Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Friedhelm Denkeler

»ad sorores Ⅲ – Von Grazien, Victorien und Flachreliefs« (2). Neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

»Die freudig auf den Sieger zueilende Viktoria« (Christian Daniel Rauch, Walhalla, Donaustauf/ bei Regensburg), Foto © Friedhelm Denkeler 1991
»Die freudig auf den Sieger zueilende Viktoria« (Christian Daniel Rauch, Walhalla, Donaustauf/ bei Regensburg), Foto © Friedhelm Denkeler 1991

Victoria ist die vergöttlichte Personifikation des Sieges (lateinisch victoria) in der römischen Mythologie, Schutzgöttin des römischen Kaisers und jungfräuliche Hüterin des Reiches. Sie ist die Entsprechung der griechischen Göttin Nike. Dargestellt wurde sie häufig fliegend und mit einem Lorbeerkranz als Siegessymbol in der Rechten. Ausschlaggebend für eine gewisse Invasion an sogenannten »Flügelwesen«, war das Jahr 1814. Die preußischen Truppen brachten 1814 neben dem Sieg gegen Napoleon auch die von ihm geraubte Victoria des Brandenburger Tores nach Berlin zurück, woraufhin sie sich als Friedens- und Siegesgöttin zunehmender Beliebtheit erfreute.

Der Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777– 1857) schuf einen ganzen Zyklus mit sechs Victorien für die Walhalla in Donaustauf (bei Regensburg). Sie gelten als sein Hauptwerk und dementsprechend nehmen sie in meinem Portfolio einen wichtigen Platz ein: »Die freudig auf den Sieger zueilende Victoria«, «Die kranzwerfende Victoria«, »Die kranzverteilende Victoria«, »Die trauernde Victoria«, »Die abwägende Victoria« und »Die sich selbst krönende Victoria». Sie entstanden zwischen 1830 und 1842.

»Die kranzwerfende Viktoria« (Christian Daniel Rauch, Walhalla, Donaustauf/ bei Regensburg), Foto © Friedhelm Denkeler 1991
»Die kranzwerfende Viktoria« (Christian Daniel Rauch, Walhalla, Donaustauf/ bei Regensburg), Foto © Friedhelm Denkeler 1991

Um das Jahr 1990 habe ich von Werken der Bildhauerkunst an verschiedenen Orten in Schleswig, Neustrelitz, Fehrbellin, Eberswalde, Donaustauf, Wien, Rhodos, Potsdam und Berlin Lichtbilder produziert. Die Bildwerke habe ich in die drei Kapitel Grazien, Victorien und Flachreliefs eingeteilt, wobei die Victorien von Christian Daniel Rauch in der Walhalla bei Regensburg die Hauptrolle spielten.

Das gesamte Portfolio besteht aus 76 Photographien 30 x 45 cm. Die Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 84 Seiten im Format 30×30 cm erschienen (2019). Auf meiner Website »Lichtbilder« wird das Portfolio »ad sorores Ⅲ – Von Grazien, Victorien und Flachreliefs« ausführlicher vorgestellt.

»ad sorores Ⅲ – Von Grazien, Victorien und Flachreliefs« (1). Neues Portfolio von Friedhelm Denkeler auf der Website “Lichtbilder

»ad sorores III« (Römische Antikensammlung 15. oder 16. Jahrhundert, heute: Pergamonmuseum Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 1997
»ad sorores III« (Römische Antikensammlung 15. oder 16. Jahrhundert, heute: Pergamonmuseum Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 1997

Gegensätzliche Dinge liegen in der Wirklichkeit manchmal so nahe beieinander, dass ihre bildliche Darstellung zweideutig wird und die Fachleute merkwürdige Schlussfolgerungen daraus ziehen lässt. Das ist bei dem Flachrelief ad sorores III, das ich als Titel für das gesamte Portfolio gewählt habe, der Fall. Dargestellt werden drei Frauenfiguren, die in dieser Dreierkonstellation gemeinhin »Drei Grazien« genannt werden. Handelt es sich bei der Gruppe, die ich im Pergamonmuseum aufgestöbert habe, nun um ein Grabrelief oder um ein Kneipenschild? Das Relief ist wahrscheinlich aus einer römischen Antikensammlung des 15. oder 16. Jahrhundert in der Sammlung von Friedrich III. in Berlin, wie auch immer, gelandet.

