Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Filmbesprechung

Unter der Rubrik „Filmbesprechung“ diskutiere ich die selbst gesehenen aktuellen Kino-Filme, hin und wieder auch einmal einen Klassiker. Um eventuelle Copyright-Ansprüche zu umgehen sind alle Beiträge in allen Rubriken mit eigenen Fotos versehen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

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Den Augiasstall ausmisten

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (4)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 3 „Augiasstall“ und dem zu Grunde liegenden Film „Der Saustall“ und zeige zwei von 14 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Augiasstall", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984 Film "Der Saustall" (Coup de torchon/ Clean Slate)" von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

„Augiasstall“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984
Film „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate)“ von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

Zu Bertrand Taverniers „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate), 1981

Zu Augias muss ich die griechische Mythologie oder besser gesagt Wikipedia bemühen: Der Sage nach bestand eine der zwölf legendären Aufgaben des Herakles, die er im Auftrag seines Vetters König Eurystheus zu vollbringen hatte, darin, die Rinderställe des Augias auszumisten, in denen die stattliche Anzahl von über 3000 Rindern gehalten worden sein soll. Eurystheus hatte Herakles diese immense Arbeit nicht nur einfach aufgetragen, sondern auch die Bedingung gestellt, dass Herakles damit binnen eines Tages fertig sein musste.

Die Ställe waren schon seit 30 Jahren nicht mehr gereinigt worden und das Ausmisten der Ställe galt deshalb als nicht durchführbar. Augias versprach Herakles dafür den zehnten Teil seiner Rinder, in der Gewissheit, dass niemand die Aufgabe in dieser kurzen Zeit je würde bewältigen können. Herakles erledigte die Aufgabe indem er die Fundamente des Stalls an einer Seite aufbrach und mit Hilfe eines Kanals das Wasser der Flüsse Alpheios und Peneios durch den Stall leitete und somit die Augiasställe säuberte. Augiasstall ist heute hauptsächlich eine sprichwörtliche Bezeichnung für einen unhaltbaren (politischen) Zustand.

Doch jetzt zum Film „Der Saustall“, der kürzlich bei ARTE in der Filmreihe „Ein Abend mit Bertrand Tavernier“ zu sehen war. ARTE fasste ihn wie folgt zusammen: Der Kolonialpolizist Lucien Cordier (Philippe Noiret) soll in dem kleinen Ort Bourkassa in Französisch-Westafrika im Jahre 1938 für Ordnung sorgen. In den Augen der anderen Weißen im Ort ist er allerdings nur eine Witzfigur ohne Autorität. Sogar seine Frau Huguette (Stéphane Audran) nennt ihn verächtlich einen Schwächling und betrügt ihn mit Nono (Eddy Mitchell), der sich bei ihr eingenistet hat.

Eines Tages glaubt Cordier, sich bei einem Vorgesetzten Rat holen zu müssen. Dieser Rat fällt recht drastisch aus und ebenso drastisch verfolgt ihn Cordier. Zwei Bordellbesitzer, die ihn lange lächerlich gemacht haben, müssen sich jetzt von ihm erniedrigen lassen. Dann erschießt er sie und wirft ihre Leichen in den Fluss. Mercaillou (Victor Garrivier), dessen Frau Rose Mercaillou (Isabelle Huppert) von Cordier im Bett getröstet wird, ist sein nächstes Opfer.

Und die Liste derer, die noch dran glauben sollen, ist damit keineswegs zu Ende. „Der Saustall“ ist eine rabenschwarze Komödie, eine hintergründige Satire auf eine heillose Welt, die nicht als Plädoyer für Selbstjustiz missverstanden werden darf. Es ist vielmehr die vehemente Attacke einer Gesellschaft, in der ein Mensch, der alle Missstände um sich herum beseitigen will, selbst zum Mörder wird. Tavernier hat einen Albtraum inszeniert – schrecklich schön und furchtbar komisch.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“). In der nächsten Zeit werde ich zu den einzelnen Episoden und den zu Grunde liegenden Filmen noch weitere Artikel veröffentlichen.

