Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Rock-Archiv

Hier finden Sie Beiträge zu Songs und ihren Interpreten aus 70 Jahren Rock- und Pop-Geschichte 1946 bis 2016. Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Jeder Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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1956 – Louis Armstrong: »Mack the Knife«

Die Bettler betteln, die Diebe stehlen, die Huren huren. Ein Moritatensänger singt eine Moritat. Und das alles an einem Abend im Mai 2012 in der Dreigroschenoper von Kurt Weill/Bertolt Brecht in einer Inszenierung von Robert Wilson am Berliner Ensemble, dem Brecht-Theater am Schiffbauerdamm. 84 Jahre nach der Uraufführung am selben Ort hat Wilson mit seinen typischen Elementen, den Slowmotion- und Scherenschnittbewegungen der Darsteller und mit Zitaten aus Stummfilmen, der »Oper« seine Handschrift verliehen.

Die Soundeffekte, die raschen Farbenwechsel und das überdeutliche Mimikspiel der prägnant geschminkten Gesichter sind typisch für Wilson, ebenso das minimalistische Bühnenbild: einige Leuchtstofflampen, Bänke, ein Galgen. Das Schauspiel wirkte eher wie ein Tableau vivant als ein Theaterstück und das Bühnenbild erinnerte an Lichtkunst und Installation. Wilson lässt seinen Darstellern, denen er teilweise einen Schuss Drag Queen-Glamour einverleibt hat, dennoch genügend Raum zur Entfaltung.

Da Kurt Weill der Musik Elemente aus Jazz, Tango, Blues und Jahrmarkts-Musik, mit ironischen Seitenhieben auf Oper und Operette, eingefügt hat und durch das zehnköpfige Dreigroschen-Orchester, vergingen die über drei Stunden wie im Fluge.

1956 – Louis Armstrong: »Mack the Knife«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler
1956 – Louis Armstrong: »Mack the Knife«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler

Im Prolog trägt ein Moritatensänger auf dem Jahrmarkt die Ballade vom Gaunerchef Mackie Messer vor. Es ist der wohl bekannteste Song aus dem Stück. Ob ich ihn bereits seit 1956 kenne ist nicht überliefert, aber sicher lief er bereits damals im Radio in einer Fassung von Louis Armstrong. Eine moderne Version habe ich in der Interpretation von Sting gefunden (auf Deutsch!).

 »Das Premierenpublikum benahm sich, wie es sich einem amüsierwilligen Musical-Publikum geziemt: Zwischenapplaus nach jeder Nummer, am Ende brandeten die Ovationen fast zehn Minuten. Berlin hat endlich den Musical-Hit, auf den es so lange gewartet hat« [Der Spiegel] und natürlich nach dem Zitat »Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank« gab es auch in der 176. Vorstellung spontanen Beifall.

Die Handlung: »Jonathan Peachum (Jürgen Holtz) betreibt einen äußerst florierenden Handel mit der Ausstattung von Bettlern. Das Geschäft mit den ›Ärmsten der Armen‹ läuft sehr gut. Doch dann erfährt er, dass seine Tochter Polly (Christina Drechsler) heimlich den Gangsterboss Mackie Messer (Stefan Kurt) geheiratet hat. Peachum tobt. Die einzige Lösung: Man muss Mackie an den Galgen bringen. Trotz Pollys Warnung verlässt der frischgebackene Ehemann nicht die Stadt, sondern besucht wieder einmal die Huren von Turnbridge. Eine von ihnen, Jenny (Angela Winkler), liefert ihn prompt ans Messer. Seine Hinrichtung scheint unabwendbar, bis ein ›reitender Bote‹ (Walter Schmidinger) der Königin erscheint und Mackies Freilassung sowie seine Erhebung in den Adelsstand verfügt».

Vier weitere Songs gingen 1956 in meine Rockgeschichte ein: Gene Vincent and His Blue Caps mit »Be-Bop-A-Lula«, Pat Boone mit »I’ll Be Home« und zweimal Elvis Presley mit »Heartbreak Hotel« und »Hound Dog«. »Be-Bop-A-Lula« war die erste Single von Gene Vincent. Er bekam dafür eine Goldene Schallplatte.

Songtext – Louis Armstrong: »Mack the Knife«

Und der Haifisch, der hat Zähne
und die trägt er im Gesicht
und Macheath, der hat ein Messer,
doch das Messer sieht man nicht.

Ach, es sind des Haifischs Flossen
Rot, wenn dieser Blut vergiesst!
Mackie Messer trägt ’nen Handschuh
Drauf man keine Untat liest.

An der Themse grünem Wasser
Fallen plötzlich Leute um!
Es ist weder Pest noch Cholera
Doch es heißt: Maceath geht um.

An ’nem schönen blauen Sonntag
Liegt ein toter Mann am Strand
Und ein Mensch geht um die Ecke
Den man Mackie Messer nennt.

Und Schmul Meier bleibt verschwunden
Und so mancher reiche Mann
Und sein Geld hat Mackie Messer
Dem man nichts beweisen kann.

Jenny Towler ward gefunden
Mit ’nem Messer in der Brust
Und am Kai geht Mackie Messer
Der von allem nichts gewusst.

Wo ist Alfons Glite, der Fuhrherr?
Kommt das je ans Sonnenlicht?
Wer es immer wissen könnte
Mackie Messer weiß es nicht.

Und das große Feuer in Soho
Sieben Kinder und ein Greis
In der Menge Mackie Messer,
den Man nicht fragt und der nichts weiß.

Und die minderjährige Witwe
deren Namen jeder weiß
Wachte auf und war geschändet,
Mackie, welches war dein Preis

Für die geplante Verfilmung fügte Brecht 1930 die folgende Schlussstrophe hinzu:
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

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1955 – Bill Haley & His Comets: »Rock Around The Clock«.

Wie Bill Haley auf der Hochzeitsfeier meiner Cousine der Star war.

Die erste echte Rock ’n‘ Roll-Single, die eine Nummer-eins-Position in den US-amerikanischen Charts erreichte war »Rock Around the Clock«. Sie hielt sich sechs Monate, von Mai bis Oktober 1955, in den Charts. Bis zum Jahresende wurde sie sechs Millionen Mal verkauft, in der Folgezeit mit über 25 Millionen verkauften Platten rückte sie zum umsatzstärksten Pop-Hit aller Zeiten auf. Bekannt wurde der Song auch 1955 durch den Film »Die Saat der Gewalt (Blackboard Jungle)« von Richard Brooks mit Glenn Ford. Der Film beginnt und endet mit dem Song »Rock Around The Clock« von Bill Haley.


