Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Neues auf meinen Websites

Hier erfahren Sie hauptsächlich, was sich auf meiner Website „Lichtbilder“ (vormals „Denkeler Photo“) verändert hat: einführende Artikel zu neu erstellten oder neu aufbereiten Serien und deren Photos, jeweils in einer Auswahl mit bis zu 30 Bildern oder anderes Erwähnenswertes. Und natürlich stelle ich Neuerungen und Entwicklungen in diesem Blog „Journal – Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst“ in einem Beitrag vor.

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Der Große Riese steigt aus dem Wasser

Berliner Künstlergruppe »momenta« in Cottbus (5)

»Die kleine Riesin und der Tiefseetaucher«,, Zweiter Tag »Die Wiedervereinigung«, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

»Die kleine Riesin und der Tiefseetaucher«,, Zweiter Tag »Die Wiedervereinigung«,
Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Anlässlich des 20-jährigen Mauerfall 2009 erzählte die französische Theatergruppe »Compagnie Royal De Luxe« auf den Straßen von Berlin das Einheitsmärchen »Die Riesen kommen – ein Märchen für Berlin«. Die ausführliche Story finden Sie hier: Zur Geschichte der Kleinen Riesin und des Tiefseetauchers.

www.momenta-Cottbus.de

Die kleine Riesin und der Tiefseetaucher

Berliner Künstlergruppe »momenta« in Cottbus (3)

»Die kleine Riesin und der Tiefseetaucher«, 2009, Zweiter Tag »Die Wiedervereinigung«, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

»Die kleine Riesin und der Tiefseetaucher«, 2009, Zweiter Tag »Die Wiedervereinigung«,
Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Zum 20-jährigen Mauerfall 2009 erzählte die französische Theatergruppe  Compagnie Royal De Luxe auf den Straßen von Berlin das Einheitsmärchen “Die Riesen kommen – ein Märchen für Berlin” mit der Geschichte vom Großen Riesen und seiner Nichte, der Kleinen Riesin, die sich nach langer Trennung am Brandenburger Tor wieder finden. Das Märchen wurde an drei Tagen erzählt:

Erster Tag: Auf der Suche

Die Kleine Riesin wacht vor dem Roten Rathaus auf und macht sich auf den Weg zum Bebelplatz. Nach dem Mittagsschlaf wandert sie zum Gendarmenmarkt, besteigt dort ihr Weltmeereboot und fährt zum Lustgarten. Hier übernachtet die Kleine Riesin.

Zweiter Tag: Die Wiedervereinigung

Der Große Riese steigt am Humboldthafen vormittags aus dem Wasser und geht Richtung Tiergarten, während die Kleine Riesin durch die Friedrichstraße spaziert. Am Nachmittag treffen sie sich nach langer Trennung am Tag der Deutschen Einheit am Brandenburger Tor wieder. Dort übernachten sie.

Dritter Tag: Die Glücksparade

Das vereinte Paar zieht in einer Glücksparade durch das Regierungsviertel bis zur Moltkebrücke. Der Große Riese und die Kleine Riesin besteigen an der Moltkebrücke ein Boot und fahren gemeinsam durch das Regierungsviertel in Richtung Museumsinsel davon.

momenta in Cottbus

Das Portfolio »Die kleine Riesin und der Tiefseetaucher« ist in der Ausstellung »momenta« vom 11. bis 27. April 2019 im Haus am Spremberger Turm, 03046 Cottbus, Spremberger Straße 19, zu sehen. Die Ausstellung ist am Donnerstag, Freitag und Samstag von 15 bis 19 geöffnet.

Portfollio »Die kleine Riesin und der Tiefseetaucher« in der »momenta« in Cottbus,
Foto © Horst Hinder 2019

Sonntagsausflug zur Burgruine Rahden 1966

Die Westfälische Mühlenstraße im Kreis Minden-Lübbecke in Westfalen (4)
Neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

»Sonntagsausflug zur Burgruine Rahden« Foto © Friedhelm Denkeler 1966

Die Gebäude des Museumshofs Rahden ergeben zusammen ein vollständig eingerichtetes Bauerngehöft, so wie es im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Die einzelnen Gebäude standen ursprünglich in Rahden verstreut und wurden zwischen 1962 und 1966 hier wieder aufgebaut. Gleich nebenan befindet sich die Burg Rahden, eine ehemalige Wasserburg; als Kinder bezeichneten wir sie nur als Burgruine. Ein Lichtbild stammt aus dem Jahr 1966 (Sonntagsausflug meiner Eltern) und zum Vergleich die Aufnahme 46 Jahre später. Im Winter 1878 brannte die Burg aus, übrig blieben von diesem Feuer nur die Reste der heutigen Ruine.

