Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monatsarchive: März 2018

Heute im Theater O-TonArt in Schöneberg

Einladung zur Besichtigung des Portfolios „Second Hand Model“
von 18 bis 19.30 Uhr

"20. Januar 2007", aus der Serie "20. Januar 2007", aus der Serie "Second Hand Model" – Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über 4 Jahre”, Foto © Friedhelm Denkeler 2007

„20. Januar 2007“, aus der Serie „Second Hand Model“ –
Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über vier Jahre”,
Foto © Friedhelm Denkeler 2007

Die Werke sind vom 9. März bis zum 4. Juni 2018 im Foyer des “Theaters O-TonArt” in der Kulmer Straße 20a, 10783 Berlin-Schöneberg, erstmalig öffentlich zu sehen. Die Ausstellungsräume sind immer an den Spieltagen eine Stunde vor Beginn der Vorstellung geöffnet (siehe www.o-tonart.de). Der Künstler ist heute von 18 bis 19.30 Uhr anwesend.

Einen ausführlichen Artikel zum “Second Hand Model” finden sie hier.

Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über 4 Jahre

Ausstellung „Second-Hand-Model“ im “Theater O-TonArt” in Schöneberg. Einladung zur Besichtigung am 24. März 2018 von 18 bis 19.30 Uhr

"9. Oktober 2006", aus der Serie "Second Hand Model – Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über 4 Jahre”, Foto © Friedhelm Denkeler 2006

„9. Oktober 2006“, aus der Serie „Second Hand Model
Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über 4 Jahre”,
Foto © Friedhelm Denkeler 2006

Die Serie “Second-Hand-Model” passt ideal in ein Theater mit seinem Kostümfundus und der Lust der Schauspieler am Verkleiden. Die Besucher werden den Aufführungen entsprechend, ihren Teil dazu beitragen. Mit dem letzten Bild, der unbekleideten Schaufensterpuppe im Juni 2007 wurde der Verkauf des Geschäftes annonciert. Es bekam neue Inhaber, aber nie wieder wurde das Model so geschmackvoll, erotisch und phantasievoll eingekleidet wie in den vier Jahren meiner Aufnahmesession.

Die Werke sind vom 9. März bis zum 4. Juni 2018 im Foyer des “Theaters O-TonArt” in der Kulmer Straße 20a, 10783 Berlin-Schöneberg, erstmalig öffentlich zu sehen. Die Ausstellungsräume sind immer an den Spieltagen eine Stunde vor Beginn der Vorstellung geöffnet (siehe www.o-tonart.de). Der Künstler ist am 24. März 2018 von 18 bis 19.30 Uhr anwesend.

Einen ausführlichen Artikel zum „Second Hand Model“ finden sie hier.

Second-Hand-Model

Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über vier Jahre
Ausstellung im „Theater O-TonArt“ in Berlin Schöneberg

Einladung zur Besichtigung am 15. und 24. März 2018 von 18 bis 19.30 Uhr

Wir sind im „Theater O-TonArt“. Während André Fischer auf der großen Bühne in dem Solo-Stück „Maman und Ich“ 32 verschiedene Rollen in zwei Stunden spielt, findet auf der kleinen Bühne, im Foyer, eine „One-Woman-Performance-Show“ statt. Zwischen dem 5. Januar 2003 und dem 13. Juni 2007 habe ich mit meiner ersten Digital-Kamera an 52 Tagen die Schaufensterpuppe im Second-Hand-Geschäft ET CETERA in der Berlinickestraße am Eingang zum S-Bahnhof Rathaus Steglitz fotografiert.

Nach meinen früheren Schwarzweiß-Bildern gab es nun einen Rausch an Farben, prächtiger Mode und Accessoires. Eine wahre Performance entfaltete sich entsprechend der Jahreszeiten und Festtage: Zu Weihnachten z.B. bekam das Model Engelsflügel oder trug ein T-Shirt mit der Heiligen Madonna. Wöchentlich dekorierte die Inhaberin ihre Schaufensterpuppe neu. Kleidung, Perücken, Brillen, Hüte, Ketten, Handtaschen und Gürtel wechselte sie, je nach ihrer Lust und Laune. Die schöne „Unbekannte“ in den Jugendstil-Einbauten des Geschäfts wurde zu einer vertrauten, aber geheimnisvollen Nachbarin, die die Neugier erweckt hatte und an der ich nicht einfach vorbei gehen konnte.