"Augiasstall", aus "Episoden", Foto © Friedhelm Denkeler 1984 Film "Der Saustall" (Coup de torchon/ Clean Slate)" von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

„Augiasstall“, aus „Episoden“, Foto © Friedhelm Denkeler 1984
Film „Der Saustall“ (Coup de torchon/ Clean Slate)“ von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1981

Feigen

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (3)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 5 „Feigen“ und dem zu Grunde liegenden Film „Das Schweigen“ und zeige zwei von 24 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Feigen", aus dem Portfolio "Episoden", Film "Das Schweigen" (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

„Feigen“, aus dem Portfolio „Episoden“,
Film „Das Schweigen“ (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Zu Ingmar Bergmans „Das Schweigen“ aus dem Jahr 1963

Moral und Vernunft gegen Unmoral und Sinnlichkeit

Es war mein erster anspruchsvoller Film in meinem Dorf in Ost-Westfalen – Ingmar Bergmans „Das Schweigen“. Damals war mir das allerdings noch nicht klar und ich habe heute erhebliche Zweifel, ob ich den Film überhaupt verstanden habe. Wie ich es geschafft habe in die Vorführung zu gelangen, daran kann ich mich nicht erinnern; der Film war schließlich erst ab 18 Jahren freigegeben. Die Freigabe des Films durch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sorgte für einen Sturm der Entrüstung und massive Proteste. Daraufhin wollte ich neben den zehneinhalb Millionen deutschen Zuschauer den Film natürlich unbedingt sehen.

Bergmanns Film war wegen der für die Entstehungszeit offenen Darstellung sexueller Handlungen einer der größten Filmskandale der 1960er Jahre und löste eine breite Zensurdebatte aus. Nur in Deutschland und Schweden konnte der Film ungekürzt aufgeführt werden. Als anstößig wurden der Liebesakt eines Paares, der Verkehr Annas mit einem Fremden und die Masturbationsszene der älteren Schwester Ester angesehen. In Frankreich wurde er zunächst ganz verboten; in anderen Ländern erhielt „Das Schweigen“ Schnittauflagen. Der Skandal führte zur Gründung der „Aktion Saubere Leinwand“.

Ester (Ingrid Thulin), ihre Schwester Anna (Gunnel Lindblom) und deren etwa 10-jähriger Sohn Johan (Jörgen Lindström) müssen auf der Heimreise nach Schweden ihre Fahrt unterbrechen als Ester einen Zusammenbruch wegen ihrer Bronchitis erleidet. Sie übernachten in der ihnen fremden Stadt Timoka, deren Landessprache sie nicht verstehen, in einem bizarren, alten Hotel. In Timoka finden scheinbar Vorbereitungen für einen Krieg statt, Militärfahrzeuge beherrschen das Bild. Johan erforscht die langen Flure mit einer Spielzeugpistole in der Hand. In einem Aufbäumen gegen ihr Leiden raucht, onaniert und betrinkt sich Ester, bis sie zusammenbricht.

Anna dagegen streunt durch die Stadt und lernt einen Kellner kennen, der ihr Liebhaber wird. Sie wird Zeugin, wie ein Paar während der Vorstellung in einem Kino auf den Sitzen kopuliert. Während Anna und der Kellner sich umarmen, können sie sich sprachlich nicht verständigen, weil keiner die Sprache des anderen beherrscht. Im Grunde genommen geht es, wie so oft in Bergman-Filmen um Entfremdung, Einsamkeit und tiefe menschliche Abgründe, die sich im Verlauf des Filmes unverkennbar auftun. Viele Filme setzten sich mit der Vergeblichkeit des Glaubens auseinander. So auch hier – alle Szenen lassen keinen Zweifel daran, dass Gott diese Menschen sich selbst und ihrem Schicksal überlassen hat, ohne Hoffnung auf Erlösung. Deshalb sollte der Film auch ursprünglich „Das Schweigen Gottes“ heißen.

Das Portfolio finden Sie als Indexprint mit einem ausführlichen Text auf meiner Website “Lichtbilder” (direkter Link zu den „Episoden“). In der nächsten Zeit werde ich zu den einzelnen Episoden und den zu Grunde liegenden Filmen noch weitere Artikel veröffentlichen.

"Feigen", aus dem Portfolio "Episoden", Film "Das Schweigen" (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

„Feigen“, aus dem Portfolio „Episoden“,
Film „Das Schweigen“ (1963) von Ingmar Bergman, Foto © Friedhelm Denkeler 1989

Pomme, die Wäscherin

Neues Portfolio »Episoden« von Friedhelm Denkeler (2)

