Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Ausstellung

Entsprechend des Blog-Untertitels „Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst“ werden in dieser Rubrik in erster Linie selbst besuchte Ausstellungen, hauptsächlich in Berlin, zur Photographie und zur Kunst besprochen. Hin und wieder wird auch eine geplante Ausstellung angekündigt.

Fotoreportagen aus dem Norden Argentiniens 1958 bis 1964

"Ausstellungsplakat 1965 Grete Stern", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Ausstellungsplakat 1965 Grete Stern", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Im Ethnologischen Museum in Dahlem in der Lansstraße 8 sind bis zum 30.Januar 2011 Fotos von Grete Stern (Elberfeld 1904 – Buenos Aires 1999) zu sehen. Die Ausstellung zeigt hauptsächlich ihre dokumentarischen Sozialstudien der ethnischen Gruppen aus den Provinzen Gran Chaco, Formosa und Salta im Norden Argentiniens. Sie sind zwischen 1958 und 1964 während einer ethnologischen Expedition, im Rahmen eines Lehrauftrages und eines Stipendiums in den Dorfgemeinschaften der Indianer entstanden.

Zur Dokumentation der Lebens-bedingungen der Indios und ihrer handwerklichen Techniken hat Grete Stern Porträts von Personen und Gruppen, Kunsthandwerk, Hausformen sowie Landschaften aufgenommen. In der Ausstellung treten die Bilder in einen Dialog mit einer Auswahl von ethnographischen Objekten der indigenen Gruppen aus dem Ethnologischen Museum Berlin. Sie werden in vier Kapiteln vorgestellt: Kulturen in Bewegung, die Welt der Männer, die Welt der Frauen sowie Schamanismus und Religiosität. Eine Präsentation von ausgewählten Fotos habe ich hier gefunden.

Am Bauhaus lernte Grete Stern (hier ein Selbstporträt als Collage) ihren zukünftigen Ehemann, den argentinischen Fotografen Horacio Coppola kennen. 1934 emigrierte das Paar zunächst aus Nazi-Deutschland nach London, ein Jahr später nach Argentinien. 1936 eröffnete Grete Stern mit ihrem Ehemann in der Hauptstadt Buenos Aires ein Studio für Werbung und Fotografie. Das zeitgleich erworbene Haus wurde zum Treffpunkt für progressive Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle.

Bekannt wurde Grete Stern in den 1930er Jahren durch die gemeinsame Arbeit mit Ellen Auerbach und ihrer Porträt- und Werbefotografie im gemeinsam betriebenen Fotostudio ringl + pit in Berlin. Zwei Semester lang besuchte sie zusätzlich die Fotoklasse von Walter Peterhans am Berliner Bauhaus.

Ihre, in dieser Zeit erworbene Collage-Technik, fand später in Argentinien ihre Anwendung. Zwischen 1948 und 1951 erstellte sie wöchentlich eine Fotomontage für die Zeitschrift Idilio. Artikel, die der psychologischen Beratung dienten und sich mit Träumen beschäftigten, illustrierte sie. Diese Fotomontagen weisen unabhängig von ihrer ursprünglichen Funktion eine hohe künstlerische und für die damalige Zeit große handwerkliche Begabung auf (siehe Art of Photography – Grete Stern).

Diese zuletzt genannten Arbeiten sowie Grete Sterns Stillleben, Portraits und Landschaften werden in einem Einführungsteil zur Ausstellung nur zusammengefasst dargestellt. Insofern ist der Untertitel der Ausstellung „Vom Bauhaus zum Gran Chaco“ eher irreführend, da hauptsächlich ihre dokumentarischen Arbeiten, die mehr für ethnologisch Orientierte interessant sind, zu sehen sind. Von den aus meiner Sicht künstlerisch interessanteren Fotos hätte ich gerne mehr gesehen. Das aber war nicht Ziel dieser Ausstellung. Eine Auswahl weiterer Fotos finden sie hier.

Die Arbeiten des frühen Pioniers der Lichtkunst sind noch bis zum
16. 01.2011 in einer Retrospektive im Martin-Gropius-Bau, Berlin, zu sehen

“Das Hochzeitsautomobil”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

“Das Hochzeitsautomobil”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Gestern Abend wurde eine große Gesamtschau mit über 200 Arbeiten von László Moholy-Nagy, im Beisein seiner aus den USA angereisten Tochter Hattula Moholy-Nagy, im Martin-Gropius-Bau eröffnet. Mit ihrer Hilfe gelang es auch, die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Besitz von 30 internationalen Leihgebern zu bestücken.

Das Centre Pompidou, die New Yorker Rosen Gallery, die Tate Gallery in London und niederländische Museen verliehen ihre Arbeiten nach Berlin. Bereits 1929 zeigte Moholy-Nagy im selben Gebäude, dem damaligen Kunstgewerbemuseum, in der Werkbundschau „Film und Foto“ seine Bilderwand, die in der aktuellen Ausstellung annähernd rekonstruiert wurde.

Laszlo Moholy-Nagy war fasziniert vom Licht. In den 1920er Jahren schuf er seine „Fotogramme“, experimentierte mit Licht und Schatten in der Fotografie und entwarf Bühnenbilder aus Licht. Die  Berliner Ausstellung geht jetzt dieser besonderen Faszination Moholy-Nagys nach. „Als ich die Idee zur Ausstellung entwickelte, fiel mir auf, das in Moholy-Nagys bisheriger künstlerischer Rezeption etwas fehlte: Immer waren die Ausstellungen retrospektiv angelegt, und zeigten Werke aus allen Schaffensphasen. Ich wollte dagegen vorführen, dass es in seiner Arbeit eine Idee gibt, die alle seine künstlerischen Bereiche verbindet: Die Kunst des Lichts“, so die Kuratorin Olivia Maria Rubio.

Moholy-Nagys Arbeiten weisen ein breites Spektrum an Ideen auf. Malerei, Fotografie und Werbung und Industriedesign sah er als gleichwertig an. Zeitgleich zu Man Ray erfand er das „Fotogramm“, die Herstellung von Bildern nur mit Licht, ohne Kamera. Das Berlin jener Jahre hat ihn stark geprägt, einzelne Fotos erinnern an Bilder von Heinrich Zille. „Man würde ihn heute nicht kennen, wenn er nicht in Berlin gelebt und gearbeitet hätte“ (Hattula Moholy-Nagy).

Auf der Website des „George Eastman House – Still Photograph Archive“ finden Sie eine große Auswahl an Photos von Moholy-Nagy (als Thumnails, lassen sich vergrößern). Vier Fotos möchte ich herausstellen: Spring, Berlin“, 1928, „Study with pins and ribbons“, 1937, „Chairs at Margate”, 1935 und „Two nudes“, ca. 1925.

