Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Fotografisches Fundstück

Im Gegensatz zum Historischen Photo finden Sie hier aktuelle Einzel-Photos mit Impressionen von Stadtspaziergängen, Landausflügen, Urlaubsreisen, Stillleben, etc.

Für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei – China setzt ein weiteres Zeichen gegen die Meinungsfreiheit

"Ai Weiweis Template", Foto © Friedhelm Denkeler 2007

"Ai Weiweis Template", Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Von dem chinesischen Künstler Ai Weiwei fehlt seit einer Woche jede Spur

China setzt ein weiteres provokantes Zeichen gegen die Meinungsfreiheit: Von dem weltweit bekannten chinesischen Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei gibt es, nachdem er auf dem Flughafen in Peking am vorigen Sonntag festgenommen wurde, kein Lebenszeichen mehr. Kurz zuvor erst hatte Außenminister Westerwelle die große deutsche Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ in Peking eröffnet. Sein Besuch stand also ganz im Zeichen der Kunst und wurde bereits im Vorfeld kontrovers diskutiert. Die chinesische Regierung reichte heute den Grund der Verhaftung nach: Ai Weiwei soll „Wirtschaftsverbrechen“ begannen haben. Das erinnert stark an den Fall „Michail Chodorkowski“ in Russland.

Die Arbeiten des 53-jährigen Ai Weiwei habe ich erstmals auf der „documenta 12“ im August 2007 in Kassel kennengelernt. Dort hatte er eine acht Meter hohe Holzskulptur aus einzelnen, übereinander gestapelten alten chinesischen Holztüren ausgestellt, wobei die dazu gehörenden Häuser dem chinesischen Bauboom zum Opfer fielen. Dieses sogenannte Tor „Template“ vor dem Kasseler Aue-Pavillon wurde kurz vor unserem Besuch von einem Sturm zerstört (siehe mein Foto). Ai Weiwei nahm das relativ gelassen: Sein Werk sei nach dem Zusammenbruch schöner als zuvor, sagte er. Das Werk vor der Zerstörung finden Sie hier.

„Ich empfinde es als eine Brüskierung aller, die an der Ausstellung beteiligt sind – auch des Außenministers. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man die Eröffnung der Schau abgewartet hat, um dann eine von langer Hand vorbereitete Aktion zu starten. Vielleicht würden wir es anders wahrnehmen, wenn es in sechs oder zehn Wochen passiert wäre. Dass es passiert ist, während wir buchstäblich auf der Rollbahn standen, das ist besonders frustrierend“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Er sollte, finde ich, seinen Worten auch Taten folgen lassen und die Berliner Leihgaben für die Pekinger Schau sofort zurückziehen. „Wandel durch Annäherung“ ist ein schönes Schlagwort, aber manchmal ist eine Kritik mit Konsequenzen wirkungsvoller. Wirtschaftsbeziehungen hin oder her!

Am Donnerstag startete der Ex-Präsident des BDI Hans-Olaf Henkel eine Initiative, in der er Vertreter der Wirtschaft und Politik aufruft, sich für Ai Weiweis Freilassung einzusetzen. Ob Ai Weiwei seine geplante Ausstellung in Berlin am 29. April eröffnen kann, ist allerdings fraglich. Wegen seines politischen und gesellschaftlichen Engagements hatte er schon öfter unter Repressalien durch die chinesischen Behörden zu leiden. Am Brandenburger Tor in Berlin fand heute eine Kundgebung für die sofortige Freilassung von Ai Weiwei statt.

Der Frühling ist ausgebrochen …

"Der Frühling ist ausgebrochen …", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Der Frühling ist ausgebrochen …", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das neue Kunstquartier und die Katzen an der Heidestraße

An diesem Sonntag, dem ersten „echten“ Frühlingstag 2011, haben wir uns das „Entwicklungsgebiet Heidestraße“ einmal genauer angesehen. Das Gebiet war jahrzehntelang ein Niemandsland zwischen Ost und West. Heute liegt es zentral direkt am Hauptbahnhof und an der Dependance der Neuen Nationalgalerie, dem „Hamburger Bahnhof“.