Zwischen 1982 und 1989 habe ich sieben, teilweise mehrteilige, Serien produziert, die alle zusammen unter dem Thema »Televisionen« stehen. Sie sind alle am Fernsehgerät entstanden. Die vorliegende Arbeit ist in elf Episoden unterteilt, die alle für sich, mehr oder weniger, eine kleine Geschichte erzählen. Diese Geschichten haben nur bedingt etwas mit der Story der zu Grunde liegenden Filme zu tun. Das gesamte Portfolio besteht aus 152 Photographien, unterteilt in elf Episoden. Heute berichte ich über die Episode 9 „Pomme, die Wäscherin“ und dem zu Grunde liegenden Film „Die Spitzenklöpplerin“ und zeige zwei von 18 Photographien aus dieser Episode. Das Vorwort zu den »Episoden« finden Sie in meinem Blog »Journal«. Außerdem wird das Portfolio »Episoden« auf meiner Website »Lichtbilder« ausführlicher vorgestellt.

"Pomme, die Wäscherin", aus "Episoden", Film "Die Spitzenklöpplerin" (1977) von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Pomme, die Wäscherin“, aus „Episoden“, Film „Die Spitzenklöpplerin“ (1977)
von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Zu Claude Gorettas „Die Spitzenklöpplerin“ aus dem Jahr 1977

Die Liebe der achtzehnjährigen Béatrice (Isabelle Huppert), genannt Pomme, zum Studenten François (Yves Beneyton) aus höheren Kreisen, scheitert trotz aller Anziehung, an seinem Nicht-Verstehen und ihrer Sprachlosigkeit. Eine feine Studie über die Entfremdung zwischen zwei Menschen, bedingt durch Sprach- und Bildungsbarrieren und die bewegende Geschichte eines klaglosen Verstummens. Béatrice arbeitet als Auszubildende in einem Friseursalon in Paris. Sie ist unscheinbar, schüchtern und verschlossen; ihre einzige und ältere Freundin und Kollegin Marylène (Florence Giorgetti) ist dagegen lebenslustig und extrovertiert.

Als die beiden in einem zu dieser Zeit tristen Badeort Cabourg in der Normandie Urlaub machen, findet Marylène rasch Ersatz für ihren bisherigen verheirateten Liebhaber. Sie lässt ihre Freundin im Ferienapartment allein. Da Béatrice keine Lust hat, am Strand zu liegen, isst sie stattdessen in einem Straßencafé gelangweilt ein Eis. Hier wird sie von François höflich und zurückhaltend angesprochen. Die beiden verlieben sich zaghaft ineinander. Zurück in Paris zieht Béatrice, die bisher bei ihrer Mutter lebte, zu ihm in seine Studentenwohnung. François ist Béatrices erster Freund.

François hofft, dass sich Béatrice mit seiner Hilfe weiterentwickelt. Er versucht, ihr klarzumachen, dass ihre Berufstätigkeit unbefriedigend und schlecht bezahlt sei. Sie hört stumm zu, schließt sich seiner Meinung aber nicht an, sie wäre nicht wirklich unzufrieden mit ihrer Situation, was er nicht akzeptieren kann. Schließlich erkennt er, dass sie beide zu verschieden sind, um gemeinsam glücklich bleiben zu können. Seinen Freunden erklärt er, es sei ganz einfach gewesen mit Béatrice über die Trennung zu reden, denn sie habe sich in keiner Weise verteidigt oder gewehrt.

Beatrice wohnt wieder bei ihrer Mutter. Sie zieht sich noch stärker zurück und wird magersüchtig; sie kommt mit der gescheiterten Liebe nicht mehr klar. Als sie eines Tages zusammenbricht, wird sie in ein Krankenhaus eingeliefert und von dort einige Zeit später in eine psychiatrische Klinik überwiesen. Einmal besucht François sie dort nach vielen Monaten, aber sie hört ihm nur teilnahmslos zu. Sie antwortet auf die Frage, wie es ihr geht, dass sie mit ihrem Freund auf Mykonos die weißen Windmühlen besucht hat. Dann nimmt sie ihre Handarbeit wieder auf. An den Wänden in ihrem Zimmer hängen zwei Plakate aus Griechenland, davon eins aus Mykonos.

