Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: August 2017

Wie Daten klingen …

"Cloud 2017", Christina Kubisch (DE), Drive (VW Forum, "Ars Electronica", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

“Cloud 2017″, Christina Kubisch (DE), Drive (VW Forum, “Ars Electronica”, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Wie klingen Daten? Wie unterschiedlich kann Strom überhaupt klingen? Das Wort Cloud bezieht sich auf den zunehmenden technologischen Prozess der Datenspeicherung. Die Klangquellen der Arbeit sind elektromagnetische Aufnahmen aus Rechenzentren, Server-Räumen und Umspannwerken. Cloud präsentiert sich uns als eine Klangskulptur, bestehend aus 1500 Meter langen Kupferkabeln. Das Publikum kann über eigens angefertigte elektromagnetische Kopfhörer in die versteckte Klangwelt eintauchen und kann durch seine Bewegung die Klänge in immer neuen Kombinationen entdecken und “mixen”.

[Drive Volkswagen Group Forum, Friedrichstraße 84, Text: Ausstellungsflyer “Ars Electronica “, Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 201, Interview mit Christina Kubisch]

Sonntagskaffee

"Kaffeepause vor der Sammlung Scharf-Gerstenberg", Foto © Friedhelm Denkeler 2011

“Kaffeepause vor der Sammlung Scharf-Gerstenberg”, Foto © Friedhelm Denkeler 2011

Wenn sich 450 Pinguine im Takt bewegen …

"Penguins Mirror", Daniel Rozin (ISR/ US), Drive (VW Forum), "Ars Electronica", Foto © Friedhelm Denkeler

“Penguins Mirror”, Daniel Rozin (ISR/ US), Drive (VW Forum), “Ars Electronica”, Foto © Friedhelm Denkeler

Pinguine sind einige der wenigen Tierarten, die sich auf zwei Beinen fortbewegen können. Man vermutet, dass dies ein Grund sein könnte, warum viele Menschen sich in den Vögeln selbst erkennen. Die Installation “Penguins Mirror” von Daniel Rozin scheint genau auf dem Moment des sich selbst Erkennens bzw. Reflektierens aufzubauen: Die Arbeit besteht aus 450 motorbetriebenen Plüsch-Pinguinen, die sich um die eigene Achse drehend am Boden präsentieren. Es entsteht ein anmutendes homogenes Bewegungssystem, ein Spiel mit den kompositorischen Möglichkeiten der Gegensätze Schwarz und Weiß, ausgelöst durch die Anwesenheit und Bewegungen der Betrachter.

[Drive Volkswagen Group Forum, Friedrichstraße 84, Text: Ausstellungsflyer “Ars Electronica “, Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 2017, Video auf YouTube]

Schmetterlingsgarten

"Schmetterlingsgarten ohne Schmetterlinge", (Documenta 13: Kristina Buch), Foto © Friedhelm Denkeler 2012

“Schmetterlingsgarten ohne Schmetterlinge”, (Documenta 13: Kristina Buch),
Foto © Friedhelm Denkeler 2012

Ein sich selbst zersetzendes Stillleben

Urs Fischer: "ohne Titel", (Ausstellung "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia" Hamburger Bahnhof), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Urs Fischer: “ohne Titel”, (Ausstellung “Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia” Hamburger Bahnhof),
Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Die sich auf die Tradition der Vanitas-Malerei beziehende Plastik verbindet zwei reale Obsthälften zu einer moribunden Einheit. Als eine Art Readymade aus Apfel und Birne baumelt sie einladend von der Decke herab, als wäre sie im Begriff, von einem imaginären, unsichtbaren Baum zu fallen. Im Prozess ihrer organischen Zersetzung nähern sich beide Fruchthälften immer mehr an. Urs Fischers zwischen Leben und Tod schwebende Skulptur führt die Kurzlebigkeit in Echtzeit vor, die im klassischen Stillleben nur angedeutet wird.

[Nationalgalerie, Staatliche Museen Berlin, Flick Collection, Text: Ausstellungsheft "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin]

Andy Warhol und die Schaufensterpuppe

Gebrüder Weber: "Weilbliche Schaufenster-Wachsbüste", Berlin 1900-1930 (Ausstellung "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia" Hamburger Bahnhof), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Gebrüder Weber: “Weibliche Schaufenster-Wachsbüste”, Berlin 1900-1930,
Ausstellung “Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia”,
Hamburger Bahnhof Berlin, Foto © Friedhelm Denkeler 2016

“Wenn man darüber nachdenkt”, sinnierte Andy Warhol, “sind Warenhäuser irgendwie wie Museen.” Im frühen 20. Jahrhundert wurde das Auslagenfenster zu einer eigenständischen Form der Massenunterhaltung. In visuell aufregende Ware gekleidet, sollten die Schaufensterpuppen in den Ausstellungsräumen des Handels die Blicke auf sich ziehen. Das Schaufenster hat die Aufgabe, Begehren zu wecken, es verspricht, dass das Ausgestellte leicht und schnell zu haben und durch seinen Besitz ideale Schönheit zu erlangen sei.

[Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen Berlin, Text: Ausstellungsheft "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin]

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