»Burgruine Rahden«, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

»Burgruine Rahden«, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Das gesamte Portfolio Wer zuerst kommt, mahlt zuerst aus dem Jahr 2012 besteht aus 140 Photographien; einbezogen habe ich auch Landschaftsaufnahmen aus der Umgebung der Mühlen und weitere Kulturdenkmale aus dem Mühlenkreis. Auf meiner Website Lichtbilder sind 25 Photographien zu sehen. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 166 Seiten im DIN A4-Querformat erschienen (2019). Lesen Sie auch den Einführungsartikel im »Journal« Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Aus der Eiszeit direkt nach Ost-Westfalen

Die Westfälische Mühlenstraße im Kreis Minden-Lübbecke in Westfalen (3)
Neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

»Der große Stein von Tonnenheide«, Foto © Friedhelm Denkeler 1985

»Der große Stein von Tonnenheide«, Foto © Friedhelm Denkeler 1985

Aus der Eiszeit direkt nach Ost-Westfalen, so könnte man den in der Nähe der „Windmühle Tonnenheide“ (Mühle Nr. 21) ruhenden zehn Meter langen, sieben Meter breiten, über drei Meter hohen und 350 Tonnen schweren „Großen Stein von Tonnenheide“ bezeichnen. Der Findling soll während der Eiszeit vor 200 000 Jahren seinen Weg von Schweden bis nach Ost-Westfalen geschafft haben. Dabei hat er „auf dem Rücken“ der Gletschermassen 750 Kilometer zurückgelegt, bis er in Tonnenheide „liegen geblieben“ ist. Der aus Biotit-Granit bestehende Stein entstand vor etwa einer Milliarde Jahren. Einen ausführlicheren Artikel zum Findling finden Sie hier im Journal.

Das gesamte Portfolio Wer zuerst kommt, mahlt zuerst aus dem Jahr 2012 besteht aus 140 Photographien; einbezogen habe ich auch Landschaftsaufnahmen aus der Umgebung der Mühlen und weitere Kulturdenkmale aus dem Mühlenkreis. Auf meiner Website Lichtbilder sind 25 Photographien zu sehen. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 166 Seiten im DIN A4-Querformat erschienen (2019). Lesen Sie auch den Einführungsartikel im »Journal« Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Bockwindmühle und Holländermühle

Die Westfälische Mühlenstraße im Kreis Minden-Lübbecke in Westfalen (2)
Neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

»Bockwindmühle Neuenknick«, Mühle Nr. 4 (Bockwindmühle), Zur Bockwindmühle 28, 32469 Petershagen-Neuenknick, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

»Bockwindmühle Neuenknick«, Mühle Nr. 4 (Bockwindmühle),
Zur Bockwindmühle 28, 32469 Petershagen-Neuenknick, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Die Mühlen der Westfälischen Mühlenstraße lassen sich in Roßmühlen, Wassermühlen, Schiffsmühlen und Windmühlen einteilen. Bei den Windmühlen unterscheidet man die Bockwindmühlen und die Holländermühlen (Erd-Holländer, Galerie-Holländer und Wall-Holländer). Damit der Wind von allen Seiten an die Flügel herankommen konnte, stehen sie auf ebenem und/oder hügeligem Gelände und fallen somit im Landschaftsbild besonders schnell auf.

So auch die „Bockwindmühle Neuenknick“ (Mühle Nr. 4) in Petershagen; sie steht auf der „Holge“, dem höchsten Punkt der Neuenknicker Feldmark. Es handelt sich um eine Bockwindmühle, die aus einem senkrechten Gehäuse besteht, das auf Böcken aufgestellt ist. Da Windmühlen „nach dem Wind“ gedreht werden müssen, muss ein entsprechender Mechanismus vorhanden sein; bei der Bockwindmühle befindet sich die Drehebene unter dem Gehäuse. Alle Maschinen müssen im Gehäuse untergebracht sein und werden demnach mitgedreht. Daher können solche Mühlen nur eine begrenzte Anzahl von Maschinen aufnehmen.

Die Holländermühle ist dagegen ein turmartiges, feststehendes Mühlenhaus; die Drehebene befindet sich im Kopf der Anlage, lediglich die Mühlenhaube wird mit Hilfe eines „Sterts“ in den Wind gedreht. Im Gebäude ist somit mehr Platz für die Maschinerie und die Mühle kann höher in den Wind gehängt werden. Bei der 1878 erbauten „Windmühle Tonnenheide“ (Mühle Nr. 21) in Rahden, spricht man von einem Galerie-Holländer. Der Unterschied ist in meinen Bildern sicherlich gut zu sehen.

»Windmühle Tonnenheide«, Mühle Nr. 21 (Galerie-Holländer), Mindener Straße 185, 32369 Rahden-Tonnenheide, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

»Windmühle Tonnenheide«, Mühle Nr. 21 (Galerie-Holländer),
Mindener Straße 185, 32369 Rahden-Tonnenheide, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Das gesamte Portfolio Wer zuerst kommt, mahlt zuerst aus dem Jahr 2012 besteht aus 140 Photographien 30 x 45 cm. Auf meiner Website Lichtbilder sind 25 Photographien zu sehen. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 166 Seiten im DIN A4-Querformat erschienen (2019). Lesen Sie auch den Einführungsartikel im »Journal« Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Die Westfälische Mühlenstraße im Kreis Minden-Lübbecke in Westfalen (1)
Neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen einige Mauern, andere Windmühlen [Konfuzius, 551-479 v. Chr.]