„Er ging an ihrer Seite, ganz dicht an ihrer Seite, aber er hat sie nie gesehen. Sie war eines jener Wesen, die sich nie bemerkbar machen, die man sorgsam ergründen und behüten muss. Früher hätte sich ein Künstler entschlossen, sie als Stimmungsbild zu malen und hätte sie genannt:  die Näherin, die Wasserträgerin oder die Spitzenklöpplerin.“ [Schlusszitat aus dem Film „Die Spitzenklöpplerin]

"Pomme, die Wäscherin", aus "Episoden", Film "Die Spitzenklöpplerin" (1977) von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

„Pomme, die Wäscherin“, aus „Episoden“, Film „Die Spitzenklöpplerin“ (1977)
von Claude Goretta mit Isabelle Huppert, Foto © Friedhelm Denkeler 1984

Ein mörderischer Sommer

Lady in Red – Drei Televisionen (2)

Ein neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

In einem südfranzösischen Dorf taucht eine schöne junge Frau auf: Eliane (Isabelle Adjani). Wo sie auf ihren Stöckelschuhen im dünnen, kurzen Kleid zu sehen ist, bringt sie die Männer um den Verstand. Schließlich heiratet sie den schüchternen Automechaniker Pin-Pon (Alain Souchon), der nicht ahnt, was Eliane wirklich bewegt …

Der Film „Ein mörderischer Sommer“ (L’été meutrier) von Jean Becker machte Isabelle Adjani 1983 über Nacht weltberühmt. Ich kenne sie bereits aus dem 1975 entstandenen Film „Die Geschichte der Adèle H.“ von François Truffaut, in dem sie die Tochter von Victor Hugo spielt. Ähnlich wie in Roman Polanskis Thriller „Der Mieter“ (1976) waren ihre Rollen immer die einer am Rande des Wahnsinns stehenden Frau. Mit dem Film „Ein mörderischer Sommer“ hatte sich ihr Image von der Komödiantin zur femme fatale gewandelt.

Aus der Serie "Am Fenster", Foto © Friedhelm Denkeler 1987

Aus der Serie „Am Fenster“, Foto © Friedhelm Denkeler 1987

Der Film erzählt die Geschichte von der 19-jährigen Eliane, die versucht, ihre Mutter, die Opfer einer Vergewaltigung wurde, zu rächen und daran zerbricht. Zunächst fällt sie durch ihr exaltiertes Benehmen und ihre freizügige Kleidung auf.

Die Männer begehren sie und auch „Pin-Pon“ verdreht sie den Kopf. Eines Tages kommt Eliane überraschend in Pin-Pons Werkstatt unter dem Vorwand, ein Fahrrad reparieren zu lassen. Sie verabreden sich.

Was hat das nun mit meiner kleinen Szene „Am Fenster“ zu tun? Als Pin-Pon vor ihrem Haus zur verabredeten Zeit erscheint, zeigt sich Eliane am Fenster und macht verschiedene Vorschläge, was sie anziehen soll. Dazu zieht sie im offenen Fenster ihr T-Shirt aus und ein Kleid an.

Nach der Verabredung verbringen sie eine Nacht in der Scheune von Pin-Pons Eltern. Dort entdeckt sie ein ramponiertes elektrisches Klavier mit der Aufschrift „M“, das sie auf die Spur der Vergewaltiger ihrer Mutter führt. Sie will sich mit einer arglistig eingefädelten Intrige rächen.

Eliane bedrängt immer wieder ihren Stiefvater bis dieser gesteht, die Vergewaltiger schon vor langer Zeit umgebracht zu haben. Die Vorstellung, dass ihr Leben nach der vollzogenen Rache wieder so sein würde, wie in ihrer glücklichen Kindheit, erfüllt sich nicht. Die Verstrickung in ein Verbrechen, dem sie ihr Leben verdankt und die angespannte Beziehung zu ihrer traumatisierten Mutter und die Sinnlosigkeit ihrer eingefädelten Rache bringen Eliane um den Verstand. Sie wird in eine Heilanstalt gebracht.

Auf meiner Website finden sie 40 ausgewählte Photographien aus der Serie “Lady in Red”. Die Bilder sind auch als gedrucktes Autorenbuch mit 52 Seiten im Format 30×30 cm erschienen (2018). Den ersten Artikel zu „Lady in Red – Drei Televisionen“ finden Sie hier.

Kein Happy End!

Michael Hanekes aktueller Film „Happy End“:
Eine böse Momentaufnahme einer großbürgerlichen Familie

Ein Bagger baggert stumpfsinnig vor sich hin; eine Spundwand stürzt ein; zwei Dixieklos – eines war von einem Arbeiter besetzt – stürzen in die Tiefe; ein Hamster stirbt an einer Überdosis Antidepressiva, gefilmt mit dem Smartphone; eine Frau fällt ins Koma; ein Großvater – der reichste Unternehmer der Stadt – will sich umbringen, aber es klappt nicht; ein Mädchen mischt seiner Mutter Gift ins Essen; die schöne Verlobungsfeier wird durch eine Gruppe afrikanischer Migranten gestört; eine zusammensitzende Familie schweigt sich beim Essen an; ein Sohn will die Firma des Vaters nicht übernehmen; eine Umarmung sieht wie eine Zwangsmaßnahme aus; indirekt sieht man den „Dschungel“, das von Migranten bewohnte Zeltlager in Calais.

