Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Filmbesprechung

Unter der Kategorie »Filmbesprechung« diskutiere ich die selbst gesehenen aktuellen Kino-Filme, hin und wieder auch einmal einen Klassiker. Um eventuelle Copyright-Ansprüche zu umgehen, sind alle Beiträge in allen Rubriken mit eigenen Fotos versehen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Für den Oscar-Anwärter ist Reden Silber und Schweigen Gold

 "Lene Meinert", Archiv © Friedhelm Denkeler 1927
„Lene Meinert“, Archiv © Friedhelm Denkeler 1927

Schweigen wäre Gold – so könnte man häufig angesichts der Umstellung des traditionellen Zelluloid auf digitalen Film sagen. Sieht man den aktuellen Film „The Artist“ des Franzosen Michel Hazanavicius, den er in Hollywood realisiert hat, so ist Schweigen tatsächlich Gold.

Ein Film ohne Ton, ohne 3D- und Dolby Surround-Effekte, nur mit Musik und im alten 4:3 Format in Schwarzweiß gedreht, gibt die Anmutung der alten Stummfilme wieder. Erzählt wird von jener Zeit, in der ein Film noch weltweit verstanden wurde, weil er eine universale Sprache sprach.

Gleichzeitig ist er auch eine Geschichte aus der Zeit des Übergangs vom Stumm- auf den Tonfilm, der den empörten und mimisch verzweifelten Ausruf des Hauptdarstellers „Ich bin doch Künstler“ zur Folge hat.

„George Valentin (Jean Dujardin) ist der Superstar des großen Hollywood-Kinos der 20er Jahre. Dem unvergleichlichen Charmeur und Draufgänger fliegen die Herzen des Publikums zu. Er genießt und zelebriert seinen Ruhm und entdeckt wie im Vorbeigehen das Talent der jungen Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo).

Doch mit dem Wendepunkt vom Stummfilm zum Tonfilm stehen die beiden Schauspieler plötzlich zwischen Ruhm und Untergang: Valentin will nicht wahr haben, dass der Tonfilm seine Karriere zu überrollen droht. Für Peppy Miller aber bedeutet die neue Technik den Durchbruch: Das Sternchen wird zum gefeierten Kinostar!“ [aus der Filmbeschreibung].

„Doch obsiegt nicht nur die Liebe, sondern auch die dialektische Synthese in Form des stepptanzschuhklackernden Musicals, dem genuinen Tonfilm-Genre, das zugleich die triumphale Rückkehr des Körpers als Spektakel eigenen Rechts in der Filmgeschichte markiert.“ [Der Spiegel].

Das Erstaunlichste ist, dass der eigentlich anachronistische Film zurzeit mit Auszeichnungen und Nominierungen überhäuft wird. Der Film erhielt allein zehn Nominierungen für den Oscar. Fazit: Ein sehenswerter Film in dem am Ende das Kino über seine eigene Historie siegt und mit einem Happy-End, das so nur im Film erfunden wird. Es ist zu wünschen, dass dieses Jahr Schweigen wirklich zu Gold wird. www.theartist-derfilm.de

Michael Bully Herbig und Jürgen Vogel in Leander Haußmanns Tragik-Komödie „Hotel Lux“

"Roter Stern in Radevormwald", Foto © Friedhelm Denkeler 1984
„Roter Stern in Radevormwald“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Diese Szene des Films wird immer in Erinnerung bleiben – Walter Ulbricht sitzt mit Lotte Kühn beim Frühstück im Hotel Lux in Moskau und stapelt Würfelzucker zu einer Mauer, darauf Lotte „Was machst du denn da?“, „Nichts! Nur so!“.

Der Komiker und Parodist Hans Zeisig (Michael Bully Herbig) tritt 1938 im Nazi-Berlin in einer satirischen Tanzrevue gemeinsam mit Siggi Meyer (Jürgen Vogel) als Stalin und Hitler auf und macht genau einen Hitler-Gag zuviel.

Er muss mit gefälschten Papieren fliehen. Sein eigentliches Ziel ist Hollywood, da er jedoch einen russischen Pass erhielt, landet er in Moskau im Hotel Lux. Hier erging es ihm, wie heute den meisten Deutschen, er wusste nichts über das Hotel, das ein Hotel voller Kommunisten, ein Gästehaus der Kommunistischen Internationalen war.

Kommunisten, die vor den Faschisten geflohen waren, versuchten hier zu überleben, kamen aber vom Regen in die Traufe. Sie wurden bespitzelt, verhört, nach Sibirien verschleppt oder erschossen.

Im diesem Hotel trafen sich alle. Politiker, Schriftsteller, Künstler und auch im Film tummeln sich Exilanten wie Walter Ulbricht, Georgi Dimitroff, Johannes R. Becher, Herbert Wehner oder Wilhelm Pieck.

Der russische Geheimdienst unter dem NKWD-Chef Jeschow verwechselt Zeisig mit Hitlers Leibastrologen Hansen. Kurz und gut, Zeisig und der aus dem Untergrund wieder aufgetauchte Meyer, fliehen, nun als Stalin und Hitler verkleidet, gemeinsam mit der Frau, die zwischen beiden steht, Frida van Oorten (Thekla Reuten).

