Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Historisches Foto

Unregelmäßig zeige ich hier Photos aus meinem fotografischen Archiv (oft mit zusätzlichem Text). Außerdem gibt es unter der Überschrift „Vor dreißig Jahren …“ (oder „Vor vierzig Jahren …“, etc.) Photos zu sehen, die immer genau vor 30 Jahren (40 Jahren, etc.) entstanden sind (in der Regel ohne weiteren Text).

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Sibirische Kälte in Deutschland (2)

"Schneeburg", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

"Schneeburg", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Eine Schneeburg in Westfalen – im Jahrhundertwinter 1962/63

Nach den eisigen Kriegswintern 1939/40 und 1941/42 sowie dem „Hungerwinter“ 1946/47 ging die kalte Jahreszeit 1962/63 nicht ohne Grund als „Jahrhundertwinter“ in die Geschichtsbücher ein. Aufgrund des harten und langen Winters waren der Rhein und der Bodensee zugefroren. Das seltene Naturschauspiel des kompletten Zufrierens des Bodensees findet statistisch nur alle 70 Jahre statt. Auch Westfalen erhielt Unmengen an Schnee, den wir zum Bau einer Schneeburg nutzten. Nicht überliefert sind die Temperaturen im Inneren unserer Burg.

Sibirische Kälte in Deutschland (1)

"Winteridylle in Westfalen", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

"Winteridylle in Westfalen", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Der strenge Winter 1962/1963 in Westfalen

Im Winter 1962/1963 überzog eine sibirische Kälte Deutschland. Als Jugendlicher habe ich in Westfalen diesen strengen Winter erlebt und scheinbar auch genossen, zumindest ergaben sich reizvolle Motive in dieser Zeit. Für den gesamten Winter registrierten die Meteorologen in Westfalen 26 „Eistage“, das sind Tage, an denen das Thermometer auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt bleibt. Der Boden war ungewöhnlich tief gefroren und die Wasserleitung zu unserem Haus war zum Ende der Frostperiode eingefroren. Spätestens dann muss auch das Genießen zu Ende gewesen sein.

Zwei mitternächtliche Kanonenschläge vor 50 Jahren – Adolf Tegtmeier: “Dat is vielleicht ein Dingen!”

"Silvester 1961", Foto © Friedhelm Denkeler 1961

"Silvester 1961", Foto © Friedhelm Denkeler 1961

Jürgen von Manger als Schwiegermuttermörder
und eine Installation zum Jahreswechsel 1961/62

Silvester 1961, vor genau 50 Jahren also, hörten wir die erste Sendung von Jürgen von Manger (*1923, † 1994) im Radio – der Norddeutsche Rundfunk brachte den „Schwiegermuttermörder“ im Ruhrgebiets-Dialekt. Die Sprache war mir sehr vertraut, denn meine Eltern stammten aus Dortmund, meine Verwandten wohnten in Castrop-Rauxel und Lüdenscheid. Jürgen von Manger stellte die Sprache der Ruhrgebiet-Bewohner bis ins Komische dar. In den nachfolgenden Jahren bis in die 1980er Jahre habe ich seine Auftritte im Fernsehen als Kultfigur „Adolf Tegtmeier“ immer wieder gerne gesehen. Tegtmeiers Mimik allein war schon sehr eigentümlich und einmalig. Also ääährlich!

1961 also bereitete ich mich auf den Jahreswechsel mit einer Installation vor, bestehend aus zwei mit kleinen Knallern gefüllten Mini-Kanonen. Was genau dann um Mitternacht passierte, ist leider nicht überliefert. Ein zufriedenes und gesundes Jahr 2012 wünscht Friedhelm Denkeler.

Jürgen von Manger: „Der Schwiegermuttermörder“

Siehe auch der Artikel zum Jahreswechsel 2010/11 „Sächsischer Baguetteboden“

“Früher war mehr Lametta!”