Bill Haley: »Rock Around The Clock«, 1954
Bill Haley: »Rock Around The Clock«, 1954

In Deutschland war »Rock Around the Clock« die erste ausländische Schallplatte, die über eine Million Mal verkauft wurde und mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. Sie kam im November 1955 in die deutschen Singlecharts, blieb für zwei Monate die Nummer eins. Der Siegeszug des Rock ’n‘ Roll nahm seinen Anfang, der allerdings insbesondere bei den Älteren auf Widerstand stieß. Damit begann langsam ein kultureller Umbruch, der in den 1960er Jahren so richtig zum Tragen kam.


Auf dem Land in Westfalen war davon erst wenig zu spüren, aber auf der großen Feier anlässlich der Hochzeit meiner Cousine Marianne Meinert im Festsaal von Heitkamp in Alt-Espelkamp Mitte der 1950er Jahre tanzte mein Cousin Hans-Dieter Meinert wilden Rock ’n‘ Roll nach dem Song »Rock Around The Clock« von Bill Haley & His Comets. Mein Interesse an der Rockmusik war damals noch nicht ausgeprägt; das sollte sich mit diesem Tag ändern.


»Denn eine neue Art von Musik einzuführen, muss man sich hüten, weil es das Ganze gefährden heißt; denn nirgends wird an den Weisen der Musik gerüttelt, ohne dass die wichtigsten Gesetze des Staates mit erschüttert würden«. Platons Worte (Der Staat, 370 v. Chr.) sind ein frühes Zeugnis der großen Bedeutung, die der Wirkung von Musik auf Menschen zugeschrieben wird.

Schellackplatte,
 Bill Haley & His Comets: »Rock Around The Clock«, 1955
Schellackplatte, Bill Haley & His Comets: »Rock Around The Clock«, 1955

Hervorheben möchte ich als Alternative eines meiner Lieblingslieder für das Jahr 1955 »The Great Pretender« von den »Platters«. Die Gruppe hatte in den 1950er Jahren neben dem Pretender mit weiteren balladenhaften Songs wie «Only You« und »Smoke Gets in Your Eyes« große Erfolge. In Deutschland dagegen war das Hula Hawaiian Quartett mit dem Schlager «Jim, Jonny & Jonas« beliebt. Sie führten im Januar und Februar 1955 die deutsche Hitparade an. Heute ist der Song nicht mehr zu ertragen.

Songtext – Bill Haley & His Comets: »Rock Around The Clock«

One, two, three o’clock, four o’clock, rock
Five, six, seven o’clock, eight o’clock, rock
Nine, ten, eleven o’clock, twelve o’clock, rock
We’re gonna rock around the clock tonight

Put your glad rags on, join me hon‘
We’ll have some fun when the clock strikes one

We’re gonna rock around the clock tonight
We’re gonna rock, rock, rock, ‚til broad daylight
We’re gonna rock, we’re gonna rock around the clock tonight

When the clock strikes two, three and four
If the band slows down we’ll yell for more

We’re gonna rock around the clock tonight
We’re gonna rock, rock, rock, ‚til broad daylight
We’re gonna rock around the clock tonight

When the chimes ring five, six and seven
We’ll be right in seventh heaven

We’re gonna rock around the clock tonight
We’re gonna rock, rock, rock, ‚til broad daylight
We’re gonna rock, we’re gonna rock around the clock tonight

Oh, when it’s eight, nine, ten, eleven too
I’ll be goin‘ strong and so will you

We’re gonna rock around the clock tonight
We’re gonna rock, rock, rock, ‚til broad daylight
We’re gonna rock, we’re gonna rock around the clock tonight

When the clock strikes twelve we’ll cool off then
Start rockin‘ ‚round the clock again

We’re gonna rock around the clock tonight
We’re gonna rock, rock, rock, ‚til broad daylight
We’re gonna rock, we’re gonna rock around the clock tonight

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1954 – Elvis Presley: »That’s All Right (Mama)«.

Die Zeit rast, aber auf dem Hängeboden harrt sie aus – der SIEMENS Plattenwechsler PW3.

Das Stück »That’s All Right« ist ein von Arthur Crudup geschriebenes Lied und wurde 1946 als Single veröffentlicht. Der Erfolg kam aber erst durch die von Elvis Presley (*1935, †1977) interpretierte Version im Jahr 1954. Elvis stand 1954 am Anfang seiner Karriere. Wegen seiner Erfolge und Ausstrahlung wurde er auch als »King« tituliert. Angeblich hat er mehr als eine Milliarde Tonträger verkauft und ist damit der erfolgreichste Solo-Künstler weltweit. Für Aufsehen sorgte er durch seine körperbetonten Bühnenauftritte – »Elvis the Pelvis«. Zu der damaligen Zeit fanden Erwachsene diese Art der Darstellung provozierend, wenn nicht noch schlimmer.

1954 – Elvis Presley: »That's All Right (Mama)«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler
1954 – Elvis Presley: »That’s All Right (Mama)«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler

Wir Menschen vergessen viel, aber das Vergessene wartet geduldig auf seine Wiederentdeckung und es ist ein schöner Zufall, wenn man es dann findet. Und das war hier der Fall: Ich entdeckte den SIEMENS Plattenwechsler PW3, den mein Vater Mitte der 1950er Jahre erworben hat. Für den Einbauspieler hatte er extra einen Schrank mit Lade gebaut. Die Grundplatte mit dem Plattenwechsler habe ich vierzig Jahre später von Westfalen nach Berlin gerettet und eingelagert, einschließlich der Schellackplatten. Ein Hängeboden kann eine Zeitkapsel sein: Die Zeit rast, aber verstaubt harrte sie hier aus und gleichzeitig erinnert sie auch an die Proust’sche Madeleine.

Es vergingen noch einmal dreißig Jahre, bis ich die Schönheit der technischen Anlage erkannte. Den Plattenspieler habe ich komplett gesäubert und restauriert. Natürlich hat der Zahn der Zeit am Gerät genagt, insbesondere der aus Spritzguss bestehende und lackierte Tonarm ist leicht korrodiert, dafür sehen die verchromten Teile, der Plattenteller und die beiden Türme mit dem Abwurfmechanismus, nach dem Polieren wie neu aus. Das Gerät war auf der ehemaligen Grundplatte des Plattenschrankes aufgebaut, auf deren Unterseite die Schaltmechanik und der Antriebsmotor untergebracht waren.