Ein sehenswerter Kinospaß, der zur absurden Geschichtsstunde wird. Gekonnt werden die Rollen gewechselt, die Regieeinfälle purzeln nur so, das Zeitkolorit ist authentisch und den Zuschauern hat es gefallen. Spätestens jetzt ist ihnen das Hotel Lux ein Begriff. www.hotel-lux-film.de

„Leben mit Eden“ – „Er brachte das Licht nach Berlin“

"Größe 38 am Kurfürstendamm (für Rolf Eden)", Foto © Friedhelm Denkeler 2009
„Größe 38 am Kurfürstendamm (für Rolf Eden)“, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Einer der ersten Clubs, den ich 1968, gerade in Berlin angekommen, besuchte, lag am Kurfürstendamm Nr. 202: das „Big Eden“. Der Ruf dieser legendären Diskothek begründete sich allein auf seinen Besitzer Rolf Eden, den einzigen Playboy Berlins, der Schöne, Reiche und Prominente in den großen Kellerraum lockte.

Mit der Wendezeit, neuen Musiktrends und der Verlagerung der Partyszene in den Ostteil der Stadt („Tresor“, „Bunker“), begann der Niedergang des Clubs, den Rolf Eden 2002 endgültig verkaufte.

Das Big Eden war nicht sein einziges Etablissement. Es begann mit dem Old-Eden, dann folgten der New-Eden und zwei weitere Clubs, die heute alle nicht mehr existieren. Der ungekrönte Discokönig Berlins ist mit seinen 81 Jahren noch immer Playboy, mittlerweile verdient er aber sein Geld mit Mietshäusern.

Im aktuellen Dokumentarfilm von Peter Dörfler „The Big Eden“ werden die Fotos seiner „Wall of F.“ wieder lebendig. Dörfler lässt den 1930 in Berlin geborenen Eden sein Leben erzählen, das ihn 1933 nach Palästina und über Paris 1957 wieder nach Berlin führte. Seine Frauen und Gespielinnen, Kinder und Freunde treten gleichfalls vor die Kamera. (Filmausschnitte).

Insbesondere sind immer wieder Super8-Aufnahmen, die Eden oder seine Begleiter auf den zahlreichen Reisen selbst gedreht haben, als Zeitdokument zu sehen. Ich wusste gar nicht, dass lange vor YouTube und Facebook Rolf Eden der Erfinder des Video-Tagebuchs war. Der Film zeigt einen freundlichen älteren Herrn, der seine Eitelkeit unumwunden zugibt, einen großzügigen Egomanen und lebenslang Pubertierenden. Irgendwie rührend. Ein Film zum Jahresanfang, jenseits aller Tristesse des Lebens, den man ungeachtet aller gesellschaftlichen Kritik, mit einem breiten Grinsen verfolgt.

Der Film ist im „Cinema Paris“ zu sehen und bei dieser Gelegenheit kann man sich im „Institut Francais“ auch die Fotoausstellung „Prèsences Uniformes“ von Richard Tronson ansehen (bis 31.01.2011, weitere Informationen hier).

Im »Journal« hat es keinen Jahresrückblick gegeben, aber ein Hinweis auf die aus meiner Sicht fünf besten Filme 2011 sei erlaubt:

Roman Polanskis „Gott des Gemetzels“ im Kino

Ich glaube an den Gott des Gemetzels, dessen Gesetze seit Anbeginn der Zeit unverändert gelten. [Alan Cowan/Christoph Waltz]

"Der Gott des Gemetzels", Delphi, Foto © Friedhelm Denkeler 2011
„Der Gott des Gemetzels“, Delphi, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Weder Gott, noch Gemetzel möchten sie sehen, so die Antwort auf meine Frage nach einem gemeinsamen Besuch des neuen Polanski-Films. Aber der Hinweis auf Polanskis Verfilmung des gleichnamigen Theaterstückes von Yasmina Rezas beruhigte die Gemüter.

Also – zwei Paare sehen sich an einem kalten Herbsttag zwei Paare auf der Leinwand an: Nancy Cowan (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz), sowie Penelope Longstreet (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly), die sich selbst beweisen möchten, dass zivilisierte Menschen keine Kriege miteinander führen müssen. Es kommt dann aber doch ganz anders.

Mit diesem Film hat Polanski das viel gespielte Theaterstück von Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ in Szene gesetzt. Anlass des Streits der beiden Paare, ist die Auseinandersetzung ihrer Kinder, bei der ein Sohn einen Zahn verloren hat. Am Anfang gehen sie betont freundlich miteinander um, bald aber bröckelt die Fassade immer mehr und die Dialoge gehen in offenen Hass über.

Penelope Longstreet, eine selbsternannte Weltretterin, lässt ihre moralische Überlegenheit jeden spüren, ein „Gutmensch“ eben. Ihr Mann Michael, ein Eisenwarenhändler und vermeintlicher „Hamstermörder“, der immer versucht schlichtend einzugreifen, rastet am Ende einfach nur aus. Nancy Cowan, die Brokerin, versenkt das Handy ihres ständig telefonierenden Mannes Allan, eines Anwalts in den Diensten finsterer Pharmakonzerne, in der Vase mit einem Strauß gelber Tulpen.