"Straße ins Wasser" (oder: kein Happy End), Foto © Friedhelm Denkeler 1982

„Straße ins Wasser“ (oder: kein Happy End), Foto © Friedhelm Denkeler 1982

Diese Szenen geben in Michael Hanekes „Happy End“ mit Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant, nur eine Richtung vor: Es geht abwärts. Alles ist sehr ernst, aber oft auch sehr komisch; eine schwarze Komödie um eine großbürgerliche Familie. Statt einer Familie aus dem Bilderbuch, sehen wir eine aus dem Horrorkabinett. Der Zuschauer bekommt einen Blick hinter die Fassade, die aus Überdruss am Leben und Sex, Mord- und Selbstmordgedanken besteht. Das Finale stellt die Frage: Ist ein Ende mit Schrecken nicht wirklich besser als ein Schrecken ohne Ende?

Man kann dieses sardonische Gesellschaftsporträt auch als ein Statement zur Lage in Europa sehen. Das Private hängt mit dem Öffentlichen und das Persönliche mit dem Politischen zusammen. Als Sinnbild für die feudalen Verhältnisse steht die weiße Oberschicht, die sich afrikanische Bedienstete hält, die man von Sklaven kaum unterscheiden kann. Der Anwalt bietet der Familie des verunglückten Arbeiters 35 000 Euro an, dafür bekommt man nicht mal einen gebrauchten Porsche. Die ersten Wände stürzen ein und die ersten fallen in die selbstgegrabene Grube. Wieder einmal trifft es die Falschen. Happy End ist eine sehenswerte Dystopie, es ist einer der Filme des Jahres 2017.

Das Problem ist, dass das Problem das Problem ist

Matti Geschonneck zeigt „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ unspektakulär den Verfall der DDR

Als am 1. Oktober 1989 der DDR-Funktionär Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) an seinem 90. Geburtstag einen Empfang gibt, antwortet er auf die Frage, wie er die politische Lage in der DDR einschätzt „das Problem ist, dass das Problem das Problem ist“. Bruno Ganz spielt seine Rolle als starrsinniger Altstalinist ganz hervorragend, aber ebenso lobend hervorzuheben sind Ausstattung und Requisite; so eine perfekt verfallene, so lebendig vollgestopfte, so „schöne Villa“, hat man selten gesehen. Der Film von Matti Geschonneck („Sommer vorm Balkon“) handelt vom Ende einer Illusion, von der Auflösung eines Staates, vom Verlust der Heimat und von Idealen.

Filmplakat "In Zeiten des abnehmenden Lichts" mit Bruno Ganz, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Filmplakat „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ mit Bruno Ganz, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

„kunstundfilm“ urteilt, der Film „bündelt wie unterm Brennglas die vielschichtigen und widersprüchlichen Biografien und Mentalitäten, welche die Einzigartigkeit der DDR ausmachten. Ihr vermessener Anspruch, das ‚bessere Deutschland‘ zu sein, wird im Augenblick des Dahinscheidens am kenntlichsten: nicht als Polit-Theorie, sondern im Streben und Scheitern ihrer Bewohner – ihre Wünsche und Enttäuschungen wirken bis heute nach. Das ist großes Kino zur Zeitgeschichte, das dem Publikum seine Herkunft nuanciert vor Augen führt. Was hierzulande leider selten vorkommt: Es ist ja viel einfacher, auf tote Nazis einzudreschen.“ Am 7. Oktober 1989 wurde in der DDR der 40. Jahrestag ihrer Gründung gefeiert. Es war ihr letzter.

Wenn der Hase Haken schlägt …

Berlinale die Vierte: “Beuys” – Ein Dokumentarfilm von Andres Veiel.
Dokumentarfilme sind in Zeiten der Klickraten wichtiger denn je.

Immer, wenn Beuys vermeintlich in die Enge getrieben wird, schlägt er plötzlich einen Haken, lacht, entspannt die Situation. [Andres Veiel]

Andres Veiel hat aus teilweise unbekanntem Archivmaterial einen Dokumentarfilm über die künstlerischen und politischen Ideen des Künstlers Joseph Beuys (1921-1986) gedreht. Der Film lief im Wettbewerb der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin; damit ist Veiel (*1959) der erste Deutsche, der es mit einer Dokumentation in den Wettbewerb der Berlinale geschafft hat.

