Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Oktober 2017

Ein Spiegel, der sich abwendet

Mit Kamera und Hand den “Nonfacial Mirror” überlisten

"Nonfacial Mirror", Shinseungback Kinyonghun (KOR), Drive (VW Forum), "Ars Electronica", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Nonfacial Mirror”, Shinseungback Kinyonghun (KOR), Drive (VW Forum), “Ars Electronica”,
Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Ein Spiegel, der sich abwendet? Stimmt, Nonfacial Mirror meidet Gesichter. Es hat etwas Ironisches, dass man sein Gesicht nur ansehen kann, wenn man es in ein Nicht-Gesicht verwandelt. Um sich selbst im Spiegel betrachten zu können, muss man das eigene Gesicht bedecken oder unkenntlich machen, so dass es nicht vom Gesichtserkennungsalgorithmus erfasst werden kann. Es erinnert einen daran, dass man als Mensch immer über sein eigenes Menschsein hinausdenken muss, um sich von der künstlichen Intelligenz abzuheben. Und es stellt sich die Frage: Was ist wahrer – das was wir sehen, oder das, was die Maschine für uns sieht?

[Drive Volkswagen Group Forum, Friedrichstraße 84, Text: Ausstellungsflyer "Ars Electronica ", Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 2017]

Unter dem Wellen-Pflaster liegt der Strand von Rio

"Oleta River State Recreation Area, Miami, Florida", 1982, Konzept (Ausschnitt) von Roberto Burle Marx, Kunsthalle by Deutsche Bank, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Oleta River State Recreation Area, Miami, Florida”, 1982, Konzept (Ausschnitt) von Roberto Burle Marx,
Kunsthalle by Deutsche Bank, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

In Brasilien wird der Künstler und Landschaftsarchitekt Roberto Burle Marx (1909-1994) als einer der Wegbereiter der heimischen Moderne verehrt. Seine Entwürfe für die Gestaltung der Hauptstadt Brasilia und vor allem für Rio de Janeiro prägen das Gesicht dieser Städte: insbesondere die weltberühmte, wellenförmige Pflasterung der Avenida Atlântica (1970) an der Copacabana. Die Ausstellung “Roberto Burle Marx: Tropische Moderne” in der KunstHalle by Deutsche Bank, Unter den Linden 13 in Berlin, ist bereits zu Ende gegangen.

"Oleta River State Recreation Area, Miami, Florida", 1982, Konzept (Ausschnitt) von Roberto Burle Marx, Kunsthalle by Deutsche Bank, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Oleta River State Recreation Area, Miami, Florida”, 1982, Konzept (Ausschnitt) von Roberto Burle Marx,
Kunsthalle by Deutsche Bank, Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Haben sie hier keine Socken?“

Ein Mann befindet sich im Erdgeschoss der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz. Er fragt eine Verkäuferin: “Sagen Sie mal, haben sie hier keine Socken?“ Die Verkäuferin erklärt ihm: “Keine Socken haben wir im dritten Stock, hier gibt es keine Schuhe!”

"Nach Kategorien sortierte Socken", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Nach Kategorien sortierte Socken”, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Interferenzen

Bodypainting auf der “Ars Electronica”

“Wer bist Du? Bist Du Mensch oder Bot? Für uns, die Generation Smartphone, ist die Möglichkeit; immer und überall online sein zu können, ein wichtiger Bestandteil unserer Persönlichkeit. Auch wenn wir oft nicht wissen, mit wem wir da kommunizieren, wir stellen uns zumindest ein menschliches Wesen vor. Unsere Vorstellungskraft ist es auch, die uns hilft, dass wir uns in einer mehr oder weniger immateriellen Welt zurechtfinden können. Die Arbeit “Body Paint” behandelt Körperlichkeit in einer Welt vernetzter Informationsgeräte. Durch die Aufhebung der Grenzen zwischen menschlichem Körper und Bildschirm, die beide dieselbe Farbe haben, stiftet die abgebildete Person Zweideutigkeit und Verwirrung und stellt in Frage, ob das Individuum auf dem Bildschirm Mensch oder doch nur eine Annäherung, eine möglich Abbildung ist.” [Quelle: Ausstellungsflyer "Ars Electronica "]

"Interferenzen", Body Paint (Serie) von Exonemo (JP), Drive (VW Forum), "Ars Electronica", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Interferenzen”, Body Paint (Serie) von Exonemo (JP), Drive (VW Forum), “Ars Electronica”, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

In der Physik versteht man unter Interferenz die Überlagerung beim Zusammentreffen zweier oder mehrerer Wellenzüge. Wenn bei bilderzeugenden Rasterverfahren, Beispiel Digital-Kamera, das Objekt bereits gerastert ist (Pixelbild, Bildschirm) entsteht der Moiré-Effekt (von marmorieren). Er bezeichnet ein grobes Raster, das aufgrund der Überlagerung von regelmäßigen, feineren Rastern entsteht. Das sich ergebende Muster ist den Mustern aus Interferenzen ähnlich ist. Dieser Effekt auf meinem Foto ist also nicht auf dem Original in der Ausstellung vorhanden, sondern schafft hier eine weitere Dimension des Werkes durch das Fotografieren. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Oktober 2017 im Forum Drive der Volkswagen Group, Friedrichstraße 84, zu sehen.

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