War die Inschrift »ad sorores III« von Anfang an auf der Tafel? Oder, wie man vermutet, kam sie als spätere Ergänzung hinzu? Wurde der vierte Strich noch später hinzugefügt (er ist nur schwach ausgeprägt), weil er für die Verwendung als Wirtshausschild »Zu den vier Schwestern« benötigt wurde? Auf meinem Bild sind nur drei Striche zu sehen, deshalb bleibe ich bei »ad sorores III« (denn römisch vier schreibt man bekanntlich: IV). Die Drei Grazien sind in der römischen Mythologie die Töchter des Zeus und der Eurynome und heißen Euphrosyne (die »Frohsinnige«), Thalia (die »Blühende«) und Aglaia (die »Strahlende«).

Weitere Grazien habe ich im Schlosspark Neustrelitz und in der Gipsformerei in Berlin gefunden. Und in Wien war eine Athena mit der Friedensgöttin und die »Allegorie auf die Vergänglichkeit« zu finden. Natürlich darf bei den Grazien auch nicht die »Prinzessinnengruppe Luise und Friederike« von Schadow der Alten Nationalgalerie Berlin fehlen. Eines der bekanntesten Gemälde mit dem Sujet „Die Drei Grazien“ ist von Raffael.

»Luisentempel« (1891, Schlosspark Neustrelitz, Sarkophag mit der darauf ruhenden Gestalt der Königin, Christian Daniel Rauch), Foto © Friedhelm Denkeler 1991
»Luisentempel« (1891, Schlosspark Neustrelitz, Sarkophag mit der darauf ruhenden Gestalt der Königin, Christian Daniel Rauch), Foto © Friedhelm Denkeler 1991

Im Jahr 1991 habe ich von Werken der Bildhauerkunst an verschiedenen Orten in Schleswig, Neustrelitz, Fehrbellin, Eberswalde, Donaustauf, Wien, Rhodos, Potsdam und Berlin Lichtbilder produziert. Die Bildwerke habe ich in die drei Kapitel Grazien, Victorien und Flachreliefs eingeteilt, wobei die Victorien von Christian Daniel Rauch in der Walhalla bei Regensburg die Hauptrolle spielten.

Das gesamte Portfolio besteht aus 76 Photographien 30 x 45 cm. Die Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 84 Seiten im Format 30×30 cm erschienen (2019). Auf meiner Website »Lichtbilder« wird das Portfolio »ad sorores Ⅲ – Von Grazien, Victorien und Flachreliefs« ausführlicher vorgestellt.

1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«

Der Jump-Blues-Song »Caldonia« von Louis Jordan

Mein Rock-Archiv beginnt im Jahr 1946. Es war nicht einfach, aus diesem Jahr einen Song zu finden, denn die Geschichte des Rock ’n‘ Roll und damit der Rockmusik begann erst einige Jahre später. Aber es gibt den Blues, der viele Rockmusiker inspirierte und zu Cover-Versionen animierte. Und welcher Titel ist dazu besser geeignet als »(Get Your Kicks On) Route 66« vom »Nat King Cole Trio« aus dem Jahr 1946 und die Cover-Versionen von Chuck Berry, den Rolling Stones, Depeche Mode und Them. Ich mache daher Zeitsprünge von 1946, über 1961 und 1964 bis in das Jahr 1987.

Hinter jedem guten Song sollte eine Geschichte stehen. Der Komponist von »Route 66« Robert William Troup Jr. hatte die Idee zu diesem Song 1946 auf einer langen Fahrt auf der Route 66 nach Los Angeles, wahrscheinlich in einem amerikanischen Straßenkreuzer. Der ab 1926 gebaute, ursprünglich 4000 Kilometer lange Highway, steht für den amerikanischen Mythos von Freiheit und Abenteuer.

Die Route 66 war eine der ersten durchgehend befestigten Straße von Ost nach West, von Chicago nach Santa Monica. Heute sind nur noch Teilstücke der ›Mother Road‹ vorhanden. Und wo eröffnete 1940 das erste McDonald’s – natürlich an der Route 66 in San Bernardino (Kalifornien). Auch der Film ›Easy Rider‹ spielte 1969 teilweise auf der damals schon legendären Strecke.