"Beuys oder nicht Beuys - Das ist hier die Frage", Foto © Friedhelm Denkeler 2008

„Beuys oder nicht Beuys – Das ist hier die Frage“, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

„Wir leben in Zeiten schneller Schlagzeilen, in der ein ungeheurer Produktionsdruck herrscht. Für Klickraten ist es nicht mehr wichtig, ob eine Nachricht wahr ist. Sie kann auch einfach nur ein Weltbild möglichst polarisierend in die Öffentlichkeit drücken. Darin liegt aber eine gigantische Chance für den Dokumentarfilm, denn er tut genau das Gegenteil. Er hat das Privileg, sich über einen langen Recherchezeitraum mit einem komplexen Thema zu beschäftigen. Das Ergebnis ist ein Kondensat von präzise erzählter Wirklichkeit.“ [Andres Veiel]

Beuys hat in den 1960er- und 1970er-Jahren die richtige Frage gestellt: Sind wir dazu befähigt, die Zukunft und die Gesellschaft zu gestalten? Seine Antwort war, jeder Mensch ist ein Künstler, also hat jeder die Fähigkeit die Gesellschaft zu gestalten und sollte es auch tun. Ein neues Geld- und Wirtschaftssystem forderte er; diesem Wunsch kann man gut folgen, doch selbst mit 30 Jahren Abstand weiß man nicht, welches System er nun eigentlich meinte und wie es zu erreichen wäre. Was könnten wir heute besser machen? Ohne letztgültigen Interpretationsanspruch kreist die Dokumentation um den Aktionskünstler, der die alte Bundesrepublik herausforderte.

Natural Woman

Berlinale die Dritte: “Una mujer fantástica” von Sebastian Lélio mit Daniela Vega

“Una mujer fantástica” ist ein Plädoyer für die sexuelle Selbstbestimmung. Die Trans-Frau Marina (Daniela Vega) ist nach dem Tod ihres Freundes Orlando (Francisco Reyes) dem blanken Hass seiner Familie ausgesetzt. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge, fantastische Frau.

Aus der Serie"Second Hand Model", Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Aus der Serie“Second Hand Model“, Foto © Friedhelm Denkeler 2003

„Marina sitzt auf ihrem Sofa, die Beine leicht angewinkelt. Sie ist nackt, doch ein Spiegel verdeckt ihre Scham. Die nächste Einstellung zeigt Marina von oben: Man sieht nur ein Stück Beine, etwas Bauch – und mitten im Bild ihr Gesicht im Spiegel zwischen ihren Beinen. Es ist ein eindringliches, berührendes Bild. Gerade in seiner Einfachheit und Wortlosigkeit macht es klar, worum es Lélio geht: Was die geschlechtliche Identität eines Menschen bestimmt, ist nicht zwingend das, was zwischen seinen Beinen ist.“ [rbb]

Passend zum Film hat Lélio als Soundtrack unter anderem Aretha Franklin mit „A Natural Woman“ aus dem Jahr 1967 ausgesucht.

Aretha Franklin: „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“

Der Song wurde 1967 von Carole King und Gerry Goffin geschrieben und 2015 von Aretha Franklin zum Gala-Empfang im Opera House des Kennedy Centers zu Ehren der Preisträgerin Carole King performt. Diese Ehrung umfasste zahlreiche Feierlichkeiten, unter anderem verfolgten die Geehrten die Gala gemeinsam mit dem US-Präsidenten Obama in der Präsidenten-Loge. Ihren ersten Nummer-eins-Hit hatte Carole King als 18jährige mit dem Lied „Will You Love Me Tomorrow?“ Sie schrieb ihn für die Girlgroup „The Shirelles“ (1960).

„The Shirelles“: Will You Love Me Tomorrow?“

Das endgültige Porträt oder: Selbst 2+3, Giacometti 3+1

Berlinale die Zweite: “Final Portrait” von Stanley Tucci mit Geoffrey Rush

Erfolg ist der Nährboden des Zweifels [Giacometti im Film „Final Portrait]

„Es gibt wenige Künstler, deren Werk so geschätzt wird wie Alberto Giacometti (1901 – 1966) mit seinen hageren Skulpturen. Der gebürtige Schweizer wird als wichtigster Bildhauer des 20. Jahrhunderts angesehen und wurde bereits zu Lebzeiten kultisch verehrt. Wo immer seine schmalen, geisterhaften Plastiken zu sehen waren, drängelten sich die Besucher.

