Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Fotografisches Fundstück

Im Gegensatz zum Historischen Photo finden Sie hier aktuelle Einzel-Photos mit Impressionen von Stadtgängen, Landausflügen, Urlaubsreisen, Stillleben, etc.

Rom 3. Tag: Ein Stadion der Grausamkeiten für 60 000 Besucher

"Das Kolosseum mit den unterirdischen Räumen und Gängen", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Das Kolosseum mit den unterirdischen Räumen und Gängen“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Nein, 60 000 Besucher waren heute Morgen noch nicht im ‚Colosseo‘, das 2007 als einziges europäisches Bauwerk in die Liste der Neuen Weltwunder aufgenommen wurde. Auch Löwen, die durch unterirdische Gänge und Falltüren in die Arena geleitet wurden, haben wir nicht gesehen. Und dennoch entfaltet das größte der im antiken Rom erbauten Amphitheater und zugleich der größte geschlossene Bau der römischen Antike auch nach 2000 Jahren als Ruine eine beispiellose Faszination.

Die Arena steht den modernen Fußball-Arenen in nichts nach: 80 Eingänge rund um den Bau ermöglichten den Zuschauern auf direktem Wege Zugang zu ihren Plätzen, die sich auf insgesamt vier Stockwerke verteilten. Grausame Schauspiele wurden dargeboten. Gladiatoren kämpften gegen wilde Tieren und Gladiatoren kämpften gegeneinander. Man schätzt, dass in vier Jahrhunderten an die 500 000 Menschen und unzählige Tiere ihr Leben verloren. Heute besichtigen über fünf Millionen Besucher jedes Jahr das Wahrzeichen Roms. Ein gewisser Schauder bleibt. Virtuelle Panoramen des Kolosseums

Rom 2. Tag: Von Trastevere über die Quattro Capi zur Altstadt

"Via di San Michele in Trastevere", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Via di San Michele in Trastevere“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Unser Stadtteil „Trastevere“ (von lateinisch ‚Trans Tiberim‘, jenseits des Tibers) liegt außerhalb der alten römischen Stadtmauern auf der westlichen Seite des Tibers. Schiffsleute und Fischer, also Menschen, die vom Fluss lebten, sowie Immigranten und Juden siedelten sich bevorzugt hier an. Später folgten zahlreiche Handwerker und noch heute herrscht in den Gassen zwischen Osterien und Trattorien eine fast mittelalterliche Atmosphäre, sieht man von wild parkenden Autos und wuchernden Satellitenschüsseln einmal ab.

Über die Tiberinsel, die Isola Tiberina und die Ponte Fabricio, der Volksmund sagt ‚Ponte dei Quattro Capi‘ wegen der zwei antiken Stelen mit vier Köpfen  im Geländer, geht es in Richtung antikes Rom – zum Kolosseum. Empfehlenswert für den Abend in Trastevere ist das Ristorante ‚La Cornucopia‘, das Füllhorn an der ‚Piazza in Piscinula‘. www.ristorantecornucopia.com

Rom 1. Tag: Im Haus der Ponzianis

"Der Innenhof der Casa di Santa Francesca Romana", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Der Innenhof der Casa di Santa Francesca Romana“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das Haus der Heiligen Franziska von Rom, ein ehemaliges Kloster in der Nähe der Ponte Rotta, befindet sich im Stadtteil Trastevere, im Umkreis der Basilika der Heiligen Cecilia und nahe der Tiberinsel. Über viele Jahrhunderte hinweg diente dieser Palazzo dem Adelsgeschlecht der Ponzianis als Wohnsitz und nun dürfen wir für sieben Tage dort residieren. Das Haus ist nach der Heiligen Francesca Romano benannt, die 40 Jahre lang bis zu ihrem Tode 1440 hier wohnte und zahlreiche Wunder vollbrachte.

Die Geschichte und das Alter des Hauses sind in allen Räumen und Gemäuern zu spüren, und das Wort lustwandeln macht seinem Namen alle Ehre. Ab heute möchte ich jeden Tag ein ‚Fotografisches Fundstück‘ präsentieren, wobei ein einziges Foto der Stadt Rom kaum gerecht werden kann, aber alle sieben zumindest eine Reminiszenz an die sieben Hügel Roms darstellen. www.sfromana.it

"Freiheit für Ai Wei Wei vor dem Berliner Gropius-Bau", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Freiheit für Ai Wei Wei vor dem Berliner Gropius-Bau“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

An der Situation des chinesischen Künstlers Ai WeiWei hat sich wenig geändert, nach wie vor sitzt er im Gefängnis (Siehe mein Beitrag „Für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei – China setzt ein weiteres Zeichen gegen die Meinungsfreiheit„. In der Kunst-Zeitschrift „Monopol“ habe ich dazu noch einen lesenswerten Beitrag gefunden: „Es war einmal – Ai Weiweis Film zu seinem heute so unwahrscheinlichen Documenta-Auftritt 2007„.