»SIEMENS Plattenwechsler PW3«, 1955, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
»SIEMENS Plattenwechsler PW3«, 1955, Foto © Friedhelm Denkeler 2020

Der SIEMENS Plattenwechsler PW3 spielte automatisch in beliebiger Reihenfolge acht bis zwölf Normalschallplatten mit 78 UPM und Langspielplatten mit 33 und 45 UPM in beliebiger Reihenfolge von 25 oder 30 cm Durchmesser ab. Nach der automatischen Plattengrößenabtastung, fuhr auf jeder der beiden Säulen ein ›Messer‹ zwischen der abzuwerfenden Platte und dem restlichen Stapel heraus und ließ die entsprechende Platte auf den Plattenteller fallen.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Meine Großeltern zogen Mitte der 1950er Jahre vom Kronspon in Varl Nr. 6 nach Twiehausen Nr. 37. Während eines Festes in Twiehausen bugsierte mein Vater seine Truhe mit dem Plattenspieler auf dem Fahrrad (sic!) von Varlheide nach Twiehausen. Das hatte wohl zwei Gründe, zum einen fehlte die Musik zum Tanz, zum anderen gab es auf dem Fest eine Anneliese und Ewald wollte unbedingt den Song von Hans Arno Simon »Anneliese« spielen. Die alte Original-Schelllack-Schallplatte von Electrola, gedacht für einen Plattenspieler mit 78 Umdrehungen pro Minute, befindet sich glücklicherweise auch in meinem Archiv.

»SIEMENS Plattenwechsler PW3«, 1955, Foto ©»SIEMENS Plattenwechsler PW3«, 1955, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
»SIEMENS Plattenwechsler PW3«, 1955, Foto © Friedhelm Denkeler 2020

Songtext: Elvis Presley: »That’s All Right (Mama)«

Well, that’s all right now mama
That’s all right with you
That’s all right now mama, just anyway you do
That’s all right, that’s all right
That’s all right now mama, anyway you do

Well mama, she done told me, papa done told me too
„Son, that gal you’re foolin‘ with
She ain’t no good for you“
But that’s all right now, that’s all right
That’s all right now mama, anyway you do

I’m leaving town, baby
I’m leaving town for sure
Well, then you won’t be bothered with me hanging ‚round your door
Well, that’s all right, that’s all right
That’s all right now mama, anyway you do

Ah dala dee dee deelee
Dee dee deelee
Dee dee deelee, I need your lovin‘
That’s all right,
That’s all right now mama, anyway you do

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1953 – Al Martino: »Here in my Heart«.

Das Pferdehalfter war der Boxen-Schlager des Monats Dezember.

Der US-amerikanische Sänger Al Martino (*1927, †2009) hatte seine größten Erfolge Anfang der 1950er bis Mitte der 1970er Jahre; hauptsächlich kenne ich seine Songs »Here in my Heart« (1953), »Spanish Eyes« (1965) und »Volare« (1975). Als Schauspieler wurde er auch in seiner Rolle als Johnny Fontane in Francis Ford Coppolas »Der Pate« (1972) bekannt.

Martinos erste Single »Here in my Heart« wurde zu einem Welterfolg und er kam bei der großen Plattenfirma »Capitol Records« unter. Nun wurde die amerikanische Cosa Nostra auf ihn aufmerksam; er musste sich für 75.000 Dollar freikaufen. Daraufhin zog er für sieben Jahre nach England und seine amerikanische Karriere kam ins Stocken. Mit der Komposition »Spanish Eyes« von Bert Kaempfert gab es dann einen neuen Welterfolg; er wurde zum Evergreen.

Al Martino: »Here in my Heart«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler
Al Martino: »Here in my Heart«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler

Die Zeitschrift »Der Automaten-Markt« machte in ihrer ersten Ausgabe im Dezember 1953 mit der Schlagzeile »Das Pferdehalfter war der Boxen-Schlager des Monats Dezember« auf. Gemeint war das Lied »Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand« von der Band »Kilima Hawaiians«. Damit wurde es zum ersten Nummer-eins-Hit der deutschen Musikcharts.

Ermittelt wurde damals, wie oft ein Titel in den aufgestellten Musikboxen (Jukeboxen) in Deutschland gespielt wurde. Der Automaten-Markt war bis Mitte 1959 die einzige Organisation, die solche Charts aufstellte. Danach übernahm die Fachzeitschrift der Musikwirtschaft, der »Musikmarkt«, bis Mitte 2016 die Aufstellung der deutschen Hitparade. Die Bedingungen zur Ermittlung wurden, entsprechend der Marktentwicklung, während dieser Zeit oft angepasst.

Die niederländische Band »Kilima Hawaiians« nahm in den ersten Nachkriegsjahren Hawaii- und Westernlieder auf und traf damit die aktuelle Stimmungslage; so habe auch ich den Song im Gedächtnis behalten. Von dem Westernsong wurde über eine Million Singles verkauft und erhielt ein Jahr später die Goldene Schallplatte. Es erschien dann noch eine Satireversion von den Peheiros »Es hängt ein Autoreifen an der Wand«, die Platz vier (sic!) der Charts erreichte.

Sontexte: Al Martino: »Here in my Heart« /
Kilima Hawaiians »Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand

Here in my heart I’m alone, I’m so lonely
Here in my heart I just yearn for you only
Here in my arms I long to hold you
Hold you so near, ever close to my heart
So, darling

Say that you care, take these arms I give gladly
Surely you know I need your love so badly
Here is my heart, my life, and my all, dear
Please be mine and stay here in my heart

Say that you care, take these arms I give gladly
Surely you know I need your love so badly
Here is my heart, my life, and my all, dear
Please be mine and stay here in my heart

Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand
und ein Sattel liegt gleich nebenan.
Fragt ihr mich, warum ich traurig bin
schau ich nur zum Pferdehalfter hin.

Ich sah das Eisen, das ich einst ihm schlug.
Es ist das Eisen, das mein Pony trug.
Das Zaumzeug rostet jetzt im Stall,
doch mein Pony seh‘ ich überall.

Es war mein Feund, ich habe niemals einen Menschen so verehrt.
Nur ich allein kenn den Wert.
Ich sprach zu ihm, wie man nur zu einem guten Freunde spricht,
deinen Platz in meinem Herz verlierst du nicht.

Kilima Hawaiians: »Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand«, Quelle: Wikipedia
Kilima Hawaiians: »Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand«, Quelle: Wikipedia

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1952 – Rudi Schuricke: »Florentinische Nächte«.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

Im Jahr 1952 gab es bei uns zu Hause keinen Plattenspieler, ein Fernsehgerät sowieso nicht und wann das erste Radio zum Haushalt gehörte ist nicht überliefert. Das Lied »Florentinische Nächte« steht für mich jedenfalls als echter Schlager für die 1950er Jahre. Auch heute noch mag ich diesen Song mit der tollen Stimme von Rudi Schuricke und der melancholische gedämpften Freude nach dem überstandenen Krieg. Es ist eine angenehme Erinnerung an meine Kindheit. Die weiteren Schlager »Capri-Fischer« und »O mia bella Napoli» von Rudi Schuricke (*1913, †1973) aus den 1950er Jahren sind mir ebenfalls in Erinnerung geblieben.