»Windmühle Bierde«, Mühle Nr. 3 (Wall-Holländer), Biederlo, 32469 Petershagen-Bierde, aus dem Portfolio »Wer zuerst kommt, mahlt zurest! – Die Westfälische Mühlenstraße im Kreis Minden-Lübbecke«

Die Kulturlandschaft in Ost-Westfalen zwischen dem Weserstrom, dem Weser- und Wiehengebirge, dem Stemweder Berg, dem Dümmer-See und dem Übergang zur Norddeutschen Tiefebene ist eine der mühlenreichsten Gegenden Deutschlands. In dem Mühlenkreis Minden-Lübbecke gibt es heute wieder 43 restaurierte Wind-, Wasser-, Ross- und Flussmühlen zu sehen und zu besichtigen. Sie hatten das sogenannte Mühlensterben ab ca. 1920 überlebt; waren nicht mehr im Betrieb, prägten aber nach wie vor das Landschaftsbild auf alteingesessenen, einsamen Höfen und an idyllischen Bachläufen. Ab den 1980er-Jahren wurden sie durch ein Mühlenerhaltungsprogramm nach und nach instandgesetzt.

Während meiner Kinder- und Jugendzeit in den fünfziger und sechziger Jahren waren von den 1910 gezählten 223 Getreidemühlen noch erstaunlich viele Mühlen vorhanden. Sie waren aber oft in einem jämmerlichen, verfallenen Zustand; manchmal auch nur als Ruine zu erkennen. Ich kann mich erinnern, dass ich mit meinem Onkel öfter in der Mühle in Varl war; heute ist sie nicht mehr vorhanden. Wie ringsum das Korn auf den Feldern reifte, wie es geerntet, gedroschen und anschließend gemahlen wurde, ist mir vertraut.

Die Mühlenroute im Kreis Minden-Lübbecke verbindet auf weitgehend verkehrsarmen und einsamen Wegen auf einer Länge von 320 Kilometer alle 43 Mühlen. Zwischen den Jahren 2001 und 2012 habe ich bei zahlreichen Besuchen in Ost-Westfalen alle Mühlen besucht und abgelichtet.

Die Zusammenstellung dieser Fotos ist für mich ein sentimentaler Rückblick auf meine Kinder- und Jugendzeit, auf ein in Deutschland einzigartiges Freilichtmuseum und natürlich auch ein Zeugnis der allerersten Industrialisierung, ein Stück Technikgeschichte. Das Portfolio besteht insgesamt aus 140 Photographien; einbezogen habe ich auch Landschaftsaufnahmen aus der Umgebung der Mühlen und weitere Kulturdenkmale aus dem Mühlenkreis, wie das Scheunenviertel in Schlüsselburg, den Museumshof in Rahden, den Tonnenheider Findling, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und das Naturschutzgebiet „Großes Torfmoor“.

»Westfälische Landschaft im Morgennebel«, Foto © Friedhelm Denkeler 1979, aus dem Portfolio »Wer zuerst kommt, mahlt zurest! – Die Westfälische Mühlenstraße im Kreis Minden-Lübbecke«

Es gibt Don Quichote, die Wind säen, um mit Mühlen kämpfen zu können. (Stanislaw Jerzy Lec)

Das gesamte Portfolio Wer zuerst kommt, mahlt zuerst aus dem Jahr 2012 besteht aus 140 Photographien 30 x 45 cm. Auf meiner Website Lichtbilder sind 25 Photographien zu sehen. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 166 Seiten im DIN A4-Querformat erschienen (2019).

Miami Vice – ein Videoclip in 111 Episoden

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (7 und Schluss)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 6 »Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett« und zeige zwei von 8 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

»Sonny 'Ray Ban' Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

»Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Wie Sonny „Ray Ban“ Crockett in den 1980er Jahren
eine kleine Moderevolution auslöste

Der Serien-Freak bin ich nicht gerade, aber bei der US-Amerikanischen Fernsehserie „Miami Vice“ in den 1980er Jahren mit den obercoolen Fahndern James „Sonny“ Crockett (Don Johnson) und Ricardo „Rico“ Tubbs (Phillip Michael Thomas) habe ich kaum eine Folge verpasst. Die beiden versuchten jeweils eine dreiviertel Stunde lang im Glamour- und Drogen-Mekka von Miami in schicken Autos, mit schönen Frauen und in Markenklamotten für Recht und Ordnung zu sorgen. Sie jagten vor allem Drogenhändler, Waffenschmuggler und Geldwäscher in und um Miami herum. Die Serie wurde durch den bahnbrechenden Look, ihren von aktuellen Rocksongs geprägten Soundtrack und die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich harten Darstellungen von Gewalt zur stilprägenden und populärsten Serie der 1980er Jahre.

