Berichte aus Berlin zu Photographie und Kunst

Die Nachtaktiven

Die Geschichte in der Geschichte: „Nocturnal Animals“
von Tom Ford mit Amy Adams und Jake Gyllenhaal

Nachts wirken alle Statussymbole seelenlos: In seinem zweiten Film porträtiert Modeschöpfer Tom Ford eine innerlich leere Galeristin, die vom Roman ihres Ex erschüttert wird – erwartbar formvollendet inszeniert und voller vielschichtiger Drastik. [kunst+film]

Schon die Eingangssequenz hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Sehr beleibte Damen mit Rubensfiguren springen nackend umher, der Blick weitet sich und wir sehen die „dünnen“ Damen der Kunstszene auf einer Vernissage. Doch die Galeristin Susan Morrow (Amy Adams) kann das alles, einschließlich ihres Luxus-Hauses und ihres „Schönlings“, nicht genießen. Da schickt Ex-Mann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal) ihr seinen ersten Roman, der Susan gewidmet ist, zu. Der Roman heißt so wie der Film „Nocturnal Animals“. Susan beginnt das Manuskript zu lesen.

"Selbst auf drei Ebenen" (Plakat zum Film "Nocturnal Animals" von Tom Ford),  aus der Serie "Schatten und Spiegel", Foto © Friedhelm Denkeler 2017

„Selbst auf drei Ebenen“ (Plakat zum Film „Nocturnal Animals“
von Tom Ford), aus der Serie „Schatten und Spiegel“,
Foto © Friedhelm Denkeler 2017

Und hier beginnt die Geschichte in der Geschichte: Sie handelt von der Geschichte des Familienvaters Tony Hastings (ebenfalls gespielt von Jake Gyllenhaal). Nachts, während einer Autofahrt, wird er von brutalen Schlägern von der Straße abgedrängt und muss zusehen wie seine Frau und Tochter entführt werden. Tony irrt durch die weite, wüstenähnliche, texanische Landschaft und findet am nächsten Tag Frau und Tochter vergewaltigt und ermordet in der Wüste vor; er schwört Rache. Die Rache bekommt Tony am Ende, aber um welchen Preis. „Das ist verdammt gut gemacht, klug und irgendwie gruselig zugleich.“ [kunst+film]

„Von jenem Moment an, an dem Susan das Manuskript aufschlägt, läuft Nocturnal Animals auf drei Handlungsebenen: Die eine ist die der Susan der Gegenwart, die in ihrem einsamen nächtlichen Haus sitzt, liest und zunehmend affiziert und abgestoßen zugleich ist. Auf der zweiten erinnert sie sich, immer dann, wenn sie die Lektüre unterbricht, an ihre Vergangenheit mit Edward, dem Verfasser des Romans. Die dritte, wirkungsmächtigste und imposanteste schließlich ist der Roman selbst, der als Film vor Susans innerem Auge abläuft.“ [DIE ZEIT]  [Trailer]

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