Viele Gegenstände aus der Kindheit (aber auch spätere) sind heute nicht mehr vorhanden. Dadurch kann man die Erinnerung an sie auch nicht so einfach abrufen und deshalb ist es schade, dass hauptsächlich nur im Urlaub, bei Festen und in der Natur fotografiert wurde. Wer hat schon in seinem Fundus Fotos von seiner Kindheitswohnung, von Spielzeugen oder den Schulbüchern. Das habe auch ich schmerzlich bei der Zusammenstellung der Photographien für meine neunteilige Serie »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern» vermisst.

»Rudi Schuricke in den 1950er Jahren« ### »Selbst vor einer Baustelle», 1950, Archiv © Friedhelm Denkeler
»Rudi Schuricke in den 1950er Jahren« ### »Selbst vor einer Baustelle», 1950, Archiv © Friedhelm Denkeler

In diesem Zusammenhang spielt auch die Musik eine große Rolle. Meine Zusammenstellung »Siebzig Jahre – Siebzig Songs« der Jahre 1946 bis 2016 steht für individuelle Lebenserinnerungen. Musikstücke, die mit persönlichen Erinnerungen besetzt sind, haben eine ähnliche Bedeutung als wie Marcel Prousts »Madeleine«, das berühmte, in Tee getauchte Gebäckstück aus »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«. Bei der Musik ist es heutzutage relativ einfach, die entsprechenden Songs anzuhören, wenn die Schallplatten oder Musikbänder nicht mehr da sind, denn auf YouTube findet man praktisch alles.

Natürlich stehen auch persönliche Erinnerungen ohne äußere Anlässe zur Verfügung. 1952 wohnten wir im ersten Stock in Varl 2004 in Westfalen, die sehr hohe, steile Treppe im Flur war mit einem Kindergatter geschützt. Der Flurbereich war unser bevorzugter Spielplatz, so kam, wie es kommen musste, ich öffnete das Gatter und spielte auf den Treppenstufen. Diese Aktion blieb mir in Erinnerung, denn die Narbe am rechten Auge ist heute noch zu sehen.

Songtext 1952 – Rudi Schuricke: »Florentinische Nächte«  

Florentinische Nächte,
ihr bleibt mir im Gedächtnis
als das große Vermächtnis
einer Reise ins Glück.
Ein poetischer Tango,
den ein Mädel gesungen,
ist mir damals erklungenals die schönste Musik.Und ich frug, wer sie ist
Rafaela hieß sie;
und sie hat mich geküßt,
ich vergesse sie nie.
Florentinische Nächte,
du Italia bella,
und auch du, Rafaela,
komm‘ noch einmal zurück!

Ich seh‘ im Geist die Schenke vor mir,
hör‘ den Gesang bei offener Tür,
und trete ein und du singst tief dich in mein Herz hinein.

Ich küss‘ im Geist dein nachtschwarzes Haar,
und deiner Augen trauriges Paar,
und durch die Adern strömt mein Blut
wie schwerer roter Wein.
Florentinische Nächte,
ihr bleibt mir im Gedächtnis
als das große Vermächtnis einer Reise ins Glück.
Ein poetischer Tango,
den ein Mädel gesungen,
ist mir damals erklungen
als die schönste Musik.
Und ich frug wer sie ist:
Rafaela hieß sie
und sie hat mich geküßt,
ich vergesse sie nie
Florentinische Nächte, du Italia bella,
und auch du Rafaela
komm‘ noch einmal zurück!
O komm‘ zurück! O komm‘ zurück!

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1951 – Jackie Brenston and his Delta Cats: »Rocket 88«.

»Rocket 88« – eine der ersten Rock ’n’ Roll-Aufnahmen.

»Plakate zum Konzert von Jackie Brenston«
»Plakate zum Konzert von Jackie Brenston«, Foto/ Collage © Denkeler 2016

Der US-amerikanische Rhythm-and-Blues-Musiker Jackie Brenston (*1927, †1979) hatte nur einen einzigen Hit »Rocket 88«, dafür gilt dieser als eine der ersten Rock’n’Roll-Aufnahmen. Die Band trat zunächst als Ike Turner und Kings of Rhythm auf. Der Text des Liedes und die Komposition stammen aber von Jackie Brenston.

Der Song handelt von Mädchen, Alkohol und Autos. Dabei diente Brenston der »Cadillac Boogie« von Jimmy Liggins als Vorbild. Er ersetzte den Cadillac, einen Wagen der Oberklasse, durch den Oldsmobile 88, ein kurz zuvor neu vorgestelltes, sportliches Fahrzeug mit Achtzylindermotor, das in der Werbung den Beinamen »Rocket« erhalten hatte. Brenston bestätigte später ausdrücklich, er habe den Cadillac Boogie kopiert.

Hörenswert ist Ike Turners Piano-Intro, das Jahre später Little Richard unverändert in »Good Golly Miss Molly« übernommen hat. Erwähnenswert ist auch der verzerrte Klang der Gitarre, der hier zum erstmal verwendet wurde. Er war durch Zufall durch den schadhaften Gitarrenverstärker entstanden. Der ungewöhnliche Klang wurde später künstlich mit der Fuzzbox erzeugt.


Im Film »Nowhere Boy«, 2009, ein Film über John Lennons Jugendjahre, wächst Lennon bei Mimi, der Schwester seiner Mutter auf. Eines Tages trifft John jedoch seine Mutter Julia. Diese lebenslustige Frau führt John in die aufregende Welt des Rock ’n‘ Roll ein. Bei einem Ausflug nach Blackpool tanzt er mit ihr vor einer Musikbox nach »Rocket 88« von Jackie Brenston.