Der Rhythm & Blues-Song »Route 66« wurde am 15. März 1946 von Nat ›King‹ Cole aufgenommen und erreichte die US-R&B- und die Pop-Chart. Er wurde zum bekanntesten Song des Nat King Cole Trios. Ich habe ihn, soweit ich mich erinnere, erst 1961 durch Chuck Berry oder 1964 durch die Version von den Rolling Stones kennengelernt (vielleicht war es auch umgekehrt).

1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, Foto & Collage © Friedhelm Denkeler
1946 – Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, Foto & Collage © Friedhelm Denkeler

Charles Edward Anderson ›Chuck‹ Berry (*1926, †2017) kann man als Pionier des Rock ’n‘ Roll betrachten. Er war der Erfinder des Duck-Walk. Seine Version von »Route 66« stammt aus dem Jahr 1961. Vorbilder waren Nat King Cole und Muddy Waters. Mit »Maybellene« hatte er 1955 seinen ersten Hit in den Billboard Charts. Weitere bekannte Hits von Berry sind »Roll Over Beethoven« (1956), »Rock and Roll Music« (1957), »Sweet Little Sixteen« (1958), »Johnny B. Goode« (1958) und »My Ding-a-ling« (1972).

»Route 66« ist ebenfalls der erste Track auf dem ersten Studio-Album der Rolling Stones (britische Fassung) aus dem Jahr 1964. Im Song werden die folgenden Orte, in denen sich schon einige ›Kicks‹ ergeben würden, erwähnt: St. Louis (Missouri), Joplin (Missouri), Oklahoma City (Oklahoma), Amarillo (Texas), Gallup (New Mexico), Flagstaff (Arizona), Winona (Arizona), Kingman (Arizona), Barstow (Kalifornien) und San Bernardino (Kalifornien).

Logo der »Route 66«
Logo der »Route 66«

Die englische Band »Depeche Mode« wurde 1980 gegründet und hat seitdem dreizehn Studioalben aufgenommen und 52 Singles veröffentlicht. Sie wurde eine der erfolgreichsten Synthie-Pop-Bands der Welt und hat nicht nur bei den Metal-Fans Anhänger. Angeblich soll es über hundert Cover-Versionen von »Route 66« geben und damit wird das Lied zum meistgecoverten Roadsong. Zum Schluss möchte ich noch eine Version von Van Morrisson und seiner Band »Them« aus ihrem ersten Album »The Angry Young Them« aus dem Jahr 1965 erwähnen.

Für den Neubeginn Ende der 1940er Jahre steht heute für mich das wundervolle Video aus meinem Geburtsjahr 1946 mit dem Jump Blues Song »Caldonia« von Louis Jordan. Der Jump ist eine schnelle Spielart des Blues, die vor allem in den 1940er-Jahren in den USA populär war. Charakteristisch ist die von den Big Bands übernommene Instrumentierung mit Blechbläsern in einem treibenden Rhythmus.

Well if you ever plan to motor west
Just take my way it’s the highway that’s the best
Get your kicks on Route 66/ Well it winds from Chicago to L.A.
More than 2000 miles all the way/ Get your kicks on Route 66

Well it goes from St Louis, down to Missouri
Oklahoma city looks oh so pretty
You’ll see Amarillo and Gallup, New Mexico
Flagstaff, Arizona don’t forget Winona
Kingsman, Barstaw, San Bernadino
Would you get hip to this kindly trip/ And take that California trip
Get your kick on Route 66

It goes from St. Louis, down to Missouri
Oklahoma city looks oh so pretty
You’ll see Amarillo and Gallup, New Mexico
Flagstaff, Arizona don’t forget Winona
Kingsman, Barstaw, San Bernadino
Would you get hip to this kindly trip
Take that California trip/ Get your kicks on Route 66
Get your kicks on Route 66
And I’ll meet you on Route 62
Get your kicks on Route 66

[Nat King Cole: »(Get Your Kicks On) Route 66«, 1946]

Alle im Text erwähnten Songs sind als Video oder Audio auf den bekannten Musik-Portalen wie YouTube, Vimeo, etc. zu finden. Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem geplanten Künstlerbuch »Siebzig Jahre – Siebzig Songs».

