947 die meistverkaufte Platte in den USA. 17 Wochen hintereinander stand er auf dem ersten Platz und gehört seitdem zum Standard der US-Popmusik. Demnach dürfte er Ende der 40er/ Anfang der 50er Jahre auch in Deutschland im Radio zu hören gewesen sein.

In dem Song geht es um nichts anderes, als den Rest des Lebens in unmittelbarer Nähe der Geliebten zu verbringen – und das in verschiedenen Variationen. Auf der A-Seite der Single war allerdings Craigs Erkennungsmelodie »Red Rose« zu hören; die Radiostationen spielten aber auf Wunsch der jugendlichen Hörer hauptsächlich die B-Seite mit «Near You«. Im ersten Teil des Songs spielt Craig die Melodie auf dem Klavier, erst im Mittelteil singt der blinde Bob Lamm, der Trompeter der Band, das Stück »Near You« und zum Schluss gibt es wieder das Klaviersolo von Craig aus dem ersten Teil.

Eigentlich sollte diese Single Francis Craigs (*1900, †1966) Abschiedsgeschenk an die Fans werden, denn er spielte mit seiner Bigband 21 Jahre als Hausband in einem Hotel in Nashville. Ihre Auftritte wurden landesweit vom Radiosender NBC übertragen. Nach dem sagenhaften Erfolg ging Craigs Karriere noch weiter. Das verdiente Geld investierte er in das erste Schallplatten-Presswerk in Nashville. Neben dem Nummer-eins-Hit war dies die Grundlage für den Aufstieg Nashvilles zur Musikmetropole.

Das Billboard-Magazin ist das bedeutendste Fach- und Branchenblatt für Musik und Entertainment in den USA. Es ermittelt und veröffentlicht die offiziellen Verkaufscharts für Singles (The Billboard Hot 100) und Musik-Alben (The Billboard 200), sowie diverse andere Hitlisten. Die erste Hitparade erschien im Blatt 1936. Heute werden die Platzierungen in einem komplizierten Verfahren ermittelt, welches CD-Verkäufe, bezahlte Downloads und Abspielungen im Radio und TV berücksichtigt (siehe kleines Dreier-Bild)

1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«, Foto & Collage © Friedhelm Denkler
1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«, Foto & Collage © Friedhelm Denkeler

Meine heimliche Nr. 1 für 1947 ist eher der »Bobby Sox Blues« von T-Bone Walker (*28.05.1910 , †16.03.1975), der als einflussreicher Pionier im Bereich des Jump/Electric Blues gilt. Hier sprach man noch nicht von Rock-Musik, sondern es ist ein Stück aus den Anfängen des Blues, ein überaus gemütlicher und ausgefallener Song. Walker trat als Sänger, Gitarrist und Songwriter auf. Außergewöhnlich waren seine artistischen Bühneneinlagen; er spielte Gitarre auf den Knien und hinter seinem Rücken und Jahre vor Jimi Hendrix auch mit den Zähnen.

Trotz seiner Erfolge konnte Walker zu dieser Zeit nie das Teenager-Publikum erreichen, wie beispielsweise Chuck Berry oder Fats Domino. In Deutschland wurde Aaron Thibeaux ›T-Bone‹ Walker bekannt, als er in den 1960er Jahren auf den vom Konzertveranstalter Horst Lippmann organisierten »American Folk Blues Festivals« auftrat. 2003 wurde er von der »Rolling Stone» auf Platz 47 der Liste der »100 größten Gitarristen aller Zeiten« geführt. 1980 wurde er posthum in die »Blues Hall of Fame« und 1987 in die »Rock and Roll Hall of Fame« aufgenommen.

There’s just one place for me, near you
It’s like heaven to be, near you
Times when we’re apart
I can’t face my heart
Say you’ll never stray
More than just two lips away

[aus »Near You«]

Bobby Sox, baby, I’ve got to let you go
Bobby Sox, baby, I’ve got to let you go
You’ve got a head full of nothin‘
But stage, screen and radio
You chase autographs every night
You write fan mail through the day
You keep your great big head in the scrapbook
Yes, and you throw the cookbook away

[aus »Bobby Sox Blues«]

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1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«

Der Jump-Blues-Song »Caldonia« von Louis Jordan

Mein Rock-Archiv beginnt im Jahr 1946. Es war nicht einfach, aus diesem Jahr einen Song zu finden, denn die Geschichte des Rock ’n‘ Roll und damit der Rockmusik begann erst einige Jahre später. Aber es gibt den Blues, der viele Rockmusiker inspirierte und zu Cover-Versionen animierte. Und welcher Titel ist dazu besser geeignet als »(Get Your Kicks On) Route 66« vom »Nat King Cole Trio« aus dem Jahr 1946 und die Cover-Versionen von Chuck Berry, den Rolling Stones, Depeche Mode und Them. Ich mache daher Zeitsprünge von 1946, über 1961 und 1964 bis in das Jahr 1987.