Zugleich gab es wohl wenige Künstler, die so mit sich und ihrer Kunst gehadert haben, wie Giacometti. Er war ein Grübler, ein introvertierter Grantler, ein Suchender, niemals zufrieden. Dass dieser zerstörerische Hang zum Selbstzweifel durchaus komische Züge haben kann, wenn er auf ehrliche Bewunderung und eine nüchterne Betrachtung der Dinge trifft, ist die Ausgangssituation von Stanley Tuccis ‚Final Porträt'“. [rbb]

"Selbst 2+3 mit Giacometti 3+1" (Berggruen-Museum, Berlin), aus "Schatten und Spiegel", Foto © Friedhelm Denkeler 2013

„Selbst 2+3 mit Giacometti 3+1“ (Berggruen-Museum, Berlin), aus „Schatten und Spiegel“, Foto © Friedhelm Denkeler 2013

Für ein paar Stunden nur möchte Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) den amerikanischen Schriftsteller und Kunstliebhaber James Lord (Armie Hammer) in seinem Pariser Hinterhaus-Atelier porträtieren. Doch die Sitzungen arten aus, werden unterbrochen durch Wutausbrüche; das bereits fertig gestellte Porträt wird immer wieder verworfen und übermalt. Gefühlte zwanzigmal muss James Lord seinen Heimflug verschieben bis er mit einem Trick das Bild für eine Ausstellung in New York mitnehmen kann.

Unterbrochen werden die Sitzungen durch eheliche Streitigkeiten, Schäferstündchen mit der Dauergeliebten, den Appetit auf hartgekochte Eier im Bistro um die Ecke und Spaziergänge über den Friedhof Père Lachaise. Die Rolle Giacomettis ist Rush auf den Leib geschrieben, man glaubt den Künstler leibhaftig vor sich zu haben. Der Film lief außer Konkurrenz und spielt 1964, zwei Jahre vor Giacometti Tod in herrlichen Farben und Pariser Lokalkolorit und es war tatsächlich sein letztes Porträt.

SAVAGES – SUVAGES – SUVKEES – FUVKERS

Berlinale die Erste: „The Dinner“ von Oren Moverman mit Richard Gere

„In The Dinner geht es um ein Abendessen, das den Blick auf das poröse Innenleben einer US-Familie freilegt. Zwei Brüder treffen sich mit ihren Frauen (Laura Linney, Rebecca Hall) im Luxusrestaurant zur Aussprache. Der eine, Paul (Steve Coogan), ist Geschichtslehrer; der andere, Stan (Richard Gere), ein Politiker, der als Gouverneur kandidiert. Der Film will die Protagonisten ihrer moralischen Defizite überführen: Sei es in Rückblenden, die szenenhaft Ursachen für Misstrauen und Wut umreißen, sei es über das Verbrechen zweier Söhne, das aus dem Hintergrund langsam ins Zentrum des Films rückt.“ [Der Standard]. The Dinner liefert gut gemachte Film-Hausmannskost.

"Jehnny Beth, Savages" (Ausschnitt aus dem Video "Fuckers"), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

„Jehnny Beth, Savages“ (Ausschnitt aus dem Video „Fuckers“), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Eine Neuentdeckung ist für mich die tolle Musik einer britischen Frauen-Band aus London. Man kann die Musik von Jehnny Beth (Sängerin; eigentlicher Name Camille Berthomier), Gemma Thompson (Gitarre), Ayse Hassan (Bass) und Fay Milton (Schlagzeug) als Post-Punk bezeichnen. Im Abspann des Films „The Dinner“ lief der Song „Fuckers“ von „Savages“. Er stammt von ihrer 2014 erschienen gleichnamigen Maxi-Single. Das Stück dauert 10 Minuten.

Savages: „Fuckers“ (2014)

So ein geniales Stück von rebellischen Frauen habe ich lange nicht gehört. Es muss unbedingt in einer größeren Lautstärke gehört werden, denn das Stück beginnt sehr leise mit dem fast flüsternden Gesang von Jehnny Beth und steigert sich immer mehr in eine, entsprechend des Bandnamens, große Wildheit.