"Historischer Weihnachtsbaum", Foto © Friedhelm Denkeler 1961

"Historischer Weihnachtsbaum", Foto © Friedhelm Denkeler 1961

Ein Weihnachtsbaum vor 50 Jahren mit Lametta und echten Kerzen

Meine 50 Jahre alte Photographie liefert den Beweis – früher war mehr Lametta und vor allen Dingen war der Baum mit echten Kerzen ausgestattet. Loriot’s Opa Hoppenstedt hat den Spruch zwar doppeldeutig gemeint, aber in dem Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“ kommt der Baum naturfrisch und umweltfreundlich, also ohne Lametta, daher und natürlich kippt er beim Schmücken um. Opa will jetzt endlich sein Geschenk haben und Enkel „Dicki“ sagt ein Weihnachtsgedicht auf: „Zicke Zacke Hühnerkacke.“ Fröhliche Weihnachten!

Weihnachten bei Hoppenstedts 

Siehe auch der Weihnachtsartikel 2010 David Bowie besucht Bing Crosby zu Hause

Halt! Zonengrenze!

"Halt! Zonengrenze!", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

"Halt! Zonengrenze!", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

"Auch drüben ist Deutschland", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

"Auch drüben ist Deutschland", Foto © Friedhelm Denkeler 1962

Heute vor 50 Jahren wurde Berlin durch die Mauer geteilt und wie auf diesen, nahe Braunlage im Harz entstandenen Fotos zu sehen ist, wurde nach und nach die Zonengrenze, der „Eiserne Vorhang“, errichtet. Diese sogenannte „Demarkationslinie“ wurde aber bereits seit 1952 verstärkt abgeriegelt. Der Grenzzaun bestand zunächst nur aus einfachem Stacheldraht. Ab 1961 wurde ein nur schwer überwindbarer doppelter Stacheldrahtzaun angebracht. Um die Massenflucht in den Westen zu verhindern, wurden dazwischen Minenfelder und später auch zeitweise Selbstschussanlagen installiert.

Zur Zeit des 13. August 1961 wohnte ich in einem kleinen Ort in Westfalen. Meine Eltern waren an diesem Tag verreist und die Errichtung der Mauer im fernen Berlin bekam ich im Laufe des Tages durch Radiomeldungen mit. Ein Jahr später, im August 1962, unternahm ich mit einem Freund eine Fahrradtour durch den Harz. Wir übernachteten in den Jugendherbergen (siehe auch „Als Elvis noch mit Puppen spielte …„). Während unserer Station in Braunlage machten wir auch einen Ausflug an die Zonengrenze. Die Mauer in Berlin sah ich dann 1968 das erste Mal persönlich. Sie existierte 28 Jahre.

Der Mann mit dem Schlapphut

"Der Mann mit dem Schlapphut", Archiv © Friedhelm Denkeler 1952

"Der Mann mit dem Schlapphut", Archiv © Friedhelm Denkeler 1952

Hermann Schmidt und sein Opel Kadett

Nein, dies ist kein Standfoto aus einem alten Hitchcock-Film, sondern mein vermutlich erstes Foto. 1952 entstanden, zeigt es die Hauptdarsteller Wilhelmine „Mimi“ Schmidt und Heinrich „Heini“ Meinert. Am Steuer eines Vorkriegsmodells des Opel Kadett sehen wir Hermann Schmidt. „Mecki“ befindet sich als Talisman  am Rückspiegel. Wie Sie sehen, gab es bereits damals Product Placement.

Das Kraftfahrzeug stellte die Firma Opel aus Rüsselsheim als Dauerleihgabe zur Verfügung. Drei weitere Standbilder dieser Szene blieben gleichfalls erhalten. Ebenso die 6×9 cm-Negative, die ich in diesen Tagen eingescannt habe. Das Kameramodell ist leider nicht überliefert. Die Außenaufnahmen entstanden in Twiehausen Nr. 37 in Westfalen.

