Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Fotografisches Fundstück

Im Gegensatz zum Historischen Photo finden Sie hier aktuelle Einzel-Photos mit Impressionen von Stadtspaziergängen, Landausflügen, Urlaubsreisen, Stillleben, etc.

Ein Natur-Container aus Eibenbüschen

"Grüner Container", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Grüner Container", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Preis der Nationalgalerie für junge Kunst
im Hamburger Bahnhof bis zum 8. Januar 2012

Bereits auf dem Weg in den Hamburger Bahnhof fällt er auf – der „grüne Müll-Container“ der in Berlin lebenden Schwedin Klara Lidén. Neben Kitty Kraus, Andro Wekua und Cyprien Gaillard war sie eine der vier Kandidaten für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2011. Alle vier Künstler zeigen im Museum Skulpturen, Filme und Installationen. Malerei sucht man allerdings vergebens.

Die 1979 geboren Klara Lidén hat ihren „Natur“-Container mit einer Außenhaut aus Eibenbüschen zurechtgeschnitten. Im Inneren wachsen Unkrautpflanzen aus dem städtischen Umfeld – das soll den Gegensatz zwischen Urbanität und unkontrollierter Natur, sowie zwischen Reglementierung und Chaos verdeutlichen. Ihre zweite Arbeit ist noch irritierender: Ein etwa dreiminütiges Video zeigt in den Ausstellungsräumen die Künstlerin, mit dem Rücken zum Betrachter, an ihrem Schreibtisch sitzend. Plötzlich steht sie auf, tritt an den Papierkorb heran und verschwindet darin.

Den Preis in Höhe von 50.000 EURO, der alle zwei Jahre vom Verein der Freunde der Nationalgalerie an in Deutschland lebende bildende Künstler unter 40 Jahren verliehen wird, gewann dieses Jahr Cyprien Gaillard.

www.preis2011.de

November in Krottorf

"Rote Beeren an der Bode", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Rote Beeren an der Bode", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Seit sechs Jahren bin ich regelmäßig im November in Krottorf (siehe hier). Das Dorf liegt inmitten der Magdeburger Börde, zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg und dem Harz und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Gröningen. Mitten durch Krottorf fließt die Bode, die im Brockengebiet ihre Quellen hat. Nachdem sie Quedlinburg, Oschersleben und Krottorf passiert hat, fließt sie nach 140 Kilometer bei Nienburg in die Saale.

So bot sich schon vor mehr als hundert Jahren an, an dieser Stelle eine Wassermühle zu errichten. 1896 wurde diese in das „Elektricitätswerk Crottorf AG“ umgewandelt und nachdem die gesamte Anlage im Jahr 2000 von Grund auf saniert wurde, zog hier die e•on|Avacon AG-Akademie ein. Bedingt durch das Wasser und die zahlreichen Niederungen habe ich Krottorf bisher hauptsächlich im Nebel und in der Dämmerung erlebt. Das heutige Bild entstand auf einem Spaziergang zwischen den beiden Armen der Bode. Auf meiner Website “Denkeler Foto” finden Sie eine Auswahl von 24 Photos aus der Serie “Krottorf”, die im Jahr 2008 entstanden ist.

Im Speisesaal des Olympischen Dorfes

"Im Speisesaal des Olympischen Dorfes", Foto © Friedhelm Denkeler 2009

"Im Speisesaal des Olympischen Dorfes", Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Vor 75 Jahren, im Sommer 1936, fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt. Das Olympische Dorf wurde vor den Toren Berlins, im Elstal errichtet. Wie es in dem ehemaligen Speisehaus ausgesehen haben könnte, zeigt diese Rekonstruktion, wobei die Weingläser keinen Fauxpas bedeuten. Selbstverständlich wurde den italienischen Sportlern zu ihren Pasta-Gerichten Rotwein kredenzt. In dem dreistöckigen Bogenhaus reihten sich 40 Säle mit 40 Küchen für die einzelnen Nationen aneinander. Das unter Denkmalschutz stehende Olympische Dorf an der Bundesstraße 5 ist in dieser Saison noch bis zum 31. Oktober geöffnet und es empfiehlt sich, an einer Führung teilzunehmen.

www.dkb-stiftung.de

Eine Herbstwanderung zwischen Nuthegraben und Grenzgraben in den Niederungen des Urstromtales

