Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Friedhelm Denkeler

»Ein Hafen, der keiner mehr ist – der Urbanhafen«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010
»Ein Hafen, der keiner mehr ist – der Urbanhafen«, Foto © Friedhelm Denkeler 2010

»In den Wasserstraßen von Berlin« müsste der heutige Artikel eigentlich heißen, denn das abgebildete, verwahrloste Theaterschiff liegt in dem Teil des Landwehrkanals in Kreuzberg, der früher einmal ein Binnenhafen war – der Urbanhafen. Heute ist er bis auf ein kleines schmales Becken zurückgebaut und auf den ehemaligen Hafenanlagen steht das Urban-Krankenhaus.

Der Bau des Hafens erfolgte in den 1890er Jahren gegenüber der Einmündung des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals, der den Landwehrkanal auf kurzem Weg nach Norden über den Wassertorplatz, Oranienplatz und das Engelbecken mit der Spree verband. Die Grünanlagen auf beiden Seiten des Hafens und des Landwehrkanals laden heute zu Spaziergängen ein. Für eine Rast bietet sich das seit über 20 Jahren im Hafen vor Anker liegende Restaurantschiff »Van Loon« an.

Anmerkung zur Kategorie »In den Straßen von Berlin«

Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Erste Bilder waren 2013 in der Ausstellung »Friedhelm Denkeler – Photographien« im Katharinenhof am Preußenpark, Berlin, zu sehen. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2023 geplant.

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1952 – Rudi Schuricke: »Florentinische Nächte«.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

Im Jahr 1952 gab es bei uns zu Hause keinen Plattenspieler, ein Fernsehgerät sowieso nicht und wann das erste Radio zum Haushalt gehörte ist nicht überliefert. Das Lied »Florentinische Nächte« steht für mich jedenfalls als echter Schlager für die 1950er Jahre. Auch heute noch mag ich diesen Song mit der tollen Stimme von Rudi Schuricke und der melancholische gedämpften Freude nach dem überstandenen Krieg. Es ist eine angenehme Erinnerung an meine Kindheit. Die weiteren Schlager »Capri-Fischer« und »O mia bella Napoli» von Rudi Schuricke (*1913, †1973) aus den 1950er Jahren sind mir ebenfalls in Erinnerung geblieben.

Viele Gegenstände aus der Kindheit (aber auch spätere) sind heute nicht mehr vorhanden. Dadurch kann man die Erinnerung an sie auch nicht so einfach abrufen und deshalb ist es schade, dass hauptsächlich nur im Urlaub, bei Festen und in der Natur fotografiert wurde. Wer hat schon in seinem Fundus Fotos von seiner Kindheitswohnung, von Spielzeugen oder den Schulbüchern. Das habe auch ich schmerzlich bei der Zusammenstellung der Photographien für meine neunteilige Serie »Erinnerungen – Ein Leben in Bildern» vermisst.

»Rudi Schuricke in den 1950er Jahren« ### »Selbst vor einer Baustelle», 1950, Archiv © Friedhelm Denkeler
»Rudi Schuricke in den 1950er Jahren« ### »Selbst vor einer Baustelle», 1950, Archiv © Friedhelm Denkeler

In diesem Zusammenhang spielt auch die Musik eine große Rolle. Meine Zusammenstellung »Siebzig Jahre – Siebzig Songs« der Jahre 1946 bis 2016 steht für individuelle Lebenserinnerungen. Musikstücke, die mit persönlichen Erinnerungen besetzt sind, haben eine ähnliche Bedeutung als wie Marcel Prousts »Madeleine«, das berühmte, in Tee getauchte Gebäckstück aus »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«. Bei der Musik ist es heutzutage relativ einfach, die entsprechenden Songs anzuhören, wenn die Schallplatten oder Musikbänder nicht mehr da sind, denn auf YouTube findet man praktisch alles.

Natürlich stehen auch persönliche Erinnerungen ohne äußere Anlässe zur Verfügung. 1952 wohnten wir im ersten Stock in Varl 2004 in Westfalen, die sehr hohe, steile Treppe im Flur war mit einem Kindergatter geschützt. Der Flurbereich war unser bevorzugter Spielplatz, so kam, wie es kommen musste, ich öffnete das Gatter und spielte auf den Treppenstufen. Diese Aktion blieb mir in Erinnerung, denn die Narbe am rechten Auge ist heute noch zu sehen.

Songtext 1952 – Rudi Schuricke: »Florentinische Nächte«  

Florentinische Nächte,
ihr bleibt mir im Gedächtnis
als das große Vermächtnis
einer Reise ins Glück.
Ein poetischer Tango,
den ein Mädel gesungen,
ist mir damals erklungenals die schönste Musik.Und ich frug, wer sie ist
Rafaela hieß sie;
und sie hat mich geküßt,
ich vergesse sie nie.
Florentinische Nächte,
du Italia bella,
und auch du, Rafaela,
komm‘ noch einmal zurück!

