Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Christian Petzold: »Undine» mit Paula Beer als Undine, Jacob Matschenz als Johannes und Franz Rogowski als Christoph

»Delphi-Filmpalast: coronagerechte Verteilung der Zuschauer«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020
»Delphi-Palast: coronagerechte Verteilung der Zuschauer«, Foto © Friedhelm Denkeler 2020

In der Mythologie gehört die Meerjungfrau Undine zu den halbgöttlichen Elementargeistern. Sie lebt gewöhnlich in Waldseen oder Wasserfällen. Sie bekommt erst dann eine Seele, wenn sie sich mit einem Menschen vermählt. Einem untreuen Gatten bringt sie allerdings den Tod und sie selber muss ins Wasser zurückkehren, aus dem sie einst gerufen wurde. Anders als die Sagenfigur wehrt sich im Film Undine gegen den Fluch. Sie verliebt sich in Christoph, einem Industrietaucher (!), der in den Talsperren im Sauerland Unterwasserturbinen repariert. Gibt es zum Schluss einen weiteren Toten oder kehrt Undine ins Wasser zurück? Das sollte der Leser selber herausfinden und auf jeden Fall mal wieder ins Kino gehen, um die brachliegende Kinowirtschaft zu unterstützen und mit »Undine« eine zeitgenössische Verfilmung eines alten Mythos zu erleben.

Delphi-Filmpalast mit »Undine« von Christian Petzold, Foto © Friedhelm Denkeler 2020

Nachdem die Lichtspieltheater nach dem Lockdown Mitte März im Juli wieder öffnen durften, geht unsere Kino- Abstinenz erstmal zu Ende. Aber so einfach ist das nicht mehr, zunächst einmal braucht man eine Yorck-Kino-App, die lief auf meinem ›alten‹ Smartphone nicht; also musste nach fünf Jahren ein neues her. Die App zu installieren ging noch zügig, aber die vorhandenen Daten mit der Jahreskarte vom Yorck-Kino zu übernehmen machte schon mehr Schwierigkeiten. Dann ging alles schnell: zwei nummerierte Lieblingsplätze gebucht, QR-Code enthalten, im Kino vorgezeigt und gemeinsam mit 22 Besuchern in einem Saal mit 784 Plätzen, also in vorbildlichem Abstand verteilt, das Öffnen des roten Vorhangs erwartend.

Welchen Film haben wir nun gesehen? Es war »Undine« von Christian Petzold. Die Uraufführung fand bereits am 23.02.2020 während der Internationalen Filmfestspiele in Berlin statt, dann aber kam der Lockdown. Das Warten hat sich gelohnt. Wir sahen einen ausgezeichneten Film mit Paula Beer als Undine; die für ihre Rolle auf der Berlinale einen Silbernen Bären erhielt. Undine arbeitet als Stadtführerin in Berlin und lebt in einem kleinen, unpersönlichen Apartment. Hinter ihrem gewöhnlichen Leben verbirgt sich aber ein schwerwiegendes Geheimnis. Als sie von ihrem Freund Johannes wegen einer anderen Frau verlassen wird, holt der Fluch sie ein.

»Paula Beer als Undine«, Foto © Friedhelm Denkeler
»Paula Beer als Undine«, Foto © Friedhelm Denkeler