Der Fotograf, Maler und Designer László Moholy-Nagy wurde 1895 in Ungarn geboren und starb 1946 in Chicago. Nach einem abgebrochenen Jurastudium kam er 1920 nach Berlin. Zwischen 1923 und 1928 lehrte er am Bauhaus in Weimar und Dessau.  1934 emigrierte er vor den Nazis zunächst nach Amsterdam, dann nach England und später in die USA. In Chicago gründete und leitete er das New Bauhaus.

www.gropiusbau.de

Portraits von Yves Saint Laurent bis zu den Hells Angels. Die weltweit erste Retrospektive von June Newton/ Alice Springs in der Berliner Helmut Newton Stiftung

Bereits im ersten Raum der Ausstellung in der Berliner Jebenstraße hängen die Fotos, die June Newton in Vertretung für ihren erkrankten Mann, im Jahr 1970 in Paris auf dem Place Vendôme für die Zigarettenmarke Gitanes, machte. Es war der Beginn einer 40-jährigen Karriere von June Newton, die ihre Bilder unter dem Namen Alice Springs veröffentlichte. In der Berliner Ausstellung sind 250 Bilder, hauptsächlich Porträts von Künstlern, Schauspielern, Musikern und Stars der Modeszene zu sehen. Viele Aufnahmen sind im Auftrag von Zeitschriften zwischen Paris und Los Angeles entstanden, andere aus freiem Antrieb.

Museum für Fotografie, Berlin

Museum für Fotografie, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

1971 entstand jenes Foto für die Zeitschrift „Dépêche Mode“, das heute ihr bekanntestes und sicherlich bestes Werk ist: Ein Model mit Handtasche geht auf einem Pariser Boulevard wie auf einem Laufsteg entlang. Im Zurückblicken wundert sie sich über die Blicke, die ihr vermutlich nachgeworfen werden: Die Handtasche hebt, wie aus Versehen, den schon kurzen Rock, noch höher hinauf. Das Foto finden sie hier (Cover des Katalogs des Taschen-Verlages).

In die Ausstellung am Bahnhof Zoo ging ich mit einiger Skepsis. Würden June Newtons Aufnahmen neben den Fotografien mit den glamourösen Inszenierungen ihres Mannes bestehen? Ich war angenehm überrascht: June hat gegenüber Helmut einen geradlinigeren Blick auf ihre Modelle. Die Bilder sind humorvoller und ironischer und die Abbildungen werden der Individualität der Dargestellten gerechter. Ihre Porträtfotografie besitzt eine klassische Anmutung.

Die Namensliste der Abgebildeten liest sich wie ein Who’s who der internationalen Kultur- und Modeszene. Im zweiten Raum finden wir zum Beispiel Porträts von Vivienne Westwood, Peter Keeting, Rudi Gernreich, Sonja Rykel, Gianni Versace, Emmanuel Ungaro, Hubert de Givenchy, Christian Lacroix und Robert Mapplethorpe. Im dritten Raum geht es weiter mit den Künstlern Keith Haring, Roy Lichtenstein, Marcus Lüpertz, Gerhard Richter, Elvira Bach, Niki de St. Phalle, Luciano Castelli, Helmut Middendorf, Peter Hujar, David Hockney, Joseph Beuys, Ed Ruscha und Dennis Hopper.

Eine weitere Gruppe von Porträts zeigt Charlotte Rampling, Frederico Fellini, David Byrne, Manuel Alvarez Bravo, Richard Avedon, Sting, Wim Wenders, Grace Jones, Roman Polanski, Graham Greene, William Burroughs und Mario Merz. So, das muss an Namen reichen und dabei habe ich nur diejenigen aufgeführt, deren Namen und Profession ich kenne.

Auf weiteren Fotos zeigt June Frauen mit ihren Babys, das bekannteste darunter ist „Brigitte Nielsen and Son“. Sie finden das Bild hier. Bei ihren Mutter-Kind-Aufnahmen hat sie bewußt das Madonna-Klischee vermieden, Mutter und Kind erscheinen als selbstständige, voneinander unabhängige Charaktere. Weitere Serien zeigen Gruppenporträts von den Hells Angels und elf Aktfotos von „Susi und Lena“, aber für Aktfotos bleibt Helmut Newton doch der Maßstab und da kommt keiner heran.

Die heute 87-jährige June Newton kommt in Melbourne zur Welt. Unter dem Namen June Brunell arbeitetet sie als Schauspielerin für Film und Bühne. 1947 lernt sie Helmut Newton kennen. Gemeinsam ziehen beide 1947 nach Paris und 1981 nach Monte Carlo. Die Ausstellung ist bis auf weiteres im Museum für Fotografie, Helmut Newton Stiftung, in der Jebenstraße 2, 10623 Berlin-Charlottenburg, zu sehen. Die Überschrift trifft auch auf den Schreiber dieser Zeilen zu. Er liegt mit einer Erkältung “darnieder”.

www.helmut-newton.de

Federn lassen müssen sie alle – Vom Kriegsgott Kailimoku zur Majestät, dem Schwan. Willem de Rooij mit „Intolerance“ bis zum 2. Januar 2011
in der Neuen Nationalgalerie in Berlin

“Federobjekt”, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

“Federobjekt”, Foto © Friedhelm Denkeler 2008

Der 41-jährige niederländische Konzeptkünstler Willem de Rooij hat die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin „besucht“ und ist dabei auf Werke gestoßen, die im 17. und 18. Jahrhundert entstanden sind. Sie dienten zur Repräsentation der Macht und zur prächtigen Ausstattung der Mächtigen. Willem de Rooij, der zurzeit in Berlin lebt, versuchte, diese eigenständigen Kunstwerke zu einem neuen, temporären Kunstwerk für die Neue Nationalgalerie zusammenzustellen. Auf welche Werke hat de Rooij zurückgegriffen?

Melchior d’Hondecoeter (1636 – 1695) malte ausschließlich realistische Bilder von heimischen und exotischen Vögeln, die sich meistens im Kampf befinden. Es geht nicht so friedlich zu wie auf meinem Foto, bei d’Hondecoeter versucht zum Beispiel ein Adler einen Hahn zu töten. Viele andere Vögel müssen ebenfalls Federn lassen. Das trifft insbesondere auf die zweite Werkgruppe zu, die de Rooij ausgesucht hat.

Hawaiische Federobjekte (18. und 19. Jahrhundert) wurden im vorchristlichen Hawaii bei Prozessionen als Statussymbole mitgeführt. Aus Federn von Hunderten von Vögeln wurden zum Beispiel der überlebensgroße Kopf des Kriegsgottes Kailimoku und ein Umhang für ihn gefertigt. Kunsthistorisch gesehen gibt es keine Verbindung zwischen den Federn aus Hawaii und aus Holland, es ist eine komplett freie Assoziation von Willem de Rooij.

„Mit dieser Gegenüberstellung lenkt der Künstler den Blick auf Zusammenhänge zwischen den außereuropäischen Objekten und der europäischen Malerei. Die Ausstellung thematisiert die Dreiecksbeziehung zwischen früherem globalen Handel, interkulturellen Konflikten und gegenseitiger Attraktion. Offen für vielfältige Interpretationen kann ‚Intoleranz‘ als eine dreidimensionale Collage, aber auch als eine visuelle Untersuchung sowie als pointierte Reflexion institutioneller Arbeitsweisen und Ausstellungspraxis begriffen werden“ (aus der Presseerklärung).