Zum Team des „Miami Vice Police Squad“ gehören neben den verdeckt arbeitenden Ermittlern Crockett und Tubbs, ihr Chef Martin Castillo (Edward James Olmos), ihnen zur Seite standen Gina Calabrese (Saundra Santiago) und Trudy Joplin  (Olivia Brown). In den ersten Folgen hat Gina noch eine Affäre mit ihrem Kollegen Sonny. Was heute Standard in den Krimis ist, die privaten Probleme der Protagonisten neben den beruflichen Fällen zu zeigen, war damals völlig neu. Stanley Switek (Michael Talbott) und Larry Zito (John Diehl) observierten die kriminelle Szene mit einem Fahrzeug, das zur Schädlingsbekämpfung getarnt war – allerdings hatten sie auf dem Dach des Lieferwagens ein überdimensionales Insekt montiert (sic!). Und zum Schluss kann man als Teammitglied auch noch den Alligator „Elvis“ nennen, der als angekettetes Haustier auf der Segelyacht von Crockett lebte.

Die Filme waren eher im Stil der Videoclips gedreht, meistens untermalt mit der Musik von Jan Hammer; seine Titelmusik „Miami Vice Theme“ schaffte es auf Platz 1 der US-Singlecharts. Er spielte selbst auch in einigen Folgen mit. 1987 erreichte Hammers Titel „Crockett’s Theme“ in einigen Ländern Europas die Top 5. Während der Laufzeit der Serie zwischen 1984 und 1989 wurden in fünf Staffeln 111 Episoden produziert und drei reguläre Soundtrack-Alben mit diverser Musik aus „Miami Vice“ veröffentlicht.

Zahlreiche Rock-Größen traten in der Serie auf und trugen zum Soundtrack bei. Hier kann ich nur wenige nennen: Frank Zappa (als Drogendealer), Miles Davis (als Ex-Knacki), James Brown (als Sektenführer), Phil Collins (mit dem Song „Take me Home“ und der selbst in der Folge „Phils Tricks“ als skurriler Showmaster mitspielte). Sheena Easton spielte eine länger angelegte Rolle als Popstar, die sich in Sonny Crockett verliebt, ihn dann auch heiratet und schließlich ermordet wurde. Auch viele damals noch unbekannte Schauspieler traten als Gaststars auf, unter anderen Ben Stiller, Julia Roberts, Liam Neeson, Wesley Snipes, Helena Bonham Carter, Viggo Mortensen, Bruce Willis  und Melanie Griffith (die spätere Ehefrau von Don Johnson).

„Miami Vice“ löste in den 1980er Jahren eine kleine Moderevolution aus. Mit einmal trugen auch Männer pastellfarbene T-Shirts unter dem hellen Armani-Anzug und weiße Leder-Slipper ohne Socken. Damit man beim beidhändigen Halten des Revolvers mit gestreckten Armen auch die teure Rolex sah, wurden die Sakkoärmel hochgekrempelt – so wirkte das einfach besser. Diese Mode passte ideal zu den pastellfarbigen und weißen Fassaden des weltberühmten „Ocean Drive“ mit dem angrenzenden South Miami Beach und Art-déco-Viertel in Florida. Zu Sonny Crocketts Erscheinung gehörten neben dem weißen Ferrari Testarossa auch eine Vielzahl von Sonnenbrillen, wie zum Beispiel die Wayfarer von der Marke Ray Ban. Bei uns hieß er deshalb auch „Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett“. Als Reminiszenz hängt in meinem Kleiderschrank noch immer ein weißer Trenchcoat mit Miami Vice-Logo.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“).

»Sonny 'Ray Ban' Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

»Sonny ‚Ray Ban‘ Crockett«, aus »Episoden«, , Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Tagebuch einer Verlorenen

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (6)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 11 „Tagebuch einer Verlorenen“ und zeige zwei von 24 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Verbotene Filme", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Verbotene Filme“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Verbotene Filme aus den 1920er Jahren

In den 1920er Jahren entstanden Stummfilme, die auch heute noch Bestand haben: „Metropolis“ (Fritz Lang, 1927), „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ (F.W. Murnau, 1922), „Panzerkreuzer Potemkin“ (Sergei M. Eisenstein, Russland 1925), „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (Robert Wiene, 1920) oder „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ (Walter Ruttmann, 1927).

Aber es war auch die Zeit der staatlichen Filmzensur. Alle, meinen Photographien zugrunde liegenden Filme hatten Probleme damit. Die Maßnahmen gingen von Schnittauflagen bis zum vollständigen Aufführungsverbot. Die Vorgaben wurden mit dem Lichtspielgesetz vom 12. Mai 1920 geschaffen; es richtete sich insbesondere gegen Nacktdarstellungen und sexuelle Handlungen. Viel zu sehen gab es aber aus heutiger Sicht in den Filmen nicht.