Jörg Albrecht im Deutschlandfunk: „Klug und pointiert, entlarvend und abgründig, vor allem aber kurz und bündig – in nur 78 Minuten – liegen die Errungenschaften des zivilisierten Umgangs in Trümmern. Die Regeln des Miteinanders, die den Mensch als soziales Wesen auszeichnen, gelten nicht mehr. Der Gott des Gemetzels hat die Macht an sich gerissen – auch wenn auf diesem Schlachtfeld nicht ein Tropfen Blut fließt. Das Bemerkenswerte an der Eskalation: Die Frontlinie verläuft nicht nur zwischen den beiden Paaren. Das Quartett mischt seine Karten im Minutentakt neu.“

Das Stück spielt die gesamte Zeit in der Wohnung der Longstreets, nur die Eingangsszene zeigt den Streit der beiden Kinder draußen im Park und zum Schluss sehen wir die Kinder wieder gemeinsam im Park spielen, selbst der ausgesetzte Hamster genießt mittlerweile die freie Natur. Ein „Theaterstück“ mit vier sehr guten Spielern, aber ein zwiespältiger Eindruck bleibt: Vielleicht ist das Stück auf der Bühne doch besser aufgehoben. Unser weiterer Abend verlief übrigens friedlich. Trailer „Gott des Gemetzels“

Vom Gemälde zum bewegten Bild – Lech Majewskis „Die Mühle und das Kreuz“

Eingekerkert sind die Menschen in der Zwangsherrschaft ihrer Zeit, immer den Tod vor Augen und sinnloses Leiden und dabei die Gewissheit, dass kein Gott sei.“ [Süddeutsche Zeitung]

In dem weltberühmten Gemälde „Die Kreuztragung Christi“ aus dem Jahr 1564 erzählt Pieter Bruegel viele Geschichten mit über Hunderten von Figuren rund um Jesus Weg zum Kreuz. Bruegel versetzte die Szenerie in seine zeitgenössische Gegenwart: Jerusalem wurde zu einer Stadt in Flandern. Er malte nicht nur eine religiöse Szene wie der Titel suggeriert, sondern prangerte die Lebensumstände unter der damaligen spanischen Herrschaft mit all den willkürlichen Grausamkeiten der Inquisition an.

"Stemmer Mühle", Foto © Friedhelm Denkeler 2001
„Stemmer Mühle“, Foto © Friedhelm Denkeler 2001

Der polnische Regisseur Lech Majewski hat das Bild nun zum Leben erweckt. Vor dem gemalten Hintergrund werden einzelne Figurengruppen lebendig. Zwischendurch erklärt Bruegel (Rutger Hauer) seinem Freund und Kunstsammler Nicholas Jonghelinck (Michael York) die Entwicklung und die Bedeutung des Bildes.

So wird dem Zuschauer das bäuerliche Leben in Flandern gezeigt; wir sehen den Leidensweg Christi und erfahren gleichzeitig die Gedanken und Gefühle seiner Mutter Maria (Charlotte Rampling). Der Dialog ist auf diese drei Hauptdarsteller beschränkt, von den restlichen Figuren sind nur undeutliche Laute zu vernehmen.

Majewskis Filmtechnik ist überraschend und beeindruckend. Sie besteht aus Aufnahmen von realen Landschaften, die denen im Gemälde ähneln und Aufnahmen von Schauspielern vor dem Blue Screen, die mit dem von Majewski gemalten Hintergrund, einer Kopie des Gemäldes, kombiniert werden.

Als Zuschauer „tritt“ man immer wieder in das Bild ein und „steigt“ wieder aus. Zum Schluss verwandelt sich der Film vom tableau vivant in das Originalgemälde im Kunsthistorischen Museum in Wien, direkt neben Bruegels „Turmbau zu Babel“.

Viele Gemälde zeigen Gott, wie er die Wolken zerteilt und auf die Welt herabsieht. In Bruegels Bild und Majewskis Film wird der Müller seinen Platz einnehmen. Er thront auf einem unwahrscheinlich hohen Felsen mit einer Mühle auf der Spitze. Der Wind bewegt die riesigen Flügel der Mühle, das Korn wird gemahlen, aber der Müller greift in das Weltgeschehen nicht ein. Nur einmal halten Bruegel und der Müller das Weltgeschehen an, so dass Bruegel seinem Auftrageber das Bild in aller Ruhe erläutern kann.

Da der Film doch eher etwas für Kunst- und Video-Liebhaber ist, wird er sicherlich nicht mehr lange zu sehen sein. Wir sahen ihn im Filmkunst 66, leider sind dort die Kinos und die Leinwände zu klein für diesen Film. Für das Fernsehen oder für eine DVD ist er überhaupt nicht geeignet. Es ist ein nicht wiedergutzumachendes Versäumnis, sich diesen Film jetzt nicht auf einer (größeren) Leinwand anzusehen.