Hinter jedem guten Song sollte eine Geschichte stehen. Der Komponist von »Route 66« Robert William Troup Jr. hatte die Idee zu diesem Song 1946 auf einer langen Fahrt auf der Route 66 nach Los Angeles, wahrscheinlich in einem amerikanischen Straßenkreuzer. Der ab 1926 gebaute, ursprünglich 4000 Kilometer lange Highway, steht für den amerikanischen Mythos von Freiheit und Abenteuer.

Die Route 66 war eine der ersten durchgehend befestigten Straße von Ost nach West, von Chicago nach Santa Monica. Heute sind nur noch Teilstücke der ›Mother Road‹ vorhanden. Und wo eröffnete 1940 das erste McDonald’s – natürlich an der Route 66 in San Bernardino (Kalifornien). Auch der Film ›Easy Rider‹ spielte 1969 teilweise auf der damals schon legendären Strecke.

Der Rhythm & Blues-Song »Route 66« wurde am 15. März 1946 von Nat ›King‹ Cole aufgenommen und erreichte die US-R&B- und die Pop-Chart. Er wurde zum bekanntesten Song des Nat King Cole Trios. Ich habe ihn, soweit ich mich erinnere, erst 1961 durch Chuck Berry oder 1964 durch die Version von den Rolling Stones kennengelernt (vielleicht war es auch umgekehrt).

1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler
1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler

Charles Edward Anderson ›Chuck‹ Berry (*1926, †2017) kann man als Pionier des Rock ’n‘ Roll betrachten. Er war der Erfinder des Duck-Walk. Seine Version von »Route 66« stammt aus dem Jahr 1961. Vorbilder waren Nat King Cole und Muddy Waters. Mit »Maybellene« hatte er 1955 seinen ersten Hit in den Billboard Charts. Weitere bekannte Hits von Berry sind »Roll Over Beethoven« (1956), »Rock and Roll Music« (1957), »Sweet Little Sixteen« (1958), »Johnny B. Goode« (1958) und »My Ding-a-ling« (1972).

»Route 66« ist ebenfalls der erste Track auf dem ersten Studio-Album der Rolling Stones (britische Fassung) aus dem Jahr 1964. Im Song werden die folgenden Orte, in denen sich schon einige ›Kicks‹ ergeben würden, erwähnt: St. Louis (Missouri), Joplin (Missouri), Oklahoma City (Oklahoma), Amarillo (Texas), Gallup (New Mexico), Flagstaff (Arizona), Winona (Arizona), Kingman (Arizona), Barstow (Kalifornien) und San Bernardino (Kalifornien).

Logo der »Route 66«
Logo der »Route 66«

Die englische Band »Depeche Mode« wurde 1980 gegründet und hat seitdem dreizehn Studioalben aufgenommen und 52 Singles veröffentlicht. Sie wurde eine der erfolgreichsten Synthie-Pop-Bands der Welt und hat nicht nur bei den Metal-Fans Anhänger. Angeblich soll es über hundert Cover-Versionen von »Route 66« geben und damit wird das Lied zum meistgecoverten Roadsong. Zum Schluss möchte ich noch eine Version von Van Morrisson und seiner Band »Them« aus ihrem ersten Album »The Angry Young Them« aus dem Jahr 1965 erwähnen.

Für den Neubeginn Ende der 1940er Jahre steht heute für mich das wundervolle Video aus meinem Geburtsjahr 1946 mit dem Jump Blues Song »Caldonia« von Louis Jordan. Der Jump ist eine schnelle Spielart des Blues, die vor allem in den 1940er-Jahren in den USA populär war. Charakteristisch ist die von den Big Bands übernommene Instrumentierung mit Blechbläsern in einem treibenden Rhythmus.

