Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Historisches Foto

Unregelmäßig zeige ich hier Photos aus meinem fotografischen Archiv (oft mit zusätzlichem Text). Außerdem gibt es unter der Überschrift „Vor dreißig Jahren …“ (oder „Vor vierzig Jahren …“, etc.) Photos zu sehen, die immer genau vor 30 Jahren (40 Jahren, etc.) entstanden sind (in der Regel ohne weiteren Text).

Der Dümmer brennt noch immer

"Auf dem Campingplatz in Hüde (Dümmer-See)", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

„Auf dem Campingplatz in Hüde (Dümmer-See)“
Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Nach dem Bierbrunnenfest in Lübbecke (siehe hier) wartete in meiner Jugendzeit in Ostwestfalen vor fünfzig Jahren das nächste sommerliche „Highlight“ auf mich: Der Dümmerbrand – Das traditionelle Höhen-Feuerwerk in Hüde am Dümmer-See. Den See gibt es auch heute noch und so wird er auch in diesem Jahr am 24. August 2013 mit vielen „Ahhs“ und „Ohhs“ den Dümmerbrand überstehen.Mit dem Fahrrad starteten wir stets einen Tag zuvor die 25 Kilometer von Rahden auf der Landstraße 765/346 quer durch das Oppenweher Moor bis Lemförde, dann noch ein kurzes Stück auf der Bundesstraße 51 bis Hüde. Auf dem Campingplatz am Dümmer See wurde das Zelt aufgeschlagen. Per pedes erkundeten wir auf dem Deich den See und per Tretboot sahen wir uns vom See aus das Ufer an. Am Samstagabend gegen 22 Uhr folgte dann der Höhepunkt: ein gigantisches Feuerwerk. Am Sonntag ging unser Fahrrad-Kurzurlaub zu Ende. Und der Montag war wie immer ein Montag.

"Sommer auf dem Dümmer-See", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

„Sommer auf dem Dümmer-See“, Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Das Bier entscheidet – Nicht nur die Bundestagswahl, sondern auch den Tag des Bierbrunnens in Lübbecke

"Lübbecke – Die Stadt des Bierbrunnens", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

„Lübbecke – Die Stadt des Bierbrunnens“
Foto © Friedhelm Denkeler 1963

Wer sich mal wieder über die Überschrift wundert, dem sei gesagt, dass der SPD-Slogan „Das Wir Entscheidet“ von den Jusos in „Das Bier Entscheidet“ umgewandelt wurde. Und alljährlich findet im August auch in Lübbecke (Ost-Westfalen) ein dreitägiges Fest zu Ehren des Bieres statt – das berühmte Bierbrunnenfest.

Ob wie vor fünfzig Jahren im Sommer 1963, in dem meine Fotos vom Bierbrunnenfest entstanden sind, auch heute noch dieselbe Kapelle spielt, ist nicht festzustellen. Wir waren aber damals dabei und freuten uns ob knapper Kasse über die die Frei-Biere, die wir ergattern konnten.

"Der Bierbrunnen am Marktplatz in Lübbecke", Foto © Friedhelm Denkeler 1963

„Der Bierbrunnen am Marktplatz in Lübbecke“, Foto © Friedhelm Denkeler 1963

1954 wurde der „Tag des Bierbrunnen“ erstmals gefeiert. Brauer in ihrer Zunfttracht zapften sieben Stunden lang kostenlos Bier der Barre-Brauerei für die Besucher. In der damaligen Urkunde heißt es:

„Der Stadt Lübbecke in Westfalen stiftet die Familie Barre, Lübbecke, zum ehrenden Gedenken an den Brauereibesitzer Ernst Ludwig Barre (* 1881; † 1937) einen Bierbrunnen, der am 29. August 1954 eingeweiht wird“.

Damals stand das Freibier der Barre-Brauerei im Mittelunkt des Geschehens. Mittlerweile hat es sich zu einem dreitägigen Rummel entwickelt, der Gerstensaft ist natürlich auch nicht mehr kostenlos und ich bin froh 1968 nach Berlin gegangen zu sein.

Neun Tage Liebe und Frieden im Kalten Krieg

X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten
vom 28. Juli bis zum 5. August 1973 in Ost-Berlin

"Munteres Treiben unter der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

"Munteres Treiben unter der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

Acht Millionen Besucher und 25.000 geladene Gäste aus 140 Ländern feierten im Sommer 1973 das „Woodstock des Ostens“ in Ost-Berlin. Auf 95 Bühnen waren Lieder der Singeklubs zu hören; es spielten Jugendblasorchester und Beatbands.

Bis in die frühen Morgenstunden herrschte auf den Straßen und Plätzen der Stadt ein munteres Treiben. Die DDR-Führung wollte sich unter Honecker liberal und weltoffen präsentieren. Nach den Spielen war es damit bald wieder vorbei.

Die Volkspolizisten und natürlich auch die Stasi sollten sich möglichst zurückhalten, bzw. unauffällig bleiben. So nutzten die DDR-Jugendichen ihre ungewohnte Freiheit zum Austausch politischer und kultureller Meinungen mit der Jugend der Welt.

Regierungskritische Jugendliche wurden bereits vor den Spielen an der Teilnahme gehindert, wurden festgesetzt oder erhielten ein Einreiseverbot nach Ost-Berlin. Regierungsfeindliche Transparente oder Flugblätter waren natürlich nicht zu sehen und es gab – wie erwartet – keine Zwischenfälle.

Auch das DDR-Fernsehen zeigte sich international und freizügig: Um Mitternacht liefen erotische Filme aus Italien im Programm und im Jugendstudio DT64 des Radios wurden internationale Hits gespielt. Beides sahen und hörten wir natürlich auch in West-Berlin.

"Demonstration der DDR-Jugend", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

"Demonstration der DDR-Jugend", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

"X. Weltfestspiele in Ost-Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

"X. Weltfestspiele in Ost-Berlin", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

"Blaue Hemden", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

"Blaue Hemden", Foto © Friedhelm Denkeler 1973

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