"Rote Beeren am Nuthegraben", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Rote Beeren am Nuthegraben", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Der nicht gewesene Sommer wird ohne Übergang zum Herbst. Heute also der erste schöne Herbsttag. Raus aus Berlin und durch die Offenlandschaft mit den Feldern, Wiesen und Niederungen des Urstromtales zwischen dem Nuthegraben und Grenzgraben in der Nähe von Diedersdorf, das seit 2002 zur Gemeinde Großbeeren im Landkreises Teltow-Fläming gehört, spaziert. Das Grabensystem diente der Entwässerung des geklärten Wassers aus Berlin zu Rieselfeldzeiten Richtung Nuthe und damit zur Havel. Kaffee und Kuchen in der Diedersdorfer Schlossbäckerei sind im Anschluss zu empfehlen. Später, um Mitternacht, wollen wir nach Paris. Auflösung folgt.

Diedersdorf

Von fliegenden Kartoffeln, zerberstenden Vasen und menschlichen Flugversuchen

Anna & Bernhard Blume mit "Küchenkoller" in der Prinzenstraße, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Anna & Bernhard Blume mit "Küchenkoller" in der Prinzenstraße, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Zum Tod des Künstlers Bernhard Blume 

„Die 1937 geborenen Künstler Anna & Bernhard Blume haben das Genre der inszenierten Fotografie wesentlich erweitert und zählen international zu deren wichtigen Vertretern. In ihren häufig vielteiligen, großformatigen und schwarz-weißen Fotoserien erzählt das Künstlerpaar inszenierte Zeitabläufe, deren Protagonisten sie selbst sind. Die Szenen sind oft reduziert, verfremdet und vor allem komisch: Ordnung und Chaos scheinen sich gegenseitig zu bedingen, Rollenbilder und Konventionen stecken in jedem Ding, konditionieren Verhaltensweisen und fordern zum Widerstand heraus. Dabei sind Performance, Malerei und Fotografie in den zeitdiagnostischen Werken von Anna & Bernhard Blume stets eng miteinander verwoben.“ So die Ankündigung zur Retrospektive von Anna & Bernhard Blume 2008 im Hamburger Bahnhof, Berlin.

Sind Kartoffeln nur Kartoffeln, oder können es auch Seelenzeichen sein? Muss man sie nicht als Objektivationen sehen, z.B. unterdrückter, nicht gelebter Wünsche, Triebe? Können dann Kartoffeln nicht zuweilen Truggebilde sein, fotogene Manifestationen einer lang frustrierten Seele, die sonst sprachlos bleiben müsste? [Anna und Bernhard Blume zu „Küchernkoller„]

Anna & Bernhard Blume waren ein unzertrennliches Künstlerpaar seit Beginn der 1960er Jahre. Jetzt ist Bernhard Blume im Alter von 73 Jahren in Köln gestorben. Ein typischer Blume-Titel war „Der Gedanke des Todes ist unannehmbar.“ Die ironischen und humorvollen Bilder der Blumes werden bleiben.

Das große Reinemachen nach der “Based in Berlin”

"Besen in Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

"Besen in Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Vor längerer Zeit hatte ich mir die Ausstellung „Based in Berlin“ im Atelierhaus im Monbijou-Park angesehen und war so enttäuscht, dass ich keine Lust hatte, darüber zu schreiben. Eigentlich wollte ich mir noch den Ausstellungsteil in den Kunstwerken anschauen. Bei diesem Vorsatz blieb es aber. Nun ist die Ausstellung zu Ende und das ist auch gut so, um mit Wowereits Worten zu sprechen, der das Geld für die Leistungsschau „Based in Berlin“ locker machte.

Endlos Banales in einer überflüssigen Ausstellung für 1,6 Millionen zeigt keine Notwendigkeit für eine Kunsthalle in Berlin. „So viele Glaubensbekenntnisse des hilflosen Nachahmens hat es vielleicht noch nie in einer Ausstellung gegeben“ schrieb Heiner Bastian in „Warum ‚Based in Berlin‘ gescheitert ist„. Auch das Fotografieren ist mir in der Ausstellung vergangen, so bleibt nur das Bild vom Reinemachen im Park nach der Ausstellung.

Monatsarchiv