Ich seh‘ im Geist die Schenke vor mir,
hör‘ den Gesang bei offener Tür,
und trete ein und du singst tief dich in mein Herz hinein.

Ich küss‘ im Geist dein nachtschwarzes Haar,
und deiner Augen trauriges Paar,
und durch die Adern strömt mein Blut
wie schwerer roter Wein.
Florentinische Nächte,
ihr bleibt mir im Gedächtnis
als das große Vermächtnis einer Reise ins Glück.
Ein poetischer Tango,
den ein Mädel gesungen,
ist mir damals erklungen
als die schönste Musik.
Und ich frug wer sie ist:
Rafaela hieß sie
und sie hat mich geküßt,
ich vergesse sie nie
Florentinische Nächte, du Italia bella,
und auch du Rafaela
komm‘ noch einmal zurück!
O komm‘ zurück! O komm‘ zurück!

Anmerkung zur Kategorie »Rock-Archiv»

Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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»Im Speisesaal des Olympischen Dorfes», Elstal bei Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2009
»Im Speisesaal des Olympischen Dorfes», Elstal bei Berlin

Vor 84 Jahren, im Sommer 1936, fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt. Das Olympische Dorf wurde vor den Toren Berlins, im Elstal errichtet. Wie es in dem ehemaligen Speisehaus ausgesehen haben könnte, zeigt diese Rekonstruktion, wobei die Weingläser keinen Fauxpas bedeuten. Selbstverständlich wurde den italienischen Sportlern zu ihren Pasta-Gerichten Rotwein kredenzt. In dem dreistöckigen Bogenhaus reihten sich 40 Säle mit 40 Küchen für die einzelnen Nationen aneinander. Das unter Denkmalschutz stehende Olympische Dorf an der Bundesstraße 5 kann zur Zeit nicht besichtigt werden.

»Denkzeichen Georg Elser in der Wilhelmstraße«, Foto © Friedhelm Denkeler 2012
»Denkzeichen Georg Elser in der Wilhelmstraße«, Foto © Friedhelm Denkeler 2012

(…) dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. [Georg Elser im Gestapo-Verhör am 21. November 1939]

Am 8. November 1939 versuchte Georg Elser mit einer selbstgebauten Bombe Hitler, Göring und Goebbels im Bürgerbräukeller in München zu töten. Da sie den Versammlungssaal früher als geplant verließen, verfehlte sie die Explosion. Nach jahrelanger Haft wurde Georg Elser 1945 im Konzentrationslager Dachau umgebracht. Seit einem Jahr erinnert nun ein Denkzeichen des Bildhauers Ulrich Klages über den Baumkronen in der Wilhelmstraße/ Ecke An der Kolonnade an Georg Elser.

Hier stand im ehemaligen Regierungsviertel bis zum Kriegsende Hitlers Neue Reichskanzlei. Die 17 Meter hohe Silhouette aus Stahl, die das Profil von Georg Elser aufweist, ist auch in der Nacht gut zu sehen; sie leuchtet beidseitig in der Dunkelheit. Die beiden Zitate sind als Leuchtstreifen in den Gehweg auf beiden Seiten der Straße in den Bürgersteig eingelassen. Der Wettbewerb um ein Denkmal für Georg Elser ging vom Schriftsteller Rolf Hochhuth aus. Georg Elser wird nun, 70 Jahre nach seinem Versuch Adolf Hitler zu töten, mit diesem Denkzeichen geehrt.

Ich habe den Krieg verhindern wollen. [Georg Elser, Ende November 1939]

Anmerkung zur Kategorie »In den Straßen von Berlin«

Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Erste Bilder waren 2013 in der Ausstellung »Friedhelm Denkeler – Photographien« im Katharinenhof am Preußenpark, Berlin, zu sehen. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2023 geplant.

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1951 – Jackie Brenston and his Delta Cats: »Rocket 88«.

»Rocket 88« – eine der ersten Rock ’n’ Roll-Aufnahmen.

»Plakate zum Konzert von Jackie Brenston«
»Plakate zum Konzert von Jackie Brenston«, Foto/ Collage © Denkeler 2016

Der US-amerikanische Rhythm-and-Blues-Musiker Jackie Brenston (*1927, †1979) hatte nur einen einzigen Hit »Rocket 88«, dafür gilt dieser als eine der ersten Rock’n’Roll-Aufnahmen. Die Band trat zunächst als Ike Turner und Kings of Rhythm auf. Der Text des Liedes und die Komposition stammen aber von Jackie Brenston.

Der Song handelt von Mädchen, Alkohol und Autos. Dabei diente Brenston der »Cadillac Boogie« von Jimmy Liggins als Vorbild. Er ersetzte den Cadillac, einen Wagen der Oberklasse, durch den Oldsmobile 88, ein kurz zuvor neu vorgestelltes, sportliches Fahrzeug mit Achtzylindermotor, das in der Werbung den Beinamen »Rocket« erhalten hatte. Brenston bestätigte später ausdrücklich, er habe den Cadillac Boogie kopiert.