Alle Symbolik bleibt geerdet, und jedes figürliche Detail wird durch Licht, Farben und Stofflichkeiten so sorgfältig herausgearbeitet, dass man nicht nur in das Bild, sondern in das Vermögen der Kunst selbst hineinzusinken glaubt. Mehr passiert eigentlich nicht, trotzdem glaubt man ein Wunder gesehen zu haben. [DIE WELT]

„Die Kreuztragung Christi“ bei Wikipedia Kinotrailer „Die Mühle und das Kreuz“

Ein Film, zwischen Roland Emmerich und Andrej Tarkowski, in dem die Welt still und leise und sehr schön untergeht

Lars von Triers "Melancholia", Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Lars von Triers „Melancholia“, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Lars von Triers neuer Film beginnt mit einem fast zehnminütigen Prolog in neun schönen und abgründigen Bildern: Wir erblicken ein Schloss am Meer über dem drei Planeten, groß und hell wie der Mond, zu sehen sind; die Taxusbäume im Garten werfen einen doppelten Schatten, die Sonnenuhr zeigt verschiedene Zeiten an, über dem grünen Rasen schwebt ein kleiner Junge im Anzug zwischen zwei Frauen, eine Frau im Brautkleid versucht zu fliehen, aber dicke, meterlange „Schlingwurzeln“ hemmen ihren Schritt.

In weiteren Stillleben zucken an Lichtleitungen und an den Händen der Frau Blitze in den Himmel; ein Pferd bricht zusammen, tote Vögel fallen vom Himmel und im letzten Bild des Prologs erscheint ein riesiger Planet, genannt „Melancholia“ und kollidiert mit der Erde.

Alle Bilder sind mit einer extremen Zeitlupe gefilmt, sie verheißen Unheil und sind gleichzeitig betörend schön, die Bewegungen sind so langsam, dass man sie kaum wahrnimmt. Wagners „Tristan und Isolde“ untermalen die Bilder.

Dieser Prolog nimmt im Grunde bereits die gesamte Geschichte des Films vorweg: Das Ende der Welt als Zusammenprall zweier Planeten. Die Erzählung besteht aus zwei Kapiteln: „Justine“ (Kirsten Dunst) und „Claire“ (Charlotte Gainsbourg). „Justine“ spielt während der Hochzeitsfeier von Justine und Michael (Alexander Skarsgard), ein mit schwankender Handkamera gefilmtes absurdes Panoptikum aus Familienkrach und Feierlaune (herrlich biestig Charlotte Rampling als Mutter der Braut), während die Braut selbst, in Vorahnung des kommenden Unheils, langsam der Melancholie verfällt.

Im zweiten Kapitel „Claire“ nähert sich der fremde Planet immer weiter der Erde und in der absurden Hoffnung, dass der große Zusammenprall ausbleibt, bereiten sich die Familien im Schloss am Meer, einige Tage nach der Hochzeit auf den alles entscheidenden Tag vor. Begleitet wird dieser Filmteil musikalisch von einem beunruhigenden, niederfrequenten Wummern.

Während bisher Justine im Mittelpunkt stand, so ist es nun ihre Schwester, die einer panischen Angst vor dem möglichen Weltuntergang verfällt. Justine hingegen wird immer gelassener. Sie schöpft aus der Gewissheit des Weltendes neue Kraft – in einer Szene „sonnt“ sie sich nackt im blauen Licht des Unheil bringenden Planeten (siehe hier).

Während die beiden Frauen den Untergang bewusst erleben, hat Claires Mann (Kiefer Sutherland), der analytisch denkende Wissenschaftler, das Ende für sich selbst vorweggenommen. Kirsten Dunst hat übrigens für ihre Darstellung der Justine in Cannes die Silberne Palme bekommen (im Vorjahr erhielt Charlotte Gainsbourg für ihre Rolle in Lars von Triers „Antichrist“ den Preis für die beste weibliche Darstellerin).

Der Film ist virtuos, eine gewiefte Kombination von Genres und Motiven. Elemente des Katastrophenfilms sind vorhanden, auch dessen Mechanismen der Spannungserzeugung, die Ingmar-Bergmansche Neugier am Zerfall von Beziehungen und Selbstbildern fällt ins Auge, ein gewisses Interesse an Satire und Fantastik – all das von einer nervösen Dogma-Kamera beobachtet. Der Film ist größenwahnsinnig und kitschig, subtil und grausam. Also großartig. [DIE ZEIT]

Trailer zu MelancholiaVideo-Filmkritik FAZ

Die Bekenntnisse eines Romantikers – Woody Allens sehnsuchtsvolle Zeitreise ins L’Âge d’Or

"Mitternacht", Foto © Friedhelm Denkeler 2010
„Mitternacht“, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Ein Film voller Esprit und Charme, eine romantische Liebeserklärung an Paris. Ein Märchen über die verführerische Parallelwelt der 1920er Jahre in Paris – das alles ist der neue Woody Allen-Film „Midnight in Paris“, der kürzlich das Filmfestival von Cannes eröffnete. Die Sehnsucht des Menschen, in einer anderen Zeit zu leben, zeigt Allen mit herrlichen Regieeinfällen.