Well if you ever plan to motor west
Just take my way it’s the highway that’s the best
Get your kicks on Route 66/ Well it winds from Chicago to L.A.
More than 2000 miles all the way/ Get your kicks on Route 66

Well it goes from St Louis, down to Missouri
Oklahoma city looks oh so pretty
You’ll see Amarillo and Gallup, New Mexico
Flagstaff, Arizona don’t forget Winona
Kingsman, Barstaw, San Bernadino
Would you get hip to this kindly trip/ And take that California trip
Get your kick on Route 66

It goes from St. Louis, down to Missouri
Oklahoma city looks oh so pretty
You’ll see Amarillo and Gallup, New Mexico
Flagstaff, Arizona don’t forget Winona
Kingsman, Barstaw, San Bernadino
Would you get hip to this kindly trip
Take that California trip/ Get your kicks on Route 66
Get your kicks on Route 66
And I’ll meet you on Route 62
Get your kicks on Route 66

[Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, 1946]

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1958 – Link Wray: »Rumble«

Eine Einladung zum Messerkampf  Wray was cool before cool was cool

»Aufruhr« (Eröffnungsszene aus »The Delicate Delinquent»), Foto © Friedhelm Denkeler 2017
»Aufruhr« (Eröffnungsszene aus »The Delicate Delinquent«), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Heute möchte ich in meiner kleinen Serie »Instrumentals der Rock-Popgeschichte« einen weiteren Song aus dem Jahr 1958 vorstellen: »Rumble« von Link Wray und seinen »Wray Men«. Es ist mit Sicherheit der einzige Instrumental-Song, der jemals von Radio-Stationen verbannt wurde, ohne Texte über Drogen oder Sex (sic!) zu beinhalten.

Der Titel allein, den man mit Aufruhr übersetzen kann, reichte aus, den Song nicht zu spielen, denn er »klang wie die Einladung zu einem Messerkampf« [Rolling Stone]. Um den rauen, verzerrten Klang herzustellen, soll Wray Löcher in den Lausprecher seines Gitarrenverstärkers geschlagen haben und verwandelte ihn damit in eine »Fuzzbox«, die es damals noch nicht gab.

Aus der heutigen Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar. Aber wenn man sich die Liveaufnahme aus San Francisco von 1974 anhört, wird die Angst der Radiomacher, dass Rumble tatsächlich eine Gewalttätigkeit anregen könnte, schon deutlicher. Ein Fan schreibt zum Live-Video »Wray was cool before cool was cool«.

Als Fred Lincoln ›Link‹ Wray im Jahr 2005 starb, spielten Bob Dylan und Bruce Springsteen ihm zur Ehre »Rumble» und Pete Townshend sagte, er hätte nie eine elektrische Gitarre gekauft, wenn es nicht Wrays »Rumble» gegeben hätte. 1958 erreichte der Song Platz 16 der »Billboard Hot 100«. Beim »Rolling Stone« landete der Song auf Platz 45 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. Er beeinflusste viele Band wie die Yardbirds oder The Who.

Dieser Beitrag gehört zur Serie »Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von »The Third Man Theme« zum »Egyptian Reggae« (4). Zur Einführung dieser Serie siehe hier.

Link Wray: „Rumble“, 1958 (Audio), Link Wray: „Rumble“, 1974 (Live), Link Wray: „Rumble“, 1958 (Video). Im Video wird der Original-Song von 1958 passenderweise mit einem Ausschnitt aus dem Film: »The Delicate Delinquent« (Der Held von Brooklyn) von Don McGuire mit Jerry Lewis von 1957 unterlegt. Den ganzen Film finden Sie hier.

Black and Blue – Das „schwärzeste“ Album der Stones

Oh, Cherry, oh Cherry, oh baby/ Doncha know I in need of thee/ You don’t believe it true/ Why don’t you love me, too/ Its so long I been waiting/ For you to come right in/ Now that we are together/ Is make my joy run over [Keith Richard & Mick Jagger: „Cherry Oh Baby“]

Der Titel „Black and Blue“ des dreizehnten, 1976 erschienenen Studioalbums der Rolling Stones, ist eine Anspielung auf das deutsche „Grün und Blau schlagen“. Es soll hier für den Einfluss der schwarzen Musik auf die Songs des Albums stehen: „Black“ für die Schwarze Musik (Reggae) und „Blue“ für die typischen afroamerikanischen Töne, die „Blue Notes“, die den Bluescharakter von Melodien prägen. Die Songs dieser LP weisen besonders viele Einflüsse von Funk-, Blues-, Rock-, Jazz- und Reggae-Musik auf. Man kann deshalb „Black and Blue“ als „schwärzestes“ Album der Stones ansehen. Die meisten dieser Songs wurden 1975 in den Musicland Studios von Giorgio Moroder in München aufgenommen.