Nach dem Besuch der aktuellen Ausstellung „Berlin Circle“ von Richard Long (demnächst mehr) im Hamburger Bahnhof, stand der Besuch des neuen Kunstquartiers an. Die dort ansässigen Galerien hatten am Sonntag natürlich alle geschlossen. Dadurch war es menschenleer, also fotografisch günstig und ich konnte in aller Ruhe z.B. die Hamburger „Oberhafen-Kantine“ (demnächst mehr) und die nach wie vor pittoreske Gegend fotografieren. Auf dem ehemaligen Bahngelände hat das Cats-Musical-Theater vorrübergehend seine „Zelte aufgeschlagen“ (siehe Foto).

Sommerzeit

"Volkspark Potsdam (BUGA-Park)", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2002

"Volkspark Potsdam (BUGA-Park)", aus "Sonntagsbilder", Foto © Friedhelm Denkeler 2002

Auf die Funkuhren ist Verlass – alle Uhren waren heute Morgen eine Stunde im Plus. Zum Ausgleich dafür war mein Thermometer im Minus-Bereich. Also Winter-Temperaturen zur Sommerzeit. Nimmt man den Frühlingsanfang vom letzten Montag hinzu, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Sommer irgendwann kommen.

Die jetzige Regelung mit der Sommer-/Winterzeit gibt es seit 1980. Laut Studien passieren am Montagmorgen nach der Zeitumstellung mehr Verkehrsunfälle als an einem normalen Montag. Deshalb werde ich morgen früh auf den Brandenburger Landstraßen besonders vorsichtig fahren, also nicht schneller als die Polizei erlaubt.

Das Photo stammt aus meinem Portfolio „Sonntagsbilder“. Die gesamte Serie besteht aus 115 Photographien. Sie sind zwischen 2002 und 2005 entstanden. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 124 Seiten im Format 21 x 21 cm erschienen. Eine Auswahl von 25 Photos finden Sie auf meiner Website www.denkeler-foto.de.

… Harrisburg … Tschernobyl … Fukushima …

"Atomkraft? Nein, danke", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Atomkraft? Nein, danke", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Risiken der Atomenergie sind nicht beherrschbar

Während des Autofahrens hörte ich heute im Radio, dass deutsche Atomkraftwerke nicht versichert sind. Warum? Den Versicherungsgesellschaften ist das Risiko zu groß (sic!). Eigentlich gibt es dazu nichts Weiteres zu sagen. Gut, sie sind mit 2,5 Millionen Euro versichert. Für Bagatellunfälle mag das reichen, aber ein GAU würde vielleicht 1000 Milliarden Euro Kosten.

Allein die Laufzeitverlängerung „unserer“ Regierung beschert den Betreibern zusätzliche Gewinne von 119 Milliarden Euro. Müssten die AKW-Betreiber wie jeder Hundebesitzer und jeder Autofahrer eine ausreichende Haftpflichtversicherung abschließen, könnte kein Mensch den Atomstrom bezahlen. Das Problem hätte sich von allein gelöst. Fazit: Die Risiken der Atomenergie mit ihrem unschätzbaren Schadenspotenzial sind nicht beherrschbar. Atomkraft! Nein danke.

Wer am höchsten fliegt, sieht am weitesten

"Blick vom Tempelhofer Feld auf Neukölln", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Blick vom Tempelhofer Feld auf Neukölln", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Impressionen vom Tempelhofer Feld (3)

1945 übernahm die US-Air-Force den Flughafen Tempelhof von den sowjetischen Besatzern. Vom Juni 1948 bis zum Mai 1949 wurden alle Zufahrtswege nach Berlin (West) durch die Sowjets blockiert. Der Flughafen bekam während dieser Zeit eine völlig neue Bedeutung – die Berliner Luftbrücke entstand. Teilweise im 90-Sekunden-Takt starteten und landeten die Flugzeuge („Rosinenbomber“), um die Versorgung von Berlin sicherzustellen. Ab 1950 wurde der Flughafen auch für die zivile Nutzung freigegeben. Die drei westalliierten Fluggesellschaften Pan Am, BEA und Air France flogen nun regelmäßig Tempelhof an. Mit dem Ende der Teilung Deutschlands und dem Baubeginn des neuen Flughafens Schönefeld endete am 30. Oktober 2008 der Flugbetrieb in Tempelhof.