Woody Allens neuer Held, der Schriftsteller Gil (Owen Wilson), besucht Paris in der Jetzt-Zeit, aber auf seinen nächtlichen Spaziergängen „auf der Flucht“ vor seiner Verlobten, taucht er ein in die Quartiere und Bistros der 1920er Jahre und der Belle Époque. Er hört die Musik von Cole Porter und bewundert die Gemälde des frühen Dalí. Er trifft sie alle – die Künstler der damaligen Zeit: Ernest Hemingway, Gertrude Stein, Scott und Zelda Fitzgerald, T.S. Eliot, Pablo Picasso, Man Ray, Luis Buñuel, Josefine Baker, Jean Cocteau. So viele „Künstler“ hat man, glaube ich, noch nie in einem Film zusammen gesehen. Es ist ein Kommen und Gehen, ein Taumel, eine Verführung und eine ganz große Sehnsucht.

„Paris am Morgen ist wunderschön, Paris am Nachmittag ist charmant, Paris am Abend ist bezaubernd, doch Paris nach Mitternacht ist magisch.“ Nachdem Allen bereits London und Barcelona entdeckt hat, macht er nun in seiner 42. Regiearbeit in Paris Station. Die nächste Station soll übrigens Deutschland sein. Berlin bietet sich gerne an. Trailer „Midnight in Paris“

Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Das war sie also, die 61. Berlinale. Die Preise sind vergeben und die Enttäuschung über die Filme im Wettbewerbsprogramm bleibt. Bisher glaubte ich, dass das große „B“ auf den Plakaten der Internationalen Filmfestspiele für „Berlin“ steht. Die Berlinale rühmt sich neben Cannes und Venedig das dritte „A-Festival“ zu sein. Wenn das so weitergeht, haben wir in Berlin nur noch ein „B“-Festival. Die Kriterien für die Auswahl der Filme waren nicht erkennbar. Kurz gesagt, der gesamte Wettbewerb war ziemlich dröge und schwerfällig.

Die Entscheidung, die drei wichtigsten Bären (Goldener Bär, Silberner Bär Beste Darstellerin und Bester Darsteller) einzig und allein an den iranischen Film “Jodaeiye Nader az Simin” zu vergeben, ist für mich nicht nachvollziehbar (siehe hier). Es dürfte eine politische Entscheidung gewesen sein, die manchen Kunstfreund grämen wird. Die größte Fehlentscheidung für mich war allerdings, den deutschen Film „Schlafkrankheit“ mit dem Silbernen Bären für die beste Regie auszuzeichnen. Der Film war zum Einschlafen (siehe hier) und drehte sich ausschließlich um sich selbst.

Das Mindeste wäre es gewesen, Miranda July für ihren künstlerischen Film „The Future“ auszuzeichnen. Ihre liebevolle Geschichte über ein Pärchen, das den Sinn des Lebens sucht, war der Jury wohl nicht ernst genug (siehe hier). Dafür erhält „The Turin Horse“ von Béla Tarr, Ungarn, den „Großen Preis der Jury (Silberner Bär)“. Diesen Film habe ich nicht gesehen, aber in den 146 Minuten (sic!) soll keine Handlung stattfinden. Im 45-sekundigen Trailer sieht man 30 Sekunden lang eine Lampe brennen mit anschließender Schwarzblende.

Der STERN urteilt: „Der Preis der Zukunft … geht leider an das Filmfest von Cannes. Die großen Namen unter den Regisseuren werden alle dort vertreten sein. Angeblich weil sie nicht eher fertig geworden sind – die Wahrheit ist aber natürlich das Klima und … Cannes: Terry Malick zeigt endlich seinen „Tree of Life“, Lars von Trier ‚Melancholia‘, Pedro Almodovar ‚The Skin I live in‘, David Cronenberg ‚The dangerous Method‘ und Steven Spielberg ‚War Horse‘.

Den Besuchern in Cannes wünsche ich ein lebhaftes und kontroverses Filmfest, dass Möglichkeiten und Perspektiven künstlerischer Gestaltung aufzeigt und nicht den permanenten Stillstand zelebriert.

In „Unknown“ wird die Heimat des Goldenen Bären fast in Schutt und Asche gelegt und die Berlinale endet höchst explosiv

"Unknown an der Friedrichstraße", Foto © Friedhelm Denkeler 2010
„Unknown an der Friedrichstraße“, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Letzten Winter brannte es im U-Bahn-Eingang Friedrichstraße und schwarzer Rauch stieg auf. An der Ecke Friedrich-/ Georgenstraße stand Liam Neeson wartend herum und kaute auf einem Zahnstocher. Das war mein erster Vorgeschmack auf den Verschwörungsthriller von Jaume Collet-Serra „Unknown“ mit den Stars Liam Neeson, Diane Krüger und Bruno Ganz in den Hauptrollen.

Die eigentliche Hauptrolle in diesem Film aber spielt die Stadt Berlin. Mehr Werbung kann man für eine Stadt nicht machen, alle Touristen-Attraktionen der Hauptstadt waren zu sehen: Brandenburger Tor, Pariser Platz, Hauptbahnhof, Berliner U-Bahnhöfe, Bülowstraße, Friedrichstraße, Kreuzberg, Friedrichshain und der Blick auf das herrlich verschneite Berlin aus der Luft. Sogar der Techno-Club Tresor hat eine „Gastrolle“.

Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Stadtszenen haben hohen Wiedererkennungswert für Ortskundige: Ein Taxi stürzt von der Oberbaumbrücke in die Spree; in der Friedrichstraße findet unter den Arkaden vor dem Kaufhaus Dussmann eine wilde Autojagd statt und das Hotel Adlon am Pariser Platz wird halb in Schutt und Asche gelegt. Das Studio Babelsberg hat perfekte Arbeit geliefert und das Premierenpublikum quittierte die einzelnen Szenen mit begeistertem Applaus.

Leider muss ich aber sagen, dass die rasanten Actionszenen auch einige Ungereimtheiten des Drehbuches verdecken. Einen sehenswerten Auftritt legt Bruno Ganz als ehemaliger Stasi-Agent hin, der in einer Wohnung voller Devotionalien aus seiner Zeit beim Geheimdienst lebt. „Unknown“ sah ich Freitagabend als letzten von insgesamt 16 im Wettbewerb vorgestellten Filmen. Er lief außer Konkurrenz. Dieser Abschlussfilm war eine willkommene Abwechslung von den vielen lethargischen und überlangen Filmen mit Handlungen, die gegen Null tendierten.

Unter dem deutschen Verleihtitel „Unknown Identity“ läuft der Film am 3. März 2011 in den Kinos an (Trailer).

Dr. Martin Harris ist ins verregnete Berlin gekommen, um an einem Biotechnologie-Kongress teilzunehmen. Doch kaum ist er in Tegel ins Taxi gestiegen, wird der Wagen in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. Der Taxifahrerin gelingt es, den bewusstlosen Harris vor dem Ertrinken zu retten, doch vor der eintreffenden Polizei flüchtet sie, denn Gina lebt illegal in Deutschland.

Als Dr. Harris aus dem Koma erwacht, liegt er, gründlich bandagiert, in einem Krankenhausbett. „Identität unbekannt“ steht auf einem Schild an dessen Fußende. Für Harris ist dies der Beginn eines Albtraums: Seine Frau Liz erkennt ihn nicht mehr, und ein anderer Mann hat Harris’ Platz eingenommen. Nicht nur als ihr Ehemann, sondern auch als angesehener Wissenschaftler, der auf dem Kongress einen wichtigen Vortrag halten soll. Als wäre das nicht genug, wird Harris darüber hinaus auch noch von einem Killer gejagt. Allmählich zweifelt er selbst an seinem Verstand. Was ist mit ihm passiert?

Um seine Frau und sein altes Leben zurückzugewinnen, macht er Gina ausfindig. Durch sie lernt Harris den ehemaligen Stasi-Agenten Jürgen kennen, der auf eine überraschende Mitteilung gestoßen ist: Dr. Harris „sei nicht der, der er zu sein glaube“. Doch bevor er mit Martin darüber sprechen kann, wird er Opfer eines Mordanschlags. Abermals sind Harris und Gina ganz auf sich allein gestellt im Kampf um seine Identität und gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner … (Quelle: Filmbeschreibung)

Die Frauen sind in „The Forgiveness Of Blood“ wieder einmal die vernünftigen Menschen

Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die Handlung des albanischen Films „The Forgiveness Of Blood“ vom US-amerikanischen Regisseur Joshua Marston ist schnell erzählt: Es handelt sich um den Kampf der Moderne gegen die Rückständigkeit der Traditionen (siehe Filmbeschreibung). Leider hat Marston die Geschichte quälend lang auf 109 Minuten gestreckt. Diese überlangen Filme, in denen meistens nicht viel passiert, waren das „Marken“-Zeichen der diesjährigen Filme des Wettbewerbs. Marston soll nicht mit Woody Allen verglichen werden, aber Allen schafft es immer wieder, seine umfangreichen Geschichten unter 90 Minuten zu erzählen. Übrigens: Wieder einmal spielte, nach den Katzen und Flusspferden der vorangegangenen Filme, ein Tier eine „tragende Rolle“, in diesem Fall ein Pferd namens Klinsmann (sic!).

Ein Paradoxon: Während die Kinder über das Handy mit Facebook und selbstgedrehten Videos kommunizieren, sprechen ihre Väter noch die Sprache der Gewalt. Die Frauen sind, wie in den meisten der diesjährigen Berlinale-Filme, die aktiveren und realistischeren Menschen und meistern ihre Aufgaben so gut wie möglich. Für uns ist es erschreckend, dass Menschen heutzutage noch solchen Zwängen ausgeliefert sind. Deshalb sollte der Film eher in Albanien, als in West-Europa gezeigt werden. Wir können nur feststellen, wie gut es uns in einer aufgeschlossenen Welt geht.

Bei der Preisgala der „61. Internationalen Filmfestspiele Berlin“ erhielten am Samstagabend der US-Regisseur Joshua Marston und der gebürtige Albaner Andamion Murataj für ihren Film „The Forgiveness Of Blood“ den Silbernen Bären für das beste Drehbuch.