"5. Januar 2003", aus der Serie "Second Hand Model – Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über vier Jahre", Foto © Friedhelm Denkeler 2003

„5. Januar 2003“, aus der Serie „Second Hand Model
Eine One-Woman-Performance in 52 Rollen über 4 Jahre“
Foto © Friedhelm Denkeler 2003

Modepüppchen, Schaufensterpuppe oder Mannequin genannte Figuren entstanden um 1850 in Paris. Schneidereien stellten in ihren Schaufenstern eigene Entwürfe an kopflosen Schneiderpuppen zur Schau, um Kunden anzulocken. Im Bereich der Bildenden Kunst sind maßstabsgetreue, bewegliche Glieder- oder Gelenkpuppen seit der Antike bekannt. Sie werden verstärkt mit Beginn der Renaissance in Italien um 1500 von Bildhauern und Malern eingesetzt.

Proportionslehre und Bewegungsstudien bestimmten den Tenor der Zeit und nicht jeder Künstler konnte sich ein lebendes Modell leisten. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Zeit der großen Warenhäuser mit entsprechenden Fensterfronten, die je nach Jahres- oder Festzeit mit lebensgroßen Schaufensterpuppen dekoriert wurden. Der „Schaufensterbummel“ war erfunden und die Modepuppen wurden immer realistischer dargestellt. Identifikation, Präsentation, Träumerei und Verführung zum Kauf vereinen sich noch heute in ihnen.

Obwohl die Aufnahmeperspektive fast immer gleich war, spiegelte sich in der Schaufensterscheibe des Geschäfts die Umgebung des S-Bahnhofs Steglitz. Je nach Tageszeit, im vollen Sonnenlicht oder am Abend mit Blitzlicht, sieht man auf den Bildern mal die Mülltonen, die später hinter einer spanischen Wand versteckt waren, mal die Werbung eines Frisiersalons, wildes Plakatieren, zerkratzte Schaufensterscheiben, die Graffitis und das Straßenpflaster mit den beiden Gullydeckeln direkt vor dem Laden.

Die Serie „Second-Hand-Model“ passt ideal in ein Theater mit seinem Kostümfundus und der Lust der Schauspieler am Verkleiden. Die Besucher werden den Aufführungen entsprechend, ihren Teil dazu beitragen. Mit dem letzten Bild, der unbekleideten Schaufensterpuppe im Juni 2007 wurde der Verkauf des Geschäftes annonciert. Es bekam neue Inhaber, aber nie wieder wurde das Model so geschmackvoll, erotisch und phantasievoll eingekleidet wie in den vier Jahren meiner Aufnahmesession.

Die Werke sind vom 9. März bis zum 4. Juni 2018 im Foyer des „Theaters O-TonArt“ in der Kulmer Straße 20a, 10783 Berlin-Schöneberg, erstmalig öffentlich zu sehen. Die Ausstellungsräume sind immer an den Spieltagen eine Stunde vor Beginn der Vorstellung geöffnet (siehe www.o-tonart.de). Der Künstler ist am 15. und 24. März 2018 von 18 bis 19.30 Uhr anwesend.

Beuys‘ Ende des 20. Jahrhunderts?

Joseph Beuys: "Das Ende des 20. Jahrhunderts", 1982-1983 (Ausschnitt), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Joseph Beuys: „Das Ende des 20. Jahrhunderts“, 1982-1983 (Ausschnitt), Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Die Basaltstelen, die Joseph Beuys aus einem erloschenen Vulkan in Nordhessen abtragen ließ, stehen für den Ursprung und die Evolution der Menschheit, deren Zukunft und Geschichte, zu der auch der bewusste Eingriff des Menschen in die Natur gehört. Beuys bohrte kegelförmige Formen aus dem Basalt und setzte sie, zu ‚Heilung‘ der Verletzung mit Filz und Ton ummantelt, zurück in die Löcher. Die Anordnung auf Paletten, Vierkanthölzern und einem Hubwagen, den er als Gerät des Weitertransports seiner Idee von Veränderung auffasste, suggeriert Bewegung.

Damit verweist Beuys auf den Menschen als handelndes Wesen, das in der Lage ist, jenen utopischen Ort zu erreichen, an dem die Erstarrung sich in lebendige Beziehungen auflöst, sich das Denken wieder mit der Natur versöhnt. Die Skulptur mag auf den ersten Blick wie ein dunkles Sinnzeichen des Fin de Siècle erscheinen. Doch sie richtet sich in ihrer aktionistischen Intention gegen jeden endzeitlich gestimmten Pessimismus.

