Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

In den Straßen von Berlin

Die work in progress-Serie „In den Straßen von Berlin“ besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Unter dieser Rubrik ist immer wieder einmal ein Bild aus dieser Serie zu sehen. Die Photos zeigen den Wandel des Stadtbildes in den letzten 20 Jahren: Abriss des Palastes und neue Hotels im Osten, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte.

Der Moleküle-Mann in der Spree

"Molecule Man" von Jonathan Borofsky , aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2005

"Molecule Man" von Jonathan Borofsky , aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2005

In den Straßen von Berlin (6)

30 Meter hoch, 45 Tonnen schwer und dennoch transparent und leicht, steht seit 1999 die Großskulptur von Jonathan Borofsky aus Aluminiumplatten mitten in der Spree in der Nähe der Elsenbrücke und der Treptowers. Hier befindet sich die Nahtstelle zwischen den ehemaligen Bezirken Friedrichshain, Kreuzberg und Treptow und gleichzeitig zwischen West- und Ostberlin.

Mit den drei Figuren erinnert Jonathan Borofsky daran, „dass sowohl der Mensch als auch die Moleküle in einer Welt der Wahrscheinlichkeit existieren und das Ziel aller kreativen und geistigen Traditionen ist, Ganzheit und Einheit innerhalb der Welt zu finden“. Kennengelernt habe ich Borofsky auf der „dokumenta 9“ mit seinem Werk „Man Walking To The Sky“. Der Himmelstürmer steht inzwischen auf dem Platz vor dem Kulturbahnhof in Kassel.

www.borofsky.com

Ein Hafen, der keiner mehr ist – der Urbanhafen

"Im Urbanhafen", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Im Urbanhafen", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

In den Straßen von Berlin (5)

„In den Wasserstraßen von Berlin“ müsste der heutige Artikel eigentlich heißen, denn das abgebildete, verwahrloste Theaterschiff liegt in dem Teil des Landwehrkanals in Kreuzberg, der früher einmal ein Binnenhafen war – der Urbanhafen. Heute ist er bis auf ein kleines schmales Becken zurückgebaut und auf den ehemaligen Hafenanlagen steht das Urban-Krankenhaus.

Der Bau des Hafens erfolgte in den 1890er Jahren gegenüber der Einmündung des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals, der den Landwehrkanal auf kurzem Weg nach Norden über den Wassertorplatz, Oranienplatz und das Engelbecken mit der Spree verband. Die Grünanlagen auf beiden Seiten des Hafens und des Landwehrkanals laden heute zu Spaziergängen ein. Für eine Rast bietet sich das seit über 20 Jahren im Hafen vor Anker liegende Restaurantschiff „Van Loon“ an.

www.vanloon.de

Der geballte Hausstand auf dem Bethlehemkirchplatz

"Houseball" von Claes Oldenburg, aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Houseball" von Claes Oldenburg, aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

In den Straßen von Berlin (4)

In Berlin-Mitte befindet sich in der Nähe von Friedrichstraße und „Checkpoint Charly“ der Bethlehemkirchplatz auf dem früher die Böhmische Bethlehemkirche stand. Sie wurde 1737 als zentrales Gotteshaus der Rixdorfer Böhmen, die im gegenüber den Religionen toleranten Preußen eine neue Heimat gefunden hatten, gebaut und 1963 aufgrund starker Kriegsschäden abgerissen. Der Grundriss der Kirche wird aus roten Pflastersteinen auf dem Platz nachgebildet.

Der „Houseball“ des Bildhauers Claes Oldenburg steht symbolisch für den Hausstand eines Exilanten und somit auch für jene böhmischen Einwanderer in Rixdorf. All seine Besitztümer kann man in ein großes Tuch in Form einer Kugel binden und beim nächsten „Umzug“ mitnehmen. Der Houseball hat ein Gewicht von zehn Tonnen bei einem Durchmesser von neun Metern und steht seit 1997 auf dem Platz. Claes Oldenburg ist einer der namhaftesten noch lebenden Vertreter der Pop Art, einer Kunstrichtung, die sich in den 1960er Jahren formierte.