Nik ist 17 und besucht im Norden von Albanien die letzte Klasse einer Oberschule. Nik ist ein tatkräftiger junger Mann – wenn er den Schulabschluss in der Tasche hat, will er ein Internetcafé eröffnen. Seit kurzem hat er zum ersten Mal im Leben etwas mit einem Mädchen am Laufen – Nik hat sich in eine Klassenkameradin verliebt. Niks Schwester Rudina ist 15, aber auch sie hat schon sehr genaue Vorstellungen von der Zukunft – sie würde gern die Universität besuchen. Doch dann wird die Familie der beiden in einen Streit um Landbesitz verwickelt und ihr Vater des Mordes angeklagt. Auf einmal sind Nik und Rudina in eine Blutrache hineingezogen.

Die strengen Vorschriften des Kanun, eines jahrhundertealten Gewohnheitsrechts in Albanien, verbieten allen männlichen Familienmitgliedern, einschließlich des erst sieben Jahre alten Bruders, das Haus zu verlassen. Solange ihr Vater sich in den Bergen versteckt und Nik daran gehindert wird, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, ist die Familie ganz auf Rudina angewiesen, die deshalb die Schule verlässt und die Geschäfte ihres Vaters übernimmt. Während das Mädchen angesichts dieser neuen Verantwortung sichtlich aufblüht, löst die Isolation bei ihrem Bruder Zorn und Frustrationen aus. Irgendwie muss Nik der Blutrache ein Ende setzen – selbst wenn es ihn das Leben kostet … (Quelle: Filmbeschreibung)

Bereits am Freitagabend wurde der 80 Jahre alte Schauspieler Armin Mueller-Stahl mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk geehrt. Ebenfalls für sein Lebenswerk erhielt er vor zwei Wochen bereits die Goldene Kamera.

Andres Veiels erster Spielfilm „Wer wenn nicht wir“ – Ein politisches Liebesdrama

Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

In bisherigen RAF-Filmen spielte Bernward Vesper, geb. 1938, meistens keine Rolle. In Andres Veiels deutschem Wettbewerbsbeitrag „Wer wenn nicht wir“, einer Vorgeschichte des deutschen Terrorismus, hingegen spielt er die Hauptfigur (fantastisch: August Diehl), zusammen mit Gudrun Ensslin, geb. 1940, (ebenfalls fantastisch: Lena Lauzemis).

Woran Bernward Vesper gelitten hat, wird bereits in der Eingangsszene symbolisch verdeutlicht: Bernwards Katze frisst einen Jungvogel und sein Vater, der völkische Dichter Will Vesper, erschießt sie daraufhin und erklärt dem Jungen anschließend, dass die Katzen die Juden unter den Tieren seien und in deutschen Gärten nichts verloren hätten. Ähnliche Schlüsselszenen sehen wir von Gudrun Ensslin. Veiel zeigt eine Geschichte, in der Vesper sich selbst sucht und einen Roman schreibt, während Ensslin die Wahrheit sucht und in der Revolte zu Andreas Baader findet. Sowohl Roman als auch Revolte blieben, wie bekannt, Fragmente.

„Ich habe nicht darum gebeten, Europäer werden zu dürfen, geboren als Deutscher im Jahre 1938 in einer Klinik in Frankfurt an der Oder, als Kind von Mittelklasseeltern, die einem vertrottelten Traum vom Tausendjährigen Reich anhingen. Ich werde mir die Freiheit nehmen, die man mir vorenthalten hat, ich werde mich verwandeln, bis ich alle Stadien durchlaufen habe.“ (Bernward Vesper „Die Reise“ – Ein Romanfragment, März-Verlag 1977). Vesper brachte sich 1971 in Hamburg und Ensslin 1977 in Stammheim, um.

DIE ZEIT urteilt: „Veiel hat viel richtig gemacht mit seinem Film ‚Wer, wenn nicht wir‘. Er hat eine Randfigur der RAF ins Zentrum seiner Geschichte gerückt: den Ehemann von Gudrun Ensslin, den Schriftsteller und Verleger Bernward Vesper. Es ist eine kluge Wahl. An der Figur Vespers lässt sich die Zerrissenheit der Kriegskinder-Generation exemplarisch darstellen.“

Bei der Preisgala der 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin erhielt Andres Veiel gestern Abend aus den Händen der Jury den Alfred-Bauer-Preis für seinen Film „Wer wenn nicht wir“. Der nach einem früheren Festivaldirektor benannte Preis wird für Werke vergeben, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen.

Westdeutschland, frühe 60er Jahre. Noch ist das Land ruhig. Bernward Vesper beginnt sein Studium in Tübingen. Dort besucht er die Rhetorik­Seminare von Walter Jens. Bernward will schreiben und hackt nachts auf seine Schreibmaschine ein. Gleichzeitig verteidigt er seinen Vater, den von den Nazis gefeierten Blut-und-Boden-Dichter Will Vesper. Das Land, in dem Bernward lebt, erstickt an der Vergangenheit. Der Krieg ist gerade 15 Jahre vorbei, alte Nazis machen wieder Karriere, über Kriegsverbrechen wird nicht geredet, die Republik steht stramm.

Dann lernt Bernward Gudrun Ensslin und deren Freundin Dörte kennen. Kurz darauf leben die Freunde in einer ménage à trois, doch das Dreieck hält nicht lange. Gudrun und Bernward sind verwandte Seelen, es ist der Beginn einer extremen Liebesgeschichte: bedingungslos, maßlos, bis über die Schmerzgrenze hinaus. Gemeinsam brechen sie auf, um die Welt zu erobern. 1964 kommt das Paar in West-Berlin an. In der Mauerstadt werden sie Teil der linken Bohème.