Das Gartendenkmal „Körnerpark“ in Neukölln

'Bank im Körnerpark' (Berlin-Neukölln), aus dem Portfolio 'Photographien', Foto © Friedhelm Denkeler 1978

‚Bank im Körnerpark‘ (Berlin-Neukölln), aus dem Portfolio ‚Photographien‚, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Nach den vielen „bewegten Bildern“ der letzten zehn Tage, möchte ich heute ein Photo veröffentlichen, das vor 33 Jahren im Februar 1978 im Körnerpark in Neukölln entstanden ist. Zu dieser Zeit wohnte ich ganz in der Nähe im Ilsenhof. Die Parkanlage wurde aus einer ehemaligen Kiesgrube (Besitzer Franz Körner) zwischen 1912 und 1916 im Stil des Neobarock gestaltet. Umgrenzt von zwei hohen Arkadenwänden, liegt sie ca. sieben Meter unter dem Niveau der angrenzenden Wohnstraßen Schierker- und Jonasstraße.

An den beiden anderen Seiten befinden sich die Orangerie (heute Kommunale Galerie Neukölln und Café) und ein Wasserfall mit Fontänen. In den 1960er Jahren verfiel die Anlage immer mehr. Von 1978 an wurde sie behutsam denkmalsgerecht rekonstruiert und ist heute eine nicht wiederzuerkennende, herrliche Gartenanlage geworden, die eine Oase in der dicht bebauten Neuköllner Stadtlandschaft bildet. Das Photo ist 1978 entstanden und stammt aus dem Portfolio „Photographien“. Weitere Bilder aus dieser Serie finden Sie auf meiner Website „Lichtbilder„.

Warum bewahren wir Photographien auf?

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

"Elli Meinert mit Waldi", Archiv © Friedhelm Denkeler 1932

„Warum bewahren die Leute Fotos auf?“ „Warum? Weiß Gott, warum. Warum bewahren sie alles mögliche auf – Trödel, Kitsch, dies und das? Sie tun’s eben.“ „Bis zu einem gewissen Punkt stimme ich Ihnen zu. Es gibt Leute, die alles mögliche aufbewahren. Und es gibt Leute, die alles wegwerfen, sobald sie es nicht mehr brauchen. Das ist eine Frage des Naturells. Aber jetzt spreche ich ausdrücklich von Fotografien. Warum bewahren die Leute speziell Fotografien auf?“ „Wie gesagt, weil sie eben nichts wegwerfen wollen. Oder weil es sie an etwas erinnert…“

Darauf hatte Poirot nur gewartet.

„Stimmt. Es erinnert sie an etwas. Und jetzt fragen wir wieder – warum? Warum bewahrt eine Frau eine Fotografie auf, die sie in ihrer Jugend zeigt? Ich behaupte, der Hauptgrund dafür ist die Eitelkeit. Sie war einmal ein hübsches Mädchen und bewahrt die Fotografie auf, um sich daran zu erinnern, was für ein hübsches Mädchen sie war. Es muntert sie auf, wenn der Spiegel ihr unangenehme Dinge erzählt. Sie sagt vielleicht zu ihrer Freundin: ‚So habe ich mit achtzehn ausgesehen‘ und dann seufzt sie… Stimmen Sie mir zu?“

Aus „Vier Frauen und ein Mord (Mrs. McGinty’s Dead)“ von Agatha Christie, 1952

Der Lindwurm von Klagenfurt

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

“Der Lindwurmbrunnen auf dem Neuen Platz in Klagenfurt am Wörthersee”, Foto © Friedhelm Denkeler 1965

Der Lindwurm, ein schlangen- und drachenartiges Fabelwesen (Nibelungen-Saga), ist das Wahrzeichen der Stadt Klagenfurt und stellt zugleich das Wappentier der Stadt dar. Aus einem einzigen Block Chloritschiefer wurde das 124 Zentner schwere Ungetüm herausgearbeitet und im Jahr 1593 aufgestellt. Auf diesem Photo, das 1965 anlässlich eines Camping-Urlaubs am Wörthersee in Österreich entstand, ist noch der ursprüngliche Standort zu sehen. 1972 wurde der Brunnen im Zuge des Baus einer Tiefgarage versetzt, aber noch immer strömt das Wasser aus dem geöffneten Maul heraus.

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