Hörenswert ist Ike Turners Piano-Intro, das Jahre später Little Richard unverändert in »Good Golly Miss Molly« übernommen hat. Erwähnenswert ist auch der verzerrte Klang der Gitarre, der hier zum erstmal verwendet wurde. Er war durch Zufall durch den schadhaften Gitarrenverstärker entstanden. Der ungewöhnliche Klang wurde später künstlich mit der Fuzzbox erzeugt.


Im Film »Nowhere Boy«, 2009, ein Film über John Lennons Jugendjahre, wächst Lennon bei Mimi, der Schwester seiner Mutter auf. Eines Tages trifft John jedoch seine Mutter Julia. Diese lebenslustige Frau führt John in die aufregende Welt des Rock ’n‘ Roll ein. Bei einem Ausflug nach Blackpool tanzt er mit ihr vor einer Musikbox nach »Rocket 88« von Jackie Brenston.

1951 – Jackie Bengston: »Rocket 88« 
(Unten: Aufnahmeort von Rocket “88” in Memphis, Tennessee, bekannt als “Sun Studios”), Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler
1951 – Jackie Bengston: »Rocket 88« 
(Unten: Aufnahmeort von Rocket “88” in Memphis, Tennessee, bekannt als “Sun Studios”), Fotos/Collage © Friedhelm Denkeler

Songtext »Jackie Brenston and his Delta Cats: »Rocket 88«

You woman have heard of jalopies
You heard the noise they make
Let me introduce you to my Rocket ’88
Yes, it’s great, just won’t wait
Everybody likes my Rocket ’88
Baby, we’ll will ride in style movin‘ all along

V-8 motor and this modern design
Black convertible top and the girls don’t mind
Sportin‘ with me, ridin‘ all around town for joy
Blow your horn, rocket, blow your horn

Step in my rocket and don’t be late
We’re pullin‘ out about a half past eight
Goin‘ on the corner and havin‘ some fun
Takin‘ my rocket on a long, hot run
Ooh, goin‘ out, oozin‘ and cruisin‘ and havin‘ fun

Now that you’ve ridden in my Rocket ’88
I’ll be around every night about eight
You know it’s great, don’t be late
Everybody likes my Rocket ’88
Girls will ride in style, movin‘ all along

Werbeanzeige Oldsmobile »Rocket 88«, Quelle: Internet
Werbeanzeige Oldsmobile »Rocket 88«, Quelle: Internet

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Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs«.

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»Menschen am Hauptbahnhof«, Foto © Friedhelm Denkeler 2009
»Menschen am Hauptbahnhof«, Foto © Friedhelm Denkeler 2009

Der neue Berliner Hauptbahnhof wurde nach der Wende auf dem Gelände des ehemaligen Lehrter Stadtbahnhofs von 1995 bis 2006 gebaut. Er ist der größte Turmbahnhof Europas mit fünf Verteilerebenen; betrieblich handelt es sich um einen Kreuzungsbahnhof. Streit gab es um das gekürzte Glasdach – in der jetzigen Form lässt sich die Dynamik des schwungvollen Entwurfs von Meinhard von Gerkan nur erahnen.

Der Hauptbahnhof wurde als erstes Bauwerk in dem neuen Lehrter Stadtquartier errichtet. Nach und nach sollen um den Bahnhof herum weitere Gebäude, vorwiegend Hotels, entstehen. Die ersten Bauten lassen aber, wie das bereits gebaute Hotel Meininger, nichts Gutes erwarten – die Diktatur des Marktes eben.

Zum 20-jährigen Mauerfall erzählte im Oktober 2009 an drei Tagen die französische Theatergruppe Compagnie Royal De Luxe auf den Straßen von Berlin das Einheitsmärchen »Die Riesen kommen – ein Märchen für Berlin« mit der Geschichte vom Großen Riesen und seiner Nichte, der Kleinen Riesin, die sich nach langer Trennung am Brandenburger Tor wieder finden. Das Foto zeigt die Zuschauer am dritten Tag des Umzugs vor dem Hauptbahnhof.

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Die work in progress-Serie »In den Straßen von Berlin« besteht aus großformatigen Farb-Fotos aus dem Nach-Wende-Berlin. Die Photographien zeigen den Wandel des Stadtbildes seit dem Jahr 2000: Abriss des Palastes der Republik und neue Hotels, hauptsächlich im Ost-Teil der Stadt, Bautätigkeiten im alten Westen, das Tempelhofer Feld, das seit 2008 als Flugbahn ausgedient hat, Touristenströme am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, am Hauptbahnhof und im Lustgarten in Mitte. Erste Bilder waren 2013 in der Ausstellung »Friedhelm Denkeler – Photographien« im Katharinenhof am Preußenpark, Berlin, zu sehen. Das Portfolio wird laufend ergänzt. Ein Künstlerbuch ist für 2023 geplant.

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