Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Historisches Foto

Unregelmäßig zeige ich hier Photos aus meinem fotografischen Archiv (oft mit zusätzlichem Text). Außerdem gibt es unter der Überschrift “Vor dreißig Jahren …” (oder “Vor vierzig Jahren …”, etc.) Photos zu sehen, die immer genau vor 30 Jahren (40 Jahren, etc.) entstanden sind (in der Regel ohne weiteren Text).

1 2 3 8

Die Zeit der Kapuzen, Kreuze und Fackeln

Unter Büßern – die Karfreitagsprozession in Artà

"Karfreitagsprozession in Artá", Foto © Friedhelm Denkeler 1993

“Karfreitagsprozession in Artá”, Foto © Friedhelm Denkeler 1993
Aus der Serie “Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison

In der gesamten Semana Santa, der heiligen Osterwoche, finden auf Mallorca diverse religiöse Feste statt. In der Nähe von Cala Ratjada, in Artà, konnten wir am Karfreitag, den 9. April 1993 die Kreuzabnahme Christi auf dem Burggelände des Klosters Sant Salvador verfolgen. Die Beleuchtung der Festungsmauern durch Pechfackeln, die als römische Soldaten verkleideten Bewohner, die Teilnahme zahlreicher Zenturien, die langsam getragene Marschmusik der Kapellen und das Bühnenbild machten das Ganze zu einem spektakulären Ereignis.

Die anschließende Karfreitagsprozession im Fackelschein, unter dem Geläut der Kirchenglocken und unter den dumpfen Trommelschlägen durch die mittelalterliche Stadt, war durch die Costaleros, die Heiligenbilder trugen, nicht weniger eindrucksvoll. Die teilnehmenden Cofraríes, die Bruderschaften, die lange, weiße Büßergewänder und hohe spitze Kapuzen trugen, die nur die Augen freiließen, komplettierten die mysteriöse Ausstattung dieser Vereinigungen, die zum Teil seit mehreren Hundert Jahren bestehen.

"Karfreitagsprozession in Artá", Foto © Friedhelm Denkeler 1993

“Karfreitagsprozession in Artá”, Foto © Friedhelm Denkeler 1993
Aus der Serie “Eine Mallorquinische Nacht. Cala Ratjada – Photographien aus der Vorsaison”

Blaues Fenster – Vom Sturm verweht

Das Felsentor “Azure Window” auf Malta ist eingestürzt

"Azur Window (Blaues Fenster)", Malta, Nebeninsel Gozo, Foto © Friedhelm Denkeler 2001

“Azur Window (Blaues Fenster)”, Malta, Nebeninsel Gozo, Foto © Friedhelm Denkeler 2001

Heute vor 16 Jahren, am 6. April 2001, bin ich noch “todesmutig” über das Felsentor “Azure Window” auf Gozo, der Nebeninsel von Malta an der Küste vor der Ortschaft San Lawrenz, gegangen. Im April 2012 war ein größerer Teil der Decke bereits weggebrochen und das Betreten der Brücke wurde verboten. Während eines Sturms am 8. März 2017 stürzte die 100 Meter lange und 20 Meter hohe Naturattraktion nun komplett ein. Eines der wichtigsten Wahrzeichen von Malta ist dadurch unwiederbringlich verloren gegangen. Die Felsenformation entstand hier vor Millionen Jahren und der Torbogen bildete sich durch das Einstürzen einer Höhle. Der gesamte Komplex der Steilküste war bis vor ungefähr 13.000 Jahren ein Teil der ehemaligen Landbrücke zwischen Europa und Afrika.

"Am Azur Window", Malta, Nebeninsel Gozo, Foto © Friedhelm Denkeler 2001

“Am Azur Window”, Malta, Nebeninsel Gozo, Foto © Friedhelm Denkeler 2001

Der große Stein von Tonnenheide

Aus der Eiszeit direkt nach Ost-Westfalen

Zugegeben: Es ist nicht der Ayers Rock, der Inselberg, der sich 350 Meter über seinem flachen Umland in der zentral-australischen Wüste erhebt, sondern nur der zehn Meter lange, sieben Meter breite und über drei Meter hohe und 350 Tonnen schwere “Große Stein von Tonnenheide” in Ost-Westfalen, der auf meiner Photographie zu sehen ist.

Der Findling soll während der Eiszeit (Pleistozän/ Saalezeit) vor 200 000 Jahren seinen Weg von Skandinavien bis nach Ost-Westfalen geschafft haben. Dabei hat er “auf dem Rücken” der Gletschermassen 750 Kilometer aus der schwedischen Provinz Bleckinge zurückgelegt, bis er in Tonnenheide “liegen geblieben” ist. Der aus Biotit-Granit bestehende Stein entstand vor etwa einer Milliarde Jahren.

"Der große Stein von Tonnenheide", Foto © Friedhelm Denkeler 1985

“Der große Stein von Tonnenheide”, Foto © Friedhelm Denkeler 1985

In meiner Jugendzeit war der Findling nur mit seiner Kuppe zu sehen, der größte Teil lag unter der Erde. Erst 1981, ich war schon lange in Berlin, wurde er freigelegt und auf dem Hofgelände Klasing Nr. 9 in Rahden-Tonnenheide 70 Meter weiter, unter 200 Jahren alten Eichen – eigentlich müsste man jetzt unter jungen Eichen sagen – mit Hilfe eines auf Ketten fahrenden Krans und eines Autokrans transportiert. Zur Bergung musste ein 300 Jahre alter Fachwerkspeicher, der zu nah am Stein stand, um 80 Meter umgesetzt werden.

Der Tonnenheider Stein weist diverse Bearbeitungsspuren, wie Bohrlöcher auf; schätzungsweise zwanzig Kubikmeter wurden bereits früher abgesprengt. Viele andere Findlinge sind auf diesen Wegen ebenfalls durch Zerstörung, Verwitterung und wirtschaftliche Nutzung (Pflastersteine, Schotter) vorzeitig verlustig gegangen. Man schätzt, dass nach der Eiszeit in Ost-Westfalen Tausend Findlinge (die Steine heißen so, wenn sie größer als vierzig Zentimeter sind) pro Quadrat-Kilometer liegen geblieben sind, davon sind heute vielleicht noch zehn je Quadrat-Kilometer übrig geblieben.

Silvester 2016 – Neujahr 2017: Die Mitte der Rauhnächte

"Zwischen den Jahren oder die Mitte der Rauhnächte", Foto © Friedhelm Denkeler 1981

“Zwischen den Jahren oder die Mitte der Rauhnächte”, Foto © Friedhelm Denkeler 1981

Die Rauhnächte sind einige Nächte um den Jahreswechsel, denen im europäischen Brauchtum oft besondere Bedeutung zugemessen wird. Meist handelt es sich um die zwölf Weihnachtstage vom Weihnachtstag (25. Dezember) bis zum Fest der Erscheinung des Herrn (6. Januar), aber auch andere Zeiträume, beispielsweise zwischen dem Thomastag und Neujahr, kommen in Frage. Den zwölf Tagen oder Nächten wird im europäischen Brauchtum oft besondere Bedeutung zugemessen. Nach dem Volksglauben zogen sich die stürmischen Mächte der Mittwinterzeit in der Nacht auf den 6. Januar wieder zurück, “die Wilde Jagd” begab sich am Ende der Rauhnächte zur Ruhe. Zwischen den Jahren beschreibt als Redewendung heute in der Regel die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester/Neujahr. [Quelle: Wikipedia]

1 2 3 8