1951 – Jackie Bengston: »Rocket 88« 
(Unten: Aufnahmeort von Rocket “88” in Memphis, Tennessee, bekannt als “Sun Studios”), Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler
1951 – Jackie Bengston: »Rocket 88« 
(Unten: Aufnahmeort von Rocket “88” in Memphis, Tennessee, bekannt als “Sun Studios”), Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler

Songtext »Jackie Brenston and his Delta Cats: »Rocket 88«

You woman have heard of jalopies
You heard the noise they make
Let me introduce you to my Rocket ’88
Yes, it’s great, just won’t wait
Everybody likes my Rocket ’88
Baby, we’ll will ride in style movin‘ all along

V-8 motor and this modern design
Black convertible top and the girls don’t mind
Sportin‘ with me, ridin‘ all around town for joy
Blow your horn, rocket, blow your horn

Step in my rocket and don’t be late
We’re pullin‘ out about a half past eight
Goin‘ on the corner and havin‘ some fun
Takin‘ my rocket on a long, hot run
Ooh, goin‘ out, oozin‘ and cruisin‘ and havin‘ fun

Now that you’ve ridden in my Rocket ’88
I’ll be around every night about eight
You know it’s great, don’t be late
Everybody likes my Rocket ’88
Girls will ride in style, movin‘ all along

Werbeanzeige Oldsmobile »Rocket 88«, Quelle: Internet
Werbeanzeige Oldsmobile »Rocket 88«, Quelle: Internet

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1950 – Anton Karas: »Harry-Lime-Thema«.

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«.

Instrumentals der frühen Rockgeschichte – vom »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«
, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 2016
Instrumentals der frühen Rockgeschichte – vom »The Third Man Theme« zum «Egyptian Reggae«
, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler 2016

Bei meiner Recherche zum Portfolio »Siebzig Jahre – Siebzig Songs« stieß ich auch auf Instrumentals der Pop- und Rockgeschichte aus den späten 1950er und den frühen 1960er Jahren. Sie alle sind akustisch seit meiner Jugend fest im Gehör verankert. Beim heutigen Wiederhören, nach siebzig Jahren, lösen Stücke wie »Sail along Silv’ry Moon« von Billy Vaughn, »Red River Rock« von Johnny & The Hurricanes, »Mexico« von Bob Moore oder »Amapola« von den The Spotnicks einen wohligen Schauer aus.

Damals gehörten Instrumentals zum Hitparadenbild, blieben aber trotzdem die Ausnahme. Anfang der 1950er Jahre überwogen noch instrumentale Coverversionen von Vokalaufnahmen wie »Oh, mein Papa« von Eddie Calvert. Zu den Instrumentalstücken kann man auch Filmmusiken wie »Harry-Lime-Thema« von Anton Karas oder »Spiel mir das Lied vom Tod« von Ennio Morricone zählen. Aber auch in den 1970er Jahren gab es bekannte Instrumentals, wie »Albatross« von Fleetwood Mac oder «Egyptian Reggae« von Jonathan Rickman & Modern Lovers.

In westlichen Ländern entfällt im Pop- und Rockbereich nur etwa 1% aller veröffentlichten Titel auf Instrumentalmusik. Die Instrumentals müssen, um ein Hit zu werden, eine markante Instrumentation oder auffällige Rhythmik aufweisen. Um den Nachteil der fehlenden (nachsingbaren) Texte auszugleichen, ist es von Vorteil wenn sie sich zum »Ohrwurm« entwickeln; einige wurden zu Millionenseller. Aus dem Zeitraum 1950 bis 1977 habe ich 24 Instrumentalstücke herausgesucht (siehe unten), einige werde ich hier vorstellen.

1950 – Anton Karas: »Harry-Lime-Thema«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler
1950 – Anton Karas: »Harry-Lime-Thema«, Foto/Collage © Friedhelm Denkeler

Der britische Film »Der dritte Mann« (Original: »The Third Man«) von Carol Reed wurde nach einem Drehbuch von Graham Greene gedreht. Die Hauptfigur in dem in schwarzweiß gedrehten Film ist der amerikanische Autor Holly Martins (Joseph Cotten). Wegen eines Jobangebotes seines Freundes Harry Lime (Orson Welles) reist er in das Wien der Nachkriegszeit und wird dort in kriminelle Machenschaften hineingezogen.

Das auf der Zither gespielte »Harry-Lime-Thema« von Anton Karas, die expressionistischen Kameraperspektiven, Orson Welles’ viel zitierte »Kuckucksuhr-Rede« und die finale Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation machten den Film bekannt. Übrigens wurde der komplette Film mit Karas‘ Musik vertont. Ab Januar 1950 wurde der deutsch synchronisierte Film auch in Westdeutschland aufgeführt.

Während der Dreharbeiten sprach Orson Welles als Harry Lime improvisiert die Sätze »In den 30 Jahren unter den Borgias hat’s nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut. Aber dafür gab’s Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, 500 Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!» Diese »Kuckucksuhr-Rede« ging in die Filmgeschichte ein. Übrigens, die Schweizer haben niemals irgendwelche Kuckucksuhren hergestellt, sie kamen alle aus dem Schwarzwald.

  • Anton Karas: »The Third Man Theme« (1950)
  • Eddie Calvert: »Oh, mein Papa« (1954)
  • Pérez Prado: »Cherry Pink And Apple Blossom White« (1955)
  • Bill Justis: »Raunchy« (1957)
  • Mitch Miller: »March from the River Kwai (Colonel Bogey)« (1957)
  • Duane Eddy: »Rebel Rouser« (1958)
  • Billy Vaughn: »Sail along Silv’ry Moon« (1958)
  • Johnny & The Hurricanes: »Red River Rock«, (1959
  • The Shadows: »Apache« (1960)
  • The Ventures: »Walk Don’t Run« (1960)
  • Bob Moore: »Mexico« (1961)
  • Billy Vaughn: »Wheels«, (1961)
  • Booker T. & the M.G.’s: »Green Onions« (1962)
  • Tornados: »Telstar« (1962)
  • The Spotnicks: »Amapola« (1963)
  • Horst Jankowski: »A Walk in the Black Forest« (1965)
  • Nini Rosso: »Il Silenzio« (1965)
  • Marcello Minerbi: »Zorba’s Dance« (1965)
  • Remo Four: »Peter Gun« (1966)
  • Fleetwood Mac: »Albatross« (1968)
  • Hugo Montenegro: »The Good the Bad And the Ugly« (1968)
  • Ennio Morricone: »Spiel mir das Lied vom Tod« (1968)
  • Eumir Deodato: »Also sprach Zarathustra« (1973),
  • Jonathan Rickman & Modern Lovers: »Egyptian Reggae« (1977)

Anmerkung zur Kategorie »Rock-Archiv»

Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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1949 – Fats Domino: »The Fat Man«

Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt …

Fats Domino wurde von einem Trompeter des Duke Ellington-Orchesters in einem Club in New Orleans entdeckt, der ihm seine erste Plattenaufnahme »The Fat Man« verschaffte. Der Song entwickelte sich mit den Jahren zu einem ersten Millionenseller im Rhythm & Blues. Der Titel war selbstironisch zu verstehen, denn der Dicke brachte schon damals ein erhebliches Übergewicht auf die Bühne. Es war der Beginn einer mehr als zehnjährigen Plattenkarriere und eine der Gründungssingles des Rock’n’Roll. Weitere Songs von ihm sind zu benennen: Blueberry Hill, I’m Walkin’, Aint That A Shame, Walking to New Orleans, My Girl Josephine und Jambalaya (on the Bayou).