The Rolling Stones: „Cherry Oh Baby“, 1976, (Ersatzlink)

1969 trat Mick Taylor, der seit 1967 bei John Mayall in dessen Band The Bluesbreakers spielte, als Nachfolger für Brian Jones in die Band ein. Fünf Jahre später verließ der introvertierte Musiker die Band wieder; mit den Showmen Mick Jagger und Keith Richards kam er auf Dauer nicht klar. Deshalb waren die Stones im Rahmen der Aufnahmen zum Album „Black and Blue“ auf der Suche nach einem neuen Gitarristen. Sie testeten für die anstehenden Aufnahmen unter vielen anderen auch Jeff Beck und Ron Wood. Die Band entschied sich letztlich für Ron Wood als neues Bandmitglied. In „Black and Blue“ ist er in den Stücken „Cherry Oh Baby“ und „Hey Negrita“ bereits als Gitarrist zu hören.

The Rolling Stones: "Black And Blue", Erscheinungsdatum: 20. April 1976, Foto © Friedhelm Denkeler 2017
The Rolling Stones: „Black And Blue“, Erscheinungsdatum: 20. April 1976, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Der Titel „Cherry Oh Baby“ wurde 1983 auch von der 1978 gegründeten multinationalen Reggae- und Popband UB40 aus Großbritannien auf dem Album „Labour of Love“ gecovert. Ursprünglich stammt der Song aber von Eric Donaldson. Mit ihm gewann er 1971 den Jamaican Festival Song-Wettbewerb. Der Song ist auf dem Album „Love of the Common People“ zu finden. Reggae-Musik nicht unbedingt meine bevorzugte Musikrichtung, da kommt mir der Stil der Stones doch sehr entgegen.

Eric Donaldson: „Cherry Oh Baby“, 1971, (das Original!)

Aus gegebenem Anlass ist „Cherry Oh Baby“ heute mein Song des Tages geworden. Man könnte ihn als Reggae-Parodie, als Gag verstehen; bei den Aufnahmen in München hatte die Gruppe sicherlich viel Spaß. Wahrscheinlich ist es der erste Reggae-Song, den sie aufnahmen. „Hey Negrita“ ist ähnlich aufgebaut und wurde von Ron Wood angeregt (er wird als Co-Autor erwähnt). Die anderen Albumtitel lassen sich ebenso alle gut hören. Das Album startet mit dem funkygen „Hot Stuff“ („Funk ist der Oberbegriff für eine Spielart ursprünglich afroamerikanischer Musik, die sich Ende der 1960er Jahre aus verschiedenen Einflüssen des Soul, Rhythm and Blues und Jazz entwickelt hat und wiederum Musikstile wie Disco, Hip-Hop und House stark geprägt und beeinflusst hat“ [aus: Wikipedia]).

Hand Of Fate“ und „Crazy Mama“ sind einfach solide Rock-Stücke im typischen Stones-Stil. „Fool to Cry“ ist ein Klassiker (die einstige Nr.1-Hit-Single), eine Falsetto-Ballade, die wohl nicht Keith Richards Favorit war, denn als die Stones sie 1976 live spielten soll er eingeschlafen sein. „Melody“ ist ein sehr jazziger Song und „Memory Motel“ ist für die Stones mit sieben Minuten schon ein langes Stück. Jagger erzählt in der epischen Ballade die Geschichte von Hannah und einer Nacht im Memory Motel und am Strand (gemeint ist Montauk auf Long Island). Nach über vierzig Jahren finde ich das Werk besser denn je, es hat etwas Ungewöhnliches und Abwechslungsreiches und trotzdem klingt es wie ein Konzept. Also nicht nur der Song des Tages, sondern das Album des Monats.

Berlinale die Dritte: “Una mujer fantástica” von Sebastian Lélio mit Daniela Vega

“Una mujer fantástica” ist ein Plädoyer für die sexuelle Selbstbestimmung. Die Trans-Frau Marina (Daniela Vega) ist nach dem Tod ihres Freundes Orlando (Francisco Reyes) dem blanken Hass seiner Familie ausgesetzt. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge, fantastische Frau.