Diese Zusammenhänge kann der Betrachter anhand des Gesamtkunstwerkes, wenn es denn eins ist, aber nicht ahnen, insbesondere auch, da die ursprünglichen Werke nicht beschriftet sind. Wir haben nur den Titel „Intolerance“. Für mich bleibt die Frage offen, ob es sich hier um ein künstlerisches oder ein kuratorisches Werk handelt. Die Diskussion über das zukünftige Humboldt-Forum in Berlin-Mitte wird die Ausstellung aber beflügeln können, denn de Rooij plädiert für den interdisziplinären Blick auf die Werke. Vielleicht ist es auch egal, ob diese „freie, wissenschaftliche Collage“ (Joachim Jäger) nun ein Künstler oder Kurator geschaffen hat, sehenswert ist sie in jedem Fall. Den Titel „Intolerace“ habe ich aber trotzdem nicht nachvollziehen können.

Im Laufe der Ausstellung soll es noch eine dreibändige Publikation geben. Sie beinhaltet dann die erste umfassende Darstellung der Werke von Melchior d’Hondecoeter, eine Zusammenstellung aller bekannten Federobjekte und eine fotografische Dokumentation der Installation „Intolerance“.

Das Kulturforum mit der Neuen Nationalgalerie ist bekanntlich vom Kulinarischen eher mager ausgestattet, also besuchten wir nach dem Museumsbesuch den Potsdamer Platz und kehrten im neueröffneten „Café Möhring“ ein. Im ältesten Haus des Viertels, dem ehemaligen Weinhaus Huth, hat ein Klassiker der Berliner Kaffeehauskultur seit September 2010 sein Comeback (Alte Potsdamer Straße 5, Eingang Tilla Durieux-Park). Am Kurfürstendamm wurde das Café Möhring im Jahr 2000 geschlossen, am Gendarmenmarkt wurde es später auch verdrängt und hat nun ein neues Haus gefunden. Einen Besuch kann ich nur empfehlen, das Essen ist sehr gut und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Neue Nationalgalerie

Fotografien von Christian Borchert in der Galerie argus fotokunst

Die Frauenkirche in Dresden, Foto © Friedhelm Denkeler 1994

"Die Frauenkirche in Dresden", Foto © Friedhelm Denkeler 1994

Christian Borchert träumte eines Nachts, er hätte einen Reisepass erhalten, der unbegrenzt für alle Länder gültig sei – leider nur für einen einzigen Tag. Viele kleine Geschichten dieser Art aus dem Leben von Christian Borchert erzählte der Verleger und Fotograf Hansgert Lambers während der Vernissage am 8. Oktober 2010 in der Galerie “argus fotokunst”.

Es war eine der schönsten Eröffnungsreden die ich in der letzten Zeit gehört habe. Lambers erhielt im Laufe seiner Freundschaft mit Borchert an die 120 Ansichtskarten von dessen Reisen. Anhand dieser persönlichen Dokumente erzählte Lambers mit Hilfe von Zitaten eine kleine Lebensgeschichte von Christian Borchert.

"Christian Borchert vor dem verhüllten Reichstag" Foto © Friedhelm Denkeler 1995

Der 1942 in Dresden geborene Christian Borchert verunglückte am 15. Juli 2000 tödlich. Er gilt als einer der bedeutendsten Fotografen der DDR. Mit seinen Fotoprojekten von Werktätigen, Menschen auf Festen, von Künstlern und Bildhauern und Familienporträts ist er zum Chronisten der Kultur- und Sozialgeschichte der DDR geworden. Auf praktisch allen Fotos steht der Mensch im Mittelpunkt. Man sieht, dass er die Menschen, seine “DDR-Bürger”, mochte (Christian Borchert: “Berliner”. Ex pose Verlag, Berlin West, 1986).

Eines seiner wichtigsten Fotoprojekte war die Dokumentation des Wiederaufbaus der Semperoper in Dresden (Semperoper Dresden – Bilder einer Baulandschaft. Mit Fotografien von Christian Borchert. Verlag der Kunst, Dresden 1985). Eines meiner Lieblingsfotos, wie alle Fotos von Borchert in schwarz-weiß, ist der Blick des Fotografen während eines Regenschauers aus seiner Wohnung heraus in der Leopoldstraße (“Regenschauer am Nöldnerplatz”, Mai 1971) in Berlin-Rummelsburg, direkt auf Passanten, die sich am S-Bahn-Gelände mit Regenschirmen durch den Sturm kämpfen. Das Foto können Sie hier sehen.

Der Nachlass von Christian Borchert befindet sich in der Berlinischen Galerie (ca. 1400 Ausstellungsabzüge), im Kupferstichkabinett Dresden (ca. 500 Ausstellungsabzüge) und in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden. Die “deutsche fotothek“ hat 12052 “Arbeitsabzüge” seiner Fotografien inzwischen digitalisiert. Ein Selbstbildnis des Fotografen finden Sie hier. Die Bilder von Christian Borchert sind noch bis zum 6. November 2010 in der Galerie “argus fotokunst” in der Marienstraße 26 in Berlin zu sehen.

argus fotokunst

Fotos von Manfred-Michael Sackmann im Hotel Bogota in der Berliner Schlüterstraße

Foto © Manfred-Michael Sackmann 2010

Foto © Manfred-Michael Sackmann 2010

Joachim Rissmann, der Propriétaire des Hotels Bogota in der Berliner Schlüterstraße, zeigt noch bis Mitte Oktober 2010 an seinem Photoplatz „Neueste Aktportraits“ von Manfred-Michael Sackmann. Die Archival Pigment Prints sind in einer siebener Auflage zum Preis von 600 Euro erhältlich. Sackmann begann 1978 seine fotografische Laufbahn an der legendären Kreuzberger „Werkstatt für Photographie“ bei Professor Ulrich Görlich. Im Jahr 1992 wurde er in den Verein Berliner Künstler (VBK) aufgenommen und 1994 in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen.

Das Gebäude in der Schlüterstraße, über dessen gesamtes Areal sich das heutige Hotel Bogota erstreckt, trägt noch immer die Hausnummer 45. 1911, als Wohnhaus errichtet und heute unter Denkmalschutz stehend, beherbergte es u.a. in den 1920er Jahren den Unternehmer Oskar Skaller, dessen legendäre Feste mit einem Auftritt von Benny Goodman gekrönt wurden. 1936 betrat Helmut Newton erstmals das Haus, um eine Fotolehre bei YVA zu beginnen.

Die auf den bürgerlichen Namen getaufte Elisabeth Neuländer und später verheiratete Neuländer-Simon, die in Welt der Modefotografie als YVA berühmt wurde, war bekannt für ihre avantgardistischen Modeaufnahmen, die in zahlreichen Magazinen publiziert wurden. Ihr Atelier erstreckte sich über zwei Etagen und nachdem sie begonnen hatte auch berühmte Persönlichkeiten zu porträtieren, gingen auch diese im Atelier ein und aus. 1938 erhielt sie als Jüdin Berufsverbot und musste das Atelier schließen.