Domino, der sein Klavier im Boogie-Stil spielte, gehörte mit Little Richard und Chuck Berry zu den einflussreichsten Musikern der Frühphase des Rock’n’Roll. Er hat eine lange Liste von Musikern geprägt. Der Song »Lady Madonna« von den Beatles war eine Hommage an das Klavierspiel Dominos. Der fühlte sich so geehrt, dass er es gleich in sein Repertoire aufnahm.

1949 – Fats Domino: »The Fat Man«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler
1949 – Fats Domino: »The Fat Man«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler

Antoine ›Fats‹ Domino Jr. wurde 1928 als eines von acht Geschwistern geboren. Die Domino-Familie hatte einen französisch-kreolischen Hintergrund; das erklärt auch die Zeile »Watchin‘ all these creole gals« in »The Fat Man«.

1986 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen; 2003 in die Blues Hall of Fame. Der Rolling Stone nahm ihn in seine Liste der 100 größten Künstler aller Zeiten auf. Außerdem verlieh ihm US-Präsident Bill Clinton 1998 die National Medal of Arts, die bedeutendste Künstlerauszeichnung, die der amerikanische Kongress verleiht. Für sein Lebenswerk wurde er mit einem Grammy ausgezeichnet. Domino starb im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in seiner Heimatstadt New Orleans.

Als Kontrastprogramm zu Fats Domino erinnere ich mich für das Jahr 1949 an den Song »Capri Fischer« von Rudi Schuricke. Der deutsche Komponist Gerhard Winkler schrieb das Lied bereits 1943; der Text stammt von Ralph Maria Siegel, dem Vater des Komponisten Ralph Siegel. Rudi Schuricke sang das Lied 1943 bei Polydor auf Schallplatte ein. Kurz danach wurde die Wiedergabe des Stücks im Rundfunk verboten, da die US-Armee 1943 bereits auf Capri gelandet war. So richtig bekannt wurde das Lied erst mit den Wirtschaftswunder-Jahren.

Das Lied steht exemplarisch für die deutsche Italiensehnsucht. Viele Westdeutsche konnten nach dem Krieg erstmals Urlaub am Mittelmeer machen. Das Lied beginnt mit dem Bild der bei Capri im Meer versinkenden Sonne; auf einer Insel, die als das exotische Paradies auf Erden erscheint. Schlager wie dieser, während des Krieges geschrieben, versuchten dem entbehrungsreichen Leben, Ausblick auf eine angenehme Zukunft entgegen zu setzen. Spätere deutsche Schlager griffen das Sehnsuchtsmotiv gerne wieder auf und ein eigenes Genre entstand. Das ursprüngliche Lied aber wurde ein Evergreen und gehört bis heute zum festen Repertoire vieler Künstler.

»Fats Domino im Jahr 1962», Quelle: Wikipedia

Songtext – Fats Domino: »The Fat Man«

They call, they call me the fat man
‚Cause I weight two hundred pounds
All the girls they love me
‚Cause I know my way around

I was standin‘, I was standin‘ on the corner
Of Rampart and Canal
I was watchin‘, watchin‘
Watchin‘ all these creole gals

Wah wah wah, wah wah
Wah wah waah, wah wah wah
Wah wah waah, wah wah wah
Wah wah wah
Wah waah wah

I’m goin‘, I’m goin‘ goin‘ away
And I’m goin‘, goin‘ to stay
‚Cause women and a bad life
They’re carrying this soul away

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1948 – Edith Piaf: »La Vie En Rose«.

Der 1,50 Meter große Spatz von Paris wurde nur 47 Jahre alt, aber weltberühmt.

Edith Piaf (*1915, †1963) hat in der Anfangszeit ihrer Karriere ausschließlich Fremd-Kompositionen gesungen. Mitte der 1940er Jahre kam sie auf die Idee, selbst ein Lied zu schreiben; ihre Pianistin und Arrangeurin und andere Kollegen reagierten skeptisch. Piafs Freundin und später das Live-Publikum waren von »La Vie En Rose« aber überzeugt. Der Text beschreibt die klischeehafte Verherrlichung der Gefühle einer verliebten Person durch ihre rosarote Brille. 1948 erschien die Single »La Vie En Rose« in Frankreich und ein Siegeszug um die ganze Welt begann.

Das Chanson wurde in mindestens zwölf Sprachen übersetzt. Insgesamt gab es allein 28 Versionen auf Deutsch, darunter von Lale Andersen, Nana Mouskouri und Marlene Dietrich. In über 32 Kinofilmen wird der Titel verwendet, so in Oliver Stones »Natural Born Killers« oder in Spielbergs »Soldat James Ryan«. 1977 erfand eine andere Diva den Song noch einmal neu: Grace Jones spielte eine Disco-Version ein und 2018 versuchte sich Lady Gaga an dem Titel. 2007 wurde der Film »La vie en rose« mit Marion Cotillard als Piaf auf den Filmfestspielen Berlin gezeigt.

1948 – Edith Piaf: »La Vie En Rose«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler
1948 – Edith Piaf: »La Vie En Rose«, Fotos & Collage © Friedhelm Denkeler

Millionen von Menschen lagen Piaf zu Füßen, freuten sich, wenn sie glücklich war und bangten mit ihr wenn das Schicksal wieder einmal zuschlug. Vom Alkohol kam sie schließlich los, aber das viele Morphium verkraftete ihr Körper wohl nicht. Das Chanson »Non, Je Ne Regrette Rien« war ihr Lebensmotto: Nein, ich bereue nichts.    

Piaf nahm neben den oben erwähnten, über 200 Songs auf Schallplatte auf. In Deutschland war ihr bekanntestes, das 1959 entstandene Stück »Milord«, das von ihrem Freund Georges Moustaki getextet wurde. »Hinter dieser Stirn eines Bonapartes und unter dieser äußerlich so zerbrechlichen Hülle verbirgt sich ein Wunder. Eine gewaltige Stimme und eine emotionale Kraft, die weiter wirken, wenn sie nicht mehr unter den Lebenden weilt«, diese Worte hat Jean Cocteau noch zu Lebzeiten über Edith Piaf verfasst.