Aus der Serie"Second Hand Model", Foto © Friedhelm Denkeler 2003
Aus der Serie“Second Hand Model“, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

„Marina sitzt auf ihrem Sofa, die Beine leicht angewinkelt. Sie ist nackt, doch ein Spiegel verdeckt ihre Scham. Die nächste Einstellung zeigt Marina von oben: Man sieht nur ein Stück Beine, etwas Bauch – und mitten im Bild ihr Gesicht im Spiegel zwischen ihren Beinen. Es ist ein eindringliches, berührendes Bild. Gerade in seiner Einfachheit und Wortlosigkeit macht es klar, worum es Lélio geht: Was die geschlechtliche Identität eines Menschen bestimmt, ist nicht zwingend das, was zwischen seinen Beinen ist.“ [rbb]

Passend zum Film hat Lélio als Soundtrack unter anderem Aretha Franklin mit „A Natural Woman“ aus dem Jahr 1967 ausgesucht.

Aretha Franklin: „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“

Der Song wurde 1967 von Carole King und Gerry Goffin geschrieben und 2015 von Aretha Franklin zum Gala-Empfang im Opera House des Kennedy Centers zu Ehren der Preisträgerin Carole King performt. Diese Ehrung umfasste zahlreiche Feierlichkeiten, unter anderem verfolgten die Geehrten die Gala gemeinsam mit dem US-Präsidenten Obama in der Präsidenten-Loge. Ihren ersten Nummer-eins-Hit hatte Carole King als 18jährige mit dem Lied „Will You Love Me Tomorrow?“ Sie schrieb ihn für die Girlgroup „The Shirelles“ (1960).

„The Shirelles“: Will You Love Me Tomorrow?“

Berlinale die Erste: „The Dinner“ von Oren Moverman mit Richard Gere

„In The Dinner geht es um ein Abendessen, das den Blick auf das poröse Innenleben einer US-Familie freilegt. Zwei Brüder treffen sich mit ihren Frauen (Laura Linney, Rebecca Hall) im Luxusrestaurant zur Aussprache. Der eine, Paul (Steve Coogan), ist Geschichtslehrer; der andere, Stan (Richard Gere), ein Politiker, der als Gouverneur kandidiert. Der Film will die Protagonisten ihrer moralischen Defizite überführen: Sei es in Rückblenden, die szenenhaft Ursachen für Misstrauen und Wut umreißen, sei es über das Verbrechen zweier Söhne, das aus dem Hintergrund langsam ins Zentrum des Films rückt.“ [Der Standard]. The Dinner liefert gut gemachte Film-Hausmannskost.

"Jehnny Beth, Savages" (Ausschnitt aus dem Video "Fuckers"), Foto © Friedhelm Denkeler 2017
„Jehnny Beth, Savages“ (Ausschnitt aus dem Video „Fuckers“), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Eine Neuentdeckung ist für mich die tolle Musik einer britischen Frauen-Band aus London. Man kann die Musik von Jehnny Beth (Sängerin; eigentlicher Name Camille Berthomier), Gemma Thompson (Gitarre), Ayse Hassan (Bass) und Fay Milton (Schlagzeug) als Post-Punk bezeichnen. Im Abspann des Films „The Dinner“ lief der Song „Fuckers“ von „Savages“. Er stammt von ihrer 2014 erschienen gleichnamigen Maxi-Single. Das Stück dauert 10 Minuten.

Savages: „Fuckers“ (2014)

So ein geniales Stück von rebellischen Frauen habe ich lange nicht gehört. Es muss unbedingt in einer größeren Lautstärke gehört werden, denn das Stück beginnt sehr leise mit dem fast flüsternden Gesang von Jehnny Beth und steigert sich immer mehr in eine, entsprechend des Bandnamens, große Wildheit.

Die Art von Crescendo finden wir in vielen bekannten Rockballaden: bei Jim Morrison (The Doors) mit „The End“, Deep Purple mit „Child in Time“ oder Led Zeppelin mit „Stairway to Heaven“. Sie weisen alle ein Länge von ca. zehn Minuten auf oder sogar, wie bei Iron Butterfly mit „In-A-Gadda-Da-Vida“ über 17 Minuten. Als klassisches Vorbild sei der „Boléro“ von Maurice Ravel, der auch um die zehn Minuten dauert, genannt.