Als die SPD einer großen Koalition mit der CDU zustimmt, wenden sich nicht nur Bernward und Gudrun der außerparlamentarischen Opposition zu. Gudrun und Bernward werden Teil eines Aufbruchs, der die ganze Welt erfasst hat: Befreiungsbewegungen, Studentenproteste und Black Panther in den USA, Drogen und Rock ’n’ Roll. Das Rad der Geschichte dreht sich, und für einen Moment scheint es, als könnte man auch seine Richtung ändern: Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Dann taucht mit Andreas Baader ein anderer Mann auf, konsequenter, radikaler und bedingungsloser als Bernward. Andreas, Gudrun und Bernward werden von Fliehkräften einer Geschichte erfasst, die sie nicht kontrollieren können … (Quelle: Filmbeschreibung)

„Wer wenn nicht wir“ läuft am 10. März 2011 in den Kinos an (Trailer)

Rettet eine Katze in „Saranghanda, Saranghaji Anneunda“ die Beziehung?

Foto © Friedhelm Denkeler 2011
Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Die diesjährige Berlinale könnte als Berlinale der Katzen in die Annalen eingehen. In Miranda Julys „The Future“ wird der Film aus der Sicht einer Katze erzählt, im deutschen Beitrag „Wer wenn nicht wir“ wird in der Anfangsszene eine Katze erschossen und im heute besprochenen koreanischen Film von Lee Yoon-ki „Saranghanda, Saranghaji Anneunda“ am achten Berlinaletag scheint eine junge Katze, die Beziehung retten zu können.

Bereits am Roten Teppich und später auch im Berlinale-Palast bereiten die jungen, insbesondere weiblichen Fans, dem koreanischen Star Lim Soo-jeong einen begeisternden Empfang und feiern natürlich auch seine Filmpartnerin Hym Bin.

Lee Yoon-ki hat einen sehr minimalistischen Film vorgelegt. Er beginnt mit einer zehn Minuten dauernden Autofahrt, bei der die Kamera in einer einzigen Einstellung fest montiert ist und den Dialog des Paares auf der Fahrt zum Flughafen aufzeichnet. Die restliche Zeit verbringen die Beiden in ihrem Haus im Dauerregen, bei der Diskussion um die bevorstehende Trennung, sowie beim Pasta kochen.

Wir hören keine Filmmusik, nur den prasselnden Regen. Nichts weiteres passiert in dem Film, wir hatten also Zeit, über das eigene Leben nachzudenken. Die ZEIT urteilt „Muss die Agonie von Filmhelden auch beim Zuschauer Agonie auslösen? Man sehnt sich nach barockem Überschwang, nach bigger than life, danach, dass es kracht.“ Übrigens, einmal schien die Sonne. Warum eigentlich? Den Stillstand zum Inhalt zu machen, trägt den Film gequälte 120 Minuten kaum. Die Ästhetik mag perfekt sein, aber dann doch lieber ein Bild betrachten.

Sie muss zu einem Geschäftstermin nach Tokio fliegen. Er fährt sie im Auto zum Flughafen. Auf der Fahrt sagt sie ihm, dass es vorbei ist. Sie wird ihn verlassen. Er scheint das zu akzeptieren. Kein Streit kommt auf, es gibt auch keine Nachfrage. Einige Zeit später. Ein schwerer Sturm zieht über die Stadt und das Paar verbringt in dem Haus, in dem es drei Jahre zusammengelebt hat, den letzten gemeinsamen Tag. Es sind Kleinigkeiten, die sie an das Leben erinnern, das sie einmal geführt haben. Aber keiner versucht die Zeit zurückzudrehen, beide scheinen sich mit der Situation abgefunden zu haben.

Als der Regen schlimmer wird, bemerken sie eine Katze auf ihrem Schuppen und holen sie zu sich ins Trockene. Doch sie läuft weg und versteckt sich irgendwo. Kurz darauf klingelt es an der Tür. Das Paar von nebenan sucht seine Katze. Der unerwartete Besuch lässt die Hilflosigkeit hervorbrechen, die das Paar lähmt, was auch die alten Gefühle wieder weckt, die es immer noch zu geben scheint. Das Telefon klingelt. Es ist der Mann, für den sie ihn verlassen will. Aber sie zögert mit ihrem Auszug, will noch eine Nacht im Haus verbringen. Denn die Brücke ist durch das Unwetter blockiert.

Überlegt sie es sich anders? Die Nachbarn gehen endlich nach Hause, die Katze ist immer noch nicht wiederaufgetaucht, und das Paar kocht die letzte gemeinsame Mahlzeit. Als er Zwiebeln schneidet, beginnen dem Mann die Augen zu tränen. Er geht ins Badezimmer, wäscht sich das Gesicht, doch er kann nicht aufhören zu weinen. Liegt das an den Zwiebeln? Als sie mit dem Kochen fast fertig sind, findet sie die verängstigte Katze. Sie beruhigt das Tier, oder sich selbst? „Alles wird gut.“ (Quelle: Filmbeschreibung)