Single Edith Piaf »La Vie en rose«, 1948, Foto © Friedhelm Denkeler
Single Edith Piaf »La Vie en rose«, 1948, Foto © Friedhelm Denkeler

1948 – Edith Piaf: »La Vie En Rose«

Des yeux qui font baisser les miens,
Un rire qui se perd sur sa bouche,
Voilà le portrait sans retouche
De l’homme auquel j’appartiens

Quand il me prend dans ses bras
Il me parle tout bas,
Je vois la vie en rose.

Il me dit des mots d’amour,
Des mots de tous les jours,
Et ça me fait quelque chose.

Il est entré dans mon cœur
Une part de bonheur
Dont je connais la cause.

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1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«.

T-Bone Walker – der Pionier des Jump und des Electric Blues.

Die Melodie eines Songs ist mir aus der Kindheit immer mal wieder in Erinnerung gekommen; ich konnte sie aber nie zuordnen. Nun hat es geklappt! In der amerikanischen Hitparade »The Billboard« vom Oktober 1947 bin ich fündig geworden. Der Song »Near You« von Francis Craig and his Orchester stand hier auf Platz 1 und war 1947 die meistverkaufte Platte in den USA. 17 Wochen hintereinander stand er auf dem ersten Platz und gehört seitdem zum Standard der US-Popmusik. Demnach dürfte er Ende der 40er/ Anfang der 50er Jahre auch in Deutschland im Radio zu hören gewesen sein.

In dem Song geht es um nichts anderes, als den Rest des Lebens in unmittelbarer Nähe der Geliebten zu verbringen – und das in verschiedenen Variationen. Auf der A-Seite der Single war allerdings Craigs Erkennungsmelodie »Red Rose« zu hören; die Radiostationen spielten aber auf Wunsch der jugendlichen Hörer hauptsächlich die B-Seite mit «Near You«. Im ersten Teil des Songs spielt Craig die Melodie auf dem Klavier, erst im Mittelteil singt der blinde Bob Lamm, der Trompeter der Band, das Stück »Near You« und zum Schluss gibt es wieder das Klaviersolo von Craig aus dem ersten Teil.

Eigentlich sollte diese Single Francis Craigs (*1900, †1966) Abschiedsgeschenk an die Fans werden, denn er spielte mit seiner Bigband 21 Jahre als Hausband in einem Hotel in Nashville. Ihre Auftritte wurden landesweit vom Radiosender NBC übertragen. Nach dem sagenhaften Erfolg ging Craigs Karriere noch weiter. Das verdiente Geld investierte er in das erste Schallplatten-Presswerk in Nashville. Neben dem Nummer-eins-Hit war dies die Grundlage für den Aufstieg Nashvilles zur Musikmetropole.

Das Billboard-Magazin ist das bedeutendste Fach- und Branchenblatt für Musik und Entertainment in den USA. Es ermittelt und veröffentlicht die offiziellen Verkaufscharts für Singles (The Billboard Hot 100) und Musik-Alben (The Billboard 200), sowie diverse andere Hitlisten. Die erste Hitparade erschien im Blatt 1936. Heute werden die Platzierungen in einem komplizierten Verfahren ermittelt, welches CD-Verkäufe, bezahlte Downloads und Abspielungen im Radio und TV berücksichtigt (siehe kleines Dreier-Bild)

1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«, Foto & Collage © Friedhelm Denkeler
1947 – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«, Foto & Collage © Friedhelm Denkeler

Meine heimliche Nr. 1 für 1947 ist eher der »Bobby Sox Blues« von T-Bone Walker (*28.05.1910 , †16.03.1975), der als einflussreicher Pionier im Bereich des Jump/Electric Blues gilt. Hier sprach man noch nicht von Rock-Musik, sondern es ist ein Stück aus den Anfängen des Blues, ein überaus gemütlicher und ausgefallener Song. Walker trat als Sänger, Gitarrist und Songwriter auf. Außergewöhnlich waren seine artistischen Bühneneinlagen; er spielte Gitarre auf den Knien und hinter seinem Rücken und Jahre vor Jimi Hendrix auch mit den Zähnen.

Trotz seiner Erfolge konnte Walker zu dieser Zeit nie das Teenager-Publikum erreichen, wie beispielsweise Chuck Berry oder Fats Domino. In Deutschland wurde Aaron Thibeaux ›T-Bone‹ Walker bekannt, als er in den 1960er Jahren auf den vom Konzertveranstalter Horst Lippmann organisierten »American Folk Blues Festivals« auftrat. 2003 wurde er von der »Rolling Stone» auf Platz 47 der Liste der »100 größten Gitarristen aller Zeiten« geführt. 1980 wurde er posthum in die »Blues Hall of Fame« und 1987 in die »Rock and Roll Hall of Fame« aufgenommen.

Songtext – T-Bone Walker: »Bobby Sox Blues«

Bobby Sox, baby, I’ve got to let you go
Bobby Sox, baby, I’ve got to let you go
You’ve got a head full of nothin‘
But stage, screen and radio
You chase autographs every night
You write fan mail through the day
You keep your great big head in the scrapbook
Yes, and you throw the cookbook away

Songtext – Francis Craig: »Near You«

There’s just one place for me, near you
It’s like heaven to be, near you
Times when we’re apart
I can’t face my heart
Say you’ll never stray
More than just two lips away

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1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«.

Der Jump-Blues-Song »Caldonia« von Louis Jordan.

Mein Rock-Archiv beginnt im Jahr 1946. Es war nicht einfach, aus diesem Jahr einen Song zu finden, denn die Geschichte des Rock ’n‘ Roll und damit der Rockmusik begann erst einige Jahre später. Aber es gibt den Blues, der viele Rockmusiker inspirierte und zu Cover-Versionen animierte. Und welcher Titel ist dazu besser geeignet als »(Get Your Kicks On) Route 66« vom »Nat King Cole Trio« aus dem Jahr 1946 und die Cover-Versionen von Chuck Berry, den Rolling Stones, Depeche Mode und Them. Ich mache daher Zeitsprünge von 1946, über 1961 und 1964 bis in das Jahr 1987.

Hinter jedem guten Song sollte eine Geschichte stehen. Der Komponist von »Route 66« Robert William Troup Jr. hatte die Idee zu diesem Song 1946 auf einer langen Fahrt auf der Route 66 nach Los Angeles, wahrscheinlich in einem amerikanischen Straßenkreuzer. Der ab 1926 gebaute, ursprünglich 4000 Kilometer lange Highway, steht für den amerikanischen Mythos von Freiheit und Abenteuer.

Die Route 66 war eine der ersten durchgehend befestigten Straße von Ost nach West, von Chicago nach Santa Monica. Heute sind nur noch Teilstücke der ›Mother Road‹ vorhanden. Und wo eröffnete 1940 das erste McDonald’s – natürlich an der Route 66 in San Bernardino (Kalifornien). Auch der Film ›Easy Rider‹ spielte 1969 teilweise auf der damals schon legendären Strecke.