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von „The Third Man Theme“ zum „Egyptian Reggae“ (3)

Heute möchte ich in meiner kleinen Serie „Instrumentals der Rock-Popgeschichte“ einen weiteren Song vorstellen; den „Red River Rock“. Es ist nicht einfach, einen würdevollen Interpreten zu finden, denn es gibt mindestens 70 Coverversionen.

Johnny & The Hurricanes: "Red River Rock", 1959, Foto © Friedhelm Denkeler 2016
Johnny & The Hurricanes: „Red River Rock“, 1959, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Da der Song Ende der 1950er Jahre weltweit bekannt wurde, mitten in der Rock & Roll-Zeit, liegt es nahe, die Version von Johnny & The Hurricanes auszuwählen. Es ist eine meiner Best-of-Songs der frühen Rockgeschichte. Die Single „Red River Rock“ kam im Juli 1959 auf den Markt und wurde kurz darauf von „Billboard“ besprochen.

Johnny & The Hurricanes:
„Red River Rock“
, 1959, (Ersatzlink)

Während einer Aufnahmepause hörte der Manager der Hurricanes wie der Organist mit der Melodie experimentierte; er bat, die Passagen zu wiederholen. So entstand der einmalige Sound als Variation des Originals.

Der Grundmelodie wird von einer Hammond-Orgel getragen mit Licks vom Tenor-Saxophon und einem Mittelteil für Gitarre. In Deutschland und England erreichte der Song Platz 3 der Hitparade und in den Staaten den Rang 6. Es waren die höchsten Platzierungen aller Versionen des Folk- und Country-Lieds. The Hurricanes verkauften davon über 1 Million Singles.

Eine Vokal-Version handelt von der verbotenen Liebe einer Indianerin zu einem britischen Soldaten während der Red-River-Rebellion um 1870 in Kanada. Ethnische und religiöse Feindseligkeiten und Übergriffe der angelsächsisch orientierten kanadischen Zentralregierung gegen die europäisch-stämmigen Altsiedler sind das Thema.

1925 wurde der Song das erste Mal kommerziell als „Cowboy Love Song“ vermarktet. Mit deutschem Text erschien 1959 „Komm zurück in das Tal unserer Träume“ von Friedel Hensch und den Cyprys. Es folgten dann Aufnahmen von Connie Francis, Pete Seeger und The Ventures. Einen Live-Auftritt im Fernsehen gab es 1981 im Bayrischen Rundfunk.

Zur Einführung der “Instrumentals der Rock- Popgeschichte” siehe hier.

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von „The Third Man Theme“ zum „Egyptian Reggae“ (2)

Jörgen Ingmann: "Apache", Foto © Friedhelm Denkeler 2016 (mit Dank an Natascha S.)
Jörgen Ingmann: „Apache“, Foto © Friedhelm Denkeler 2016 (mit Dank an Natascha S.)

Ausgangspunkt meiner kleinen Serie „Instrumentals der Rock- Popgeschichte“ war das Stück „Apache“. Ich habe immer gedacht, es stammt von den „Shadows“, der Begleitband von Cliff Richard. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass es etwas komplizierter ist, aber der Reihe nach.

The Shadows: „Apache“, 1960, (Ersatzlink)

Die Melodie stammt von dem englischen Komponisten Jerry Lordan. Die Idee zum Titel soll ihm gekommen sein, als er den gleichnamigen Western mit Burt Lancaster und Charles Bronson aus dem Jahr 1954 sah. Es fehlte ihm nur eine Instrumental-Band; die fand er in Bert Weedon. Das Stück wurde 1960 eingespielt, blieb aber zunächst unveröffentlicht, Lordan gefiel diese Fassung nicht.

Dann kam Lordan mit den Shadows in Kontakt, die wiederum fanden, das Instrumental passe zu ihnen. Am Anfang und Ende des Stückes sollten die Trommeln auf die „Indianermusik“ hinweisen. Der Erfolg blieb nicht aus, ab dem 21. Juli 1960 stand die Single für fünf Wochen auf dem ersten Platz der britischen Charts.