Joachim Rissmann setzt in seinem Hotel die fotografische Tradition des Hauses fort. Seit 1994 veranstaltet er mit seinem Photoplatz in mehreren Räumen wechselnde Fotoausstellungen. Er betont stets, kein Galerist zu sein, sondern möchte neben dem Hotelbetrieb die Erinnerungen an die Geschichte des Hauses lebendig halten. Und das gelingt ihm wirklich. Es herrscht eine angenehme, familiäre und wohnliche Atmosphäre im gesamten Hotel. Der Gast darf alle Etagen und Flure betreten. Geschmackvoll und liebevoll eingerichtet, gibt es auf den Gängen allerhand Kostbarkeiten zu entdecken. Was uns lange nicht mehr in Berlin passiert ist, geschah zur Ausstellungseröffnung von Manfred-Michael Sackmann am 10. September 2010. Joachim Rissmann begrüßte all seine Gäste persönlich.

Fotografien und Kunstwerke haben nicht nur am Photoplatz ihren Stellenwert, sondern begegneten mir durch alle Etagen hindurch. Natürlich besichtigte ich auch das Studio von IVA in dritten und vierten Stock. Die Fotos, die im Studio hängen, geben einen hervorragenden Eindruck von der Mondänität der Modelle der damaligen Zeit wieder. Das dürfte Helmut Newton gefallen haben. „Sie schlafen in heiligen Räumen”, sagte er, als er im Jahr 2002 Berlin das letzte Mal besuchte. Er meinte damit das Hotel Bogota.

www.sackmann-berlin.de, www.bogota.de

Sechs Wochen lang präsentiert sich Berlin im Herbst als Fotometropole und zeigt in der ganzen Stadt 150 Ausstellungen mit 500 internationalen Fotografen und mehr als 10.000 Motiven

Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Die Berliner Ausgabe des Europäischen Monats der Fotografie (MdF) nimmt in ihrem vierten Jahr die Neuigkeiten aus der Welt der visuellen Medien zum Anlass, nach der Rolle der Fotografie bei der Modernisierung unserer Lebenswelten zu fragen.

Unter dem Thema „Modernes Leben, Neue Bilder“ beteiligen sich am 4. MdF Berlin weit mehr als 100 Institutionen mit Fotoausstellungen in ganz Berlin und Potsdam. Der Fotomonat bietet der internationalen Fotoszene und dem Publikum eine Plattform für Gespräche im Rahmen von Ausstellungen, Veranstaltungen, Symposien und Workshops.

Der Eröffnung in der Berlinischen Galerie mit dem europäischen Fotoprojekt “Mutations III“ am 14. Oktober folgen weitere Vernissagen. So beteiligen sich der Martin Gropius Bau mit einer großen Retrospektive zu László Moholy-Nagy und das Willy Brandt Haus zusammen mit dem Institut Français mit Ausstellungen anlässlich des 100. Geburtstages des legendären Pariser Fotografen Izis. Dem Pionier der Street Photography Garry Winogrand, widmet Camera Work eine Präsentation. Peter Lindbergh ist bei C/O Berlin zu sehen und Galerie Kicken zeigt Werke von Ed van der Elsken und Barbara Klemm. Von der Mikrofotografie bis zur Handykamera reicht das Spektrum an Fotoprojekten und Themen des diesjährigen Berliner Monats der Fotografie.

Im Fokus aller Ausstellungen befinden sich fotografische Positionen aus internationaler Perspektive, die großstädtische Lebensweisen aus drei Jahrhunderten einfangen und neue Blickwinkel auf die Stadt und die Moderne ermöglichen.

Auf fünf Feldern thematisiert der 4. MdF Berlin: Großstädtische Lebensweisen, Modefotografie, Fotografie und Wissenschaft, Neue Bildwelten – neue Techniken, Bildung – Ausbildung – Wettbewerbe. Außerdem fasst die Rubrik “Zu Gast & kooptiert“ weitere Fotoausstellungen und Projekte zusammen, die in Berlin zu sehen sind. Der 4. MdF Berlin 2010 wird am 14. Oktober um 19 Uhr in der Berlinischen Galerie eröffnet. Veranstalter des MdF Berlin ist die Kulturprojekte Berlin GmbH.

Quelle: Presseerklärung, www.mdf-berlin.de

Vom Gurnigel und dem Rosengarten, über die Berner Altstadt
und dem Gurten, zum Kunstmuseum Bern

"Die Altstadt von Bern", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Die Altstadt von Bern", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Heute möchte ich nach einer Zwischenstation in Nürnberg (siehe Artikel hier) über einen Kurztrip in die Schweiz, in die Bundesstadt Bern mit ihren 130 000 Einwohnern, berichten. Hierbei soll es nicht um das UNESCO-Weltkulturerbe, die Berner Altstadt, um die sich im großen Bogen die Aare schlängelt, gehen.

Auch über die längsten überdachten Flaniermeilen Europas mit insgesamt sechs Kilometer langen, steinernen Lauben (Arkaden), die Kramgasse, mit dem in der Mitte fließenden Stadtbach, die vielen Sakralbauten, den berühmten Bärengraben an der Aare oder die Fahrt mit Standseilbahn auf den Berner Hausberg „Gurten“, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt, die Berner Alpen und die Gipfelkette des Jura hat, möchte ich nicht berichten.

Ebenfalls soll die Besichtigung des „Zentrums Paul Klee“ mit den drei großen Wellen aus Stahl und Glas des Architekten Renzo Piano, selbst ein Kunstwerk, sowie ein Ausflug in die Voralpen, auf den Berg „Gurnigel“, auf die “Riggisalp” und an den „Schwarzsee“ kein Thema sein, sondern die Ausstellungen im ältesten und bedeutendsten Kunstmuseum der Schweiz, im „Kunstmuseum Bern“, die wir Dank einer fachkundigen „Privatführung“ genießen konnten, werden besprochen.

"Der Gurnigel", Foto © Friedhelm Denkeler 2010
„Der Gurnigel“, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

„Don’t Look Now – Die Sammlung Gegenwartskunst, Teil 1“ war die interessantere der drei aktuellen Ausstellungen im Hause. Und so wie man vom Rosengarten im Spätnachmittagslicht einen Blick auf die Berner Altstadt werfen sollte, lohnt es sich, die Werke der Ausstellung näher anzusehen. Es werden hauptsächlich Bilder der Gegenwartskunst aus der eigenen Sammlung noch bis zum 20. März 2011 gezeigt. „Sie thematisieren das Sichtbarmachen des Unsichtbaren oder des nicht Darstellbarem – nämlich der Wahrnehmung selbst – oder binden den Betrachter in eine ähnlich paradoxe Situation ein, indem sie einerseits zum Hinschauen einladen, aber anderseits ’nichts‘ zu sehen geben“ (aus dem Ausstellungsführer). Ein ähnlicher Inhalt findet sich im gleichnamigen Filmklassiker „Don’t Look Now“ („Wenn die Gondeln Trauer tragen“ ) von Nicolas Roeg (1973).Vier Künstler mit ihren Werken möchte ich hier näher vorstellen:

Christian Marclay hat mit seinem wandhohen „White Noise“ aus dem Jahr 1993, bestehend aus 4780 umgekehrt mit Nadeln an der Wand befestigten Fotografien, das akustische Phänomen des „Weißen Rauschens“ visualisiert. Die Rückseiten, der auf dem Flohmarkt gefundenen, anonymen Porträts, bilden eine weiße Wand in den unterschiedlichsten Weißtönen, unterbrochen durch vereinzelte schriftliche Notizen der Bildrückseite. Oft leben Werke der Konzeptkunst hauptsächlich von der Idee. Man muss die Idee nicht unbedingt umsetzen, man könnte sie auch beschreiben. Marclay hat hier aber ein sinnliches Werk geschaffen, das über eine reine Konzeptkunst hinausgeht.