Seit Mai 2010 ist das ehemalige Flughafen-Gebiet öffentlich zugänglich. Der Volksmund sagt „Wer am höchsten fliegt, sieht am weitesten“, das stimmt sicherlich. Für uns Städter allerdings ist auch der Besuch des Tempelhofer Feldes schon ein Ereignis an sich. Endlich können wir einmal den Horizont wahrnehmen und an die 2.500 Meter weit sehen. Kein Baum, Strauch und oder Gebäude, nichts stört die Sicht. 386 Hektar freies Feld bieten mitten in  der Stadt eine grandiose Fernsicht. In der Mitte des Platzes herrscht praktisch absolute Ruhe und beim Blick von der südlichen Rollbahn gegen Osten auf den Bezirk Neukölln (Foto) bekommt man einen vagen Eindruck von der Größe der Stadt. Fortsetzung folgt.

Nur Fliegen ist schöner

"Nur Fliegen ist schöner", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Nur Fliegen ist schöner", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Impressionen vom Tempelhofer Feld (2)

Die Geschichte des Fliegens auf dem Tempelhofer Feld begann um 1900 mit der Stationierung der militärischen Luftschifferabteilung. Im August 1909 startete hier während einer mehrwöchigen Flugschau der erste Zeppelin und landete anschließend in der Jungfernheide. Der Luftfahrtpionier Orville Wright führte Demonstrationsflüge durch und stellte dabei den Höhenweltrekord von 172 Metern auf. Der Ruf nach einem richtigen Flugplatz wurde immer lauter und es entstand ein erster in Johannisthal. Zu weit von der Stadtmitte entfernt, stellte man bald darauf fest und so begann 1922 der Bau eines Flughafens in Tempelhof.

1923 wurde der Flughafen Tempelhof offiziell in Betrieb genommen. Im ersten Jahr starteten 150 Flüge mit insgesamt 100 Passagieren. Tempelhof entwickelte sich zum wichtigsten Flughafen Europas und wurde auf Dauer zu klein. Planungen für den Zentralflughafen Tempelhof mit der heutigen Bebauung begannen. 1942 wurde der Weiterbau eingestellt. Die Gebäude wurden Teil der von den Nazis geplanten Nord-Süd-Achse für die „Welthauptstadt Germania“. Ingesamt war Tempelhof zu dieser Zeit der größte zusammenhängende Gebäudekomplex der Welt. Fortsetzung folgt.

Unter dem Pflaster liegt der Strand

"Unter dem Pflaster liegt der Strand", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Unter dem Pflaster liegt der Strand", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Impressionen vom Tempelhofer Feld (1)

Zwischen den Orten Schöneberg und Tempelhof lag bis zum 18. Jahrhundert ein Landstück, „Großes Feld“ genannt, das von den Bauern als Ackerfläche genutzt wurde. Um 1800 diente dann ein bestimmter Teil des Gebietes dem Militär als Parade- und Exerzierplatz und Manövergelände. Ein anderer Bereich war bei den Berlinern als Naherholungsgebiet beliebt. Hier gab es den kleinen See „Schlangenpfuhl“, in dem die Besucher baden konnten.

Später wurde das Feld durch verschiedene Luftfahrtaktivitäten bekannt. Ballonfahrten starteten hier und es entstanden die ersten fotografischen Luftbildaufnahmen. 1897 fand der weltweit erste Flug eines Starrluftschiffes statt. Heute, nachdem der Flugplatz Tempelhof nicht mehr existiert und seine historische Funktion, auf die ich später noch eingehen werde, verloren hat, sprechen wir wieder vom „Tempelhofer Feld“. Für die kommende Zeit plane ich eine kleine Serie mit Impressionen vom heutigen Tempelhofer Feld.