"Sumpf-Schwertlilie am Steinhuder Meer", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Sumpf-Schwertlilie am Steinhuder Meer“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Auf einer Wanderung über die Lütjen Deile, ausgehend von Steinhude und immer am Steinhuder Meer entlang gen Westen, sind mir an den sumpfigen Rändern des Sees insbesondere die vielen gelben Sumpf-Schwertlilien (Iris pseudacorus) aufgefallen. Sie blühen von Ende Mai bis Juni und sind giftig. Vielleicht sind diese Aufnahmen der Beginn einer neuen Serie „Wilde Blumen“? Mal sehen, was ich in der nächsten Zeit noch so an „Wildem“ entdecke. Die Jahreszeit verspricht einiges.

Übrigens, das plattdeutsche „Lütjen Deile“, der Beginn unserer Wanderung, steht für „Kleine Teile“. Hiermit sind die kleinen Flurstücke gemeint, die am Meer liegen und ursprünglich Steinhuder Bauern gehörten. Anfangs waren sie mit kleinen Sommerhäuschen bebaut, später wurde durch Zusammenlegung mehrerer Parzellen auch der Bau größerer Häuser möglich. Klein und putzig sind aber alle Flure und Häuser geblieben.

"Undine im Steinhuder Meer", © Friedhelm Denkeler 2011
„Undine im Steinhuder Meer“, © Friedhelm Denkeler 2011

Es soll als sicher gelten, dass die Geschichte des jungfräulichen Wassergeistes Undine  am Steinhuder Meer ihren Ursprung hat. Der Verfasser der Erzählung „Undine“, Friedrich de la Motte Fouqué, war 1796 als Offizier in Bückeburg stationiert. Der Künstler der modernen Meerjungfrau „Undine“ (auch Undene, lat. unda = Welle, oder auch französisch Ondine = Nixe) des Steinhuders Meeres in Form einer Edelstahlskulptur aus dem Jahr 1994 ist  Hans Jürgen Zimmermann. Nach dem Entwurf des Künstlers zu einem Bühnenbild der Ballettfassung von „Undine“ in der Staatsoper von Hannover entstand die Skulptur.

"Am Steinhuder Meer mit Blick auf die Insel Wilhelmstein", Foto © Friedhelm Denkeler 2009
„Am Steinhuder Meer mit Blick auf die Insel Wilhelmstein“, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Der große Nachteil einer Großstadt wie Berlin ist, dass man so gut wie nie den Horizont sieht. Also, ein paar Tage auf dem Land verbringen, zum Beispiel in Steinhude am Steinhuder Meer. Mit 29 Quadrat-Kilometern Fläche ist dieses „Meer“ der größte Binnensee Nordwest-Deutschlands. Er wird vorwiegend aus Grundwasser gespeist und ist das Zentrum des Naturparks Steinhuder Meer. Der See befindet sich in der Großlandschaft der Hannoverschen Moorgeest, östlich angrenzend liegt das Tote Moor (siehe Lage hier). Der See bildete sich in einem Becken gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren. www.naturpark-steinhuder-meer.de

"Langes Paar", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Langes Paar“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Stephan Balkenhols Holzkörper bringen Kunst auf die Straße – und in Hamburg auch auf das Wasser

Bekannt ist Stephan Balkenhols „Mann mit Giraffe“ vor Hagenbecks Tierpark in Hamburg (siehe hier). Weitere seiner Skulpturen, die er hauptsächlich aus Holz herstellt und die sein Markenzeichen sind, finden sich im Hamburger Stadtraum, so schwimmen einige auf Elbe und Alster. Balkenhols Arbeit „Mann und Frau“ habe ich vor der Zentralbibliothek der Öffentlichen Bücherhallen entdeckt. Scheinbar blicken Balkenhols Figuren emotionslos ins Leere oder auf einen für den Betrachter unbekannten Punkt. Sie bleiben anonym, distanziert und rätselhaft. Balkenhol sagt dazu:

„Meine Skulpturen erzählen keine Geschichten. In ihnen versteckt sich etwas Geheimnisvolles. Es ist nicht meine Aufgabe, es zu enthüllen, sondern die des Zuschauers, es zu entdecken.“

Weitere Werke von Stephan Balkenhol finden Sie hier.

"Speicherstadt", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Speicherstadt“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Speicherstadt

Zwischen den Deichtorhallen und dem Baumwall liegt im Freihafen die hundertjährige Speicherstadt, der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt. Er gilt übrigens gleichfalls als größtes Orient-Teppich-Lager Europas. Wilhelminische Backsteingotik der Gründerzeit wechselt sich ab mit bizarren Giebeln und Türmchen, die sich mit den Schuten in den Fleeten spiegeln. Dort ist auch mein Photo entstanden. Es soll eine „unscharfe“ Verbindung schaffen, zwischen dem Besuch der Gerhard Richter-Ausstellung im Bucerius Kunst Forum und dem Besuch der Ausstellung „Unscharf. Nach Gerhard Richter“ in der Kunsthalle. Bericht folgt.