Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Monats-Archive: Juli 2017

Camouflage

"Camouflage" (Stadtverschönerung in Potsdam), Foto © Friedhelm Denkeler 2014

“Camouflage” (Stadtverschönerung in Potsdam), Foto © Friedhelm Denkeler 2014

Rosemaries Gewohnheitstier

Rosemarie Trockel: "Gewohnheitstier 3", 1990, (Ausstellung "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Rosemarie Trockel: “Gewohnheitstier 3″, 1990, (Ausstellung “Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia”,
Hamburger Bahnhof Berlin), Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Rosemarie Trockel hat ein Auge für das Gewöhnliche, für Dinge wie Wolle und Herdplatten. Dieses Interesse am Alltäglichen gilt auch Tieren oder Getier, zum Beispiel Motten, für die sie einmal ein Kaschmirhaus entwarf. Trockels Kunst zeigt gern die ambivalente Beziehung zwischen Tier und Mensch. Für ihre Serie Gewohnheitstiere fertigte sie Bronzeabgüsse verschiedener Tier wie Reh oder Hund. Unter einem “Gewohnheitstier” versteht man üblicherweise eine Person mit unumstößlichen Gewohnheiten, ein Charakterzug, der gewöhnlich Tieren nachgesagt wird.

[Nationalgalerie, Staatliche Museen Berlin, Text: Ausstellungsheft "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin]

Ein Geldstein von den Yap-Inseln

Geldstein", Yap-Inseln/Karolinen, (Ausstellung "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin) Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Geldstein”, Yap-Inseln/Karolinen, (Ausstellung “Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia”, Hamburger Bahnhof Berlin)
Foto © Friedhelm Denkeler 2016

Rai oder Steingeld ist ein Zahlungsmittel der zu Mikronesien gehörigen Yap-Inseln. Die Durchmesser der Steinscheiben variieren von wenigen Zentimetern bis zu über vier Metern. Der Wert eines Rai-Steins beruht aber nicht nur auf Größe und Gewicht, sondern auch auf seiner Material- und Fertigungsqualität sowie seiner Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts kurbelten deutsche Kolonialherren mithilfe des Steingelds die Produktion von Kopra (getrocknetem Kokosnussfleisch) an. Es gelang ihnen, einige Häuptlinge – und mit Ihnen deren Dörfer – zu Schuldnern zu machen. Die Schulden wurden in Form von Kopra zurückgezahlt.

[Ethnologisches Museum, Staatliche Museen Berlin, Text: Ausstellungsheft "Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopia", Hamburger Bahnhof Berlin]

Das pralle Leben – Ein Amerikaner in Paris

“William Klein – Photographs & Films” bei C/O Berlin (bis 7. Juli 2017)

Die Fotografie ist nur eine Verlängerung dessen, was wir fühlen, wenn wir Menschen, Landschaften und Situationen sehen. [William Klein]

Eröffnung "William Klein – Photographs & Films", C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Eröffnung “William Klein – Photographs & Films”, C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Der 89-jährige Amerikaner William Klein war zur Eröffnung seiner Retrospektive bei C/O Berlin aus Paris, wo er seit 1948 lebt, angereist. Für ihn ist eine Ausstellung auch Gespräch mit sich selbst, denn es gibt Dinge, die man vergisst und durch Fotos wieder daran erinnert wird. Legendär sind seine in den fünfziger Jahren in New York entstandenen Bilder geworden: subjektiv, intuitiv und mit unerwarteten Perspektiven. Die Stadt von Coca Cola, großen Autos und blinkenden Reklametafeln. Das Buch “New York 1954-1955″ mit dem Untertitel “Life is Good and Good for You is New York: Trance Witness Revels” zeigt die Stadt als einen dunklen, rauen und bedrückenden Ort. So ist der Titel eher eine ambivalente Empfehlung. Später folgten dann Bücher mit Fotos aus Rom (1956), Moskau (1959-1961) und Tokyo (1961).

Der Tagesspiegel schrieb “Klein ist für seine schockartige Schwarz-Weiß-Fotografie berühmt, für das Draufhalten der Kamera auf Menschen in weniger als einer Armlänge Entfernung. Oder besser gesagt: Nähe. Nicht der moment décisif eines Cartier-Bresson ist Kleins Methode und Ziel, sondern die chaotische Fülle des Augenblicks, das pralle Leben und seine Situationskomik.” Systematisch wie ein Sammler hat August Sander im “Antlitz der Zeit” eine Serie von repräsentativen Portraits quer durch alle Berufs- und Bevölkerungsschichten geschaffen. William Klein dagegen hat seine weitwinkelbestückte Kamera in die Menge “geworfen”; in dieser anonymen Masse werden individuelle Typen für einen Augenblick wie ein “Porträt” sichtbar.

Eröffnung "William Klein – Photographs & Films", C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Eröffnung “William Klein – Photographs & Films”, C/O Berlin, 28. April 2017, Foto © Friedhelm Denkeler 2017

William Klein wird 1928 in New York als Sohn immigrierter ungarischer Juden geboren. Nach einem Studium der Soziologie und dem Militärdienst reist er 1947 als GI nach Europa und macht Paris zu seinen Lebensmittelpunkt. Er beginnt eine Lehre im Atelier von Fernand Léger und stellt Anfang der 1950er-Jahre erstmals abstrakte geometrische Gemälde aus. Gleichzeitig beginnt er, sich für Fotografie und Film zu interessieren. Er führt ein fotografisches Tagebuch und arbeitet mit Federico Fellini, Pier Paolo Pasolini und Louis Malle an Filmprojekten. Bis 1965 ist er als Modefotograf für die Vogue tätig. Die Titel seiner Fotobücher wie New York 1956, Rom, 1959, Moskau, 1964, In & Out of Fashion, 1994, Close Up, 1989, Paris + Klein, 2002, sind zu festen Bestandteilen der Nachkriegsgeschichte der internationalen Fotografie geworden. Daneben entstehen über 20 Spiel- und Dokumentarfilme.

Kinderreim

"Kinderreim" (Das Eisen verlor den Nagel …), Foto & Grafik © Friedhelm Denkeler, 2014

“Kinderreim” (Das Eisen verlor den Nagel …), Foto & Grafik © Friedhelm Denkeler, 2014

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