Fußnoten am Potsdamer Platz

… oder Gutte(nberg) Zeiten – Schlechte Zeiten

"Ein Paar Fußnoten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Ein Paar Fußnoten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Gestern am Potsdamer Platz an der historischen Ampel um 12.30 Uhr: Meine erste Demonstration seit Jahren. Das Motto: „Gutt Bye! Dem Lügenbaron den Schuh zeigen“. Und tatsächlich, fast alle Teilnehmer hatten nach einem Aufruf über Facebook, Twitter und verschiedene Blogs ein zusätzliches Paar Schuhe dabei oder trugen langgezogene Lügennasen. Am Bundes-„Selbst“verteidigungsministerium in der Stauffenbergstraße endete der Protestzug und hinterließ am Zaun vor dem Gebäude eine ganze Reihe aufgepickter Schuhe.

Das dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass das islamische Symbol für Schmähung und Verachtung so offensiv in Deutschland gezeigt wurde. Am Abend hörte ich in den Nachrichten den Jura-Professor Dr. Oliver Lepsius, den Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater, sagen: „Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Es ist eine Dreistigkeit ohnegleichen, wie er honorige Personen der Universität hintergangen hat.“ Weitere Fußnoten dürften folgen!

Der Heilige Wald im Tiergarten

"Heiliger Wald im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Heiliger Wald im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das Geheimnis ist keines mehr. Der Schriftzug „Holy Wood“ auf einem 53 Meter langen und 14 Meter hohen Gerüst im Tiergarten ist fertiggestellt (siehe hier) und hat leider nichts mit gleichlautender Traumfabrik gemein. Ein Ökostromanbieter ist dieses Jahr Werbepartner der Berlinale und der Berliner Künstler Ralf Schmerberg hat eine Idee hierzu thematisch umgesetzt. Pünktlich zu Beginn der Internationalen Filmfestspiele Berlin am 10. Februar 2011 wird der Schriftzug heute Abend vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der gleichzeitig auch Kultursenator ist, eingeweiht. Als Huldigung an den Baum an sich und an den „heiligen“ Wald der Berliner, den Tiergarten, sollen allabendlich Waldbilder darauf projiziert werden. Der Wald im Wald sozusagen. Fortsetzung folgt.

Geheimnisvolle Schriftzeichen im Tiergarten

"Holy Wood im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Holy Wood im Tiergarten", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Entsteht pünktlich zu Beginn der Internationalen Filmfestspiele in Berlin vom 10. bis 20. Februar 2011 im Tiergarten in der Nähe des Potsdamer Platzes eine Filiale der Traumfabrik aus Hollywood? Der Schriftzug aus den Bergen über Los Angeles wird bereits montiert. Es scheint aber noch Probleme mit der korrekten Schreibweise zu geben. Handelt es sich um einen Werbegag oder um eine, wie der Tagesspiegel berichtete, politische Aktion? Fortsetzung folgt.

Sächsischer Baguetteboden

"Neues Parkett mit Still-Leben", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

„Neues Parkett mit Still-Leben“, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2011 wünscht Friedhelm Denkeler

Ein sehr kurzes Video zum Jahresausklang und passend zu meinem Foto habe ich im Internet gefunden: Sächsischer Baguetteboden. Es geht um ein klassisches Missverständnis beim Fußbodenlegen (hauptsächlich in Sachsen).

Der Duden erklärt übrigens Still-Leben und Parkett wie folgt:

Still|le|ben, Still-Le|ben, das; -s, – (Malerei bildl. Darstellung von Gegenständen in künstl. Anordnung)

Par|kett, das; -[e]s, Plur. -e und -s <franz.> (im Theater meist vorderer Raum zu ebener Erde; getäfelter Fußboden)

Winter am Slatsee

"Schlachtensee im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Schlachtensee im Winter", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Der Name Schlachtensee geht nicht auf eine „Schlacht“ zurück, sondern auf einen slawischen Begriff und verweist auf die slawische Zeit in der Mark Brandenburg. In einer Urkunde des einflussreichen Klosters Lehnin des Zisterzienserordens findet sich 1242 die einzige Erwähnung als Dorf „Slatdorp“ am „Slatsee“. Nach dieser Urkunde kaufte das Kloster den gemeinsam regierenden askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. Zehlendorf und Slatdorp mit zwei Seen und einem Wald für 300 Mark ab. Quelle: Wikipedia

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