Anita Berber war eine berühmte Tänzerin und Schauspielerin, die in Wien die „Tänze des Grauens, des Lasters und der Ekstase“ (1923) aufführte. Sie trat als eine der ersten Nackttänzerinnen auf und liebte Männer und Frauen. Anita Berber machte sich selbst zur Marke. Heute würde man von ihr als It-Girl sprechen, allerdings als eines mit Talent und Intelligenz.

Der Film „Tagebuch einer Verlorenen“ (G. W. Pabst, 1929) handelt von der jungen Thymian, die ein uneheliches Kind zur Welt bringt. Sie wird von ihrer Familie verstoßen und in ein Heim gesteckt. Dort kann sie den peinigenden Qualen der Heim-Oberen entkommen. Sie landet in einem großstädtischen Bordell. Eines Abends trifft sie plötzlich auf ihren Vater… Durch die rigorose Kürzung von 3132 auf 2001 Metern war der Film lange Zeit nur als verstümmelte Verleihkopie zu sehen.

„Frauennot – Frauenglück“ (Eduard Tissé, 1929) hat als Thema Geburt und Abtreibung. Der erste Teil besteht aus einer Spielhandlung über das Elend von Frauen, die ungewollt schwanger werden und die im dokumentarischen zweiten Teil heimlich eine illegale Abtreibung vornehmen lassen. Das war damals noch völlig verpönt; so gab es immer wieder Einwände gegen einzelne Szenen und die Gerichte mussten sich mehrfach mit dem Film beschäftigen.

Der Film „Aus eines Mannes Mädchenjahre“ (Karl Grune, 1919) folgt den Erinnerungen der anonymisierten Biografie von N. O. Body (Berlin, 1909). Der Film wurde aber, dem Geschmack der Zeit folgend, dramatisch überzeichnet. Ein ohne eindeutiges Geschlecht geborenes Kind wird vom Vater als Junge, später vom Onkel als Mädchen erzogen.

Im Filmdrama „Geschlecht in Fesseln“ (Wilhelm Dieterle, 1928) wird Franz Sommers Ehefrau Helene auf der Straße von einem Unbekannten bedrängt, im Handgemenge mit ihrem Mann stürzt dieser unglücklich und stirbt. Franz muss ins Gefängnis. Er lässt sich mit einem Mithäftling ein, sie mit ihrem neuen Arbeitgeber. Als sich die Eheleute nach Jahren in ihrer Wohnung wiedersehen, glauben sie nur an einen gemeinsamen Ausweg aus ihrer Schuld…

Der UFA-Film „Wege zu Kraft und Schönheit“ (Wilhelm Prager, 1925) feierte den vollkommenen Körper als Gegenstand kultischer Verehrung. Er nimmt dabei Bilder vorweg, die sich später in der rassistischen NS-Ästhetik wiederfinden. Um einem Verbot wegen zu gewagter Nacktheit zu entgehen, diente Prager die Kunst der Antike als ästhetisches Vorbild. Trotzdem gab es bereits im Jahr der Aufführung Eingriffe der Filmzensur.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“). In der nächsten Zeit werde ich zu den einzelnen Episoden und den zu Grunde liegenden Filmen noch einen weiteren Artikel veröffentlichen.

"Verbotene Filme", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Verbotene Filme“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Melankia, die düstere Schattentochter

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (5)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 10 „Die Freundin des Teufels“ und zeige zwei von 12 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

»Eule im Mondlicht«, aus "Die Freundin des Teufels", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1982

»Eule im Mondlicht«, aus „Die Freundin des Teufels“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1982

Die Geschichte von Eugenius, Eugenia und der Freundin des Teufels

Als Melankia den Bruder Eugenius, von dem sie annahm, daß es ein Mann war, häufiger besuchte und sah, daß der Körper des Jünglings sehr elegant war und schön, entbrannte sie in heftiger Liebe zu ihm, und sie begann, eifrig darüber nachzudenken, wie sie sich vielleicht mit ihm vereinigen könnte. Sie schützte also Schwäche vor, schickte nach ihm, damit der Bruder Eugenius zu ihr kam und sich dazu herabließ, sie zu untersuchen. Als der gekommen war, eröffnete sie ihm, wie heftig sie in Liebe zu ihm entbrannt und in fleischlicher Begierde zu ihm erhitzt sei, und sie bat ihn, sein Fleisch mit dem ihren zu mischen, und ohne zu zögern griff sie nach ihm, umarmte ihn, küsste ihn und forderte ihn auf, das Verbrechen zu begehen.

Bruder Eugenius fuhr auf und erwiderte: „Zu Recht werdet Ihr Melankia, die Schwarze, genannt, denn Ihr seid voll von Schwärze und werdet daher eben auch die niederträchtige Schwärze genannt und die düstere Schattentochter, die Freundin des Teufels, diejenige, die zur Befleckung führt, die Hefe der Wollust, die Schwester ständiger Furcht und die Tochter des ewigen Todes.“ Als Melankia sich ihrer bösen Absicht betrogen sah, fürchtete sie, daß das Verbrechen öffentlich gemacht würde, und sie wollte dem vorbeugen. Sie begann zu rufen, daß Eugenius sie vergewaltigen wollte.