"Zentrum Paul Klee, Bern" Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Zentrum Paul Klee, Bern" Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Markus Raetz, bekannt mit seinen Auftritten auf der Documenta, macht mit seiner Rauminstallation „Ohne Titel“ (1980 – 1983) „die Wahrnehmung als Interaktion zwischen Publikum und Werk erfahrbar. Sie erfordert vom Betrachter aktives Mitdenken, denn es sind viele Blicke und Gedankengänge nötig, um sich eine vage Vorstellung von Raetz‘ Bilderkosmos machen zu können“ (aus dem Ausstellungsführer). Im Ausstellungsraum gibt es keinen idealen Standpunkt. Man muss die einzelnen Werke nacheinander erfassen, um sie als Zusammenhang zu erkennen. Von weitem erkennt man die mit wenigen „Strichen“, das heißt aus Ästen bestehenden, „gezeichneten“ Gesichtern. Kleine, teilweise dreieckige Bilder sind nur im Nahen erfassbar. Das trifft zum Beispiel auf das Panoramabild einer Steilküste (bestehend als Holz) mit einem aufgemalten Strand einschließlich einer realen „Faller“-Figur aus dem Modellbahn-Zubehör, einer sich sonnenden Frau, zu.

Meret Oppenheims „Röntgenaufnahme des Schädels M.O.“ lässt als Selbstporträt das typische Gesichtsprofil nur schwach erahnen. Die geschlechtlichen Merkmale sind nur aufgrund des umgelegten Schmuckes, zweier großer Ohrringe, Ringe an den Fingern und eines Metalldrahtes im Kragen (?), erkennbar. Die Selbstdurchleuchtung ist im Jahr 1964 in Bern entstanden, nachdem Oppenheim ihre künstlerische Schaffenskrise überwunden hatte. Dieses bekannte Werk von ihr, das ich hier zum ersten Mal sah, dürfte Helmut Newton als Vorbild für sein Werk „X-Ray Shoe, Monte Carlo“ aus dem Jahr 1989, der Röntgenaufnahme eines Frauenfußes auf High Heels, gedient haben.

Weitere, international bekannte Künstler, wie Bill Viola und Nam June Paik sind in der Ausstellung vertreten. Ein Rundgang durch die ständige Sammlung des „Kunstmuseums Bern“ mit Werken von Manet, Cézanne, Klee, Dali, Picasso, Rothko, Pollack und den in Bern geborenen Ferdinand Hodler, vervollständigten den Museumsbesuch. Im gesamten Hause herrscht, auch bei den Werken aus der eigenen Sammlung, ein Fotografierverbot. Dafür gibt es einen Minuspunkt.

Albert Anker, „Schöne Welt“. Während wir in den oberen Räumen bei unserer Privatführung fast alleine waren, drängelten sich in den unteren Räumen die Besucher. Hier läuft noch bis zum 19. September 2010 die Ausstellung „Schöne Welt“ mit Bildern von dem bei uns wenig bekannten Künstler Albert Anker.

Der 1831 in Ins, Schweiz, geborene Künstler hat sein Leben lang Themen im Inser Dorfleben gefunden: Strickende Mädchen, lesende, Großväter, wackere Schulknaben, Kinder auf dem Schulspaziergang, Haare flechtende Mädchen, einem seiner Enkelin beim Klavierspiel lauschenden Großvater. Anker hat sein Handwerk, die Malerei, perfekt beherrscht, aber den Bildern fehlt etwas. Der Titel der Ausstellung beschreibt das Werk schon sehr gut, noch besser hätte allerdings „Schöne, heile Welt“ gepasst. Während der Wintermonate lebte Anker über Jahrzehnte hinweg in Paris. Seine Themen, seine Bilder blieben davon aber unberührt.

www.kunstmuseumbern.ch

Bernd und Hilla Becher und Ulrich Rückriem
im Staatlichen Museum für Kunst und Design in Nürnberg

"Treppenhaus des Neuen Museums, Nürnberg", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

"Treppenhaus des Neuen Museums, Nürnberg", Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Über den Um- und Erweiterungsbau des Folkwang-Museums in Essen wurde viel Lob ausgeschüttet. Richtig spannend und toll ist für mich aber der Neubau des Neuen Museums in Nürnberg durch den Berliner Architekten Volker Staab. Er passt trotz großer Glasfassaden wunderbar in die Nürnberger Altstadt. Es ist eine große Überraschung das Museum mit der großen, transparenten Fassade zum Klarissenplatz, mit der großzügigen Eingangshalle, dem lichten Treppenhaus und den abwechslungsreichen Ausstellungsräumen zu entdecken.

Ulrich Rückriem hatte eigens zur Eröffnung des Neuen Museums im Jahr 2000 für den großen Ausstellungssaal ein Werk geschaffen. Elf Kuben aus Normannischem Granit, die als Grundfläche die Größe der Bodenfliesen aufweisen, hat der Künstler jetzt als dritte Version zum zehnjährigen Bestehen neu arrangiert: „Granit Bleu de Vire, zugeschnitten 2000, Version 3“. In der Berliner Nationalgalerie waren 2009 (und auch 1998 und 2004) ähnliche Kuben zu sehen, die aus statischen Gründen nicht so hoch waren. In Nürnberg gefiel mir aufgrund des schlichten, großzügigen Raumes und insbesondere wegen der sehr guten Beleuchtung mit Tageslicht (aber auch ähnlich gut mit Kunstlicht), das Werk wesentlich besser.

In einer Auswahl von Werken unter dem Titel „Gesammelt – 2000 bis 2010“ stehen weitere Neuankäufe und Leihgaben im Mittelpunkt:

Hans-Peter Feldmann hat ein einem wandgroßen Tableau „100 Jahre“, bestehend aus 101 Schwarz-Weiß-Fotografien, Porträts von Menschen der einzelnen Lebensalter gemacht. Es beginnt mit dem Bild der acht Wochen alten Felina und endet mit einer Fotografie der 100jähigen Maria Victoria. Feldmann ist eigentlich ein Bildersammler. Für diese Arbeit hat er aber selber Modelle aus seinem Verwandten- und Bekanntenkreis fotografiert.

 
Ulrich Rückriem: “Granit Bleu de Vire, zugeschnitten 2000, Version 3” im Neuen Museum, Nürnberg, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Ulrich Rückriem: “Granit Bleu de Vire, zugeschnitten 2000, Version 3” im Neuen Museum, Nürnberg, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Gerhard Richter ist mit acht großzügig gehängten Werken in einem eigenen Raum vertreten. Es sind Werke dabei, die ich bisher nicht kannte, die aber unbedingt erwähnungswert sind: „Olympia“, 1967 und „Birgit Polk“, 1971. Weitere Fotos finden sich von Thomas Ruff, „Substrat 1“, 2001 und drei großformatige Fotografien von Axel Hütte.