Der Rhythm & Blues-Song »Route 66« wurde am 15. März 1946 von Nat ›King‹ Cole aufgenommen und erreichte die US-R&B- und die Pop-Chart. Er wurde zum bekanntesten Song des Nat King Cole Trios. Ich habe ihn, soweit ich mich erinnere, erst 1961 durch Chuck Berry oder 1964 durch die Version von den Rolling Stones kennengelernt (vielleicht war es auch umgekehrt).

1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler
1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler

Charles Edward Anderson ›Chuck‹ Berry (*1926, †2017) kann man als Pionier des Rock ’n‘ Roll betrachten. Er war der Erfinder des Duck-Walk. Seine Version von »Route 66« stammt aus dem Jahr 1961. Vorbilder waren Nat King Cole und Muddy Waters. Mit »Maybellene« hatte er 1955 seinen ersten Hit in den Billboard Charts. Weitere bekannte Hits von Berry sind »Roll Over Beethoven« (1956), »Rock and Roll Music« (1957), »Sweet Little Sixteen« (1958), »Johnny B. Goode« (1958) und »My Ding-a-ling« (1972).

»Route 66« ist ebenfalls der erste Track auf dem ersten Studio-Album der Rolling Stones (britische Fassung) aus dem Jahr 1964. Im Song werden die folgenden Orte, in denen sich schon einige ›Kicks‹ ergeben würden, erwähnt: St. Louis (Missouri), Joplin (Missouri), Oklahoma City (Oklahoma), Amarillo (Texas), Gallup (New Mexico), Flagstaff (Arizona), Winona (Arizona), Kingman (Arizona), Barstow (Kalifornien) und San Bernardino (Kalifornien).

Logo der »Route 66«
Logo der »Route 66«

Die englische Band »Depeche Mode« wurde 1980 gegründet und hat seitdem dreizehn Studioalben aufgenommen und 52 Singles veröffentlicht. Sie wurde eine der erfolgreichsten Synthie-Pop-Bands der Welt und hat nicht nur bei den Metal-Fans Anhänger. Angeblich soll es über hundert Cover-Versionen von »Route 66« geben und damit wird das Lied zum meistgecoverten Roadsong. Zum Schluss möchte ich noch eine Version von Van Morrisson und seiner Band »Them« aus ihrem ersten Album »The Angry Young Them« aus dem Jahr 1965 erwähnen.

Für den Neubeginn Ende der 1940er Jahre steht heute für mich das wundervolle Video aus meinem Geburtsjahr 1946 mit dem Jump Blues Song »Caldonia« von Louis Jordan. Der Jump ist eine schnelle Spielart des Blues, die vor allem in den 1940er-Jahren in den USA populär war. Charakteristisch ist die von den Big Bands übernommene Instrumentierung mit Blechbläsern in einem treibenden Rhythmus.

Songtext – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«

Well if you ever plan to motor west
Just take my way it’s the highway that’s the best
Get your kicks on Route 66/ Well it winds from Chicago to L.A.
More than 2000 miles all the way/ Get your kicks on Route 66

Well it goes from St Louis, down to Missouri
Oklahoma city looks oh so pretty
You’ll see Amarillo and Gallup, New Mexico
Flagstaff, Arizona don’t forget Winona
Kingsman, Barstaw, San Bernadino
Would you get hip to this kindly trip/ And take that California trip
Get your kick on Route 66

It goes from St. Louis, down to Missouri
Oklahoma city looks oh so pretty
You’ll see Amarillo and Gallup, New Mexico
Flagstaff, Arizona don’t forget Winona
Kingsman, Barstaw, San Bernadino

Would you get hip to this kindly trip
Take that California trip/ Get your kicks on Route 66
Get your kicks on Route 66
And I’ll meet you on Route 62
Get your kicks on Route 66

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Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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1958 – Link Wray: »Rumble«

Eine Einladung zum Messerkampf  Wray was cool before cool was cool

»Aufruhr« (Eröffnungsszene aus »The Delicate Delinquent»), Foto © Friedhelm Denkeler 2017
»Aufruhr« (Eröffnungsszene aus »The Delicate Delinquent«), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Heute möchte ich in meiner kleinen Serie »Instrumentals der Rock-Popgeschichte« einen weiteren Song aus dem Jahr 1958 vorstellen: »Rumble« von Link Wray und seinen »Wray Men«. Es ist mit Sicherheit der einzige Instrumental-Song, der jemals von Radio-Stationen verbannt wurde, ohne Texte über Drogen oder Sex (sic!) zu beinhalten.

Der Titel allein, den man mit Aufruhr übersetzen kann, reichte aus, den Song nicht zu spielen, denn er »klang wie die Einladung zu einem Messerkampf« [Rolling Stone]. Um den rauen, verzerrten Klang herzustellen, soll Wray Löcher in den Lausprecher seines Gitarrenverstärkers geschlagen haben und verwandelte ihn damit in eine »Fuzzbox«, die es damals noch nicht gab.

Aus der heutigen Sicht ist das nicht mehr nachvollziehbar. Aber wenn man sich die Liveaufnahme aus San Francisco von 1974 anhört, wird die Angst der Radiomacher, dass Rumble tatsächlich eine Gewalttätigkeit anregen könnte, schon deutlicher. Ein Fan schreibt zum Live-Video »Wray was cool before cool was cool«.

Als Fred Lincoln ›Link‹ Wray im Jahr 2005 starb, spielten Bob Dylan und Bruce Springsteen ihm zur Ehre »Rumble» und Pete Townshend sagte, er hätte nie eine elektrische Gitarre gekauft, wenn es nicht Wrays »Rumble» gegeben hätte. 1958 erreichte der Song Platz 16 der »Billboard Hot 100«. Beim »Rolling Stone« landete der Song auf Platz 45 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. Er beeinflusste viele Band wie die Yardbirds oder The Who.

Dieser Beitrag gehört zur Serie »Instrumentals der frühen Rockgeschichte – von »The Third Man Theme« zum »Egyptian Reggae« (4). Zur Einführung dieser Serie siehe hier.

Link Wray: „Rumble“, 1958 (Audio), Link Wray: „Rumble“, 1974 (Live), Link Wray: „Rumble“, 1958 (Video). Im Video wird der Original-Song von 1958 passenderweise mit einem Ausschnitt aus dem Film: »The Delicate Delinquent« (Der Held von Brooklyn) von Don McGuire mit Jerry Lewis von 1957 unterlegt. Den ganzen Film finden Sie hier.

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