Sie ging also zu Philippus, dem Präfekten, beklagte sich und sagte: „Jener bösartige Christenjüngling ging in mein Haus, um mich zu verarzten, stürzte sich schamlos auf mich und wollte mich vergewaltigen. Und wenn nicht die Magd, die in der Schlafkammer war, mich von der Bedrängnis befreit hätte, hätte er mich zur Gefährtin seiner Wollust gemacht.“ Als der Präfekt das hörte geriet er in Zorn und schickte eine große Anzahl von Häschern aus, ließ Eugenius und seine Gefährten in eiserne Banden geschlagen, herbeiführen und legte den Tag fest, an dem sie den Tieren zum Fraß vorgeworfen werden sollten. Als sie ihm vorgeführt wurden, sagte er zu Eugenius: „Allerniederträchtigster, hat euch das euer Christus gelehrt, das Werk der Verderbnis zu vollbringen? Verheiratete Frauen in schamloser Niedertracht zu vergewaltigen?“

Mit abgewandtem Gesicht gab Eugenius zur Antwort, daß er nichts davon wüsste. „Unser Herr hat uns die Keuschheit gelehrt und hat uns dafür, daß wir in Keuschheit dienen, das ewige Leben versprochen. Wir können beweisen, daß diese Melankia ein falsches Zeugnis gegeben hat, aber es ist besser, wir leiden, als daß jene überführt bestraft wird und die Frucht unserer Geduld verdirbt. Möge aber jene noch herbeigeführt werden, die behauptet, daß sie Zeugin unseres Verbrechens ist, damit wir die Lügen, die aus ihrem Munde kommen, widerlegen können.“ Als diese herbeigeführt worden waren, stellte jene, die von ihrer Herrin für die Zeugenaussage vorbereitet worden war, sich ihr standhaft entgegen, weil sie gegen ihre Herrin aufbegehren wollte.

Aber als die anderen Mitglieder des Haushalts, die auf ähnliche Weise verderbt worden waren, gegen sie zeugten, sagte Eugenius: „Die Zeit des Sehweigens ist vorbei, und die Zeit zu sprechen ist gekommen. Ich will nicht, daß eine Schamlose, eine Christin eines Verbrechens bezichtigt und darüber jubelt. Damit aber die Lüge von der Wahrheit überwunden wird und die Weisheit die Bosheit besiegt, zeige ich die Wahrheit, nicht um mich damit zu brüsten, sondern um Gott zu rühmen. Und indem sie dies sagte, zerriss sie ihre Tunika und teilte sie vom Nacken den Rücken entlang und Vorne bis zum Gürtel und gab sich als Eugenia zu erkennen.

[Quelle: „Protus und Hyacinthus“, aus: „Die Lombardische Heiligengeschichte“, ca. 1270]

"Die Freundin des Teufels", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Die Freundin des Teufels“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Den Augiasstall ausmisten

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (4)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 3 „Augiasstall“ und dem zu Grunde liegenden Film „Der Saustall“ und zeige zwei von 14 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Augiasstall", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984 Film "Der Saustall" (Coup de torchon/ Clean Slate)" von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

„Augiasstall“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984
Film „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate)“ von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

Zu Bertrand Taverniers „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate), 1981

Zu Augias muss ich die griechische Mythologie oder besser gesagt Wikipedia bemühen: Der Sage nach bestand eine der zwölf legendären Aufgaben des Herakles, die er im Auftrag seines Vetters König Eurystheus zu vollbringen hatte, darin, die Rinderställe des Augias auszumisten, in denen die stattliche Anzahl von über 3000 Rindern gehalten worden sein soll. Eurystheus hatte Herakles diese immense Arbeit nicht nur einfach aufgetragen, sondern auch die Bedingung gestellt, dass Herakles damit binnen eines Tages fertig sein musste.

Die Ställe waren schon seit 30 Jahren nicht mehr gereinigt worden und das Ausmisten der Ställe galt deshalb als nicht durchführbar. Augias versprach Herakles dafür den zehnten Teil seiner Rinder, in der Gewissheit, dass niemand die Aufgabe in dieser kurzen Zeit je würde bewältigen können. Herakles erledigte die Aufgabe indem er die Fundamente des Stalls an einer Seite aufbrach und mit Hilfe eines Kanals das Wasser der Flüsse Alpheios und Peneios durch den Stall leitete und somit die Augiasställe säuberte. Augiasstall ist heute hauptsächlich eine sprichwörtliche Bezeichnung für einen unhaltbaren (politischen) Zustand.