Einen sehr guten Überblick über das fotografische Werk von Bernd und Hilla Becher gewinnt man in den in mehreren Räumen ausgestellten zehn „Typologien“ (so der Titel der Ausstellung): Fördergerüste, Kühltürme, Aufbereitungsanlagen, Fachwerkhäuser, Hüttenwerke-Hochöfen, Feinkohletürme, Lagerhäuser, Wassertürme, Gasbehälter und Kalköfen.

Im gesamten Museum darf übrigens fotografiert werden. Das gibt einen „dicken“ zusätzlichen Pluspunkt. Der Besuch des neuenmuseums hat viel Freude bereitet und am liebsten hätte ich nach der Besichtigung noch einmal von vorne angefangen, aber es gibt in Nürnberg ja noch mehr zu sehen.

Da ist zunächst einmal die komplette Altstadt zu nennen. Sie wurde im zweiten Weltkrieg durch systematische Bombardierung durch die Alliierten zu über 90 Prozent zerstört. Die Stadt bestand darauf, sie wieder originalgetreu aufzubauen – und das hat sich gelohnt.

Die 950-jährige Geschichte der Stadt lässt sich im „Stadtmuseum Fembohaus“ in wertvoll restaurierten Originalräumen nachvollziehen. Leben und Wohnen, Arbeiten und Werk Albrecht Dürers (1471 – 1528) sind im Albrecht-Dürer-Haus, indem er von 1509 bis zu seinem Tode gelebt hat, unterhalb der Nürnberger Burg, zu besichtigen.

Zur Geschichte der Stadt gehört leider auch die Zeit während des nationalsozialistischen Regime. Sie wird auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände mit den noch immer gigantischen Bauresten von Kongresshalle und Zeppelinfeld erkennbar und im neuen, neugebauten, gut gelungenen „Dokumentationszentrum“ dargestellt

www.nmn.de

“MAGNUM. Shifting Media. New Role of Photography” Fotos der legendären Bildagentur noch bis zum 19. September bei C|O

“Postfuhramt”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

“Postfuhramt”, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

C/O Berlin feierte kürzlich seinen zehnten Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es, wie schon zu der ersten Ausstellung im Jahr 2000, Fotos der Agentur MAGNUM zu sehen. Die Jubiläumsfeier hatte leider einen bitteren Beigeschmack: Die Galerie muss nach fünf Jahren ihren ruinös-charmanten Standort zum 1. April 2011 verlassen. Die Gespräche mit dem neuen Investor, der Elad-Gruppe aus Tel Aviv, verliefen ergebnislos. Wir werden also demnächst wieder ein Einkaufscenter und ein Hotel mehr in Mitte haben.

Im Gegensatz zu den bewegten Bildern aus Film und Fernsehen sind fotografische Bilder merkfähig und werden Teil des kollektiven Bildgedächtnisses. Das trifft auf die Schwarzweiß-Fotografien der Gründungsmitglieder von MAGNUM in den ersten Räumen der aktuellen Ausstellung zu: Henri Cartier-Bresson, David „Chim“ Seymour und die Kriegsfotografen Georg Rodger und Robert Capa. Die Ausstellung zeigt in großen Vitrinen die „Verwertung“ der Bilder in Zeitschriften, wie „Life“, „Look“ oder dem „Stern“.

Bis heute ist MAGNUM der Club der fotografischen Elite. Aber die Zeiten ändern sich. Als in den 1950er Jahren Capa den Alltag im jungen Staat Israel und Cartier-Bresson in der Sowjetunion fotografierten, hatten ihre Aufnahmen nachrichtlichen, aber auch ästhetischen Wert. Heute kann jeder an jedem Ort der Welt mit der Digitalkamera und dem Fotohandy Schnappschüsse machen und sie im Internet veröffentlichen.

Vom Verkauf der Aufnahmen an Zeitungen und Zeitschriften kann die Agentur in der heutigen Zeit nicht mehr leben. Die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss, trotz Finanzierung durch zusätzliche Buch- und Ausstellungsprojekte. Ein Teil des Archiv von MAGNUM wurde inzwischen an eine Kapitalgesellschaft aus der Computerbranche (Dell) verkauft.

Da sich die Basis des fotografischen Zielpublikums vom Presse- zum Kunstmarkt verschiebt, will dies die Ausstellung durch entsprechende Fotos im oberen Stockwerk des Postfuhramtes dokumentieren. Junge Magnum-Fotografen versuchen ihre Recherche-Fotos zu Kunstprojekten, zu großen, farbigen „Schinken“ zu stilisieren, um sie an Sammler und Museen verkaufen zu können. Sie haben zwar einen politischen Hintergrund, aber man merkt: Sie sind für die Wand gemacht. Wenn ich mir die Bilder ansehe, ist da aber etwas schiefgegangen. Bildreporter sind etwas anderes als Künstlerfotografen, auch wenn die Übergänge fließend sind. Meiner Meinung nach wird das große Konzept von MAGNUM, die Bildreportage, damit verwässert und auch der Ausstellung bekommt es nicht gut.

Die nächste Ausstellung bestreitet bei C/O ab ab 25. September der Modefotograf Peter Lindbergh. Der Auszug aus dem Postfuhramt im April 2011 fällt übrigens in die geplante große Robert Mapplethorpe-Retrospektive.

www.co-berlin.info

Fruta Prohibida oder: „Die Haut, die war das erste Kleid, das Evas Körper zierte.“ Die Berliner Galerien Tammen, Camera Work und der Verein Berliner Künstler zeigen im August „Verbotene Früchte“

Werk von Manfred Michael Sackmann
Auf der Vernissage beim VBK am 11.08.2010 mit einem Werk von Manfred Michael Sackmann, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Momentan erlebt der fotografisch interessierte Mensch einen Sommer mit „verbotenen Früchten“. Allerorten stellen Galerien und Museen Kunst mit erotischem Themenbezug aus. In Berlin läuft seit längerem die Ausstellung „Double Sexus“ (siehe Artikel vom 24.07.2010), in Wuppertal „150 Jahre Körperbilder in Fotografie und Malerei“ (siehe Artikel vom 18.08.2010) und in Hannover zeigt die Kestnergesellschaft „The Valley“ von Larry Sultan. Larry Sultan fotografierte die Drehorte der kalifornischen Pornofilmindustrie, die sich zur Filmproduktion in amerikanischen Privathäusern einmieteten.

Karl-Heinz Schmid schreibt in der Sommerausgabe der „Kunstzeitung“, dass sich dieser Trend alle zwei Jahre wiederholt und dass er sich auch beim Rundgang auf der „Art Basel“ ausmachen lässt. Auch an Europas größtem Galerienstandort Berlin gibt es „Nacktes“ zu sehen: Die fulminante Ausstellung „Körpernah – Akte/Nudes“ in der Tammen-Galerie, die Sommerpausen-Ausstellung „NUDES – Positionen der Aktphotographie“ bei Camera-Work und im Verein Berliner Künstler (VBK) die Vereinsschau „AKTionale – Das nackte Sein“. Alle drei Berliner Ausstellungen möchte ich nun in einem Zug vorstellen.