Jetzt wurde schnell auch die Single von Jerry Lordan veröffentlicht. Sie hatte in Europa aber weniger Erfolg. In den USA punktete dagegen die Fassung des dänischen Jazzgitarristen Jørgen Ingmann. Alle drei machten das Instrumental zu einem internationalen Hit. Mein Favorit bleibt aber für immer „Apache“ von den Shadows. Der Link zu den beiden anderen Versionen:

Bert Weedon: „Apache“, 1960

Jörgen Ingmann: „Apache“, 1961

 Zur Einführung der „Instrumentals der Rock- Popgeschichte“ siehe hier.

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von »The Third Man Theme« zum »Egyptian Reggae« (1)

"Instrumentals der frühen Rockgeschichte", Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler 2016
»Instrumentals der frühen Rockgeschichte«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler 2016

Bis vor Kurzem dachte ich, das Instrumentalstück »Apache« sei im Original von den »Shadows«. Zu einfach gedacht! Bei der Recherche stieß ich dann auf weitere Instrumentals der Pop- und Rockgeschichte aus den späten 1950er und den frühen 1960er Jahren. Sie alle sind akustisch seit meiner Jugend fest im Gehör verankert. Beim heutigen Wiederhören, nach sechzig Jahren, lösen Stücke wie »Sail along Silv’ry Moon« von Billy Vaughn, «Red River Rock« von Johnny & The Hurricanes, »Mexico« von Bob Moore oder »Amapola« von den The Spotnicks einen wohligen Schauer aus.

Damals gehörten Instrumentals zum Hitparadenbild, blieben aber trotzdem die Ausnahme. Anfang der 1950er Jahre überwogen noch instrumentale Coverversionen von Vokalaufnahmen wie »Oh, mein Papa« von Eddie Calvert. Zu den Instrumentalstücken kann man auch Filmmusiken wie »The Third Man Theme« von Anton Karas oder «Spiel mir das Lied vom Tod« von Ennio Morricone zählen. Aber auch in den 1970er Jahren gab es bekannte Instrumentals, wie »Albatross« von Fleetwood Mac oder »Egyptian Reggae« von Jonathan Rickman & Modern Lovers.

In westlichen Ländern entfällt im Pop- und Rockbereich nur etwa 1% aller veröffentlichten Titel auf Instrumentalmusik. Die Instrumentals müssen, um ein Hit zu werden, ein markante Instrumentation oder auffällige Rhythmik aufweisen. Um den Nachteil der fehlenden (nachsingbaren) Texte auszugleichen, ist es von Vorteil wenn sie sich zum Ohrwurm entwickeln; einige wurden zu Millionenseller. Aus dem Zeitraum 1950 bis 1977 habe ich 24 Instrumentalstücke herausgesucht, die ich in der der nächsten Zeit näher vorstellen möchte:

24 Instrumentalstücke 1950 bis 1977

Anton Karas: »The Third Man Theme« (1950), Eddie Calvert: »Oh, mein Papa« (1954), Pérez Prado: »Cherry Pink And Apple Blossom White« (1955), Bill Justis: »Raunchy« (1957), Mitch Miller: »March from the River Kwai (Colonel Bogey)« (1957), Duane Eddy: »Rebel Rouser« (1958), Billy Vaughn: »Sail along Silv’ry Moon« (1958), Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, (1959, The Shadows: »Apache« (1960), The Ventures: »Walk Don’t Run« (1960), Bob Moore: »Mexico« (1961), Billy Vaughn: »Wheels«, (1961), Booker T. & the M.G.’s: »Green Onions« (1962), Tornados: »Telstar« (1962), The Spotnicks: »Amapola« (1963), Horst Jankowski: »A Walk in the Black Forest« (1965), Nini Rosso: »Il Silenzio« (1965), Marcello Minerbi: »Zorba’s Dance« (1965), Remo Four: »Peter Gun« (1966), Fleetwood Mac: »Albatross« (1968), Hugo Montenegro: »The Good the Bad And the Ugly« (1968), Ennio Morricone: »Spiel mir das Lied vom Tod« (1968), Eumir Deodato: »Also sprach Zarathustra« (1973), Jonathan Rickman & Modern Lovers: »Egyptian Reggae« (1977).