Nach meinem abgeschlossenen Projekt »Im Wedding« habe ich 1979 den Autobahnbau zwischen Tempelhof und Neukölln für eine Zeit fotografisch begleitet. Die Aufnahmen entstanden zwischen den heutigen Anschlussstellen Tempelhofer Damm und Oberlandstraße, entlang des ehemaligen Flughafens Tempelhof.  Geplant war ursprünglich, diesen Teil der A 100 vom Tempelhofer Kreuz als Hochstrecke bis nach Neukölln auszuführen.  Alle Anschlussstellen waren bereits fertig gestellt. Um den Ortsteil Britz nicht in zwei Teile spalten zu müssen, wurden die Planungen später geändert und der Ortsteil stattdessen mit einem Tunnel von 1,7 Kilometer Länge unterquert.

»Die Hängung des Tempelhofer Kreuzes‹ im ›Atelier André Kirchner‹ im Januar/Februar 2020«
»Die Hängung des Tempelhofer Kreuzes‹ im ›Atelier André Kirchner‹ im Januar/Februar 2020«, Fotos/ Collage © Friedhelm Denkeler 2020 (Foto vergrößern)

Ein Teil der Bauten an der Gottlieb-Dunkel-Straße/ Ecke Tempelhofer Weg, die auf meinen Photographien zu sehen sind, wurden deshalb wieder rückgebaut. Das gesamte Portfolio besteht aus 74 Photographien 30 x 45 cm. Die Bilder sind auch als gedrucktes Künstlerbuch mit 96 Seiten im Format 29,7 × 21,0  cm erschienen. (2019). Die Aufnahmen entstanden vor 40 Jahren im Berliner Bezirk Tempelhof.

Das Portfolio war erstmals öffentlich in einer Auswahl von 22 Photographien in der Einzel-Ausstellung »Tempelhofer Kreuz – Autobahn im Märkischen Sand« im »Atelier André Kirchner« in der Grunewaldstraße 15, 10523 Berlin, 2020, zu sehen.

Das Tempelhofer Kreuz (8) wurde auf Sand gebaut

Aus dem Portfolio »Tempelhofer Kreuz – Eine Autobahn im Märkischen Sand«, Foto © Friedhelm Denkeler 1978
Aus dem Portfolio »Tempelhofer Kreuz – Eine Autobahn im Märkischen Sand«, Foto © Friedhelm Denkeler 1978

Mit dem Slogan der 1968er Protestjahre »Unter dem Pflaster liegt der Strand« war die Hoffnung verbunden, die eingefahrenen Strukturen der Gesellschaft und der Stadt freizulegen. Aber viel früher schon verspotteten die süddeutschen Fürsten des »Heiligen Römischen Reiches« das sandige und unfruchtbare Land Brandenburg als »Märkische Streusandbüchse«.

Woher kommt eigentlich dieser Berliner Sand? Die Gletscher der Eiszeit und später die abfließenden Wassermassen brachten den Sand aus Skandinavien in die Märkische Region. Wie man damals auf die Idee kam in dieser Sandwüste, in der nur Bäume und Gras wuchsen, eine Stadt zu gründen, war schon bemerkenswert.

Der geologisch eher junge Boden bestand nun aus unter Moränenschutt und Geschiebemergel unter Druck zerriebenem und ausgewaschenem Sand. Er wurde unterbrochen von zahlreichen Morasten, die von den Nebenarmen der Spree gespeist wurden. Das Land glich eher einer Wüste und je nach Windrichtung entstanden verschiedene Hügel aus dem Flugsand.

In der Hauptstadt ist heute nichts mehr von der eigentlich märkischen Natur zu sehen und in der Umgebung von Berlin wiederum nichts von einer Großstadtstimmung zu spüren. Nur bei großen Bauvorhaben, wie dem Bau des geplanten Tempelhofer Autobahn-Kreuzes oder des Humboldt-Forums tritt er noch zutage: der märkische Sand. Und unter diesem ist das Tempelhofer Kreuz dann wieder begraben worden.

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