Tammen-Galerie: „Körpernah – Akte/Nudes“ verlängert bis 5. September 2010

Die Schau bei Tammen ist eine der besten zusammengestellten Aktausstellungen, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Das ist sicherlich auch dem Gastkurator Dr. Enno Kaufhold zu verdanken, den sich der Galerist Werner Tammen hinzuholte. Während bei Camera Work Männer nur eine Nebenrolle spielen, ist das Verhältnis bei Tammen ausgewogener. Die Fotografie spielt eine große Rolle, aber es sind auch andere Kunstgattungen vertreten, die sich in der Ausstellung vorteilhaft ergänzen.

Die Liste der 25 ausgestellten Künstler mit Kunstwerken aus den letzten zwei Jahrzehnten ist lang, aber für jeden ist in den großzügigen Räumlichkeiten Platz für eine ausreichende Übersicht der jeweiligen Werkgruppe. Unter anderen sind dies: Tina Bara, Michel Comte, Amin El Dib, Elliot Erwitt, Rainer Fetting, Abe Frajndlich, Clemes Gröszer, Boris Mikhailov, Manfred Paul, Gundula Schulze Eldowy, Annegret Soltau und Bert Stern.

Für mich war der der Fotograf Abe Frajndlich eine Neuentdeckung. Allerdings weniger wegen seiner bekannten Porträts von Prominenten, sondern wegen seines Werkes „Eros Interna“. „‚Eine Private Odyssee‘ nennt Abe Frajndlich seine Arbeit an ‚Eros Interna‘, dessen Bilder in seiner dreißigjährigen Tätigkeit als Fotograf entstanden. Frauenkörper, Bäume, Erde, Wolken, Skulpturen, und Graffiti sind die Materie, aus der Abe Frajndlich seine Zauberformel ‚Eros Interna‘ komponiert hat.“ (aus dem Klappentext des Buch „Eros Interna“, Umschau/Braus Verlag, 1999). Das gleichnamige Buch ist leider nur noch antiquarisch erhältlich. In der Ausstellung selbst sind allerdings nur Frajndlich neueste Werke aus dem Jahr 2010 zu sehen. Sie sind mir zu direkt auf die Schaulust eingestellt. Vielleicht hätten sie im kleineren Format besser gewirkt.

In der Einleitung zur Ausstellung schreibt Dr. Enno Kaufhold: „Der Darstellung des Menschen, insbesondere des nackten Menschen, galt seit Beginn des bildnerischen Gestaltens eine besondere Aufmerksamkeit, aus vielerlei Gründen. Befreit von den Fesseln restriktiver Normen zeigt sich der Akt heute in vielfältigen Formen und das in allen Medien. Die Ausstellung Körpernah – Akte/Nudes möchte genau das exemplarisch zeigen. Gerade das Interferieren unterschiedlichster Ansätze, vom körperlichen Begehren bis zur platonischen Distanz, in Kombination mit den differenzierten Ausdrucksmitteln in den verschiedenen Medien geben ein spannungsreiches Bild von dem, wie Nacktheit heute gesehen und gelebt wird.“

Gestern Abend wurde, thematisch zur Ausstellung passend, eine weitere Kunstgattung dargeboten: Es gab „hörbares“. Evelin Förster (Gesang) und Matthias Binner (Piano) brachten etwas lüsterne Chansons und Texte von Brecht bis Wedekind in den Tammen-Räumlichkeiten unter dem Titel „Erotisches zur Nacht oder Ein Fräulein beklagt sich bitter“ zu Gehör. Die Zusammenstellung der Chansons passte bestens zum Thema der Ausstellung und ließe sich auch mit dem von Evelin Förster zitierten Satz „Die Haut, die war das erste Kleid, das Evas Körper zierte“ betiteln. Es war ein rundum gelungener Abend!

Camera Work: „NUDES – Positionen der Aktphotographie“ bis 28. August 2010

Für ihre Sommerausstellung konnte Camera Work aus dem riesigen Fundus ihrer Fotosammlung eine spannende Überblicksausstellung durch die Geschichte Aktfotografie zusammenstellen. Rund 150 Bilder von über 40 Fotografen sind zu sehen. Ausgesuchte Fotos habe ich in drei Kategorien zusammengestellt:

Das Bekannte: Da viele der ausgestellten Fotos bereits zu Ikonen der Fotografie geworden sind, gab es in dieser Rubrik nicht viel Neues zu sehen: Der Klassiker Edward Weston, die erotischen und provozierenden Aufnahmen von Helmut Newton und Bettina Rheims, Man Ray und Andre Kértesz mit Mehrfachbelichtungen, Solarisationen und Collagen und die beinah abstrakten Detailaufnahmen von Ralph Gibson. Natürlich muss auch Thomas Ruff mit einem verwischten Pornobild für 90.000 EURO (sic!) dabei sein.

Das Neue: Von Larry Sultan sind zwölf Farbfotos aus seiner zwischen 1999 und 2003 entstandenen Arbeit „The Valley“ zu sehen. Sie dokumentieren die Einsamkeit und Melancholie hinter den Kulissen der Pornoindustrie.

Das Schönste: Das Buch „Spiegel der Venus“ von Wingate Paine befindet sich zwar in meiner Fotobuch-Sammlung, aber die fünf Vintage-Prints in der Größe 30×45 cm, unter anderem „Metamorphose“, habe ich zum ersten Mal im Original gesehen. Auch eine der schönsten Aktaufnahmen überhaupt, zwei Bilder aus meiner Lieblingsserie „Meret Oppenheim mit Louis Marcoussis“ von Man Ray aus dem Jahr 1933, sind ausgestellt. Zum Schluss möchte ich noch eine sinnliche Aktaufnahme von Manuel Alvarez Bravo, Titel „Fruta Prohibida“, Mexiko 1976, erwähnen.

Verein Berliner Künstler VBK: “AKTionale – Das nackte Sein bis 5. September 2010”

„Fünfzig Künstler aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Iran, Korea, Schottland und Amerika zeigen Arbeiten zum Thema Nacktheit in all ihren Facetten, von Liebe, Hass, Schönheit, Wahnsinn, Trauer, Glück, Gier, Lust, Traum, Flucht, Hoffnung, Perversion, Mord und Tod“ (aus dem Einladungstext) in der Galerie des VBK am Schöneberger Ufer.

Zu sehen ist eine riesengroße Bandbreite an Stilen. Bei den Gemälden sind so ziemlich alle Genres vertreten, die es gibt: Alte Meister, Expressionismus, Pop Art und abstrakte Malerei, dazu kommen Fotoarbeiten, Collagen, Skulpturen und Installationen. „Wer sich dafür interessiert, was Berliner Künstler aus dem Verein Berliner Künstler so machen, und wer Aktbilder mag, der kann sich hier einen Überblick verschaffen und sicher auch das eine oder andere finden, das ihm gefällt. Es sind wirklich gute Bilder und Objekte dabei, die man im Übrigen auch kaufen kann.“ (Kulturradio).