… und in viele Rollen schlüpfte: David Bowies Karriere – vorgestellt anhand von zehn Songs

Here am I sitting in a tin can/ Far above the world/ Planet earth is blue/ And there’s nothing I can do [aus: David Bowie „Space Oddity „]

Anhand meiner Top Ten stelle ich heute, zum Schluss der dreiteiligen David Bowie-Reihe, die wichtigsten musikalischen Stationen seiner Karriere vor:

  • David Bowie: „Space Oddity“ (Album: „Space Oddity“, 1969)
  • David Bowie: „Ziggy Stardust“ (Album: „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders From Mars“, 1972)
  • David Bowie: „Rebel Rebel“ (Album: „Rebel Rebel“ (Album: „Station to Station „, 1976)
  • David Bowie: „Heroes“, 1977, (Album: „Heroes“, 1977)
  • David Bowie: „China Girl“, 1983 (Album: „Let’s Dance“, 1983)
  • David Bowie: „Let’s Dance“, 1983 (Album: „Let’s Dance“, 1983)
  • David Bowie: „Modern Love“ (Album: „Let’s Dance“, 1983)
  • David Bowie: „Absolute Beginners“, 1984, aus dem Album: „Tonight“
  • David Bowie: „Blue Jean“, 1984, aus dem Album: „Tonight“
  • David Bowie: „Where Are We Now“, 2013, aus dem Album: „The Next Day“

Mit seinen kunstvollen Paradigmenwechseln schaffte David Bowie einen immer wieder überraschenden und anhaltenden vierzigjährigen Erfolg als androgyner Rockstar. Kurz vor der Mondlandung von Apollo 11 gelang Bowie mit seinem zweiten Album und der gleichnamigen Single „Space Oddity“ 1969 sein erster Hit. Der Song wurde von Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey inspiriert und stellte die Figur des Major Tom in Bowies Werk vor. Viele weitere Rockstars übernahmen die Figur, so Peter Schilling in Major Tom (völlig losgelöst); in Terrence Loves You von Lana Del Ray heißt es in einer Zeile „Ground control to Major Tom. Can you hear me all night long?“ und in Bowies Ashes to Ashes heißt es im Refrain „We know Major Tom’s a junkie, strung-out in heaven’s height, hitting an all-time low“.

Cover der LP David Bowie: “Let's Dance”, 1983, Foto © Friedhelm Denkeler 2016
Cover der LP David Bowie: “Let’s Dance”, 1983, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Nach The Man Who Sold the World und Hunky Dory (beide 1971) wurde Bowie ein Jahr später mit The Rise and Fall of Ziggy Stardust und der anschließenden Welttournee 1972 endgültig bekannt. Das lag auch an seiner neuen Rolle als Ziggy Stardust, dessen Aufstieg und Fall in einer dem Untergang geweihten Welt spielt. Aber sein Alter Ego Ziggy und die theatralische Bühnenshow mit ihren provozierend homoerotischen Zügen und dem knallrotem Haar legte er bald beiseite und trat, ein weiterer Imagewechsel, dann nur noch im Maßanzug auf. Für die Schaffensphase des Albums Station to Station verwandelte sich Bowie 1976 in eine weitere Kunstfigur namens Thin White Duke; der Titelsong Station zu Station beginnt mit der Zeile „The return of the Thin White Duke“. Sein exzentrischer Kleidungstil wechselte erneut, er trug nur noch eine schwarze Hose mit weißem Hemd und sein Auftreten war distanziert und unterkühlt.

Zu Bowies „Berlin-Zeit“ und seinem Album Heroes um 1977 siehe Artikel “Wir sind dann Helden für einen Tag“ . 1983 änderte sich Bowies Musikstil wieder einmal; man könnte ihn als Post-Disco bezeichnen, als tanzbaren Mainstream; Let’s Dance wurde eines seiner erfolgreichsten Alben. Der Song Absolute Beginners wurde vom Regisseur Julien Temple für den Titelsong des gleichnamigen Film über das Leben im London der Fünfzigerjahren verwendet. Der Film war kommerziell wenig erfolgreich. Danach war an die zehn Jahre nichts Neues von Bowie zu hören. 2013 singt er sich in die Siebzigerjahre mit Where Are We Now zurück.

David Bowie: „Where Are We Now“, 2013, (Ersatzlink)

Noch einmal lässt Bowie in dem Song seine Berlin-Zeit Revue passieren. So schnell wird Berlin keinen neuen Thin White Duke hervorbringen. „A Man Lost in Time“.

Had to get the train/ From Potsdamer Platz/ You never knew that/ That I could do that/ Just walking the dead/ Sitting in the Dschungel/ On Nürnberger Straße/ A man lost in time/ Near KaDeWe/ Just walking the dead [aus: David Bowie „Where Are We Now „]

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