Die Art von Crescendo finden wir in vielen bekannten Rockballaden: bei Jim Morrison (The Doors) mit „The End“, Deep Purple mit „Child in Time“ oder Led Zeppelin mit „Stairway to Heaven“. Sie weisen alle ein Länge von ca. zehn Minuten auf oder sogar, wie bei Iron Butterfly mit „In-A-Gadda-Da-Vida“ über 17 Minuten. Als klassisches Vorbild sei der „Boléro“ von Maurice Ravel, der auch um die zehn Minuten dauert, genannt.

Die Nachtaktiven

Die Geschichte in der Geschichte: „Nocturnal Animals“
von Tom Ford mit Amy Adams und Jake Gyllenhaal

Nachts wirken alle Statussymbole seelenlos: In seinem zweiten Film porträtiert Modeschöpfer Tom Ford eine innerlich leere Galeristin, die vom Roman ihres Ex erschüttert wird – erwartbar formvollendet inszeniert und voller vielschichtiger Drastik. [kunst+film]

Schon die Eingangssequenz hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Sehr beleibte Damen mit Rubensfiguren springen nackend umher, der Blick weitet sich und wir sehen die „dünnen“ Damen der Kunstszene auf einer Vernissage. Doch die Galeristin Susan Morrow (Amy Adams) kann das alles, einschließlich ihres Luxus-Hauses und ihres „Schönlings“, nicht genießen. Da schickt Ex-Mann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal) ihr seinen ersten Roman, der Susan gewidmet ist, zu. Der Roman heißt so wie der Film „Nocturnal Animals“. Susan beginnt das Manuskript zu lesen.

"Selbst auf drei Ebenen" (Plakat zum Film "Nocturnal Animals" von Tom Ford),  aus der Serie "Schatten und Spiegel", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

„Selbst auf drei Ebenen“ (Plakat zum Film „Nocturnal Animals“
von Tom Ford), aus der Serie „Schatten und Spiegel“,
Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Und hier beginnt die Geschichte in der Geschichte: Sie handelt von der Geschichte des Familienvaters Tony Hastings (ebenfalls gespielt von Jake Gyllenhaal). Nachts, während einer Autofahrt, wird er von brutalen Schlägern von der Straße abgedrängt und muss zusehen wie seine Frau und Tochter entführt werden. Tony irrt durch die weite, wüstenähnliche, texanische Landschaft und findet am nächsten Tag Frau und Tochter vergewaltigt und ermordet in der Wüste vor; er schwört Rache. Die Rache bekommt Tony am Ende, aber um welchen Preis. „Das ist verdammt gut gemacht, klug und irgendwie gruselig zugleich.“ [kunst+film]

„Von jenem Moment an, an dem Susan das Manuskript aufschlägt, läuft Nocturnal Animals auf drei Handlungsebenen: Die eine ist die der Susan der Gegenwart, die in ihrem einsamen nächtlichen Haus sitzt, liest und zunehmend affiziert und abgestoßen zugleich ist. Auf der zweiten erinnert sie sich, immer dann, wenn sie die Lektüre unterbricht, an ihre Vergangenheit mit Edward, dem Verfasser des Romans. Die dritte, wirkungsmächtigste und imposanteste schließlich ist der Roman selbst, der als Film vor Susans innerem Auge abläuft.“ [DIE ZEIT]  [Trailer]

Ganz Hollywood ein La La Land

Der mit sieben Golden Globes ausgezeichnete Musicalfilm „La La Land“ ist ein schwindelerregender Tagtraum. Unterbrochen wird er nur von den Unvollkommenheiten des Lebens. [DIE ZEIT]

„Allein die Anfangs-Sequenz von La La Land ist schlicht spektakulär: Mitten im größten Verkehrsstau auf einem Autobahnkreuz in Kalifornien inszenierte der Regisseur Damien Chazelle eine aufwändige Musical-Nummer, die den Zuschauer wie im Rausch mitnimmt. Über hundert Tänzer waren dafür im Einsatz. So beginnt die Liebesgeschichte zwischen der aufstrebenden Schauspielerin Mia (Emma Stone) und dem leidenschaftlichen Jazz-Musiker Sebastian (Ryan Gosling) … La La Land wirkt oft surreal, die Bilder erinnern an die großen Studio-Filme der 40er und 50er Jahre mit Leinwand-Helden wie Gene Kelly oder Judy Garland. Es ist diese Nostalgie, die vielleicht gerade jetzt einen Nerv trifft, wo sich die Menschen nach vermeintlich idyllischeren Zeiten zurücksehnen.“ [stern]

Szene aus "La La Land", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Szene aus „La La Land“, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

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