Manfred Michael Sackmann stellt seine „Lisa“ in ihrem „ersten Kleid“ aus. Es ist eines der besten Fotos in der Ausstellung. Das „Foto vom Foto“ konnte ich gerade noch auf der Vernissage am 11. August machen, danach waren die drei Räumlichkeiten der Galerie total überfüllt und an ein Weiterbewegen war angesichts der tropischen Temperaturen nicht mehr zu denken.

www.galerie-tammen.de, www.camerawork.de, www.vbk-art.de

„Unbeachtete Momente – Fotografien 1927 bis 1936“.  Das Lebenswerk von Marianne Breslauer in der Berlinischen Galerie in Berlin-Kreuzberg – verlängert bis 01. 11.2010

Berlinische Galerie
„Berlinische Galerie“, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

Die Berlinische Galerie in Kreuzberg stellt mit einer Retrospektive der gebürtigen Berlinerin Marianne Breslauer deren Porträtfotografien und das Alltagsleben der Weimarer Republik dem Publikum vor.

Die etwa 130 Bilder stammen zu einem Großteil aus dem Nachlass Marianne Breslauers, den sie der Fotostiftung Schweiz, Winterthur, überlassen hat, aber auch aus der eigenen Sammlung der Berlinischen Galerie, sowie – ganz kurios – aus der „Sammlung Stefan Thull: Die Krawatte in der Photographie“. Alle Fotos wurden auf Silbergelatinepapier belichtet.

Das Werk von Marianne Breslauer, das sie in zehn Jahren geschaffen hat, ist aus heutiger Sicht zwar bedeutend, aber am Beispiel der gleichfalls ausgestellten Fotos von Marta Astfalck-Vietz zeigt sich exemplarisch, dass Breslauer, als sie die Fotografie aufgab und sich dem Kunsthandel zuwandte, den Höhepunkt ihres fotografischen Schaffens noch nicht erreicht hatte.

Marta Astfalck-Vietz ist zusammen mit neun weiteren Fotografinnen wie z.B. Yva, Steffi Brandl und Lotte Jacobi, die alle große Bedeutung für die Fotografie der Moderne hatten, in einer Ergänzung zu Breslauers Fotos in einem zweitem Teil der Ausstellung, die aus den eigenen Beständen der Berlinischen Galerie zusammengestellt wurde, zu sehen.

Lette-Verein

Zu Beginn der Ausstellung ist Breslauers „Gehilfenstück“, ihre Examensarbeit „Das Porträt, Berlin 1929“ zur Gehilfenprüfung am Lette-Verein, Berlin, zu sehen.

Eher surrealistisch ist das Foto „Edgar Wallace“ von 1927/28 einzuordnen. Eine Szene im Spiegel, im Hintergrund ein Mann mit dem Rücken zur Kamera und im Vordergrund eine ins Bild ragende Hand (die der Fotografin?) geben Rätsel auf. Erwähnenswert ist auch ein Selbstporträt: Im offenen Bademantel neben der Kamera gibt sie zwar die Schönheit ihres Körpers preis, aber nicht ihre Identität

Paris

1929 und 1932 reiste Marianne Breslauer für längere Zeit nach Paris. Sie nahm von Man Ray den Rat an und fotografierte ganz nach ihrer Intuition und entdeckte die Unmittelbarkeit des Augenblicks. Sie fing die klassischen Paris-Themen ein: Straßenszenen, die Boulevards, die Clochards, den Jardin du Luxemburg, aber auch die mondäne Welt der Pferderennen.

In Paris hatte sie neben Man Ray auch Kontakt zu Martin Munkási und Georg Hoyningen-Huene und fotografierte sie. Auch von weiteren Prominenten, wie Erich Maria Remarque, Oskar Kokoschka und Paul Citroen finden sich Bilder, insbesondere von der „neuen“ Frau der 1920er Jahre, zu der Kurzhaarschnitt ebenso wie demonstrative Geste gehörten. Auf dem Bild „Défense d’afficher“ (Schriftzug auf der Mauer), das um 1936 in Paris entstanden ist, zündet sich eine Frau, obwohl damals verpönt, in aller Öffentlichkeit eine Zigarette an.

Berlin

Ein Block von sechs Fotos erzählt von einem Sommertag im Jahre 1934 in Sacrow bei Potsdam. Breslauer traf sich dort mit ihren Freundinnen im Garten des Sommerhauses der Kunsthistorikerin Grete Ring. Die Freundinnen scherzen und rauchen und räkeln sich beim Sonnenbad auf der Liegewiese.

Palästina

Die 21jährige Marianne Breslauer war auf Einladung ihrer Jugendfreundin Djemilla Nord, der Tochter des ersten deutschen Generalkonsuls, zu deren Hochzeit zwei Monate nach Palästina gereist. Das Porträt der bildhübschen „Djemila”, Jerusalem 1931 ist eines ihrer schönsten und bekanntesten Porträts der Fotografin.

Breslauer fühlte sich in die Märchenwelt aus Tausend und einer Nacht versetzt. In ihren Fotos ist zu spüren, dass sie vom orientalischen Leben, das sich auf den Straßen und in den Gassen der Städte abspielte und von der Andersartigkeit der Menschen, denen sie in der kargen Landschaft begegnete, beeindruckt war.

Spanien

Eine Freundin von Breslauer war die androgyne Schweizer Autorin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach. Mit deren Porträt hätte sie auch einen jungen Mann darstellen können. Breslauer bezeichnete sie als „das schönste Lebewesen, dem ich je begegnet bin“.

Mit Annemarie Schwarzenbach unternahm sie eine Reise nach Spanien. Sie wollten darüber mit Text und Bild berichten. Beide Frauen trafen im Frühling 1933 im Auftrag der Berliner Agentur Academia in Südfrankreich ein, von wo aus sie mit Schwarzenbachs weißem Mercedes “ durch Spanien fuhren. Es entstanden eindrückliche Aufnahmen, die von den kulturellen Besonderheiten des Landes erzählen, den Eigenarten seiner Bewohner und immer wieder Annemarie Schwarzenbach und ihr Auto zeigen.

Amsterdam

Eine der schönsten und stimmungsvollsten Nicht-Porträtaufnahmen hat Breslauer 1932 in Amsterdam gemacht: Aufgehängte Wäsche flattert auf einem Schiff in einer der zahlreichen Grachten im Morgenlicht. In Amsterdam, der Stadt in die sie vor den Nazis flüchtete, heiratete sie 1936 den Kunsthändler Walter Feilchenfeldt. Sie lebten dort bis 1939. Anschließend emigrierten beide in die Schweiz.

Die Kunsthändlerin

Das Fotografieren gab Marianne Breslauer 1937 auf und widmete sich, zusammen mit ihrem Mann, auch in der Schweiz dem Kunsthandel. Als 1953 ihr Mann in Zürich starb, übernahm sie das Geschäft und arbeitete als Marianne Feilchenfeldt von 1966 bis 1990 gemeinsam mit ihrem Sohn Walter zusammen. 1999 hat Marianne Breslauer in Berlin den Hannah-Höch-Preis erhalten. Sie starb im Alter von 92 Jahren am 7. Januar 2001 in Zürich.

www.berlinischegalerie.de

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