Doch jetzt zum Film „Der Saustall“, der kürzlich bei ARTE in der Filmreihe „Ein Abend mit Bertrand Tavernier“ zu sehen war. ARTE fasste ihn wie folgt zusammen: Der Kolonialpolizist Lucien Cordier (Philippe Noiret) soll in dem kleinen Ort Bourkassa in Französisch-Westafrika im Jahre 1938 für Ordnung sorgen. In den Augen der anderen Weißen im Ort ist er allerdings nur eine Witzfigur ohne Autorität. Sogar seine Frau Huguette (Stéphane Audran) nennt ihn verächtlich einen Schwächling und betrügt ihn mit Nono (Eddy Mitchell), der sich bei ihr eingenistet hat.

Eines Tages glaubt Cordier, sich bei einem Vorgesetzten Rat holen zu müssen. Dieser Rat fällt recht drastisch aus und ebenso drastisch verfolgt ihn Cordier. Zwei Bordellbesitzer, die ihn lange lächerlich gemacht haben, müssen sich jetzt von ihm erniedrigen lassen. Dann erschießt er sie und wirft ihre Leichen in den Fluss. Mercaillou (Victor Garrivier), dessen Frau Rose Mercaillou (Isabelle Huppert) von Cordier im Bett getröstet wird, ist sein nächstes Opfer.

Und die Liste derer, die noch dran glauben sollen, ist damit keineswegs zu Ende. „Der Saustall“ ist eine rabenschwarze Komödie, eine hintergründige Satire auf eine heillose Welt, die nicht als Plädoyer für Selbstjustiz missverstanden werden darf. Es ist vielmehr die vehemente Attacke einer Gesellschaft, in der ein Mensch, der alle Missstände um sich herum beseitigen will, selbst zum Mörder wird. Tavernier hat einen Albtraum inszeniert – schrecklich schön und furchtbar komisch.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“). In der nächsten Zeit werde ich zu den einzelnen Episoden und den zu Grunde liegenden Filmen noch weitere Artikel veröffentlichen.

"Augiasstall", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984 Film "Der Saustall" (Coup de torchon/ Clean Slate)" von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

„Augiasstall“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984
Film „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate)“ von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

Feigen

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (3)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 5 „Feigen“ und dem zu Grunde liegenden Film „Das Schweigen“ und zeige zwei von 24 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Feigen", aus dem Portfolio "Episoden", Film "Das Schweigen" (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

„Feigen“, aus dem Portfolio „Episoden“,
Film „Das Schweigen“ (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Zu Ingmar Bergmans „Das Schweigen“ aus dem Jahr 1963

Moral und Vernunft gegen Unmoral und Sinnlichkeit

Es war mein erster anspruchsvoller Film in meinem Dorf in Ost-Westfalen – Ingmar Bergmans „Das Schweigen“. Damals war mir das allerdings noch nicht klar und ich habe heute erhebliche Zweifel, ob ich den Film überhaupt verstanden habe. Wie ich es geschafft habe in die Vorführung zu gelangen, daran kann ich mich nicht erinnern; der Film war schließlich erst ab 18 Jahren freigegeben. Die Freigabe des Films durch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sorgte für einen Sturm der Entrüstung und massive Proteste. Daraufhin wollte ich neben den zehneinhalb Millionen deutschen Zuschauer den Film natürlich unbedingt sehen.

Bergmanns Film war wegen der für die Entstehungszeit offenen Darstellung sexueller Handlungen einer der größten Filmskandale der 1960er Jahre und löste eine breite Zensurdebatte aus. Nur in Deutschland und Schweden konnte der Film ungekürzt aufgeführt werden. Als anstößig wurden der Liebesakt eines Paares, der Verkehr Annas mit einem Fremden und die Masturbationsszene der älteren Schwester Ester angesehen. In Frankreich wurde er zunächst ganz verboten; in anderen Ländern erhielt „Das Schweigen“ Schnittauflagen. Der Skandal führte zur Gründung der „Aktion Saubere Leinwand“.

Ester (Ingrid Thulin), ihre Schwester Anna (Gunnel Lindblom) und deren etwa 10-jähriger Sohn Johan (Jörgen Lindström) müssen auf der Heimreise nach Schweden ihre Fahrt unterbrechen als Ester einen Zusammenbruch wegen ihrer Bronchitis erleidet. Sie übernachten in der ihnen fremden Stadt Timoka, deren Landessprache sie nicht verstehen, in einem bizarren, alten Hotel. In Timoka finden scheinbar Vorbereitungen für einen Krieg statt, Militärfahrzeuge beherrschen das Bild. Johan erforscht die langen Flure mit einer Spielzeugpistole in der Hand. In einem Aufbäumen gegen ihr Leiden raucht, onaniert und betrinkt sich Ester, bis sie zusammenbricht.