[F. C. Flick Collection, Text: Ausstellungsheft/ Ausstellungsbeschreibung „moving is in every direction. Environments – Installationen – Narrative Räume“, Hamburger Bahnhof Berlin, 2017]

Eine Liebeserklärung an die Mecklenburgische Schweiz

"Bei Wendischhagen/ Glasow", aus der Serie "Mecklenburgische-Schweiz", Foto © Siebrand Rehberg, 2008

„Bei Wendischhagen/ Glasow“, aus der Serie „Mecklenburgische-Schweiz“, Foto © Siebrand Rehberg, 2008

Ich spürte eine Weite, fast möchte ich sagen, ein transzendenter Blick ließ mich die Kamera halten. Viele traumartige Bilder, Metaphern kamen beim Betrachten der Landschaft hoch. [Siebrand Rehberg]

Siebrand Rehberg fotografierte in den 1970er Jahren, wie sein Lehrer Michael Schmidt, zunächst überwiegend in seinem Wohnbezirk Berlin-Kreuzberg. Im Gegensatz zu Schmidts damaligen Stadtlandschaften, bewegte er sich auf der Straße zwischen den Menschen und hielt diese einfühlsam in seinen Fotografien fest. Zwischendurch zog es den in Friesland Großgewordenen auch immer wieder aufs Land, nach der Wende insbesondere in die Mecklenburgische Schweiz. Rehbergs Vater stammte aus Teterow. So haben seine fotografischen Erkundungen auch stets etwas mit der Suche nach den Familienwurzeln zu tun.

Ein Jahrzehnt lang hat Rehberg die von der Eiszeit geformte Landschaft dokumentiert. Entstanden ist bei seinen fotografischen Streifzügen über die Jahre und durch die Jahreszeiten eine Liebeserklärung an die Mecklenburgische Schweiz. „Über allem liegt eine Stille und Ruhe, die sich wie ein Kokon ausbreitet. Und das suggeriert, was sonst nicht möglich scheint, eine Sinnsuche und Einkehr der anderen Art, die Hoffnung auf ein Ankommen im Jetzt frei nach den Versen der Schriftstellerin Ricarda Huch: ‚Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es Gott, Ewigkeit oder Liebe‘.“ [Erik Steffen im Buch zur Ausstellung]

"Bei Waldschmidt", aus der Serie "Mecklenburgische-Schweiz", Foto © Siebrand Rehberg, 2003

„Bei Waldschmidt“, aus der Serie „Mecklenburgische-Schweiz“, Foto © Siebrand Rehberg, 2003

Rehberg zeigt menschenleere Landschaften, die nur von der Natur, nicht vom Menschen, geprägt sind. Fast vergisst man, dass es ja letztendlich doch ein Mensch sein musste, der hinter der Kamera auf den Auslöser drückte. Die eingefangenen poetischen Stimmungen erinnern an die romantischen Motive des englischen Malers William Turner (aber weniger abstrakt). Als Lichtquelle hat er oft das morgendliche oder abendliche Sonnen- und Gegenlicht gewählt.

Zusammen mit seinen wolkenverhangenen Bildern ergibt sich eine paradiesische Ideallandschaft, die sich bis zu einem in weiter Ferne erscheinenden Horizont erstreckt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Aufnahmen am Malchiner See im Regen und bei Nebel. Die einzigartige, fast magische Atmosphäre, die Rehberg einfühlsam eingefangen hat, ist allein der Natur mit all ihren wundersamen Erscheinungen zu verdanken. Es brauchte keine dekorativen Arrangements, nur der fotografische Blick zählt.

Noch bis zum 6. Juni 2018 ist das Portfolio „Mecklenburgische Schweiz“ im Rathaus der Bergringstadt Teterow am Marktplatz 1-3 in 17166 Teterow zu sehen. Das dazugehörige Buch ist in einer signierten und limitierten Auflage von 500 Exemplaren mit einem signierten Originalabzug (21×26 cm, nummeriert von 1 bis 500) im Buchhandel für 150 Euro erhältlich (exklusiv bei der Buchhandlung Steffen in Teterow für die Dauer der Ausstellung 80 Euro).

"Bei Teterow/ Teterower Becken", aus der Serie "Mecklenburgische Schweiz", Foto © Siebrand Rehberg, 2006

„Bei Teterow/ Teterower Becken“, aus der Serie „Mecklenburgische Schweiz“, Foto © Siebrand Rehberg, 2006

Siebrand Rehberg, geb. 1943 in Aurich, lebt seit fast 50 Jahren als freier Fotograf in Berlin-Kreuzberg. In den 1970er Jahren hat er als Pressefotograf für die großen Magazine gearbeitet. Danach hat er sich der Angewandten Fotografie zugewendet: Architektur, Interieur- und Stadtansichtsfotografie. Bekannt wurde er in den letzten Jahren durch seine Fotobücher ‚Signale des Aufbruchs“ (Nicolai Verlag) und „West-Berlin 1972–1977“ (ConferencePoint Verlag), die ihn als einen wichtigen Chronisten der Berliner Stadtentwicklung ausweisen. Siehe auch die Artikel „Kreuzberg wie es einmal war …“ und „Auf der Suche nach den verschwundenen Cibachromes„.

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