Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Historisches Foto

Unregelmäßig zeige ich hier Photos aus meinem fotografischen Archiv (oft mit zusätzlichem Text). Außerdem gibt es unter der Überschrift „Vor dreißig Jahren …“ (oder „Vor vierzig Jahren …“, etc.) Photos zu sehen, die immer genau vor 30 Jahren (40 Jahren, etc.) entstanden sind (in der Regel ohne weiteren Text).

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Mein erstes Fahrrad

"Mein erstes Fahrrad", Archiv © Friedhelm Denkeler 1954

"Mein erstes Fahrrad", Archiv © Friedhelm Denkeler 1954

„Die Sonne lacht, Blende acht“

An einem Sonntag im Frühling 1954 machten wir einige Fotos mit der 6×9-Box-Kamera meines Vaters. Wir Kinder wurden natürlich für die Aufnahmen extra „fein gemacht“. Nach der alten Fotografenweisheit „Die Sonne lacht, Blende acht“ war an diesem Tag sehr helles Licht vorhanden, also ideale Bedingungen zum Fotografieren. Es entstand eine Serie mit sieben Fotos – für damalige Verhältnisse sensationell viel – auf einem Rollfilm, von dem die Negative erhalten sind. Ein Bild ist auch in unserer Wohnung entstanden, das war aber eher die große Ausnahme. Die Lichtverhältnisse waren dafür zu schlecht und ein Blitzgerät hatten wir damals nicht.

Auf dem Foto, das ich herausgesucht habe, präsentiere ich stolz mein erstes Fahrrad. Es handelte sich um ein umgebautes Damenfahrrad, das mein Vater aus einem mehr oder weniger schrottreifen Exemplar wieder aufgerüstet hatte. Eigentlich war das große Rad mit den 28-Zoll-Rädern viel zu groß für mich, deshalb wurde der Fahrradsattel „tiefer gelegt“. Mein größtes Problem war stets, die weißen Kniestrümpfe weit weg von der öligen Fahrradkette zu halten.

Das Gartendenkmal „Körnerpark“ in Neukölln

'Bank im Körnerpark' (Berlin-Neukölln), aus dem Portfolio 'Photographien', Foto © Friedhelm Denkeler 1978

‚Bank im Körnerpark‘ (Berlin-Neukölln), aus dem Portfolio ‚Photographien‚, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Nach den vielen „bewegten Bildern“ der letzten zehn Tage, möchte ich heute ein Photo veröffentlichen, das vor 33 Jahren im Februar 1978 im Körnerpark in Neukölln entstanden ist. Zu dieser Zeit wohnte ich ganz in der Nähe im Ilsenhof. Die Parkanlage wurde aus einer ehemaligen Kiesgrube (Besitzer Franz Körner) zwischen 1912 und 1916 im Stil des Neobarock gestaltet. Umgrenzt von zwei hohen Arkadenwänden, liegt sie ca. sieben Meter unter dem Niveau der angrenzenden Wohnstraßen Schierker- und Jonasstraße.

An den beiden anderen Seiten befinden sich die Orangerie (heute Kommunale Galerie Neukölln und Café) und ein Wasserfall mit Fontänen. In den 1960er Jahren verfiel die Anlage immer mehr. Von 1978 an wurde sie behutsam denkmalsgerecht rekonstruiert und ist heute eine nicht wiederzuerkennende, herrliche Gartenanlage geworden, die eine Oase in der dicht bebauten Neuköllner Stadtlandschaft bildet. Das Photo ist 1978 entstanden und stammt aus dem Portfolio „Photographien“. Weitere Bilder aus dieser Serie finden Sie auf meiner Website „Lichtbilder„.

Warum bewahren wir Photographien auf?

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

„Warum bewahren die Leute Fotos auf?“ „Warum? Weiß Gott, warum. Warum bewahren sie alles mögliche auf – Trödel, Kitsch, dies und das? Sie tun’s eben.“ „Bis zu einem gewissen Punkt stimme ich Ihnen zu. Es gibt Leute, die alles mögliche aufbewahren. Und es gibt Leute, die alles wegwerfen, sobald sie es nicht mehr brauchen. Das ist eine Frage des Naturells. Aber jetzt spreche ich ausdrücklich von Fotografien. Warum bewahren die Leute speziell Fotografien auf?“ „Wie gesagt, weil sie eben nichts wegwerfen wollen. Oder weil es sie an etwas erinnert…“

Darauf hatte Poirot nur gewartet.

„Stimmt. Es erinnert sie an etwas. Und jetzt fragen wir wieder – warum? Warum bewahrt eine Frau eine Fotografie auf, die sie in ihrer Jugend zeigt? Ich behaupte, der Hauptgrund dafür ist die Eitelkeit. Sie war einmal ein hübsches Mädchen und bewahrt die Fotografie auf, um sich daran zu erinnern, was für ein hübsches Mädchen sie war. Es muntert sie auf, wenn der Spiegel ihr unangenehme Dinge erzählt. Sie sagt vielleicht zu ihrer Freundin: ‚So habe ich mit achtzehn ausgesehen‘ und dann seufzt sie… Stimmen Sie mir zu?“

Aus „Vier Frauen und ein Mord (Mrs. McGinty’s Dead)“ von Agatha Christie, 1952

Der Lindwurm von Klagenfurt

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

Der Lindwurm, ein schlangen- und drachenartiges Fabelwesen (Nibelungen-Saga), ist das Wahrzeichen der Stadt Klagenfurt und stellt zugleich das Wappentier der Stadt dar. Aus einem einzigen Block Chloritschiefer wurde das 124 Zentner schwere Ungetüm herausgearbeitet und im Jahr 1593 aufgestellt. Auf diesem Photo, das 1965 anlässlich eines Camping-Urlaubs am Wörthersee in Österreich entstand, ist noch der ursprüngliche Standort zu sehen. 1972 wurde der Brunnen im Zuge des Baus einer Tiefgarage versetzt, aber noch immer strömt das Wasser aus dem geöffneten Maul heraus.

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