Die Kirche vor der Zerstörung um 1910

Der Bücherturm vom Bebelplatz

"Der Bücherturm vom Bebelplatz", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

"Der Bücherturm vom Bebelplatz", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2006

In den Straßen von Berlin (3)

Anlässlich des „Welttages des Buches“ wurde temporär auf dem Berliner Bebelplatz der „Bücherturm“ zur Erinnerung an die wegweisende Erfindung Johannes Gutenbergs errichtet. Diese und zahlreiche andere Aktionen im Stadtbild fanden 2006 im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ statt. Der zwölf Meter hohe Bücherturm aus Kunststoff erinnerte ebenso an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 auf dem damaligen Opernplatz. In der Mitte des Bebelplatzes befindet sich heute das Denkmal des israelischen Künstlers Micha Ullman, das für immer und ewig daran erinnern soll. Durch eine gläserne Bodenplatte blickt man in einen unterirdischen Raum mit leeren weißen Bücherregalen aus Beton.

Der Bebelplatz bei WikipediaPanorama des Bebelplatzes mit dem Bücherturm im Hintergrund

Einsatz in der Leipziger Straße

"Einsatz in der Leipziger Straße", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2007

"Einsatz in der Leipziger Straße", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2007

In den Straßen von Berlin (2)

„Operation Walküre“ mit Tom Cruise, „Die Bourne Verschwörung“ mit Matt Damon, „Lola rennt“ mit Franka Potente oder „Unknown Identity“ mit Liam Neeson – irgendein Film, einer von ca. 300 in jedem Jahr, wird immer gerade irgendwo in den Straßen von Berlin gedreht. Nichtsahnend geht man vom Potsdamer Platz in Richtung Leipziger Platz (siehe Foto) oder steigt im Bahnhof Friedrichstraße aus der S-Bahn und im U-Bahn-Eingang brennt es bereits und Rauch steigt auf. Liam Neeson steht an der Ecke wartend herum und kaut auf einem Zahnstocher (siehe hier). Die Regisseure und Stars drehen gern in Berlin und in der Regel gibt es bei den Drehgenehmigungen wenige Probleme

Die Gasdruckregelanlage vom Savignyplatz

"Gasdruckregelanlage am Savignyplatz", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Gasdruckregelanlage am Savignyplatz", aus "In den Straßen von Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

In den Straßen von Berlin (1)

Heute beginne ich mit der neuen Serie „In den Straßen von Berlin“, der Titel ist selbsterklärend. Vielleicht ergibt sich daraus einmal ein Fotobuch. Den Anfang macht der Savignyplatz mit dem 2007 neu erstellten Eingangshäuschen am Südrand des Gartendenkmals. In Anlehnung an historische Pläne baute die Gasag hier eine Gasdruckregelanlage ein und verzierte das Häuschen mit „Kunst am Bau“. Die Arbeit „Through the Looking Glass“ stammt von der Berliner Künstlerin Ute Lindner. Anstelle des ehemaligen Durchgangs zum Park befindet sich hier nun eine Personengruppe als Hintergrundmalerei auf Glas, die in einen imaginären Raum Richtung Park sieht. Abends sind die Menschen als Schatten vor der blau beleuchteten Wand zu sehen. Auf der Rückseite des Gebäudes erblickt man dieselbe Gruppe von vorne. Zentrales Thema der Arbeiten von Ute Lindner ist die „Spiegelung“.

Der Spiegel ist nämlich eine Utopie, sofern er ein Ort ohne Ort ist. Im Spiegel sehe ich mich da, wo ich nicht bin: in einem unwirklichen Raum, der sich virtuell hinter der Oberfläche auftut; ich bin dort, wo ich nicht bin, eine Art Schatten, der mir meine eigene Sichtbarkeit gibt, der mich mich erblicken lässt, wo ich abwesend bin: Utopie des Spiegels.  [Michel Foucault, „Andere Räume“]

Through the Looking GlassWeitere Arbeiten von Ute Lindner, Artikel

Monatsarchiv