Anna dagegen streunt durch die Stadt und lernt einen Kellner kennen, der ihr Liebhaber wird. Sie wird Zeugin, wie ein Paar während der Vorstellung in einem Kino auf den Sitzen kopuliert. Während Anna und der Kellner sich umarmen, können sie sich sprachlich nicht verständigen, weil keiner die Sprache des anderen beherrscht. Im Grunde genommen geht es, wie so oft in Bergman-Filmen um Entfremdung, Einsamkeit und tiefe menschliche Abgründe, die sich im Verlauf des Filmes unverkennbar auftun. Viele Filme setzten sich mit der Vergeblichkeit des Glaubens auseinander. So auch hier – alle Szenen lassen keinen Zweifel daran, dass Gott diese Menschen sich selbst und ihrem Schicksal überlassen hat, ohne Hoffnung auf Erlösung. Deshalb sollte der Film auch ursprünglich „Das Schweigen Gottes“ heißen.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“). In der nächsten Zeit werde ich zu den einzelnen Episoden und den zu Grunde liegenden Filmen noch weitere Artikel veröffentlichen.

"Feigen", aus dem Portfolio "Episoden", Film "Das Schweigen" (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

„Feigen“, aus dem Portfolio „Episoden“,
Film „Das Schweigen“ (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Pomme, die Wäscherin

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (2)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 9 „Pomme, die Wäscherin“ und dem zu Grunde liegenden Film „Die Spitzenklöpplerin“ und zeige zwei von 18 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Pomme, die Wäscherin", aus "Episoden", Film "Die Spitzenklöpplerin" (1977) von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Pomme, die Wäscherin“, aus „Episoden“, Film „Die Spitzenklöpplerin“ (1977)
von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Zu Claude Gorettas „Die Spitzenklöpplerin“ aus dem Jahr 1977

Die Liebe der achtzehnjährigen Béatrice (Isabelle Huppert), genannt Pomme, zum Studenten François (Yves Beneyton) aus höheren Kreisen, scheitert trotz aller Anziehung, an seinem Nicht-Verstehen und ihrer Sprachlosigkeit. Eine feine Studie über die Entfremdung zwischen zwei Menschen, bedingt durch Sprach- und Bildungsbarrieren und die bewegende Geschichte eines klaglosen Verstummens. Béatrice arbeitet als Auszubildende in einem Friseursalon in Paris. Sie ist unscheinbar, schüchtern und verschlossen; ihre einzige und ältere Freundin und Kollegin Marylène (Florence Giorgetti) ist dagegen lebenslustig und extrovertiert.

Als die beiden in einem zu dieser Zeit tristen Badeort Cabourg in der Normandie Urlaub machen, findet Marylène rasch Ersatz für ihren bisherigen verheirateten Liebhaber. Sie lässt ihre Freundin im Ferienapartment allein. Da Béatrice keine Lust hat, am Strand zu liegen, isst sie stattdessen in einem Straßencafé gelangweilt ein Eis. Hier wird sie von François höflich und zurückhaltend angesprochen. Die beiden verlieben sich zaghaft ineinander. Zurück in Paris zieht Béatrice, die bisher bei ihrer Mutter lebte, zu ihm in seine Studentenwohnung. François ist Béatrices erster Freund.

François hofft, dass sich Béatrice mit seiner Hilfe weiterentwickelt. Er versucht, ihr klarzumachen, dass ihre Berufstätigkeit unbefriedigend und schlecht bezahlt sei. Sie hört stumm zu, schließt sich seiner Meinung aber nicht an, sie wäre nicht wirklich unzufrieden mit ihrer Situation, was er nicht akzeptieren kann. Schließlich erkennt er, dass sie beide zu verschieden sind, um gemeinsam glücklich bleiben zu können. Seinen Freunden erklärt er, es sei ganz einfach gewesen mit Béatrice über die Trennung zu reden, denn sie habe sich in keiner Weise verteidigt oder gewehrt.

Beatrice wohnt wieder bei ihrer Mutter. Sie zieht sich noch stärker zurück und wird magersüchtig; sie kommt mit der gescheiterten Liebe nicht mehr klar. Als sie eines Tages zusammenbricht, wird sie in ein Krankenhaus eingeliefert und von dort einige Zeit später in eine psychiatrische Klinik überwiesen. Einmal besucht François sie dort nach vielen Monaten, aber sie hört ihm nur teilnahmslos zu. Sie antwortet auf die Frage, wie es ihr geht, dass sie mit ihrem Freund auf Mykonos die weißen Windmühlen besucht hat. Dann nimmt sie ihre Handarbeit wieder auf. An den Wänden in ihrem Zimmer hängen zwei Plakate aus Griechenland, davon eins aus Mykonos.

„Er ging an ihrer Seite, ganz dicht an ihrer Seite, aber er hat sie nie gesehen. Sie war eines jener Wesen, die sich nie bemerkbar machen, die man sorgsam ergründen und behüten muss. Früher hätte sich ein Künstler entschlossen, sie als Stimmungsbild zu malen und hätte sie genannt:  die Näherin, die Wasserträgerin oder die Spitzenklöpplerin.“ [Schlusszitat aus dem Film „Die Spitzenklöpplerin]

"Pomme, die Wäscherin", aus "Episoden", Film "Die Spitzenklöpplerin" (1977) von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Pomme, die Wäscherin“, aus „Episoden“, Film „Die Spitzenklöpplerin“ (1977)
von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

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